Biokunststoff – alles abbaubar?

24.03.2017 - Mittlerweile trifft man sie überall an: Teller, Trinkbecher oder Grünabfallsäcke aus Biokunststoff. Die Idee ist, diese Produkte mit der Grüngutsammlung zu entsorgen und daraus Kompost zu gewinnen. Doch nicht überall wo «Bio» drauf steht, ist auch «Bio» drin. Deshalb muss bei der Entsorgung mit dem Grüngut darauf geachtet werden, dass die entsprechende Kennzeichnung auf dem Produkt steht.

Pflanzentopf aus biologisch abbaubaren Wertstoffen (BAW).
© gvz-rossat ag/sa

Auf dem Schweizer Markt gibt es eine Vielzahl an Produkten aus sogenannten biologisch abbaubaren Werkstoffen (BAW) – auch Biokunststoffe genannt. Beispiele sind Lebensmittelboxen, Grünabfallsäcke, Pflanzentöpfe, und immer mehr auch Spielsachen oder Haushaltutensilien. Diese Produkte sind unterschiedlich gekennzeichnet. Dem Konsumenten begegnen vor allem zwei Arten Biokunststoffe mit jeweils zwei unterschiedlichen Bezeichnungen: «bio-basiert» oder «aus erneuerbaren Ressourcen» einerseits und «biologisch abbaubar» oder «kompostierbar» andererseits.

Nicht alle Biokunststoffe sind auch tatsächlich biologisch abbaubar und können kompostiert oder vergärt werden. Das verwirrt die Konsumentinnen und Konsumenten. Zudem können diese Produkte – je nach Prozess und Zeit – in den Verarbeitungskreislauf gelangen, bevor sie vollständig abgebaut sind, was zu Problemen in der Recycling- und Entsorgungsbranche führt. Zudem besteht eine Verwechslungsgefahr mit «normalem» Kunststoff, also mit den herkömmlichen Verpackungen, hergestellt aus Erdöl. Diese gehören nicht in die Kompostierungs- und Vergärungsanlagen. Das vorliegende Dossier, ergänzt mit der Studie «BAW vergären & kompostieren? (PDF, 7 MB, 30.09.2016)», bietet eine Übersicht über die Situation von BAW in der Schweiz, gibt Empfehlungen ab und fasst die häufigsten Fragen (FAQ) zusammen. 

Definitionen 

  1. Biologisch abbaubare Werkstoffe (BAW) – oft auch Biokunststoffe genannt – sind Materialien, die durch natürlich auftretende Mikroorganismen vollständig abgebaut und in Wasser, Kohlenstoffdioxid und Biomasse umgewandelt werden. Gemäss Definition spielt es dabei keine Rolle, ob erneuerbare oder nicht erneuerbare, also fossile Ressourcen zur Herstellung verwendet werden. Jedoch dominieren bei der Herstellung Zellulose- und Faserprodukte auf der Basis von Zuckerrohr- und Palmblätter sowie Produkte auf der Basis von Stärkepflanzen.

  2. Biokunststoffe: Synonym für BAW

  3. «aus erneuerbaren Ressourcen» oder «bio-basiert»: Diese Kunststoffe sind nicht zwingend biologisch abbaubar, sondern aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais oder Zuckerrüben gefertigt.

  4. «biologisch abbaubar» oder «kompostierbar»: Diese Kunststoffe werden durch natürlich auftretende Mikroorganismen vollständig abgebaut und in Wasser, Kohlenstoffdioxid und Biomasse umgewandelt. 

Produkte auf dem Schweizer Markt

Grüngut sammeln, vergären und kompostieren

Grüngut ist ein Sammelbegriff für alle organischen Abfälle aus privaten Haushalten, Gemeinden, dem Garten- und Landschaftsbau sowie der Landwirtschaft. Das sind beispielsweise Küchen- und Gartenabfälle oder das Grüngut von Baum- und Rasenschnitt. Immer mehr Grünabfälle werden verwertet. Bereits 85 Prozent der gesamten Grünabfallmenge gelangt in Kompostier- und Vergärungsanlagen. Bei der Vergärung in der Biogasanlage entsteht neben dem stofflich verwertbaren Gärgut wertvolle erneuerbare Energie: das Biogas. Das Grüngut wird auch in Form von Kompost oder festem Gärgut als Dünger und Bodenverbesserer in der Landwirtschaft verwendet. Grüngut separat sammeln macht Sinn, denn damit werden Stoffkreisläufe geschlossen. 

Entsorgung

Jährlich gelangen über 3000 Tonnen BAW-Produkte auf den Schweizer Markt, vorwiegend als Lebensmittelboxen, Trinkbecher und Grünabfallsäcke. Davon landen gut 20% (640 t/a) in der Grünabfallschiene. Das entspricht einem Anteil von nur 0.01% der gesamten Menge an biogenen Abfällen. 

BAW können heute auf verschiedenen Wegen entsorgt werden: in Kompostieranlagen, Vergärungsanlagen oder Kehrichtverbrennungsanlagen. 

  • In Kehrrichtverbrennungsanlagen wird aus der Verbrennung Energie gewonnen, die in Form von elektrischem Strom oder Wärme genutzt wird.
  • In Kompostieranlagen entsteht Kompost und in Vergärungsanlagen Gärgut und Biogas, das energetisch genutzt werden kann; sowohl Kompost als auch Gärgut werden zu Dünger und Bodenverbesserer.

Sämtliche Grünabfälle und Speisereste aus den kommunalen Sammlungen der Gemeinden landen in industriellen Kompostier- und Vergärungsanlagen. Die darin enthaltenen BAW-Produkte werden normalerweise vollständig abgebaut. Landwirtschaftliche Biogasanlagen, Feldrand- und Hauskompostierungen kommen jedoch nicht immer auf die notwendigen Temperaturen, weshalb die BAW nicht abgebaut werden können.

Empfehlungen für Branche und Kantone

Das BAFU empfiehlt der BAW-Branche, bei der Bewerbung ihrer Produkte weiterhin konsequent zwischen der verwertungsbezogenen Produkteigenschaft und der ressourcenbezogenen Produktebezeichnung zu unterscheiden. 

Verwertungsbezogene Produkteigenschaften: 

  • «biologisch abbaubar»
  • «kompostierbar»
  • «vergärbar» 

Ressourcenbezogene Produktebezeichnung: 

  • «aus erneuerbaren Ressourcen» Synonym für
  • «aus nachwachsenden Rohstoffen», z.B. aus Mais oder Zuckerrüben 

So kann sichergestellt werden, dass nur Produkte mit «biologisch abbaubar», «kompostierbar» oder «vergärbar» beworben werden, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit im Grüngutabfall landen und dort gewollt sind. Diese Produkte soll die Branche entsprechend kennzeichnen.

Im Rahmen des runden Tisches BAW hat sich die Branche geeinigt, die BAW Grünabfallbeutel mit Gitterdruck zu kennzeichnen. Abfallbeutel mit Gitterdruck und andere Gitterdrucksäcke sind für industrielle Biogas- und Kompostieranlagen kein Problem. Wo sie nicht vollständig vergärbar sind, können sie mehrheitlich durch die nachfolgende Siebung, Kompostierung oder mechanische Trennung eliminiert werden. Das Risiko einer Produktverschmutzung mit Gitterdruckmaterial ist gering und wenig problematisch. Vorsicht ist bei landwirtschaftlichen Biogasanlagen, Feldrand- und Hauskompostierungen geboten: da dort die Temperaturen zum Abbau nicht immer gewährleistet sind. Das BAFU empfiehlt, die Gitterdruck-Kennzeichnung zu standardisieren.

Das BAFU unterstützt die Bestrebungen der Branche, eine weitere klar identifizierbare Kennzeichnung für Produkte zu schaffen, die nicht mit Gitterdruck versehen werden können. Die Empfehlungen der Studie fliessen direkt in die Vollzugshilfe der neuen Abfallverordnung VVEA zum Thema «Kunststoffanalytik für Kompost und Gärgut» ein.

Mulchfolien aus biologisch abbaubaren Wertstoffen (BAW).

FAQ

  • Wie weiss ich, dass ich die richtigen Abfallsäcke für Küchenabfälle kaufe?
    Alle biologisch abbaubaren Säcke sind mit einem Gitterdruck gekennzeichnet.
  • Wo erhalte ich die richtigen Abfallsäcke?
    Bei den meisten Grossverteilern sind die Säcke mit Gitteraufdruck im Verkauf. Falls nicht, bitten Sie den Filialleiter solche anzubieten.
  • Wo kann ich den Abfallsack mit meinen Küchenabfällen entsorgen?
    Die Säcke mit dem Gitter-Aufdruck können problemlos zusammen mit dem Grüngut (Gartenabfälle, Grasschnitt, Topfpflanzen, etc.) entsorgt werden
  • Bei uns gibt es keine Grüngutsammlung der Gemeinde. Was mache ich mit meinen Rüstabfällen?
    Falls Sie keinen Garten mit einer Hauskompostierung haben, müssen Sie die Rüstabfälle leider zusammen mit dem Restabfall entsorgen
  • Darf ich in jedem Fall Speisereste in die Grünabfuhr geben?
    Dies trifft für die meisten, aber nicht für alle Gemeinden zu. Konsultieren Sie das Abfallmerkblatt Ihrer Gemeinde. Wenn zugelassen, können die Speisereste offen oder in abbaubaren Säcken dem Sammelcontainer beigegeben werden. Offene Gebinde sind unbedingt zu vermeiden, weil sie Tiere anziehen. Rüstabfälle sind praktisch überall zugelassen.
  • Kann ich meinen gekennzeichneten Abfallsack mit den Rüstabfällen im Quartier- oder Hauskompost verwerten?
    Sofern die Quartierkompostierungen gut betrieben werden und auf die nötige Temperatur kommen, werden die Abfallsäcke abgebaut. Bei kleinen Hauskompostierungen ist es weitaus schwieriger, die nötige Temperatur zu erreichen. Besser wäre es, die Rüstabfälle lose beizugeben. In beiden Fällen sollten jedoch Fleischabfälle vermieden werden.

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Letzte Änderung 24.03.2017

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