In der Schweiz verschwindet durch Versiegelung jede Sekunde mehr als ein halber Quadratmeter Boden. Rund die Hälfte dieses Verlusts geht auf Kosten von Landwirtschaftsflächen, gut ein Fünftel entfällt auf Siedlungen. Um Bodenleistungen nachhaltig zu sichern, gilt es die Bodenversiegelung zu minimieren.
Die im Jahr 2020 vom Bundesrat beschlossene Bodenstrategie Schweiz strebt an, dass in der Schweiz ab 2050 netto kein Boden mehr verbraucht wird. Überbauen von Boden ist weiterhin möglich. Gehen dabei aber Bodenfunktionen verloren, müssen diese an einem anderen Ort durch Bodenaufwertung kompensiert werden.
Die versiegelten Böden nehmen aktuell jährlich um fast 18 Quadratkilometer zu. Als «versiegelt» gelten Böden, auf denen Gebäude stehen oder solche, die befestigt sind (z.B. Strassen, Bahntrassen oder Plätze).
Versiegelung auf Kosten von Ernährung, Biodiversität und anderen Bodenleistungen
Die versiegelte Fläche wächst in der Schweiz primär, indem Asphalt und Beton ins Kulturland vorstossen: Eine Auswertung der Arealstatistik zeigt, dass mehr als die Hälfte der neu versiegelten Böden ehemals Gras- oder Krautvegetation trugen und damit der Nahrungsmittelproduktion dienten und auch der Biodiversität zugutekamen.
Die zweite Entwicklung hinter der zunehmenden Versiegelung ist das Bebauen von Siedlungsflächen. Diese ist mehrheitlich der Siedlungsentwicklung nach Innen zuzuschreiben. Etwas mehr als ein Fünftel der neu versiegelten Böden waren ehemals Beete und Rasen, oder sie waren von Bäumen und Kleinstrukturen bedeckt. Die ehemals grünen Flächen dienten der Erholung, boten Pflanzen und Tieren Lebensraum, sorgten bei Hitzeperioden für Kühlung oder nahmen Starkniederschläge auf.
Versiegelung zerstört das Leben im Boden
Böden entwickeln sich sehr langsam. Angefangen bei einer Geröllhalde, wie sie die Gletscher bei ihrem Rückzug vor 12’000 Jahren im Mittelland zurückgelassen haben, über den Aufbau eines kaum millimeterdicken Flechtenbelags, dauert es mehrere Jahrtausende bis zur Entstehung einer Braunerde, auf der Nahrungsmittel wachsen können.
Die luft- und wasserdurchlässige krümelige Bodenstruktur ist das Ergebnis einer komplexen biologischen Aktivität, an der tausende unterschiedlicher Arten beteiligt sind (Enchyträen, Pilze, Pflanzen, Insekten etc.).
Werden Böden mit Asphalt, Beton, Kunststoff oder anderen wasser- und gasdichten Materialien dauerhaft versiegelt, sterben diese Lebewesen innert kurzer Zeit ab. Die Bodenstruktur zerfällt und der Boden verliert den Grossteil seiner Funktionen (Biomasseproduktion, Lebensraum, Versickerung, Kühlung etc.).
Minimieren statt rückgängig machen
Asphalt- und Betonbeläge lassen sich – mit einigem Aufwand – wieder entfernen. Diese entsiegelten Böden können neu begrünt werden und gewinnen einen Teil ihrer Sickerfähigkeit zurück. Dennoch lässt sich aus einer Strasse kein Acker zurückgewinnen: Die Bodenstruktur ist dauerhaft gestört, Fremdstoffe wie Beton, Teer und Kunststoffsplitter bleiben zurück. Die Bodenlebewesen kehren nur langsam zurück und die ursprüngliche Bodenqualität ist unwiederbringlich verloren.
Umso wichtiger ist es, die Versiegelung neuer Böden so weit wie möglich zu begrenzen. Anstelle neuer Siedlungen auf der grünen Wiese, müssen die vorhandenen Siedlungsstrukturen effizienter genutzt und bestehende Bauten erhalten und aufgewertet werden. Flächensparenden Baumethoden ist der Vorzug zu geben, z.B. durch den Ausbau von Dachgeschossen, die Aufstockung von Gebäuden oder Nachverdichtung.
Wo möglich sollte auf undurchlässige Beläge verzichtet werden. Halbdurchlässige Beläge (z.B. Rasengittersteine) können dazu beitragen, gewisse Bodenfunktionen zu erhalten. Durch eine kluge Anordnung von Gebäuden oder Strassen, lassen sich hochwertige Bodenfunktionen schonen. Schliesslich ist bei Aushubarbeiten ein sorgfältiger Umgang mit dem Boden sicherzustellen und die Einhaltung von Bodenschutzvorschriften zu überwachen.
Letzte Änderung 05.12.2023