Indikator Biodiversität

Rote Listen

Viele Tier-, Pflanzen-, Flechten- und Pilzarten kommen in der Schweiz nur noch in kleinen Beständen von wenigen Individuen vor, weil ihre Lebensräume zerstört, stark verändert, mit Schadstoffen belastet, voneinander getrennt oder gestört werden. Kleine Artenbestände haben ein erhöhtes Risiko auszusterben.

Rote Listen mit ihren abgestuften Gefährdungskategorien zeigen als wissenschaftliche Fachgutachten, inwiefern bisherige Anstrengungen zur Erhaltung der Artenvielfalt Erfolg hatten und für welche Arten besondere Schutz- und Fördermassnahmen notwendig sind.

Bewertung des Zustandes
schlecht schlecht
Bewertung der Entwicklung
unbefriedigend unbefriedigend
Nicht gefährdet Total: 54 Potenziell gefährdet Total: 10 Gefährdet Total: 33 In der Schweiz ausgestorben Total: 3 Nicht gefährdet Flechten und Pilze: 60 Potenziell gefährdet Flechten und Pilze: 7 Gefährdet Flechten und Pilze: 32 In der Schweiz ausgestorben Flechten und Pilze: 1 Nicht gefährdet Pflanzen: 54 Potenziell gefährdet Pflanzen: 16 Gefährdet Pflanzen: 29 In der Schweiz ausgestorben Pflanzen: 1 Nicht gefährdet Tiere: 46 Potenziell gefährdet Tiere: 13 Gefährdet Tiere: 36 In der Schweiz ausgestorben Tiere: 5
Referenz : bewertete einheimische Arten (n=10'844 Arten)

Daten zur Grafik: Excel
Quelle: Bundesamt für Umwelt
Ungenügende Datengrundlage TOTAL: 1 Nicht gefährdet TOTAL: 39 Potenziell gefährdet TOTAL: 13 Verletzlich TOTAL: 28 Stark gefährdet TOTAL: 13 Vom Verschwinden bedroht TOTAL: 7 Nicht gefährdet Krautsäume und Gebüsche: 64 Potenziell gefährdet Krautsäume und Gebüsche: 24 Verletzlich Krautsäume und Gebüsche: 8 Stark gefährdet Krautsäume und Gebüsche: 4 Ungenügende Datengrundlage Gesteinsfluren und Felsen: 6 Nicht gefährdet Gesteinsfluren und Felsen: 63 Potenziell gefährdet Gesteinsfluren und Felsen: 6 Verletzlich Gesteinsfluren und Felsen: 25 Nicht gefährdet Wälder: 59 Potenziell gefährdet Wälder: 3 Verletzlich Wälder: 21 Stark gefährdet Wälder: 12 Vom Verschwinden bedroht Wälder: 6 Nicht gefährdet Grünland: 37 Potenziell gefährdet Grünland: 20 Verletzlich Grünland: 37 Stark gefährdet Grünland: 3 Vom Verschwinden bedroht Grünland: 3 Nicht gefährdet Begleitvegetation der Kulturen: 38 Potenziell gefährdet Begleitvegetation der Kulturen: 8 Verletzlich Begleitvegetation der Kulturen: 23 Stark gefährdet Begleitvegetation der Kulturen: 15 Vom Verschwinden bedroht Begleitvegetation der Kulturen: 15 Nicht gefährdet Fliessgewässer: 9 Potenziell gefährdet Fliessgewässer: 36 Verletzlich Fliessgewässer: 9 Stark gefährdet Fliessgewässer: 9 Vom Verschwinden bedroht Fliessgewässer: 36 Nicht gefährdet Ruderale Pioniervegetation: 20 Potenziell gefährdet Ruderale Pioniervegetation: 10 Verletzlich Ruderale Pioniervegetation: 40 Stark gefährdet Ruderale Pioniervegetation: 30 Potenziell gefährdet Ufer und Feuchtgebiete: 10 Verletzlich Ufer und Feuchtgebiete: 45 Stark gefährdet Ufer und Feuchtgebiete: 35 Vom Verschwinden bedroht Ufer und Feuchtgebiete: 10 Verletzlich Stillgewässer: 63 Stark gefährdet Stillgewässer: 38
Anteile der Kategorien der Roten Liste für sämtliche Lebensräume (TOTAL) und nach Lebensraumtypen

Daten zur Grafik: Excel
Quelle: Delarze et al. 2016 im Auftrag des BAFU
Trend Gefässpflanzen 2016: 0.82 Trend Gefässpflanzen 2015: 0.8207 Trend Gefässpflanzen 2014: 0.8214 Trend Gefässpflanzen 2013: 0.8221 Trend Gefässpflanzen 2012: 0.8228 Trend Gefässpflanzen 2011: 0.8236 Trend Gefässpflanzen 2010: 0.8243 Trend Gefässpflanzen 2009: 0.825 Trend Gefässpflanzen 2008: 0.8257 Trend Gefässpflanzen 2007: 0.8264 Trend Gefässpflanzen 2006: 0.8271 Trend Gefässpflanzen 2005: 0.8278 Trend Gefässpflanzen 2004: 0.8286 Trend Gefässpflanzen 2003: 0.8293 Trend Brutvögel 2021: 0.742 Trend Brutvögel 2020: 0.742727272727273 Trend Brutvögel 2019: 0.743454545454546 Trend Brutvögel 2018: 0.744181818181818 Trend Brutvögel 2017: 0.744909090909091 Trend Brutvögel 2016: 0.745636363636364 Trend Brutvögel 2015: 0.746363636363637 Trend Brutvögel 2014: 0.747090909090909 Trend Brutvögel 2013: 0.747818181818182 Trend Brutvögel 2012: 0.748545454545455 Trend Brutvögel 2011: 0.749272727272727 Trend Brutvögel 2010: 0.75 Trend Brutvögel 2009: 0.751111111111112 Trend Brutvögel 2008: 0.752222222222223 Trend Brutvögel 2007: 0.753333333333334 Trend Brutvögel 2006: 0.754444444444445 Trend Brutvögel 2005: 0.755555555555556 Trend Brutvögel 2004: 0.756666666666667 Trend Brutvögel 2003: 0.757777777777778 Trend Brutvögel 2002: 0.758888888888889 Trend Brutvögel 2001: 0.76 Gefässpflanzen 2016: 0.82 Gefässpflanzen 2002: 0.83 Brutvögel 2021: 0.742 Brutvögel 2010: 0.75 Brutvögel 2001: 0.76
Interpretation des Rote-Liste-Index (RLI): 0 bedeutet, dass sämtliche Arten der betrachteten Gruppe ausgestorben sind; 1 bedeutet, dass keine einzige Art der Gruppe vom Aussterben bedroht ist.

Daten zur Grafik: Excel
Quelle: BAFU
Kommentar

Bis heute wurde ein Fünftel der rund 56 000 bekannten Arten für die Roten Listen bewertet. Davon sind 36 % gefährdet oder ausgestorben (siehe Grafik "Arten"). Dieser Anteil liegt deutlich über dem Durchschnitt der OECD-Länder. Jede vier und vierzigste in der Schweiz ehemals heimische Art ist hierzulande bereits ausgestorben.

Von den 167 in der Schweiz vorkommenden Lebensraumtypen stehen 48 % (79 mehr oder weniger natürliche Lebensräume) auf der Roten Liste der natürlichen Lebensräume. Die aquatischen und die Moorlebensräume sowie die Agrarlebensräume sind am stärksten gefährdet (siehe Grafik "Natürliche Lebensräume").

Der hohe Anteil gefährdeter Arten und natürlicher Lebensräume belegt, dass die Artenvielfalt weiterhin unter Druck steht. Deshalb wird der Zustand als negativ bewertet.

Die Entwicklung lässt sich nur bei Artengruppen beobachten, für die eine revidierte Rote Liste vorliegt. Dies trifft zu für Gefässpflanzen und Brutvögel (siehe Grafik "Entwicklung"). In beiden Fällen hat sich der Gefährdungsgrad wenig verändert oder hat sich die Situation sogar verschlechtert. 2016 ging aus dem RLI für Gefässpflanzen hervor, dass 82 % der Gefässpflanzenarten in naher Zukunft wahrscheinlich nicht aussterben werden. 2002 lag dieser Anteil bei 83 %. Der Gefährdungsgrad der Gefässpflanzen in der Schweiz hat sich somit leicht verschlechtert. Bei den Brutvögeln ist die Entwicklung vergleichbar, allerdings ist ihr Gefährdungsgrad höher. Die Entwicklung wird daher als unbefriedigend beurteilt.

Die Hauptgründe für diese Entwicklung sind der Verlust und die Verschlechterung der Lebensräume (Änderungen der Bewirtschaftung und ihrer Intensität, Verlust von Gehölzen, Säumen und anderen Kleinstrukturen, Störungen des Wasserhaushalts, chemische und physikalische Verschmutzungen, Nutzungsaufgabe, Zerstörung der Vegetationsdecke).

Internationaler Vergleich

Seit 2000 werden für jede nationale Rote Liste die Gefährdungskategorien und Einstufungskriterien gemäss Richtlinien der Weltnaturschutzunion (IUCN) verwendet.

Methode

In der Schweiz existieren seit gut 30 Jahren Rote Listen. Die Einstufung der Gefährdung basiert auf Kriterien, die für die Aussterbewahrscheinlichkeit massgebend sind. Ein Beispiel: Je kleiner und fragmentierter das von einer bestimmten Art besiedelte Gebiet ist, desto rascher gehen die Bestände zurück und desto höher ist der Gefährdungsgrad der betreffenden Art.

Da diese Bewertungen landesweite, mehrjährige Feldkampagnen erfordern, kann der Gefährdungsstatus nur in relativ grossen Zeitabständen (je nach Artengruppe 10–20 Jahre) aktualisiert werden. Die Entwicklung des Gefährdungsgrades lässt sich nur messen, wenn zwei Rote Liste vorliegen, die nach denselben Kriterien bewertet wurden. Der Rote-Liste-Index (RLI) der IUCN fasst sämtliche Veränderungen zusammen, die sich bei der Revision einer Roten Liste ergeben. Er wird anhand der Methode nach Butchart et al. 2007 und Bubb et al. 2009 ermittelt.

Grundlage für die Bewertung der Entwicklung
Angestrebte Entwicklung Anfangswert Endwert Veränderung in % Beobachtete Entwicklung Beurteilung
Zunahme (1) 2001, (2) 2002 (1) 2010, (2) 2016 (1) -1.32%, (2) -1.20% (1) Stabilisierung, (2) Stabilisierung unbefriedigend
(1) Brutvögel, (2) Gefässpflanzen
 
Zuletzt aktualisiert am: 16.12.2022

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