Ruhe – kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit

22.06.2020 – Die Ruhe ist ein kostbares Gut, welches zur Gesundheit und zum Wohlbefinden der Menschen beiträgt. Ruhe fördert das Zusammenleben und wertet Wohn- und Arbeitsorte auf. Trotzdem wird bei der Siedlungsentwicklung dem Ruheschutz nicht oder zu spät das nötige Gewicht beigemessen. Deshalb möchte das Bundesamt für Umwelt (BAFU) ruhige Gebiete innerhalb und ausserhalb der urbanen Lebensräumen künftig besser erhalten und fördern. 


Ruhe tut gut

Sei es mit einem Waldspaziergang oder mit dem Einsatz von Kopfhörern, die Lärm abhalten, jeder hat schon einmal Ruhe gesucht und gebraucht. Kein Verkehrslärm, kein Handy-Ton, kein Baulärm: einfach Ruhe. Das hat auch viele gesundheitliche Vorteile: Zahlreiche Studien belegen, dass Lärm stört und krankt macht. Ruhe hingegen fördert das Wohlbefinden der Menschen und ist notwendig für die Erholung des Körpers und der Psyche.

Dank Ruhe entspannt sich der Körper, sinkt der Blutdruck und werden Stesssymptome reduziert. Ruhe ist demnach eine kostbare, natürliche Ressource, die für die Gesundheit der Menschen unabdingbar ist.

Eine Suche, die oft unbewusst ist

Für viele Leute ist die Suche nach Ruhe meistens unbewusst. Ein Beispiel? Bei der Wohnungssuche achtet man vor allem auf Faktoren wie Mietzins, Geräumigkeit oder Anschluss an den öffentlichen Verkehr. Das BAFU hat 2014 in einer repräsentativen Umfrage die Gründe für einen beabsichtigten Umzug erfasst. Zu den wichtigsten Gründen für einen Umzug gehören die Lärmimmissionen im Umfeld des Gebäudes und die mangelnde Schallisolation der Wohnung. Auch bei einem Spaziergang oder der Suche nach einem Restaurant oder Picknickplatz fällt die Wahl häufig auf den ruhigeren der zur Auswahl stehenden Orte.

Kurz gesagt: Menschen suchen Ruhe, ohne sich bewusst zu sein, dass sie ein wichtiger Faktor für Lebensqualität ist. Der Wert von Ruhe ist vielfältig: Sie hilft nicht nur, die Konzentration und Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, sondern fördert auch das Zusammenleben. Ruhige Orte ziehen Menschen an, weil sie Orte sind, wo man gern Zeit miteinander verbringt und sich gerne mit anderen austauscht.

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Erholsame Mittagspause auf der Ufschötti in Luzern.
© Swiss-image/Stefan Tschumi

In der Siedlungsentwicklung Ruhe mitplanen

Dass Raumqualität nicht nur von der Optik, sondern auch von der akustischen Qualität abhängt, ist noch nicht überall anerkannt. Bislang haben Geräusche und Lärm in der Stadtplanung noch eine geringe Bedeutung. Der Integration der akustischen Qualität in die Stadtentwicklung soll künftig mehr Beachtung geschenkt werden. Deshalb will das BAFU aufzeigen, dass es sich bei der Klangraumgestaltung nicht um eine zusätzliche, unnütze Bauvorschrift handelt, sondern um eine Chance, damit die Stadt lebenswerter wird.

«Die Lärmproblematik wird sich zukünftig vor allem aufgrund des Bevölkerungs- und Mobilitätswachstums und des knappen Siedlungsraums weiter verschärfen», sagt Fredy Fischer, Sektionschef im BAFU. «Die Lebensqualität ist folglich in Gefahr. Dies verdeutlicht, dass eine Ergänzung der heutigen Vorgaben und Massnahmen notwendig ist, damit die Bevölkerung auch in urbanen Räumen ruhige Orte findet».

Den Neu- oder Umbau von Gebäuden so zu gestalten, dass unerwünschte Geräusche und Lärm verringert und nicht noch verstärkt werden, ist eine Herausforderung, die im Rahmen des «Nationalen Massnahmenplan zur Verringerung der Lärmbelastung» angegangen wird. Diesen hat der Bundesrat 2017 verabschiedet. Im Vordergrund steht die verstärkte Bekämpfung des Lärms an der Quelle sowie die Förderung von Ruhe und Erholung in der Siedlungsentwicklung. «Das Bedürfnis der Bevölkerung nach Räumen für Ruhe und Erholung wird künftig steigen.

Dies wird in Zukunft hohe Anforderungen an die Siedlungsentwicklung und die Raumplanung stellen», sagt Fischer. Ruhe wertet Wohnquartiere, öffentliche Aussenräume und Erholungsgebiete auf und erleichtert die Akzeptanz von Massnahmen zur Verdichtung von Siedlungen, weil Ruhe eine zentrale Bedeutung für die persönliche Wohnzufriedenheit der Menschen hat.

Schrebergärten im Zürich
Schrebergärten im Kreis 4, Zürich.
© BAFU

Thema Ruhe soll Teil der Ausbildung werden

Um Städte ruhiger zu machen, sollen innerhalb der Siedlungsgebiete für jedermann in kurzer Distanz ruhige Alltagsräume im Freien zugänglich sein. «Ruhige Orte sollen als wichtige Bausteine für die Siedlungsentwicklung konzipiert werden», so Fischer. Doch wie so oft klingt die Idee einfacher als ihre Umsetzung: Man muss die akustische Raumqualität von Anfang an in die Planung von Plätzen oder Gebäuden einbeziehen. Stellung, Form und Materialisierung eines Gebäudes haben eine grosse Bedeutung auf den Aussenraum.

Ein neues Gebäude kann beispielsweise zu ungewollten Schallreflexionen in bisher ruhige Wohnbereiche führen und die Lärmbelastung in der Umgebung erhöhen.

Mit der Fassadengestaltung oder der Fassadenform können Planer und Architekten die akustische Qualität im unmittelbaren Aussenraum hörbar verbessern. «Zusammen mit der Änderung der Rechtsgrundlagen für das Bauen in lärmbelasteten Gebieten möchte das BAFU das Thema auch in die Ausbildung etwa von Architekten, Landschaftsexperten, Urbanisten oder Raumplanern bringen, sagt Fischer.

«Wir streben zum Beispiel Bildungsangebote auf Hochschulniveau im Bereich der Stadtplanung und der Freiraumplanung an, mit dem Ziel einer Verbesserung der akustischen Qualität des öffentlichen Raums. Das wird sicher eine Daueraufgabe sein. Man darf aber nicht vergessen, dass der Ruheschutz sich mit anderen Projekten, etwa zugunsten der Biodiversität, der Klimaanpassung der Städte oder bei der Sanierung von Gebäuden, verknüpfen lässt». Denn: Wer früh in den Ruheschutz investiert, gewinnt damit Lebensqualität und spart Kosten.

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Letzte Änderung 22.06.2020

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