Naturgefahren: Risikoermittlung und -bewertung

Allgemein versteht man unter Risiko die Möglichkeit, dass durch ein bestimmtes Ereignis Schäden auftreten können. Risiken können ermittelt und bewertet werden und dienen somit als Mass für die Sicherheit.

Das Risiko setzt sich zusammen aus der Wahrscheinlichkeit, dass ein gefährliches Ereignis eintrifft und dem möglichen Schaden. Das mögliche Schadenausmass ist abhängig von der Anzahl Personen und den Sachwerten, die dem Ereignis ausgesetzt sind (Exposition) sowie der Schadenempfindlichkeit der betroffenen Personen und Werte (Verletzlichkeit). Dabei können die gefährdeten Güter sehr unterschiedlicher Art sein, wie zum Beispiel Menschen, Tiere, Gebäude, Infrastrukturen, Objekte mit erheblicher volkswirtschaftlicher Bedeutung oder Tragweite, Lebensgrundlagen des Menschen oder Kulturgüter. Neben einer ökonomischen können sie auch eine ökologische und soziale Komponente aufweisen. Beim Ausfall dieser Güter entstehen oft schwerwiegende Folgeschäden.


Risiko = Wahrscheinlichkeit x möglicher Schaden (Schadenausmass) wobei

  • Wahrscheinlichkeit = Eintretenswahrscheinlichkeit des Ereignisses
  • Möglicher Schaden = potenziell betroffene Personen und Werte x Exposition x Verletzlichkeit

Risiken infolge Naturgefahren werden oft in Form jährlicher Schadenerwartungswerte mit der Einheit «Anzahl Todesopfer pro Jahr» bzw. «Franken pro Jahr» ausgedrückt. Risiko lässt sich aber auch in anderer Form beschreiben, beispielsweise als Anzahl der potenziell betroffenen Personen oder Werte (s. Grafik „Von Naturgefahren betroffene Wohnbevölkerung").

Erfassung und Bewertung von Risiken

Die Schutzmassnahme reduziert das Risiko auf ein akzeptables verbleibendes Risiko. Quelle: Frank

Das integrale Risikomanagement setzt voraus, dass Massnahmen auf Grund umfassender Kenntnis der bestehenden Risiken geplant und umgesetzt werden. Erst wenn die Risiken systematisch erfasst und bewertet werden, können bestehende Risiken auf ein akzeptables Mass reduziert, künftige Risiken im Rahmen gehalten und Schutzmassnahmen priorisiert werden.

Die Ermittlung der Risiken erfolgt mittels Risikoanalysen, welche auf systematischen und wissenschaftlich abgestützten Verfahren beruhen. Mit der Risikoanalyse werden Risiken möglichst objektiv charakterisiert und quantifiziert.

Im Gegensatz dazu wird mit der Risikobewertung entschieden, welche Risiken als akzeptabel respektive inakzeptabel betrachtet werden. Akzeptabel ist ein Risiko, das aus guten Gründen als tragbar beurteilt wird. Risikobewertungen beantworten die Frage: «Was darf passieren?» Damit dient die Risikobewertung dem Erkennen eines allfälligen Handlungsbedarfs und der Festlegung der Prioritäten. Grundsätzlich entscheidet die Gesellschaft als Ganzes darüber, welches Mass an verbleibendem Risiko akzeptiert werden soll. Daneben hängt Risikoakzeptanz aber auch vom Verhalten und von der Verantwortung des Einzelnen ab.

Entwicklung der Risiken

Schweizweite Auswertungen zeigen, dass rund ein Fünftel des Siedlungsgebietes Naturgefahren, insbesondere Hochwasser, ausgesetzt ist. In diesen Gebieten leben rund 1,8 Millionen Menschen, die potenziell durch Hochwasser betroffen sein können.

Rund ein Fünftel der Schweizer Wohnbevölkerung ist potenziell von Hochwasser betroffen. Der Anteil schwankt je nach Kanton stark. In dicht besiedelten Gebieten sind die möglichen Schäden entsprechend hoch. Datengrundlage: Statistik der Bevölkerung und der Haushalte (STATPOP), BFS 2013 / Überschwemmungsgebiete Aquaprotect, Wiederkehrperiode 500 Jahre, BAFU 2008

Die Wertekonzentration in der Schweiz nimmt auch in gefährdeten Gebieten ständig zu. Hand in Hand mit dieser Entwicklung geht das Wachstum der mit Naturereignissen verbundenen möglichen Schäden (mehr gefährdete Objekte, höhere Sachwerte, grössere Schadenempfindlichkeit) und damit des Risikos. Lokal sind die Risiken zum Teil sehr hoch.

Der Klimawandel könnte die Entwicklung der Risiken in Zukunft weiter verschärfen. Allerdings weisen die Erfahrungen der letzten Jahre eher darauf hin, dass die intensivierte Raumnutzung und die Zunahme der möglichen Schäden weit mehr zu einem Risikoanstieg beitragen dürften als Veränderungen in den Gefährdungsszenarien. Eine Steuerung der Risiken kann demnach primär über die Raumnutzung und -planung erfolgen. Voraussetzung für wirkungsvolle Massnahmen im Umgang mit Risiken ist deren Kenntnis. Nationale Risikoübersichten fehlen heute jedoch noch weitgehend. Aus diesem Grund wird der Erstellung von Risikoanalysen in nächsten Jahren ein hohes Gewicht beigemessen.

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Letzte Änderung 23.10.2018

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