«Meine Natur» mit #bobmorlon

In jeder Ausgabe von «die umwelt» äussert sich in dieser Kolumne eine Persönlichkeit zum Thema «Meine Natur». Ausgabe 2/2019.  

#bobmorlon, mit bürgerlichem Namen Jean-Pierre Macherel, ist Gemeindeangestellter in Morlon (FR). Seit jeher gehen ihm Leute, die ihren Müll einfach liegen lassen, auf den Wecker. An einem Junimorgen im Jahr 2016 wandte er sich erstmals vom Ufer des Lac de la Gruyère an die Öffentlichkeit. Seine Videobotschaft, in der er seinem Ärger freien Lauf liess, ging viral. Gute zwei Jahre und eine Reihe von Videos später hat sich doch einiges verändert: Beim morgendlichen Abfallsammeln füllt er nicht mehr einen Container von 800 Litern wie früher, sondern nur noch einen 20-Liter-Eimer.

Eines steht fest: Der Mensch hat das Recycling deutlich früher erfunden als den Müll. Das Fleisch der gejagten Beute wurde verzehrt, Felle und Knochen dienten als Kleidungsstücke und Werkzeuge. Diese ‹wiederverwerteten› Materialien bauten sich mehr oder weniger schnell komplett ab. Seither haben die moderne Chemie und Kunststoffe unser Leben von Grund auf verändert – und völlig neue Arten von Abfällen hervorgebracht.

Bis Ende der 1990er-Jahre wurden diese Abfälle grösstenteils vergraben. Niemand störte sich daran. Gigantische Müllhalden unter freiem Himmel waren so etwas wie Fast-Food-Restaurants für Tiere und fanden vor allem bei Vögeln regen Zuspruch.

40 Jahre und zahllose Studien später müssen wir uns eingestehen, dass die einst revolutionären Praktiken in Tat und Wahrheit ökologische Zeitbomben sind. Man denke nur an die Gewässerverschmutzung, an aussterbende Tierarten, an gesundheitliche Schäden usw.

Aber siehe da: Das kollektive Gedächtnis versagt, und niemand mag sich erinnern, wer die Abfälle verursacht und wer sie verscharrt hat! Deponien müssen saniert werden, Prozesse gegen Industriefirmen werden geführt, und manche Unternehmen werden sogar medial gelyncht. Das Trennen, Sammeln und Rezyklieren von Abfällen entwickelt sich zu einem lukrativen, aber äusserst anspruchsvollen Wirtschaftszweig. Was nicht wiederverwertet werden kann, wird Hightech-Öfen zugeführt und als Energierohstoff für die Wärme- und Stromerzeugung genutzt.

Immer mehr junge Menschen schreiben sich ökologische Anliegen auf die Fahne. Die ultra-vernetzte Welt von heute scheint den Umweltschützer in uns zu wecken. Jede und jeder möchte zum Wohl des Planeten beitragen. Das grösste Problem der Menschheit ist jedoch, dass Umweltschutz einen Effort verlangt, aber niemand seine Komfortzone verlassen mag.

Dabei gehen zuweilen ganz selbstverständliche Dinge vergessen. Um es auf den Punkt zu bringen: Wenn wir unseren Kindern nicht beibringen, ‹Guten Tag›, ‹Bitte› und ‹Danke› zu sagen, wie können wir dann von ihnen erwarten, dass sie im Alltag ihren gesunden Menschenverstand walten lassen? Da könnte man doch gleich Weltmeisterschaften im Getränkedosen-aus-dem-fahrenden-Auto-Werfen, Zigarettenstummel-in-den-Rinnstein-Schnippen oder Glasflaschen-auf-Picknickplätzen-Zertrümmern organisieren ...

Vielleicht schafft es ja die Figur #bobmorlon, eine Bewegung ins Leben zu rufen und in allen Städten und Dörfern, Schulen und öffentlichen Räumen Gleichgesinnte zu mobilisieren. Denn wie er so treffend sagt: Wir müssen nicht die Welt verändern, sondern unsere Gewohnheiten.

 

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Letzte Änderung 29.05.2019

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