Green Business Award - Innovationen beflügeln

01.06.22 - Ein Lob zur rechten Zeit spornt an: Diese Idee steckt hinter dem «Green Business Award». Er zeichnet zukunftsträchtige Umweltinnovationen aus und verhilft ihnen dadurch zu mehr Sichtbarkeit. Der Preis des Jahres 2021 ging an die Firma Designwerk Products AG für ihren Elektrolastwagen «Futuricum», der die Klimabilanz des Transportgewerbes nachdrücklich verbessern kann. 

Text: Lucienne Rey

Der prämierte Elektrolastwagen «Futuricum».
© zVg

Sie heissen e-tron, e-traveller oder natürlich Tesla: In privaten Garagen stehen immer mehr Elektrofahrzeuge. Zwischen 2010 und 2020 hat ihr Anteil von knapp 0,1 auf 8,3 Prozent zugenommen.

Im Schwerverkehr dagegen schien eine derartige Entwicklung bis vor Kurzem kaum denkbar. «In der Branche dachte man lange, eine Elektrifizierung von Lastwagen sei nicht möglich», bestätigt Daniel Zürcher vom BAFU. Als Chef der Sektion Innovation ist er auch für die Umwelttechnologieförderung zuständig. Zu schwer wären die für die benötigte Leistung erforderlichen Batterien, zu gering sei die Reichweite der oft über lange Strecken eingesetzten Fahrzeuge: Das war die in Fachkreisen verbreitete Ansicht. Zudem fehle es auch an Ladeinfrastrukturen.

Dabei zeigt eine 2018 veröffentlichte Studie des Büros KBP (heute Ecolot), wie sehr der Schwerverkehr beim Klimaschutz im Vergleich zu Personenwagen ins Hintertreffen geraten ist. Während nämlich Autos ihren Kohlendioxid-Ausstoss pro gefahrenen Kilometer seit 1990 durchschnittlich um mehr als 20 Prozent reduzieren konnten, betrug der Rückgang bei den schweren Nutzfahrzeugen lediglich gut 5 Prozent. Bedingt durch die Zunahme der Fahr- und Transportleistung liegen die gesamten CO2-Emissionen des Schwerverkehrs heute sogar 10 Prozent höher als 1990.

Mehrfach patentiert

Doch nun verspricht der Elektrolastwagen «Futuricum» der Winterthurer Firma Designwerk Products AG Abhilfe. Seine Entwicklung überzeugte die Jury zunächst einmal aus wissenschaftlich-technischen Gründen: Sechs Patente hat das Unternehmen angemeldet, unter anderem für die Batterie, ihre Aufhängung, den Antriebsstrang und ein mobiles Schnellladegerät.

Diese Innovationen verbinden Umweltschutz mit der Wirtschaftlichkeit: Im Betrieb verursacht der Lastwagen keinerlei Emissionen. Die Bremsenergie wird zurückgewonnen, sodass der Wirkungsgrad des Antriebs 92 Prozent erreicht. Der durchschnittliche Stromverbrauch von 190 Kilowattstunden (kWh) für 100 Kilometer entspricht dem Energieäquivalent von 19,6 Litern Diesel. Ein herkömmlicher Lastwagen verbrennt auf der gleichen Strecke hingegen 30-35 Liter Diesel. Die Materialien in den Batterien lassen sich zu 95 Prozent wiederverwenden. Und mit einer Reichweite von über 500 Kilometern bewältigt «Futuricum» auch längere Strecken.

Während die Designwerk Products AG im Jahr 2021 noch 100 E-Lkw baute, hat sie sich für 2023 die Produktion von 250 Stück und einen Umsatz von gut 110 Millionen Schweizer Franken als Ziel gesetzt. Im Namen «Futuricum» steckt nicht nur die Zukunft, sondern auch die Vergangenheit: Er bezieht sich auf die frühere Zürcher Automobilherstellerin «Turicum», die von 1904 bis 1914 in Uster Autos produzierte – und knüpft an die Tradition der Schweiz als Standort fortschrittlicher Technik an.

Bei der Förderung von Innovationen spielen nämlich Aufgeschlossenheit und Kooperationsbereitschaft von Behörden eines Landes keine geringe Rolle: «Damit der Futuricum-Lastwagen auf den Strassen fahren darf, war eine Ausnahmebewilligung erforderlich», weiss Daniel Zürcher. Denn aufgrund der Batterie ist das Fahrzeug einen Meter länger, als es die Verkehrsregelnverordnung erlaubt.

Vielfältige Umweltinnovationen 

Beim «Green Business Award» 2021 gehört auch die Firma Kern mit ihrem cleveren Verpackungssystem «PackOnTime 2 box» zu den Finalisten. Dieses System misst jeden Artikel individuell aus, leitet die Daten weiter und produziert auf dieser Grundlage massgeschneiderte Schachteln aus Wellpappe, um das Produkt ohne zusätzliches Füllmaterial versenden zu können. Die ökologischen Vorteile liegen auf der Hand: Dank kleinerer Pakete vermindert sich das zu befördernde Volumen. Auf den Strassen zirkulieren weniger Transportfahrzeuge, der Ressourcenverbrauch nimmt ab, und es bleibt der Kundschaft erspart, lästiges Füllmaterial zu entsorgen.

Mit WingtraOne landete auch ein autonomer, senkrecht startender und landender Flugroboter auf den vorderen Plätzen. Aufgrund seiner Bauweise vermag er dank automatisierten Übergangs in einen Horizontalflug weite Gebiete zu überfliegen und aus der Luft kostengünstig Daten von höchster Qualität zu erheben. Diese können zum Beispiel in der Landwirtschaft genutzt werden, um zielgenau die erforderliche Menge an Dünger oder Pflanzenschutzmitteln auszubringen. Daneben eignet sich die Drohne für viele andere Anwendungen wie etwa Tierzählungen oder die Vermessung grösserer Areale.

Für Daniel Zürcher zahlt sich der Aufwand aus, den er jeweils in der Vorjury bei der Beurteilung der 36 Projekte zu leisten hat: «Ich gewinne einen guten Einblick in Innovationen, die schon am Markt präsent sind», bestätigt er. Dieses Wissen kommt ihm zugute, wenn es darum geht, Gesuche von Firmen zu beurteilen, die für die Entwicklung ihrer Innovationen eine Finanzierung durch die Umwelttechnologieförderung beantragen

Aufwendiges Auswahlprozedere

Der «Green Business Award» hiess bis 2020 «Umweltpreis der Wirtschaft» und soll nach Bekunden der Initianten «Vorbilder zum Leuchten» bringen. Mit dem Namenswechsel soll der Preis bis ins Ausland strahlen, um vielversprechenden Umweltinnovationen auch international zum Durchbruch zu verhelfen.

Der Award steht unter der Schirmherrschaft des Vereins «Go for Impact», in dessen Vorstand auch das BAFU vertreten ist. Im Zentrum seiner Aktivitäten steht die Kooperation von Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und der öffentlichen Hand – mit dem Ziel, die Ressourceneffizienz und nachhaltiges Wirtschaften zu fördern.

Für den Umweltpreis können sich Firmen nicht von sich aus bewerben, sondern sie werden von den Trägerorganisationen des Awards vorgeschlagen. Jede dieser Organisationen nominiert drei Innovationen, sodass schliesslich fast 40 Kandidatinnen zur Auswahl stehen. Deren Bewertung erfolgt durch eine technische Vorjury.

Etwa ein Drittel der bei dieser Beurteilung berücksichtigten Kriterien betreffe den Umweltaspekt, sagt Daniel Zürcher, der das BAFU in der Vorjury vertritt. Daneben werden auch die Wirtschaftlichkeit und Kommunikationstauglichkeit berücksichtigt. Aus Sicht des BAFU-Fachmanns ist dies eine sinnvolle Gewichtung: «Wenn eine Innovation die Umwelt schont und sich dabei auch wirtschaftlich bewährt, gewinnen alle.»

Aus der Liste sämtlicher Nominierten werden der Hauptjury nach einer vorgängigen Reputationsanalyse fünf mögliche Finalisten vorgeschlagen. Unter dem Vorsitz von Altbundesrätin Doris Leuthard bestimmt sie dann die drei Gewinner und aus deren Kreis das Siegerprojekt.

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Letzte Änderung 01.06.2022

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