Treibhausgasbilanz der Landnutzung (Böden, Vegetation)

Im Landnutzungssektor werden Treibhausgasflüsse erfasst, die mit der Landnutzung (wie Forst- und Landwirtschaft, Siedlungen oder Schutzgebiete) in Zusammenhang stehen oder als Folge einer Landnutzungsänderung (z. B. Häuserbau auf vormaligen Ackerflächen) entstehen. Im Gegensatz zu den übrigen Sektoren, in denen ausschliesslich Emissionen stattfinden, kann der in Böden und Vegetation enthaltene Kohlenstoff zunehmen. Auf diese Weise wird der Atmosphäre Kohlendioxid (CO2) entzogen (sogenannte Kohlenstoffsenken).

Die Treibhausgasflüsse werden für sechs Landnutzungskategorien erhoben: Wald, Ackerland, Grünland, Feuchtgebiete, Siedlungen und unproduktive Flächen. Zusätzlich wird der in Holzprodukten aus Schweizer Holz enthaltene Kohlenstoff erfasst. CO2 ist im Sektor Landnutzung das bei Weitem wichtigste Treibhausgas. Zu einem kleinen Teil tragen Methan (CH4) und Lachgas (N2O) aus Bränden, Humusverlust, Stauseen und entwässerten Moorböden zu den Emissionen bei. Mit Ausnahme des Jahres 2000 hat die Landnutzung in der Schweiz bewirkt, dass Vegetation und Böden mehr CO2-Äquivalente aus der Atmosphäre aufgenommen als freigesetzt haben. Die Schweiz verminderte dadurch ihren jährlichen Netto-Treibhausgasausstoss.

Entwicklung der Treibhausgasbilanz der Landnutzung. Eine positive Bilanz entspricht einer Netto-Freisetzung von Treibhausgasen im betreffenden Jahr, eine negative Bilanz bedeutet, dass mehr CO2-Äquivalente aus der Atmosphäre aufgenommen als freigesetzt wurden.

Die Wälder dominieren die Treibhausgasbilanz der Schweizer Landnutzung. In den meisten Jahren führte die Waldbewirtschaftung zu einem deutlichen Aufbau des Gesamtkohlenstoffspeichers in Bäumen, Totholz, Streu und Waldboden («Waldsenke»). Die Zwangsnutzung nach schweren Stürmen (Vivian Februar 1990, Lothar Dezember 1999) sowie die erhöhten Erntemengen in einzelnen Jahren (z. B. 2006, 2007, 2014) sind klar erkennbar. Eine klimapolitisch sinnvolle Waldbewirtschaftung wird erreicht, wenn das zuwachsende Holz in einer Kaskadennutzung zuerst für langlebige, hochwertige Holzprodukte und anschliessend als Energieträger genutzt wird. In beinahe allen Jahren seit 1990 wurde mehr Holz in neuen Produkten verbaut (z. B. Bauholz oder Möbel) als aus alten freigesetzt. Die Grösse der jährlichen Senke aus Holzprodukten nahm in den letzten Jahren tendenziell ab.

Die landwirtschaftliche Nutzung von Acker- und Grünland beeinflusst den Kohlenstoffvorrat in den Böden. Beispielsweise begünstigt Pflügen den Abbau von Humus, während das Ausbringen von Hofdünger oder das Belassen von Ernteresten auf den Feldern den Kohlenstoffvorrat erhöhen. Zusätzlich zur Bewirtschaftungsweise sind vor allem die angebauten Kulturen und die klimatischen Verhältnisse für die jährlichen Schwankungen mitverantwortlich. Einen Sonderfall nehmen trockengelegte ehemalige Moore ein. Diese fruchtbaren Böden setzen bei intensiver landwirtschaftlicher Nutzung hohe Mengen an den Treibhausgasen CO2 und N2O frei.

Feuchtgebiete nehmen heute nur noch einen kleinen Teil der Landesfläche ein. Da beinahe alle verbliebenen Moore durch die Folgen früherer Nutzung (v. a. Drainagen) beeinträchtigt sind, wurde der Aufbau von Torf gestoppt und aus den ehemaligen Senken sind vielerorts Treibhausgasquellen geworden.

Die Erschliessung neuer Siedlungsflächen führte seit 1990 zu vergleichsweise geringen Emissionen. Emissionen entstehen insbesondere dann, wenn bei Bauarbeiten Bäume gefällt werden müssen.

Unproduktive Flächen wie Fels, Schutthalden und Gletschervorfelder tragen wenig Vegetation und keine oder nur schwach entwickelte Böden. Diese Flächen spielen deswegen in der Treibhausgasbilanz eine vernachlässigbare Rolle.

Konventionsgemäss wird der Landnutzungssektor nicht in das Total des Treibhausgasinventars eingerechnet. Für die Überprüfung der Zielerreichung darf die Treibhausgasbilanz der Landnutzung jedoch mit klar definierten Regeln angerechnet werden. Der folgende Link führt zu den Details zur Anrechnung der Treibhausgasbilanz der Landnutzung:


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Letzte Änderung 12.04.2021

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