Der Luchs – die grösste Wildkatze Europas

26.02.2018 - Grosskatzen gehören zu den faszinierendsten Säugetieren der Welt. Der grösste europäische Vertreter, der Luchs, wurde vor 40 Jahren wieder in der Schweiz angesiedelt – mit Erfolg: Heute sind rund 300 Tiere in unseren Wäldern heimisch. Auch wenn sich in der Schweiz ein stabiler Bestand etablieren konnte, gilt der Luchs in Mitteleuropa nach wie vor als bedroht, insbesondere weil das besiedelte Gebiet noch zu klein ist. Für die Erhaltung im Alpenraum trägt die Schweiz eine besondere Verantwortung.

© Laurent Geslin

Wer ist der Luchs?

Vierzig Katzenarten gibt es auf der Welt. Die grösste in Europa vorkommende Art ist der eurasische Luchs. Voll ausgewachsen erreicht er eine Schulterhöhe von 50 bis 60 cm und wiegt zwischen 17 und 26 kg. Abgesehen von der Paarungszeit lebt er einzelgängerisch und beansprucht Reviere von zwischen 40 und 400 km2. Trotz seiner Grösse ist es schwierig das Tier mit seinen charakteristischen Pinselohren zu Gesicht zu bekommen. Denn der Luchs lebt heimlich und gut getarnt und ist vorwiegend in der Dämmerung und nachts unterwegs.

Die Luchsin bringt durchschnittlich zwei Junge zur Welt, die während rund zehn Monaten bei ihr bleiben. Danach lösen sie sich von ihr und suchen ein eigenes Revier. In dieser Zeit sind sie diversen Gefahren ausgesetzt, weshalb nur gerade ein Viertel der Luchse das dritte Lebensjahr erreicht. Das älteste bekannte Tier in der Schweiz wurde 18 Jahre alt.

Zusammenspiel Luchs - Natur - Mensch

Als Jäger von kleinen Paarhufern wie Rehen und Gämsen nimmt der Luchs eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem ein. Er sitzt zuoberst in der Nahrungskette und füllt eine ökologische Nische, die von keinem anderen Tier in Westeuropa besetzt wird: Pro Woche verzehrt ein Luchs ungefähr ein Reh oder eine Gämse. Rehe und Gämsen wiederum fressen vorzugsweise junge Bäume oder Triebe.

Leben zu viele Paarhufer in einem Waldgebiet, hat der Wald kaum Chancen nachzuwachsen. Indem der Luchs den Bestand der Paarhufer reguliert, fördert er die natürliche Verjüngung des Waldes. Strukturreiche, mit alten und jungen Bäumen bestückte Wälder, bieten diversen Tieren einen Lebensraum. Sie schützen uns zudem vor Naturgefahren und schenken uns einen attraktiven Erholungsraum.

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Verbreitungsgebiet des Eurasischen Luchses in Europa 2012/2013. Quelle: Chapron et al. 2014.
© BAFU

Nicht immer stösst der Luchs auf Akzeptanz. Es kommt nach wie vor zu illegalen Tötungen. Nutzungskonflikte mit dem Menschen gibt es vor allem dann, wenn die Grosskatze Ziegen oder Schafe reisst, oder wenn sie in hohen Dichten vorkommt und dadurch die Bestände der jagdbaren Tierarten der Rehe und Gämsen stark vermindert. Übergriffe auf Nutztiere sind zwar selten, dennoch werden geschätzte 20 bis 50 Tiere jährlich durch Luchse getötet. Im Verhältnis dazu sterben während einem Alpsommer mehr als 4000 Schafe durch Absturz, Krankheit oder Blitzschlag. Für die entstandenen Schäden bei Luchsrissen kommt die öffentliche Hand auf.

Der Schlüssel zur langfristigen Erhaltung des Luchses liegt sowohl in der Förderung seiner Verbreitung, als auch in der Vernetzung der Populationen. Gleichzeitig sollen Konflikte entschärft und zu hohe Dichten verhindert werden. Das Konzept Luchs Schweiz, eine Vollzugshilfe des BAFU, definiert Massnahmen, die einen optimalen Ausgleich zwischen Artenschutz, Walderhaltung und jagdlicher Nutzung der Rehe und Gämsen möglich machen (siehe Kasten unten).

Geschichte und Verbreitung

Einst waren Luchse in der Schweiz und ganz Europa stark verbreitet. Mit der zunehmenden Abholzung der Wälder zugunsten des Ackerbaus verloren die Tiere ihren Lebensraum. Die exzessive Bejagung der Wildtiere im 19. Jahrhundert führte schliesslich zur Ausrottung von Rehen, Hirschen, Steinböcken, Wildschweinen und Luchsen in der Schweiz. Nur in abgelegenen Regionen Europas überlebten Luchse in geringen Zahlen.

Verbreitungsgebiet des Eurasischen Luchses in der Schweiz 1971-2017.
Verbreitungsgebiet des Eurasischen Luchses in der Schweiz 1971-2017.
© BAFU / OFEV / UFAM

1962 stellte die Schweiz die Grosskatze im Jagdgesetz unter Schutz. 1967 genehmigte der Bundesrat ihre Wiederansiedlung. Luchse aus den Karpaten wurden 1971 im Grossen Melchtal OW und 1972 im Chlischlierental OW freigelassen. Weitere offizielle Freilassungen erfolgten 1974 und 1975 im Creux-du-Van NE. Da das damalige Gesetz noch keine explizite Zustimmung der Behörden bei der Aussetzung von Wildtieren verlangte, kam es zusätzlich zu Freilassungen durch Privatpersonen. Insgesamt wurden in den 1970er Jahren in der Schweiz 25 bis 30 Luchse ausgesetzt.

Heute bestehen in der Schweiz zwei geografisch getrennte Populationen: Die Jura- und die Alpenpopulation. Die Alpenpopulation wurde durch eine erfolgreiche Übersiedlung von mehreren Tieren aus dem Jura und den Nordwestalpen zwischen 2001 und 2008 zusätzlich gestärkt. Im Auftrag des Bundes werden die Luchse überwacht. Wobei das wichtigste Mittel zur Überwachung und Bestimmung der Tiere Fotofallen sind.

 

Verantwortung der Schweiz im europäischen Kontext

Die Wiederansiedlung des Luchses in der Schweiz ist erfolgreich geglückt. Heute hat sich hierzulande wieder ein stabiler Bestand von geschätzten 300 Tieren etabliert (rund 200 in Voralpen und Alpen, rund 100 in den Jurawäldern). Dazu zählen auch Jungluchse. Gesamteuropäisch ist der Luchs allerdings nach wie vor gefährdet. In der Schweiz leben mehr Tiere als in den Nachbarländern. Damit der Luchs in Europa längerfristig erhalten bleibt, braucht es eine weitere Ausbreitung der heutigen Bestände und eine länderübergreifende Kooperation.

Um den Aufbau neuer Populationen in den Nachbarstaaten zu unterstützen und die Vernetzung zu fördern, beteiligt sich die Schweiz an Wiederansiedlungsprojekten im benachbarten Ausland, wie etwa in Italien, Österreich oder aktuell in Deutschland. Dazu werden Luchse in der Schweiz eingefangen und umgesiedelt.

Die Verbindung zwischen den isolierten Vorkommen von Luchsen ist auch aus genetischen Überlegungen notwendig. Nur ein Austausch zwischen verschiedenen Populationen ermöglicht eine langfristige Erhaltung gesunder Luchse.

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Letzte Änderung 26.02.2018

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