Wie alles begann: Im Keller der Umweltkommunikation

Die Suche nach den Spuren der Informationstätigkeit des Bundes zu Umweltthemen führt in einen Keller in Ittigen (BE). Ein Besuch im Archiv der Abteilung Kommunikation des BAFU. 

Text: Mike Sommer

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© BAFU | Joël Käser

Die Information der Bevölkerung über den Zustand der Umwelt ist eine Aufgabe der Behörden, die seit 1983 im Bundesgesetz über den Umweltschutz (USG) verankert ist. Der Bund erfüllte diesen Auftrag in der damaligen umweltpolitisch bewegten Zeit unter anderem mit den «Sanasilva-Waldschadenberichten» (ab 1983) und den «Umweltberichten» (ab 1990). Doch was war zuvor? Und wie verlief die Entwicklung hin zur heutigen permanenten und umfassenden Umweltkommunikation des Bundes?

Im Archiv des BAFU in Ittigen bei Bern sollten sich Antworten finden lassen. Etwa 50 Meter lang und 4 Meter breit ist der Kellerraum, in dem sich ein Rollregal ans nächste reiht. Die abgelegten Dokumente der Abteilung Kommunikation füllen etwa ein Dutzend dieser Schränke. Wo anfangen, wenn relativ wenig Zeit zur Verfügung steht? Greifen wir also nach dem Zufallsprinzip ein Dossier heraus, und tauchen wir ein in die Umweltkommunikation von damals.

Dürre Mitteilungen

«Meine Damen und Herren, Information ist integraler Bestandteil des Umweltschutzes; denn sämtliche Massnahmen der Behörden und noch viel mehr Aufrufe zur Eigenverantwortung müssen von der Öffentlichkeit verstanden werden, […] damit sie mitgetragen werden.» So sprach laut überliefertem Manuskript Bruno Böhlen, der Direktor des damaligen Bundesamtes für Umweltschutz, im September 1988 zu den Medienschaffenden. Bundesrat Flavio Cotti hatte eingeladen, um die Nationale Aufklärungskampagne «Saubere Luft – gesundes Leben» vorzustellen. Vier Jahre lang sollte die Bevölkerung darüber informiert werden, was jede und jeder gegen die Luftverschmutzung unternehmen kann. Radio- und Fernsehspots, Kinowerbung, Plakate, eine Broschüre sowie eine Magazinbeilage in Tageszeitungen waren die Kanäle, über die der Bund kommunizieren wollte. Budget: zwei Millionen Franken.

Der Bund brach damals in ein neues Zeitalter der Umweltkommunikation auf. Noch zehn Jahre zuvor hatte das Eidgenössische Amt für Umweltschutz vor allem mit dürren Communiqués über Umweltthemen informiert. Im BAFU-Archiv liegen mehrere Ordner mit Mitteilungen aus den 1970er-Jahren. Adressaten waren nicht die Medien, sondern kantonale oder andere Fachstellen, die etwa über die Zusammenhänge zwischen Winterdienst beim Strassenunterhalt und Gewässerschutz aufgeklärt wurden.

Die zunehmende gesellschaftliche Brisanz von Umweltthemen schlug sich aber bald in den Themen der Mitteilungen nieder, mit denen sich das Bundesamt ab den 1980er-Jahren immer öfter direkt an die Medien und somit an die Bevölkerung wandte: Mit «Sofortmassnahmen zur Eindämmung der Luftverschmutzung» (März 1984) reagierten die Behörden auf das «Waldsterben», das die Menschen ebenso bewegte wie das wachsende Ozonloch («Schweiz unterzeichnet FKW-Protokoll in Montreal», September 1988). Die Umwelt rückte in die Schlagzeilen. Und das Bundesamt für Umweltschutz erweiterte 1989 durch die Fusion mit dem Bundesamt für Forstwesen und Landschaftsschutz seinen Blickwinkel und wurde zum Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL).

Die Macht der Bilder

Die sich wandelnde Kommunikation des Bundes lässt sich auch am Werdegang des vorliegenden BAFU-Magazins «die umwelt» ablesen. Dessen Vorläufer erschien erstmals im September 1976 und hiess «Umweltschutz in der Schweiz – Mitteilungen des Eidgenössischen Amtes für Umweltschutz». In der 20-seitigen Nummer 1 stellte sich die Hauptabteilung Immissionsschutz vor, dazu kam ein kurzer Text über ein Bundesgerichtsurteil zum Bauen ausserhalb der Bauzone. «Zum Geleit» schrieb der Amtsdirektor Rodolfo Pedroli: «Der Bundesratsbeschluss vom 26. Mai 1971 über die Schaffung eines Eidg. Amtes für Umweltschutz nennt die Information der Öffentlichkeit über Bedeutung, Notwendigkeit und Gestaltung des Umweltschutzes als eine seiner Aufgaben.» Das schwarz-weisse, bildfreie und einfach gestaltete Heft vermittelte fortan mehrmals jährlich in nüchterner Sprache und schmuckloser Aufmachung Neuigkeiten aus Bereichen wie Gewässerschutz, Luftreinhaltung, Umweltökonomie oder internationale Organisationen, verfasst von Fachspezialisten der Verwaltung. 1983 änderten vor allem der Umfang – jetzt 50 Seiten – und der Untertitel: «Bulletin des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft». Der Haupttext der ersten Ausgabe im neuen Design (aber weiterhin schwarz-weiss und ohne Fotos) trug den Titel «Einige Gedanken zu den hydrologischen Beobachtungen in der Schweiz». Die Menschen wurden in diesen Jahren vor allem durch die sich häufenden Medienberichte aufgeschreckt, wonach der Wald im Sterben liege. Bundesrat Alphons Egli erhöhte den Druck auf die Politik, als er den Medientross in den Wald bestellte, um ihm das Problem der Kronenverlichtung vor Augen zu führen.

Erst gut zehn Jahre später tauchten auch im BUWAL-Heft Fotos auf. Ab 1994 nannte sich das Bulletin schlicht «Umweltschutz». 1998 kam mit einer Art Meergrün eine erste Farbe ins immer professioneller gestaltete Heft. Mit dem Jahrtausendwechsel folgte schliesslich der Schritt zum echten Magazin – vierfarbig und bildreich, für kurze Zeit hart an der Grenze zum Infotainment, dann aber zielstrebig auf dem Weg zum Medium für das breite Publikum. Sein Name: «umwelt», seit 2018 «die umwelt». Mit einer Auflage von über 60 000 Exemplaren ist es längst zu einem wichtigen Pfeiler in der Umweltkommunikation des BAFU geworden.

Auf allen Kanälen

Auch andere Informationskanäle gewannen stetig an Bedeutung. Der Saubere-Luft-Kampagne von 1988 bis 1991 folgten 1994/95 Kampagnen zu den Themen Klima und Artenvielfalt unter dem Slogan «Mund auf statt Augen zu». Sie richteten sich vor allem an die junge Generation, die zum aktiven Mitmachen aufgefordert wurde – zum Beispiel «selber Artenschutzaktionen zu planen, als Projekt einzureichen und durchzuführen». Zur Kampagne gehörte auch ein Kulturaustausch mit Madagaskar, der mediale Schelte hervorrief: Die Aktion zur Sensibilisierung für den Artenschutz sei zur «multikulturellen Konzertveranstaltung» mutiert, monierte ein Presseartikel, der im BAFU-Archiv zu finden ist: Immer öfter trat der Bund nicht mehr als alleiniger Organisator von Informations- und Sensibilisierungskampagnen auf, sondern als Co-Sponsor. So gewährte das damalige BUWAL etwa der IG Velo Schweiz einen Unterstützungsbeitrag für den ersten Schweizer «Velo-Alltag» von 1996, der «mit lustbetonten Aktionen» die Leute dazu bewegen wollte, auf das Velo umzusteigen.

Eigene Kampagnen und solche mit Partnern sind heute fester Bestandteil im Kommunikationsrepertoire des BAFU. Ständig wichtiger wird auch der Austausch über das Internet und die sozialen Medien von Twitter über Youtube bis Facebook. Der Bund nutzt damit zahlreiche Kanäle, um den umweltpolitischen Anliegen in der zusehends vielfältigeren Medienlandschaft Gehör zu verschaffen. Die Welt – und mit ihr die Kommunikation der Behörden mit der Bevölkerung – hat sich in wenigen Jahrzehnten stark verändert. Im BAFU-Archiv werden die Erinnerungen plötzlich wieder lebendig.

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Letzte Änderung 05.09.2018

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