Indikator Wasser

Strukturen der Fliessgewässer

In der Vergangenheit wurden zahlreiche Fliessgewässer begradigt und verbaut, um die Nutzung überschwemmungsgefährdeter Flächen für Siedlungen, Infrastrukturbauten und die Landwirtschaft zu ermöglichen und um sie zur Stromgewinnung zu nutzen. Dadurch können sie viele ihrer natürlichen Funktionen nicht mehr erfüllen, und die Lebensräume für Pflanzen und Tiere im und ums Wasser verarmen. Das Landschaftsbild wird monotoner. Hindernisse wie Schwellen, Flusskraftwerke, Staudämme und andere Querbauwerke behindern die Wanderung von schwimmenden Wasserorganismen zwischen Unter- und Oberlauf, was ihre Fortpflanzung sowie auch die Ausbreitung und Vermischung von Populationen erheblich beeinträchtigt.

Bewertung des Zustandes
schlecht schlecht
Bewertung der Entwicklung
nicht bewertbar nicht bewertbar
natürlich unterirdisch: 1% eingedolt: 8% naturfern/künstlich: 5% stark beeinträchtigt: 11% wenig beeinträchtigt: 24% natürlich/naturnah: 51%
Ökomorphologischer Zustand, in %. Gesamtschweizerische Hochrechnung auf Basis von kantonalen Erhebungen 1998–2006

Daten zur Grafik: Excel
Quelle: Bundesamt für Umwelt
Bauwerke* Mittelland: 5038 Künstliche Abstürze* Mittelland: 53207 Bauwerke* Jura: 3127 Künstliche Abstürze* Jura: 4305 Bauwerke* Alpen: 676 Künstliche Abstürze* Alpen: 34478
* Gesamtschweizerische Hochrechnung auf Basis von kantonalen Erhebungen

Daten zur Grafik: Excel
Quelle: Bundesamt für Umwelt
Kommentar

Die Fliessgewässer der Schweiz sind über weite Strecken durch Verbauungen und intensive Nutzung beeinträchtigt: 24% der gesamten Gewässerstrecken sind künstlich, stark beeinträchtigt oder eingedolt, und auch viele Seeufer sind verbaut. Stark beeinträchtigt sind vor allem Gewässer in intensiv genutzten, tieferen Lagen: Unter 600 m ü.M. zeigen 46% der Fliessgewässer eine ungenügende Strukturvielfalt, über 2000 m ü.M sind es weniger als 1%. Von Durchgangshindernissen, die Fischwanderungen erschweren, sind vor allem mittlere Fliessgewässer zwischen 600 und 1200 m ü.M. betroffen.

Um die seit langem andauernde negative Entwicklung umzukehren, werden seit den 1980er Jahren vermehrt Anstrengungen zur Renaturierung von Gewässern unternommen, beispielsweise indem der Gewässerraum ausgeweitet wird, Verbauungen entfernt oder Hindernisse wieder fischgängig gemacht werden. Seit 2011 ist die Revitalisierung von Gewässern auch im Gewässerschutzgesetz verankert. Ziel ist es, in den nächsten 80 Jahren 4000 Gewässerkilometer zu revitalisieren. Deshalb wird angenommen, dass sich die Entwicklung in eine positive Richtung bewegt, auch wenn zurzeit nur ein Ausgangswert vorliegt.

Internationaler Vergleich

Die Daten sind teilweise vergleichbar. Die Schweizer Methode beruht auf einem vierstufigen Klassierungsschema. In vielen EU-Ländern sind fünf Stufen üblich, in manchen auch sieben Klassen. Auch die erhobenen Parameter, welche die Grundlage für die Beurteilung bilden, unterscheiden sich leicht. Ein internationaler Vergleich ist zum jetzigen Zeitpunkt schwierig, weil entsprechende Daten in den anderen Ländern noch fehlen: Die Schweiz hat in Bezug auf ökomorphologische Datengrundlagen einen Vorsprung. In den umliegenden Ländern sind entsprechende Erhebungen vielerorts noch nicht flächendeckend vorhanden.

Methode

Der ökomorphologische Zustand der Fliessgewässer wurde im Rahmen des so genannten Modul-Stufen-Konzepts "Ökomorphologie Stufe F" (flächendeckend) von den Kantonen (mit finanzieller Unterstützung durch das BWG) erhoben. Dafür wurden die Gewässer entlang von knapp 30'000 km im Zeitraum von 1998 bis 2006 in 24 Kantonen kartiert. Um den ökomorphologischen Zustand der Gewässer zu erheben, wurden der Naturlichkeitsgrad der Gewässer, eingedolte Strecken sowie Hindernisse Merkmale erfasst.

 

 
Zuletzt aktualisiert am: 20.04.2018

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