FAQ - Häufig gestellte Fragen zu Kunststoffen in der Umwelt


1.   Mengen, Quellen und Einträge in die Umwelt 

1.1  Wie viel Kunststoff wird jährlich in der Schweiz verbraucht? 

In der Schweiz werden jährlich rund eine Million Tonnen Kunststoffe verbraucht. Pro Jahr fallen in der Schweiz ca. 780'000 Tonnen Kunststoffabfälle an. Davon war mehr als die Hälfte weniger als ein Jahr im Einsatz, z.B. als Verpackungen. Über 80 % (etwa 650‘000 Tonnen) wird mit dem Kehricht gesammelt und in Kehrichtverbrennungsanlagen thermisch verwertet. Gut 1/6 wird dagegen separat gesammelt, wobei 80'000 Tonnen stofflich verwertet werden und der nicht rezyklierbare Anteil in Kehrichtverbrennungsanlagen und Zementwerken thermisch verwertet wird.
Das Referenzjahr dieser Zahlen ist das Jahr 2010, das BAFU geht jedoch davon aus, dass das Mengenverhältnis dieser Zahlen in etwa gleichgeblieben ist.

1.2  Welche Mengen an Kunststoffen gelangen jährlich in der Schweiz in die Umwelt? 

Ausgehend von der Literaturstudie, die EBP im Auftrag des BAFU gemacht hat, und anderen Studien (Modellberechnung Kunststoffe, Modellberechnung Reifenabrieb), die kürzlich veröffentlicht worden sind, schätzt das BAFU, dass in der Schweiz jedes Jahr rund 14’000 Tonnen Kunststoffe (Makro- und Mikroplastik) in die Umwelt gelangen. Der Grossteil dieses Kunststoffeintrages in die Böden und Gewässer stammt aus Reifenabrieb (rund 8'000 Tonnen) gefolgt von Littering (rund 2'700 Tonnen) sowie weiteren Quellen.

1.3  Welches sind die wichtigsten Quellen der Belastung der Umwelt durch Kunststoffe in der Schweiz? 

Die wichtigsten Quellen von Kunststoffen in der Schweizer Umwelt sind:

  • Reifenabrieb;
  • Littering;
  • Fragmente von Materialien aus Kunststoff, z.B. Folien aus der Bau- und Landwirtschaft;
  • Kunststoffe in der Grüngutsammlung.

Makroplastik (Partikel grösser als 5 mm sowie Kunststoffabfälle) gelangt vor allem durch die unsachgemässe Entsorgung (z.B. Littering) in die Umwelt. Mikroplastik (Partikel kleiner als 5 mm) hingegen wird mehrheitlich durch den Abrieb und die Zersetzung von Kunststoffprodukten (z.B. Reifenabrieb) in die Umwelt freigesetzt. Makroplastik zerfällt mit der Zeit zu Mikroplastik. Die enorme Anzahl an Mikroplastikteilchen ist problematisch für die Umwelt, da diese kaum sichtbar sind und nur schwer wieder aus der Umwelt entfernt werden können.

1.4  Was ist das Ausmass der Belastung der Umwelt durch Kunststoffe in der Schweiz? 

Mit der gut funktionierenden Abfallwirtschaft werden Kunststoffabfälle in der Schweiz umweltgerecht entsorgt. Entweder werden Kunststoffabfälle in Kehrichtverbrennungsanlagen oder Zementwerken thermisch oder durch Recycling stofflich verwertet. Dank den Reinigungsmassnahmen im öffentlichen Raum (z.B. Strassenwischen) sowie den Abwasserbehandlungsanlagen kann ein grosser Teil der Kunststoffe zurückgehalten werden und gelangt so nicht in die Umwelt.

In der Schweiz ist nebst Littering der Abrieb und die Zersetzung von Kunststoffprodukten (z.B. Reifenabrieb) sowie der langsame Zerfall von Makro- zu Mikroplastik das Hauptproblem der Umweltbelastung durch Kunststoffe.

Aktuellen Schätzungen zufolge gelangen jedes Jahr rund 14'000 Tonnen Kunststoffe in die Schweizer Umwelt. Kunststoffe bauen sich in der Umwelt jedoch kaum oder nur über sehr lange Zeit ab. Sie reichern sich somit in der Umwelt an. Weiter sind die Langzeitwirkungen einer Kunststoffexposition – gerade von Mikroplastik – auf Lebewesen noch nicht bekannt. Wir wenden somit das Vorsorgeprinzip an: Kunststoffe gehören nicht in die Umwelt und deren Einträge müssen so weit wie möglich reduziert werden.

1.5  Wie problematisch sind Trinkhalme, Einwegbesteck und weitere kurzlebige Einwegprodukte aus Kunststoff für die Umwelt? 

Trotz der gut funktionierenden Schweizer Abfallwirtschaft gelangen kurzlebige Einwegprodukte aus Kunststoff infolge von Littering oder bei starken Regenereignissen als Überlauf aus Abwasserreinigungsanlagen in die Umwelt und entgehen so den etablierten Reinigungsmassnahmen und Rückhaltemechanismen.

Bei einer umweltgerechten Entsorgung (z.B. keine Wattestäbchen in der Toilette entsorgen, keine Abfälle achtlos liegenlassen) sind die kurzlebigen Einwegprodukte nicht direkt problematisch für die Umwelt. Dennoch werden Ressourcen und Energie für die Herstellung und Entsorgung dieser Produkte aufgewendet – und dies nur für eine sehr kurze Nutzungsdauer dieser Produkte. Betreffend kurzlebiger Einwegprodukte aus Kunststoff ist das BAFU der Ansicht, dass diese Produkte nicht mehr in den Regalen angeboten werden sollen, wenn ökologisch sinnvolle Ersatzprodukte existieren. Hier soll der Detailhandel eigenverantwortlich handeln.

1.6  Wie problematisch ist in Produkten bewusst zugefügtes Mikroplastik, z.B. in Kosmetika? 

Mikroplastik wird bestimmten Produkten bewusst zugefügt, wie beispielsweise in Reinigungsmitteln und Kosmetika (z.B. Zahnpasta, Peeling). Dieses Mikroplastik gelangt bei der Anwendung der Produkte ins Abwasser und kann so auch in die Oberflächengewässer gelangen. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) schlägt eine Beschränkung von bewusst in Produkten zugefügten Mikroplastikpartikeln in der EU vor. Die Europäische Kommission wird noch prüfen, ob die Bedingungen für eine Beschränkung erfüllt sind. Das BAFU verfolgt diese Entwicklungen, denn bewusst zugefügtes Mikroplastik in Produkten führt auch in der Schweiz zu bedeutenden Einträgen in Oberflächengewässer.

1.7  Welche Gefahren bestehen für Menschen und Tiere? 

Es gelangt eine Vielzahl an verschiedenen Kunststofftypen in die Umwelt. Es ist unbestritten, dass Kunststoffe wegen ihrer Persistenz die Umwelt belasten. Dennoch besteht ein grosser Forschungsbedarf, um die Datenlage zu verbessern, damit die zuständigen Stellen die Risiken für Menschen und Tiere besser einschätzen können.

Herumliegende bzw. -schwimmende Kunststoffstücke können Tiere verletzen, z.B. durch Verheddern in Fischernetzen, oder von diesen verschluckt werden und Schäden im Darm verursachen. Wenn ein Tier zu viel Kunststoff schluckt, löst dies zudem ein Sättigungsgefühl aus und es kann verhungern.

Mikroplastik wird über die Nahrung oder Atmung in den Organismus aufgenommen und vermutlich grösstenteils auch wieder ausgeschieden. Bei Regenwürmern wurden Entzündungsreaktionen beobachtet. Auch bei anderen Tieren sind schädliche Effekte nicht auszuschliessen.

 

1.8  Wo bestehen die grössten Wissenslücken bezüglich Belastung der Umwelt durch Kunststoffe? 

Es bestehen an drei Stellen grosse Wissenslücken: Es fehlen Kenntnisse über den Eintrag von Kunststoffen in die Umwelt; über den Verbleib, das Verhalten und den Abbau von Kunststoffen in der Umwelt; über die Auswirkungen von Kunststoffen auf Lebewesen und Ökosysteme.

In allen drei Bereichen existieren zwar bereits einzelne Angaben, aber diese sind oft mit hohen Unsicherheiten behaftet und aufgrund unterschiedlicher Methodik und Einheiten schwer vergleich- und interpretierbar. Hinzu kommt, dass sehr kleine Partikel mit heutigen Methoden nicht erfasst werden, das betrifft z.B. den mengenmässig sehr bedeutenden Reifenabrieb.

1.9  Welche laufenden Untersuchungen gibt es bezüglich Kunststoffe beim BAFU? 

Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) hat im Auftrag des BAFU anhand einer Modellierungsstudie Quellen und Eintragswege von sieben verschiedenen Kunststofftypen in die Umwelt identifiziert und quantifiziert. In einer Folgestudie werden nun die Umweltkonzentrationen modelliert. Zusätzlich zur Modellierungsstudie der Empa läuft eine Überblicksstudie zur Abschätzung des Eintrags von Reifenabrieb in die Schweizer Gewässer. Die Ergebnisse der Studien dienen als zusätzliche Grundlage, damit das BAFU mögliche Massnahmen zur Reduktion der Einträge in die Umwelt erarbeiten kann.

Das BAFU hat weitere Forschungsprojekte in Auftrag gegeben oder unterstützt diese in den Bereichen Aktualisierung Mengengerüst Kunststoffverbrauch, Erhebung gelitterte Abfälle entlang von Fliessgewässern sowie Schadstoffauskopplung im Recycling.


2.   Massnahmen

2.1  Was wurde bereits gemacht? 

Es besteht bereits eine Reihe an etablierten Massnahmen, welche den Eintrag von Kunststoffen in die Umwelt reduzieren. Zum einen verfügen wir in der Schweiz über ein gut funktionierendes Abfallbewirtschaftungssystem, in dem Kunststoffe bei einer sachgemässen Entsorgung dem Recycling (z.B. PET-Getränkeflaschen, PE-Flaschen) oder der thermischen Verwertung zugeführt werden und so nicht mehr in die Umwelt gelangen können. Zum anderen werden durch die Reinigungsmassnahmen im öffentlichen Raum (z.B. Strassenwischen) sowie den Abwasserbehandlungsanlagen ein grosser Teil der Kunststoffe zurückgehalten.

Die aktive Bekämpfung von Littering spielt eine zentrale Rolle zur Eindämmung von Kunststoffen in der Umwelt (siehe Frage 2.2 «Wie kann Littering bekämpft werden?»).

Eine weitere wichtige Quelle von Kunststoffen in der Umwelt ist das Ausbringen von mit Kunststoffen verschmutztem Kompost und Gärgut auf Landwirtschaftsflächen, welche in die Grüngutsammlung gelangt sind. Um diese Verunreinigung zu reduzieren, wurde im Jahr 2016 in der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) der Grenzwert für Kunststoffe im Kompost und Gärgut gesenkt, damit weniger Kunststoffe durch verunreinigten Kompost und Gärgut als Dünger und Bodenverbesserer auf die Böden ausgetragen werden.

2.2  Wie kann Littering bekämpft werden? 

Littering, d.h. das achtlose Wegwerfen oder Liegenlassen kleiner Mengen Siedlungsabfall, leistet trotz grosser und teurer Reinigungsaufwände einen wichtigen Beitrag zur Belastung der Schweizer Umwelt mit Kunststoffen. Der Grossteil der gelitterten Abfälle wird zwar von kommunalen Diensten oder privaten Akteuren eingesammelt und korrekt entsorgt. Dies verursacht jedoch hohe Kosten und bindet personelle Ressourcen.

In erster Linie sind die Kantone bzw. die Gemeinden für die Umsetzung von Massnahmen gegen das Littering zuständig. Sie haben mit der Unterstützung des Bundes und unter Beizug von privaten Organisationen bereits Massnahmen ergriffen. Littering muss mit einer Mischung verschiedenster Massnahmen bekämpft werden, wie z.B. durch eine gute Entsorgungsinfrastruktur im öffentlichen Raum, Sensibilisierungsmassnahmen oder Sanktionen mittels Litteringbussen (siehe Links unten). Als Beispiele können folgende Massnahmen aufgezählt werden: Clean-Up-Days oder ein Pfand für Plastikbecher, resp. die eingeschränkte Verwendung von Einweggeschirr bei Grossanlässen.

2.3  Warum werden nicht mehr Kunststoffe rezykliert? 

Das Recycling von Kunststoffabfällen muss verschiedene Voraussetzungen erfüllen, damit Recycling gegenüber der Entsorgung eines Produktes in der Kehrichtverbrennungsanlage und der Verwendung von Primärrohstoffen einen ökologischen Vorteil bringt und wirtschaftlich tragbar ist – auch Recycling benötigt Rohstoffe in Form von Energie, Wasser und Chemikalien und verursacht Kosten durch die Sammlung, den Transport und den Betrieb der Recyclinganlagen.

Einige Voraussetzungen für ein ökologisch und ökonomisch sinnvolles Recycling sind:

  • Sicherstellung der Finanzierung und Organisation des Recyclings;
  • Reinheit und Homogenität des Sammelguts;
  • Gut ausgebaute Sammelstellen/ -infrastruktur/ -logistik;
  • Sortenreine Sammlung von Kunststoffabfällen (z.B. PET-Getränkeflaschen oder PE-Flaschen als Fraktion getrennt), damit ein hochwertiges und marktfähiges Rezyklat entsteht;
  • Sicherstellung der Transparenz von Sammel-, Transport- und Verwertungssystemen inklusive deren Finanzierung.

In Zukunft könnte sich das Recycling von Kunstoffen weiterentwickeln. Einerseits erproben verschiedene Gemeinden, Zweckverbände und private Anbieter in der Schweiz ergänzenden Sammlungs- und Recyclingangebote, von denen einige die obengenannten Voraussetzungen erfüllen könnten. Beispielsweise führen die PE-Flaschen mit Deckel (z.B. Milch- und Shampoo-Flaschen) zu einer guten Qualität des Sammelguts und hohen Recyclingraten. Andererseits verändert sich die Rezyklierbarkeit von neuen Kunststoffen aufgrund von Forschung und Regulierungen sowie Vorstössen aus der Schweiz und der EU.

Mehr Informationen zur Sammlung und zum Recycling von Kunststoffen auf dem Abfallwegweiser Kunststoffe.

2.4  Werden durch gemischte Kunststoffsammlungen mehr Kunststoffe rezykliert? 

In der Schweiz gibt es verschiedene Anbieter für gemischte Kunststoffsammlungen aus Privathaushalten und Kleingewerbe auf privater Basis. Bei diesen Sammlungen im selben Sammelstrom (z.B. in einem Sammelsack) kann meist nur rund die Hälfte der Kunststoffe stofflich verwertet, d.h. rezykliert werden, wobei die Recyclingrate stark variieren kann. Dies ist einerseits der grossen Heterogenität von Kunststoffen und den verschiedensten Zusatzstoffen geschuldet. Nicht für alle diese Kunststoffe in der Sammlung gibt es ein Verfahren für die stoffliche Verwertung, lohnt sich das Recycling aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen und/oder existiert ein sinnvoller Absatzmarkt. Andererseits führen Fremdstoffe in der Sammlung und starke Verschmutzung der gesammelten Kunststoffe zu einer Verminderung der verwertbaren Menge und Qualität des Rezyklats. Dies bedingt einen sehr grossen Aufbereitungsaufwand an Energie, Wasser und Chemikalien.

2.5  Sind biologisch abbaubare Kunststoffe wirklich abbaubar / kompostierbar? 

Es ist wichtig, zwischen biobasierten und biologisch abbaubaren Kunststoffen zu unterscheiden. Biobasierte Kunststoffe werden aus Biomasse hergestellt (z.B. Maisstärke). Das Ausgangsmaterial sagt aber nichts darüber aus, wie gut der Kunststoff abbaubar ist, da biologisch abbaubare Kunststoffe sowohl biobasiert als auch fossilen Ursprungs sein können. Biologisch abbaubare Kunststoffe werden durch natürlich auftretende Mikroorganismen zu Wasser, Kohlendioxid und Biomasse zerlegt. Sie können in vernünftiger Zeit oft nur in industriellen Vergärungs- oder Kompostierungsanlagen verwertet werden, da nur diese Anlagen die Bedingungen (z.B. Temperatur) für eine vollständige Zersetzung erfüllen. Unter realen Umweltbedingungen zerfallen biologisch abbaubare Kunststoffe mit der Zeit zu Mikroplastik und diese zersetzen sich nur sehr langsam in ihre chemischen Bestandteile. Oxo-abbaubaren Kunststoffe wurden zudem mit Additiven angereichert, welche sich bei Wärmezufuhr oder Sonneneinwirkung zu Mikroplastikpartikeln zersetzen, die jedoch kaum abgebaut werden.

2.6  Warum werden kurzlebige Einwegprodukte aus Kunststoff nicht einfach verboten? 

Die Diskussion über Verbote von bestimmten kurzlebigen Einwegprodukten aus Kunststoff ist in der Schweiz, wie auch im Ausland in vollem Gange. Die EU hat 2018 mit ihrer Strategie «Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft» angekündigt, Wegwerf-Produkte aus Kunststoff stark zu reduzieren oder gar zu verbieten, die entsprechende Richtlinie gilt es nun in den Mitgliedstaaten bis Mitte 2021 umzusetzen. Betreffend kurzlebiger Einwegprodukte aus Kunststoff ist das BAFU der Ansicht, dass diese Produkte nicht mehr in den Regalen angeboten werden sollen, wenn ökologisch sinnvolle Ersatzprodukte existieren.

Kurzlebige Einwegprodukte sollen nicht durch ökologisch schlechtere Materialien ersetzt werden. Grundlage muss jeweils eine Ökobilanz über den ganzen Lebensweg eines Einwegproduktes sein.

Das BAFU fördert die Kreislaufwirtschaft und will von der «End-of-pipe»-Betrachtung wegkommen. Im Sinne einer Verbesserung der Schliessung von Stoffkreisläufen ist es wichtig, Entsorgungsfragen bereits bei der Herstellung des Produktes anzugehen. Design for Recycling und Ecodesign sind hierzu nur zwei Stichworte. Weiter ist Abfallvermeidung ein wichtiges Thema, denn der umweltschonendste Abfall ist derjenige, der gar nicht erst entsteht.

Es existieren andere wirksame Lösungen, um Einwegprodukte aus Kunststoff zu reduzieren. Mit der Einführung einer Kostenpflicht im Jahr 2017 für Einweg-Plastiksäcke im Food-Bereich sank die Menge der in Umlauf gebrachten Einweg-Plastiksäcke seither um 86 %. Auch wenn es sich vom Gesamtanteil der in der Schweiz verwendeten Kunststoffe um eine geringe Menge handelt, ist der Sensibilisierungseffekt von grosser Bedeutung. Weiter wird die bestehende Branchenvereinbarung künftig um eine Kostenpflicht für mehrfach verwendbare Plastiksäcke im Non-Food-Bereich erweitert.

2.7  Welche weiteren Massnahmen müssen umgesetzt werden, um die Belastung der Umwelt durch Kunststoffe zu reduzieren? 

Das BAFU hat am 14. Mai 2020 den aktuellen Wissensstand zur Belastung der Umwelt durch Kunststoffe veröffentlicht. Auf dieser Grundlage und im Zuge der Bearbeitung zahlreicher parlamentarischer Vorstösse zum Thema, wird das BAFU zusammen mit den betroffenen Branchen weitere Massnahmen (siehe Frage 2.1 «Was wurde bereits gemacht?») vorschlagen, um die Umweltbelastung durch Kunststoffe zu reduzieren.

Der Bund ist daran im Rahmen der bereits angenommenen Postulate Thorens Goumaz (18.3196) und Munz (18.3496) in einem Bericht mögliche Massnahmen zur Reduktion des Umwelteintrages durch Kunststoffe und zur Förderung der Kreislaufwirtschaft aufzuzeigen. Mit der Motion 18.3712 «Weniger Plastikmüll in Gewässern und Böden», eingereicht durch die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrats (UREK-NR), verlangt das Parlament, dass der Bund gemeinsam mit den betroffenen Branchen Massnahmen prüft und ergreift, um der Belastung der Umwelt durch Kunststoffe umfassend und unter Einbezug der Hauptemissionsquellen effizient entgegenzutreten.

Das BAFU verfolgt zudem die verschiedenen von der EU in ihrer Strategie «Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft» vorgeschlagenen Massnahmen und prüft ihre Anwendbarkeit auf die Schweiz.

Das BAFU engagiert sich auch in internationalen Gremien. Beispielsweise in der «Interest Group Plastics» im «EPA Network» (European Network of the Heads of Environment Protection Agencies; auf Englisch) und der internationalen Partnerschaft Kunststoffabfälle des Basler Übereinkommens (Plastic Waste Partnership, auf Englisch). An der letzten Vertragsstaatenkonferenz des Basler Übereinkommens über die Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung im Mai 2019 wurde entschieden, dass gemischte Kunststoffabfälle ab 1.1.2021 kontrollpflichtig werden. Alle betroffenen Staaten (Export-, Transit- und Importstaaten) müssen künftig vorgängig zu geplanten grenzüberschreitenden Verbringungen ihre Zustimmung geben.

2.8  Was kann ich tun, um die Belastung der Umwelt durch Kunststoffabfälle zu reduzieren? 

Konsumentinnen und Konsumenten sollen sich zur Reduktion der Umweltbelastung durch Kunststoffabfälle im Allgemeinen an die folgende Kaskade halten: Vermeiden, Vermindern, Verwerten.

Für Privatpersonen ist die Abfallvermeidung durch bewusste und nachhaltige Kaufentscheide sowie eine umweltgerechte Entsorgung der Abfälle ein entscheidender Ansatz, um den Eintrag von Kunststoffen in die Umwelt zu vermeiden.

Eine korrekte Entsorgung von Kunststoffen bedeutet, dass diese nicht in die Umwelt gelangen. Kunststoffe werden entweder rezykliert oder umweltgerecht thermisch in Kehrichtverbrennungsanlagen oder Zementwerken verwertet.

In der Schweiz ist Littering eine der Hauptursachen für die Umweltbelastung durch Kunststoffe. Indem wir alle unsere Abfälle, inkl. Zigarettenstummel, in den Abfallbehältern entsorgen, leisten wir bereits einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der Umweltbelastung durch Kunststoffe. Ebenso dürfen keine kunststoffhaltigen Abfälle in die Toilette geworfen werden, da diese den Rückhaltemechanismen entgehen können, sondern sie müssen korrekt im Abfall entsorgt werden.

Um den Kunststoffkreislauf zu schliessen ist es wichtig, die separaten Sammlungen von PET-Getränkeflaschen und PE-Flaschen mit Deckel (z.B. Milch- und Shampoo-Flaschen) zu nutzen. 

Kontakt
Letzte Änderung 30.04.2020

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