REDD+ – Vermeidung des Treibhausgasausstosses aus Entwaldung und Waldzerstörung

REDD+ (Reduction of Emissions from Deforestation and Forest Degradation) ist ein weltweites von der UNO-Klimakonvention entwickeltes Programm, das Anreize schafft, Kohlendioxidemissionen aus der Zerstörung von Wäldern in Entwicklungsländern zu reduzieren. Die Grundidee besteht darin, Wälder dank einer Klima- und Entwicklungsfinanzierung aus öffentlichen und privaten Quellen und aus dem Kohlenstoffmarkt zu erhalten und nachhaltig zu bewirtschaften.

Bis jetzt existieren in über 70 Entwicklungsländern REDD+-Programme. REDD+ umfasst Unterstützung bei der Waldüberwachung, der Berichterstattung, der Umsetzung von Massnahmen und der Erreichung von Resultaten in Tonnen CO2. Integrierte Schutzmassnahmen schützen die Biodiversität, wahren die Rechte indigener Bevölkerungsgruppen und stellen sicher, dass die Massnahmen des Programms weder den Wäldern noch deren Bewohnern schaden.

Waldzerstörung als eine Hauptquelle globaler Emissionen

Die globalen Netto-THG-Emissionen aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft und anderer Landnutzung beliefen sich von 2007 bis 2016 auf 12,0 +/–3,0 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr. Das entspricht 23 % der gesamten durch Menschen verursachten Nettoemissionen. Die Entwaldung ist verantwortlich für Bruttoemissionen von 4,3 bis 5,5 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr. Allein in den Tropen werden jedes Jahr 10 Millionen Hektar entwaldet. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, rechnet die Eliasch-Review bis 2100 mit jährlichen Kosten von 1 Billion US-Dollar weltweit.

Klimapotenzial bei einer Reduktion der Waldzerstörung

Der Sonderbericht des IPCC über Klimawandel und Landsysteme (2019) empfiehlt folgende Massnahmen:

  • Nachhaltiges Landmanagement, inklusive nachhaltiger Forstwirtschaft, kann Landdegradierung verhindern und verringern, die Produktivität von Landsystemen aufrechterhalten und manchmal die negativen Folgen des Klimawandels auf die Landdegradierung umkehren (sehr hohes Vertrauen).
  • Die Reduzierung von Entwaldung und Waldzerstörung senkt die Treibhausgasemissionen (hohes Vertrauen) mit einem gesamten technischen Minderungspotenzial von 0,4 bis 5,8 Gt CO2 pro Jahr.

Es wird geschätzt, dass die Landnutzung einen Drittel der Lösung für den Klimawandel beitragen kann (UNEP 2017). In den Entwicklungsländern werden die meisten Emissionen durch Änderungen der Landnutzung verursacht, insbesondere durch Entwaldung. Eine Verringerung der Entwaldung könnte der wirksamste Weg sein, um die Emissionen in Entwicklungsländern zu senken, deren Minderungspotenzial zu rund 60 % in den Wäldern liegt (McKinsey 2009).

Globales Klimaziel und REDD+

Die Wälder haben einen entscheidenden Anteil, das globale Klimaziel zu erreichen. 96 % der 194 Länder, die per 1. März 2019 «national festgelegte Beiträge» (NDCs) eingereicht haben, schlossen Landwirtschaft und/oder Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft (LULUCF) als Sektor in ihren Beitrag zur Minderung und/oder Anpassung ein. Interessant für die Bedeutung der Landnutzung für das Klima ist die Tatsache, dass 50 % aller Anträge der Länder für den Green Climate Fund die Emissionsminderungen aus der Landnutzung betreffen.

An der COP 21 im Dezember 2015 in Paris wurde die Wichtigkeit des Waldes und von REDD+ in den Vereinbarungen und im Klimaregime verankert, das nach 2020 in Kraft tritt. Waldwirtschaft und Landnutzung wurden über Artikel 5 in das Grundprinzip netto null bis 2050 des Übereinkommens eingeschlossen. Dieser Artikel geht spezifisch auf die Massnahmen in den Wäldern ein.

Seit 2010 wurden für die Entwicklungsländer über USD 15 Milliarden bereitgestellt, um sie bei den Vorarbeiten für REDD+ («Readiness» – Phase 1), bei der Umsetzung von REDD+-Massnahmen (Phase 2) und bei der Abgeltung von erreichten Resultaten zu unterstützen (Phase 3). In Paris hat die internationale Gemeinschaft für die Periode 2016–2020 zusätzliche USD 5 Milliarden für REDD+ zugesichert. Allein Norwegen sagte für 2020 bis 2030 USD 1 Milliarde pro Jahr für REDD+ zu.

Die Schweiz unterstützt globales Handeln in Wäldern und spezifisch im Rahmen von REDD+

Die Schweiz beteiligte sich seit 2007 aktiv an den REDD+-Verhandlungen im Rahmen der UNO-Klimakonvention (UNFCCC). Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) stimmten dabei ihre Positionen mit dem BAFU ab, das die Verhandlungen zur UNFCCC-Politik führt. REDD+ ist ein Rahmenwerk von Methodiken und Regeln, das in über 10 Jahre andauernden Klimaverhandlungen erarbeitet wurde.

Die Schweiz legt besonderes Gewicht auf eine nachhaltige Waldbewirtschaftung oder eine umfassende Wald-Gouvernanz (z. B. klare Nutzungs- und Eigentumsrechte). Dabei setzt sich die Schweiz für eine partizipative, dorfbezogene Waldbewirtschaftung in Entwicklungsländern ein: Indigene Völker sowie die lokale Bevölkerung sollen an REDD+ direkt teilhaben können, indem ihre Rechte gewahrt bleiben und sie konsultiert werden. Zudem engagiert sich die Schweiz für die Erhaltung der Biodiversität bei REDD+-Massnahmen. Dies bedeutet zum Beispiel, dass naturnahe Wälder nicht in Baumplantagen für Palmöl oder andere Produkte umgewandelt werden.

Die Schweiz setzt sich in den Bereichen Aussenpolitik und Entwicklungshilfe aktiv für Lösungen ein, die die Waldzerstörung verhindern. Die internationale Waldstrategie der Schweizer Regierung basiert auf der Waldpolitik der Schweiz und dem Strategischen Plan der Vereinten Nationen für Wälder 2017–2030.

Die Waldprojekte der DEZA für Entwicklungsländer auf der ganzen Welt weisen viele Schnittstellen zu REDD+ auf. Die DEZA beteiligt sich am BioCarbon Fund der Weltbank und hat UN-REDD neulich einen Beitrag zugesichert, um den weltweiten Fortschritt bei der Einführung von Wald- und Klimapolitik zu unterstützen. Über UN-REDD werden auch spezifische Programme unterstützt, wie die Verankerung von Wäldern und Biodiversität in naturbasierten Lösungen, soziale und gemeinschaftliche Forstwirtschaft und verschiedene Regionen und Fachgebiete, in denen die DEZA über langjährige Erfahrung und Kontakte verfügt.

Das SECO hat über die Forest Carbon Partnership Facility (FCPF) der Weltbank, dem dazugehörenden Readiness Fund und den Carbon Fund, der Länder bei der Konsolidierung von REDD+ weiterhin unterstützt, einen grossen Beitrag zu REDD+ geleistet. Das SECO befasst sich auch mit nachhaltigen Lieferketten, Naturkapital-Initiativen und multilateraler Unterstützung für Länder, die REDD+ umsetzen.

BAFU-Initiativen, die politische Umsetzungen unterstützen

Jahr

Initiative

Resultate

2020–2021

Entwicklung eines regionalen REDD+-Konzepts für Westafrika

Integration des Konzepts in UN-REDD

2019

Integration von Wäldern in naturbasierte Lösungen

UNO-Klimagipfel, New York (organisatorische Unterstützung von UN-REDD)

2018

Forest Resilience Finance

Nebenveranstaltung und Studie UNFCCC COP24 Katowice

2017

Unterstützung bei der Entwicklung von Finanzierungsstrategien für nationale Wälder

Nebenveranstaltungen UNFF13 und UNFCCC Bonn COP23

Kurzinformation – Englisch
Kernbotschaften – Englisch
Infografik

2016–2017

Optimierung des Waldüberwachungskonzepts im UN-REDD-Kapazitätsaufbauprogramm für Westafrika

Bericht und Nebenveranstaltung

2014–2016

Regionale Zusammenarbeit für Waldüberwachung in Westafrika RFMWA

Aktionsplan und Nebenveranstaltung COP22

und CBD COP13
RFMWA-Aktionsplan

2014

Pilotprojekt Überwachungs- und Kartierungs-Tool und Studie zu grenzüberschreitendem Konflikt

Praktische Schulung in Pyeongchang, Südkorea

2014

Der Land-Sektor in den UNFCCC-Klimaverhandlungen: Schulung für UNFCCC-Verhandler/-innen

3-tägiger Workshop und informeller Austausch in São Paulo, Brasilien

2013

Optionen und Elemente für einen Rechnungslegungsrahmen für den Sektor Land im Klimaregime nach 2020

Präsentation an drei informellen Dialogen zum Sektor Land in Finnland, Mexiko und Brasilien
Kurzdossier

2012

Bewährte Praktiken für Governance und Biodiversitätsschutzmassnahmen

Nebenveranstaltung CBD, Hyderabad, Indien,
Kurzdossier

2011

Auf dem Weg zu einem Governance-Rahmenwerk für die REDD+-Finanzierung

UNFCCC-Nebenveranstaltung, Durban
Kurzdossier

2011

REDD+-Gipfel zu indigenen Völkern im Amazonasgebiet und Markterkundung

Aktionsplan für Wälder und REDD+ für indigene Völker im Amazonasgebiet, unterzeichnet am 22.8.2011

Weiterführende Informationen

Kontakt
Letzte Änderung 23.03.2023

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