Indikator Biodiversität

Invasive gebietsfremde Arten

Als «gebietsfremd» werden Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen bezeichnet, die durch menschliche Tätigkeiten in Lebensräume ausserhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets eingebracht werden. Die Einbringung durch den Menschen kann sowohl absichtlich («einführen») als auch unabsichtlich («einschleppen») erfolgen. Als «invasiv» oder «potenziell invasiv» werden gebietsfremde Arten bezeichnet, von denen bekannt ist bzw. angenommen werden muss, dass sie durch ihre Ausbreitung in der Schweiz die biologische Vielfalt, Ökosystemleistungen und deren nachhaltige Nutzung beeinträchtigen oder Mensch und Umwelt gefährden können.

Invasive Arten tragen weltweit zum Rückgang der Biodiversität bei und sind gemäss IUCN der zweitwichtigste Grund für den Artenrückgang, gleich nach der Zerstörung von Lebensräumen. Die Zunahme gebietsfremder Arten ist auf die Intensivierung des globalen Handels- und Reiseverkehrs zurückzuführen.

Bewertung des Zustandes
schlecht schlecht
Bewertung der Entwicklung
negativ negativ
Potenziell invasive gebietsfremde Arten (Watch List)* 2014: 17 Invasive gebietsfremde Arten (Black List)* 2014: 41 Potenziell invasive gebietsfremde Arten (Watch List)* 2013: 22 Invasive gebietsfremde Arten (Black List)* 2013: 23 Potenziell invasive gebietsfremde Arten (Watch List)* 2006: 28 Invasive gebietsfremde Arten (Black List)* 2006: 20
* Zur Zeit liegen Angaben nur für Pflanzen vor

Daten zur Grafik: Excel
Quelle: Infoflora
Kommentar

Von den 825 in der Schweiz etablierten gebietsfremden Arten (Pflanzen, Tiere, Pilze) gelten 107 als invasiv. Ihre Zahl ist in den untersuchten Fällen während der vergangenen Jahrzehnte kontinuierlich gestiegen. So umfasst die Schwarze Liste der invasiven gebietsfremden Pflanzen 41 Arten und hat sich somit seit 2006 verdoppelt. Gleichzeitig ist die Zahl der potenziell invasiven Arten (Watch List) zurückgegangen. Für diese Entwicklung gibt es zwei Gründe: Zum einen wurden Arten, die 2006 in der Schweiz noch nicht vorkamen, in die aktuelle Schwarze Liste mitaufgenommen; zum andern sind Arten, die 2006 in der Watch List erfasst waren, nun in der Schwarzen Liste aufgeführt. Mit einer Zunahme der invasiven oder potenziell invasiven Pflanzenarten um 21% ist die Entwicklung als negativ zu bewerten.

In der Schweiz hat die Entwicklung der letzten Jahrzehnte gezeigt, dass sowohl die Anzahl invasiver gebietsfremder Arten als auch die von ihnen besiedelte Fläche immer weiter zunehmen. Verglichen mit der Situation im Ausland befinden sich viele invasive gebietsfremde Arten in der Schweiz jedoch nach wie vor in einem vergleichsweise frühen Stadium der Ausbreitung. Das heisst, dass beim Ausbleiben von Gegenmassnahmen sie noch weit grössere Flächen einnehmen und dementsprechend die durch sie verursachten Schäden weiter zunehmen werden. Es ist davon auszugehen, dass die potenziellen Schäden, die bei fortschreitender Weiterausbreitung invasiver gebietsfremder Arten entstehen, die Kosten für heute durchgeführte Massnahmen bei weitem übersteigen werden.

Internationaler Vergleich

Auch andere Länder (z. B. Deutschland und Norwegen) führen Schwarze Listen invasiver Arten unterschiedlicher taxonomischer Gruppen. Es gibt bislang keine standardisierten Einstufungskriterien, weshalb die Listen nur bedingt untereinander vergleichbar sind.

Methode

Die Daten der Datenzentren des Bundes basieren auf Fundmeldungen und werden nicht systematisch erfasst. Um den Ausbreitungsgrad und das Schadenspotential definieren zu können, werden Fundmeldungen und Ökologie der Arten durch Experten ausgewertet.

Die «Schwarze Liste» bezeichnet diejenigen invasiven Neophyten der Schweiz, die in den Bereichen Biodiversität, Gesundheit oder Ökonomie Schäden verursachen. Die Ausbreitung dieser Arten muss verhindert werden. Die «Watch List» zeigt invasive Neophyten der Schweiz, die das Potenzial haben, Schäden zu verursachen. Ihre Ausbreitung muss daher überwacht werden.

Die Einstufung in die Liste erfolgt aufgrund von Experteneinschätzungen, die sich auf das Ausbreitungspotenzial und die Schadenbeurteilung sowie die Methoden und Kosten der Bekämpfung stützen.

Grundlage für die Bewertung der Entwicklung
Angestrebte Entwicklung Anfangswert Endwert Veränderung in % Beobachtete Entwicklung Beurteilung
Abnahme 2006 2014 20.83% Zunahme negativ
 
Zuletzt aktualisiert am: 19.06.2019

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