Hydrologischer Atlas: Das Wassergedächtnis der Schweiz

19. März 2018 - Vor 30 Jahren, am 7. März 1988, gab der Bundesrat mit dem «Hydrologischen Atlas der Schweiz» (HADES) den Startschuss für ein umfassendes Nachschlagewerk zu wissenschaftlichen Grundlageninformationen fürs Wasser. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich nicht nur die Publikationsform des Atlas verändert, es sind auch neue Produkte hinzugekommen. Die zum Jubiläum neu entwickelte Daten- und Analyseplattform ist eines davon.

Winterstimmung an der Thur.
© BAFU/OFEV/UFAM

HADES: Was wie der Herrscher über die Unterwelt tönt, ist in der Schweiz ein wissenschaftliches Grundlagenwerk, der Hydrologische Atlas der Schweiz. Bereits Bundesrat Flavio Cotti hob im Jahr 1988 die Bedeutung von hydrologischen Daten als unerlässliche Voraussetzung für den Gewässerschutz, die Wasserbewirtschaftung sowie den Schutz der Bevölkerung vor Überschwemmungsgefahren hervor. Die Schweiz als Wasserschloss Europas sollte damit einen Beitrag zum weltweiten «Problemkreis Wasser» leisten.

Das Konzept der hydrologischen Datensammlung stammte jedoch aus der Feder des Geografen Rolf Weingartner, der zwei Jahre zuvor in seiner Dissertation das Konzept eines nationalen Kartenwerks zu hydrologischen Daten entwickelt hatte. Das Konzept überzeugte, sodass nach Gutheissung des Bundesrates und im Auftrag der damaligen Landeshydrologie und -geologie (heute BAFU) die ersten 17 Kartenblätter des HADES 1992 gedruckt wurden.


Vom gedruckten Atlas zur Onlineversion

Das ursprüngliche Kartenwerk in Form eines grossformatigen Ordners umfasst 63 Tafeln, die wenn nötig aktualisiert und ausgetauscht wurden. Diese Tafeln liefern Informationen und ausführliche Erläuterungen zu hydrologischen Themen wie zum Beispiel Niederschlagsverteilungen, Abflussverhältnisse, Veränderungen von Schneemengen und Gletschervolumen, chemischen Belastungen von Flüssen und Seen oder Grundwasservorkommen.

Der HADES sollte aber nicht nur Fachleuten zugänglich sein: Um den Atlas der Allgemeinheit näher zu bringen, stehen seit 2000 Daten im Netz zur Verfügung. 2016 wurde eine Visualisierungsplattform zur Darstellung thematischer Karteninhalte auf einem 3D-Globus in Zusammenarbeit mit dem Atlas der Schweiz aufgeschaltet.

Eine neue Daten- und Analyseplattform

Zum Jubiläum wird nun der Hydrologische Atlas mit einer zweidimensionalen Daten- und Analyseplattform erweitert. Mit diesen Raster- und Vektordaten können Messwerte gefiltert, heruntergeladen und analysiert werden. Das Tool liefert mit Grafiken und passenden Texten spannende Informationen, wie etwa die Niederschlagsverteilung im europäischen Alpenraum. 

Interview mit Felix Hauser, Co-Projektleiter des HADES 

Zur Digitalisierung des Atlas nimmt Felix Hauser, Co-Projektleiter des HADES beim Geographischen Institut der Universität Bern (GIUB), Stellung: 

Felix Hauser, braucht es hydrologische Themen in digitaler Form?
In der gedruckten Version des HADES sind sämtliche Inhalte statisch, das heisst sie liegen als Karten, Grafiken oder in tabellarischer Form vor. Eine Aktualisierung dieser Inhalte war stets mit einem sehr grossen Aufwand, sprich dem Neudruck einer Atlastafel, verbunden. Die Digitalisierung eröffnet hier ganz neue Möglichkeiten. Einerseits lassen sich neue Daten und neues Wissen viel leichter in den Atlas integrieren…

Und andererseits?
… profitieren alle Interessierten von der Interaktivität. Anhand von Filtern können beispielsweise alle in einer bestimmten Zeitperiode verfügbaren Messstationen an Gewässern selektiert und heruntergeladen werden. Zusätzlich sind viele hydrologische Kennzahlen für mehr als 4500 Einzugsgebiete verfügbar. Dies vereinfacht nicht nur die Arbeit für Fachleute, sondern macht die Plattform auch für die Allgemeinheit attraktiver.

hades_screenshot_de

Was versprechen Sie sich durch die Digitalisierung des HADES?
Die Digitalisierung eröffnet sowohl der breiteren Öffentlichkeit als auch der Fachwelt neue Zugänge zur Hydrologie der Schweiz. Die Visualisierungsplattform 3D ermöglicht im wahrsten Sinn des Wortes neue Einsichten in die Wasserverhältnisse der Schweiz. Auf einem dreidimensionalen digitalen Globus wird beispielsweise die Zunahme der Niederschlagsmenge mit der Höhe plastisch sichtbar. Mit der Daten- und Analyseplattform 2D können Fachspezialistinnen und -spezialisten gezielter auf Daten- und Informationen zugreifen sowie diese vergleichen und verbinden.

Lernmedien und Exkursionsführer

Das Ziel des Atlas ist, das im Laufe der Jahre durch Beobachtung, Analyse und Forschung in der Schweiz entwickelte Fachwissen einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Das wird nicht nur durch die Digitalisierung angestrebt, in den letzten 30 Jahren kamen auch Lehrmittel für die Sekundarstufe II sowie Exkursionsführer hinzu. Die Lernmedien WASSERverstehen bieten Unterrichtshilfe und bestehen aus Fachinformationen und e-Arbeitsblättern.

Mit den hydrologischen Exkursionsführern «Wege durch die Wasserwelt», die bereits in sieben verschiedenen Regionen der Schweiz existieren, sollen das Wissen ums Wasser gefördert sowie die Aufmerksamkeit auf Nutzung, Veränderungen und Gefahren der Schweizer Gewässer gelenkt werden. Wer beispielsweise den Gewässerzustand oder die Wassernutzung rund um den Zürich- und Greifensee, die Limmat und die Sihl erkunden will, erhält mit anschaulichen Texten, Grafiken und Bildern die Möglichkeit, die Region Zürich von einer neuen Seite zu entdecken.

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Letzte Änderung 19.03.2018

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