Klimaverträglichkeit im Test

Klimaverträglich sind Investitionen und Finanzierungen, wenn sie mit dem international vereinbarten Klimaziel, die globale Erwärmung deutlich unter 2 Grad zu halten, übereinstimmen. Die Umsetzung dieses Ziels soll vorerst durch freiwillige Massnahmen der Finanzbranche erreicht werden. Die Wirkung der freiwilligen Anstrengungen auf das Klima erfasst der Bund periodisch.

Nach 2017 haben das BAFU und das Staatssekretariat für Internationale Finanzfragen SIF im 2020 einen zweiten, umfassenden Test initiiert, mit dem Finanzportfolien auf ihre Klimaverträglichkeit analysiert werden. Dieser Test wurde unter dem Titel PACTA 2020 (Paris Agreement Capital Transition Assessment) durchgeführt. Alle Schweizer Banken, Vermögensverwaltenden, Pensionskassen und Versicherungen konnten freiwillig und anonym ihre Portfolien testen lassen. Der Pensionskassenverband ASIP, der Versicherungsverband SVV, die Bankiervereinigung SBVg, der Verband Asset Management Association Switzerland AMAS sowie die Konferenz für Anlagestiftungen KGAST unterstützen die Klimaverträglichkeitstests. Der nächste Klimatest für den Schweizer Finanzmarkt wird 2022 durchgeführt.

Im Jahr 2020 haben sich 179 Finanzinstitute freiwillig testen lassen, mehr als doppelt so viele wie 2017. Die Ergebnisse zeigen ein repräsentatives Bild des gesamten Schweizer Finanzmarkts: Rund 80 Prozent der Investitionen in globale Aktien und Unternehmenanleihen, die Hälfte aller Immobilien von institutionellen Investoren sowie drei Viertel der Schweizer Wohngebäude – abgedeckt über Hypotheken – konnten untersucht werden. Eine qualitative Umfrage gibt zudem Aufschluss über klimarelevante Strategien. Zusätzlich zeigt ein Stresstest Risiken auf.

Die PACTA Klimatests werden international koordiniert. Anlässlich des UN-Klimagipfels 2019 in New York hat die Schweiz zusammen mit den Niederlanden eine entsprechende Initiative vorgestellt. Die Länder, die sich dieser Initiative anschliessen, unterstützen ihre Finanzinstitutionen dabei, Investitionen auf international vergleichbare Weise auf ihre Klimaverträglichkeit zu prüfen und auf das 1,5-Grad-Ziel des Weltklimarats auszurichten (vgl. Medienmitteilung vom 20.09.2019). 

 

So klimaverträglich investiert der Schweizer Finanzmarkt

Nach wie vor investiert der Schweizer Finanzmarkt nicht nur signifikant in die Erdöl- und Kohleförderung, sondern sogar in deren weiteren Ausbau. Dies entspricht nicht der Zielsetzung aus dem Übereinkommen von Paris, die Finanzflüsse klimaverträglich auszurichten. Zudem bergen solche Finanzanlagen finanzielle Risiken, wenn fossile Energieträger aufgrund klimapolitischer Massnahmen weniger attraktiv werden. Fortschritte gibt es aber durchaus: Die Teilnehmenden, die angaben, aufgrund des PACTA-Tests 2017 konkrete Handlungen vorgenommen zu haben, schneiden nun auch besser ab als ihre Konkurrenz.

Insgesamt investiert der Schweizer Finanzplatz heute viermal mehr Mittel in Firmen, die Strom aus fossilen Quellen wie Kohle und Gas erzeugen, als sie in Produzenten von erneuerbarem Strom investiert.

 

Grafiken: Anteile der im Portfolio gehaltenen Firmen, die Strom aus erneuerbaren bzw. CO2-intensiven Technologien (Kohle, Öl, Gas) produzieren im Vergleich zu allen Stromproduzenten im Portfolio. Jeder Balken entspricht einem teilnehmenden Finanzinstitut am Klimaverträglichkeitstest 2020. (Quelle: 2°Investing Initiative)

Zwei Drittel der Testteilnehmenden gab an, Klimastrategien zu verfolgen. Um auf Klimakurs zu gelangen, braucht es jedoch mehr Massnahmen in allen Finanzbranchen und vor allem eine raschere und stringentere Umsetzung der verschiedenen erklärten Vorhaben. Einen konkreten Klimabeitrag leisten beispielsweise diejenigen Finanzinstitute, die ihre Gebäude wie geplant energieeffizient sanieren und fossile Heizungen mit erneuerbare ersetzen.

Hier finden Sie die den Ergebnisbericht der anonymisierten Metadaten in Englisch. Die Zusammenfassung ist in Deutsch und Französisch verfügbar.

Die gesamten Auszüge zu Immobilien und Hypotheken im Bericht «Bridging the gap» sind zudem als seperater Bericht in Deutsch verfügbar: 

Die PACTA-Methode

Die Tests wurden mit der PACTA-Methode (Paris Agreement Capital Transition Assessment) durchgeführt. Sie ermöglicht eine standardisierte Analyse für globale Aktien, Unternehmensanleihen und Kreditportfolien. Die dahinterliegende Datenbasis erfasst rund eine viertel Million industrieller Anlagen weltweit. Auf der Internetseite www.transitionmonitor.com/pacta-2020 finden Sie mehr Informationen zum PACTA-Modell, das vom unabhängigen non-for-profit Think Tank 2°Investing Initiative entwickelt wurde. Es steht unlizenziert im Markt zur Verfügung.

Mit einem Zusatzmodul konnte 2020 erstmals untersucht werden, wie gut die Schweizer Immobilien- und Hypothekenportfolien im Vergleich zum Klimaziel für den inländischen Gebäudepark abschneiden. Das PACTA-Immobilienmodell, das im Auftrag des BAFU entwickelt wurde, steht auf Anfrage ebenfalls unlizenziert zur Verfügung. Mit der Analyse all dieser klimarelevanten Sektoren können 70 bis 90 Prozent der über die Kapitalmärkte indirekt verbundenen Emissionen erfasst werden.

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Letzte Änderung 20.07.2021

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