Klimatest 2022 zeigt Potenzial des Finanzmarkts

Bern, 24.11.2022 - Alle Schweizer Finanzinstitute können freiwillig an einem international koordinierten Klimatest teilnehmen. Dieser zeigt auf, wie klimaverträglich sie sind. Die Ergebnisse 2022 zeigen zunehmend positive Beispiele sowie das Potenzial für rasche weitere Anstrengungen. Der Test wird auf Initiative des Bundesamts für Umwelt BAFU in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Internationale Finanzfragen SIF durchgeführt.

Mit dem Pariser Übereinkommen streben die knapp 200 Vertragsstaaten - darunter die Schweiz - an, dass sich die Temperatur nicht um mehr als 1,5 Grad erwärmt, um gravierende Veränderungen der Ökosysteme zu verhindern. Dies kann nur erreicht werden, wenn auch die Tätigkeit des Schweizer Finanzsektors auf dieses Ziel ausgerichtet werden.

Um festzustellen, welche Fortschritte der Schweizer Finanzmarkt macht und inwieweit er zur Klimazielerreichung beiträgt, hat das Bundesamt für Umwelt BAFU zusammen mit dem Staatssekretariat für internationale Finanzfragen SIF auch dieses Jahr den Klimatest nach der internationalen PACTA-Methode (siehe Kasten) durchgeführt. Dies geschieht nach 2017 und 2020 zum dritten Mal. Mitgemacht haben Pensionskassen, Versicherungen, Banken und Vermögensverwaltende. Die Ergebnisse sind repräsentativ für den gesamten Schweizer Finanzmarkt. Mit dieser umfassenden Fortschrittsprüfung ist die Schweiz internationale Vorreiterin. Einzig die Beteiligung von Pensionskassen nahm im Vergleich zum Klimatest 2020 deutlich ab.

Mehr gute Einzelbeispiele

Die Ergebnisse zeigen Fortschritte und geben zudem Klarheit über das noch ungenutzte Potenzial. Ein Drittel aller Teilnehmenden verfügt nicht nur über Klimastrategien, sondern über konkrete Klimaziele für das Jahr 2050 oder früher. Um diese Ziele zu erreichen, geben die meisten Testteilnehmenden an, als Aktionäre von Unternehmen darauf hinzuwirken, dass diese ihr Geschäftsmodell klimafreundlich umgestalten. Insgesamt haben die Investitionen in fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas gegenüber dem Klimatest 2020 abgenommen.

Ein Drittel der getesteten Immobilien der teilnehmenden Finanzinstitute wird erneuerbar beheizt, 2020 waren es erst ein Viertel. Pensionskassen planen dies für einen weiteren Viertel, Versicherungen zumindest für 15 Prozent ihrer Gebäude. Rund 40 Prozent der Hypothekargebenden, insbesondere Banken, setzen bereits Anreize für klimafreundliche Sanierungen. Dies zeigt, dass der Finanzmarkt eine wichtige Rolle bei der Beschleunigung der Klimatransition spielen kann. Allerdings sind dafür weitere grössere Anstrengungen notwendig.

Finanzmarkt hat noch erhebliches Potenzial

Spielraum haben die Finanzinstitute auf der Basis der diesjährigen Erhebung noch bei den energetischen Sanierungen der Gebäudeportfolios, um das Ziel wie vorgegeben bis 2050 zu erreichen. Über Aktienanlagen wird noch in Öl- und Gasförderfirmen investiert, die ihre Produktion ausbauen anstatt senken wollen. Koordinierte und gezielte Dialoge mit Portfoliofirmen von mehr Schweizer Finanzinstituten könnten dazu beitragen, deren Transitionspläne anzupassen. Unterstützen könnte ein entsprechender Standard. Mehr Finanzinstitute könnten sich ambitionierte Klimaziele setzen und klimawirksame Massnahmen treffen, beispielweise die rasche energetische Sanierung der Gebäude im Portfolio. Zudem haben die meisten Testteilnehmenden keine kurz- und mittelfristigen Klimaziele. Solche würden die Glaubwürdigkeit auf dem Weg hin zu einem klimafreundlichen Finanzunternehmen erhöhen.

Klimatests schaffen Transparenz

Die Schweiz soll gemäss Bundesrat ein führender Standort für nachhaltige Finanzdienstleistungen werden. Der Bundesrat setzt dabei insbesondere auf Transparenz über den Beitrag von Finanzinstituten und Finanzprodukten zur Erreichung der Klimaziele. Je umfassender die Transparenz und je vergleichbarer die Ergebnisse sind, desto glaubwürdiger werden die Anstrengungen des Finanzmarkts für Kundinnen und Kunden sowie die Politik. Die regelmässigen Klimatests zeigen Entscheidträgerinnen und -trägern Erfolge und Herausforderungen auf. Die Testteilnehmenden ihrerseits können ihre Anstrengungen mit anderen Finanzinstituten vergleichen. Für ein aussagekräftiges Gesamtmonitoring ist sowohl eine repräsentative Teilnahme aller Finanzbranchen wie auch die Bereitschaft der Finanzinstitute, ihre gesamten, klimarelevanten Anlagen zu testen, weiterhin zentral. Der nächste Klimatest ist für 2024 vorgesehen.

PACTA Methode für den Klimatest

Für den Klimatest 2022 wurde wiederum die PACTA-Methode (Paris Agreement Capital Transition Assessment) angewendet. Es handelt sich dabei um eine standardisierte Analyse für globale Aktien, Unternehmensanleihen und Kreditportfolien. Sie wird von der unabhängigen, gemeinnützigen Organisation Rocky Mountain Institute RMI durchgeführt und wird von zahlreichen Finanzinstituten und Staaten angewandt.

Dabei werden die Produktionspläne der in den Portfolien enthaltenen Firmen mit einer Entwicklung verglichen, die gemäss Internationaler Energieagentur IEA nötig ist, um die maximale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die Analyse umfasst die acht Sektoren Kohle-, Erdöl-, Erdgasförderung, Stromerzeugung, Automobilproduktion, Flugverkehr sowie Zement- und Stahlindustrie. Dabei werden sowohl klimaschädigende wie auch alternative, klimaverträgliche Technologien wie erneuerbare Energien untersucht. Die Schweiz bietet ihren Finanzinstituten zusätzlich an, zu testen, wie gut die Immobilien- und Hypothekenportfolien im Vergleich zum Klimaziel für den inländischen Gebäudepark abschneiden. Ergänzend zu den Tests gibt eine qualitative Umfrage Aufschluss über weitere klimarelevante Massnahmen der Teilnehmenden.

Am PACTA 2022 Test haben freiwillig insgesamt 133 Finanzinstitute teilgenommen, darunter 67 Pensionskassen, 20 Versicherungen, 31 Banken und 15 Vermögensverwaltende. Der standardisierte Test zeigt den Finanzinstituten, wo ihre Finanzprodukte und Investitionen in Bezug auf das Klima im Vergleich zu ihren Konkurrenten stehen. Die Teilnehmenden des Klimatests 2022 erhalten individuelle Berichte mit den Ergebnissen ihrer Klimazielausrichtung für jedes Portfolio. Den Teilnehmenden steht frei, ob sie ihre Ergebnisse nur für interne Folgearbeiten verwenden oder ob sie diese offenlegen.


Adresse für Rückfragen

Silvia Ruprecht, Abteilung Klima, Bundesamt für Umwelt BAFU, Tel. 058 462 60 30



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