Wasser: Das Wichtigste in Kürze

Die Wasserqualität hat sich in der Schweiz seit den 1950er-Jahren bedeutend verbessert. Pflanzenschutzmittel und andere Mikroverunreinigungen bleiben jedoch eine Herausforderung. Deshalb plant die Schweiz den Ausbau der Abwasserreinigungsanlagen mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe. Die begonnenen Renaturierungen müssen verstärkt werden, um so die ökologischen Funktionen der Gewässer wiederherzustellen.


1. Ansprüche der Gesellschaft und Wirtschaft an die Wasserressourcen; Klimawandel (Ursachen) 

Gewässer und Wasserressourcen werden durch die Gesellschaft und Wirtschaft vielfältig und intensiv genutzt:

  • für die Gewinnung von Trink- und Brauchwasser
  • für die Energieproduktion
  • als «Arena» für Freizeit und Erholung
  • aber auch für die Entsorgung von Abwasser.

Das Bedürfnis nach Siedlungs- und Erholungsraum und die intensive Landwirtschaft verstärken den Druck auf den Gewässerraum und belasten die Gewässerqualität.

Der Klimawandel verändert die zeitliche und räumliche Wasserverfügbarkeit. Dies kann zusammen mit der Intensivierung der Nutzung und den Schutzanliegen zunehmend zu Interessenskonflikten führen.


2. Verbauung der Flüsse und Änderung der Wasserführung, Eintrag von Düngemitteln und anderen Stoffen (Belastungen)

Die Schweiz als Wasserschloss Europas verfügt über grosse Wasserressourcen. Der Wasserverbrauch von Haushalten, Gewerbe und Industrie hat seit 1975 trotz steigender Bevölkerungszahl abgenommen, der Bedarf für die Bewässerung nimmt in Folge des Klimawandels zu.

Die intensive Landwirtschaft und die Bedürfnisse der Gesellschaft üben Druck auf die Qualität von Grund- und Oberflächengewässern aus. Rückstände aus Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, Bestandteile von Körperpflegeprodukten, Reinigungsmitteln und Arzneimitteln beeinträchtigen die Wasserqualität. Auch von Strassen und versiegelten Flächen gelangen unerwünschte Stoffe ins Wasser. Diese sogenannten Mikroverunreinigungen können bereits in sehr niedrigen Konzentrationen nachteilige Wirkungen auf die Wasserqualität haben.

Die intensive Raumnutzung haben in der Vergangenheit zu massiven Veränderungen der Gewässerstrukturen sowie zur Verarmung der Landschaft geführt. Zahlreiche Gewässer wurden verbaut oder begradigt, um den zunehmenden Landbedarf zu decken oder Siedlungen vor Hochwasser zu schützen. Der den Gewässern zugestandene Raum ist so vielerorts bis auf einen Abflusskanal reduziert worden.

Die Wasserkraftproduktion beeinflusst die Wassermenge und führt zu Strukturveränderungen an den Gewässern. (Anfangs der 1990er Jahre fielen zum Beispiel zahlreiche Flüsse und Bäche unterhalb von Wasserentnahmen zur Wasserkraftnutzung regelmässig trocken).

Speicherkraftwerke erzeugen für die Produktion von Spitzenenergie schwallartige Abflussschwankungen in den unterliegenden Gewässern. Dabei verändern sich, ähnlich einem künstlich erzeugten Hochwasser, innerhalb von kurzer Zeit der Wasserstand, die Fliessgeschwindigkeit und die Flussbreite.


3. Mikroverunreinigungen und Nitrat, Temperaturerhöhungen, beeinträchtigte Gewässerstrukturen und Abflussmengen (Zustand)  

Das Grundwasser in der Schweiz weist in der Regel eine gute bis sehr gute Qualität auf. In Ballungsräumen und landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten ist es aber häufig zu stark mit Nitrat und anderen unerwünschten Stoffen belastet. Bei langanhaltenden Trockenperioden können die Grundwasserstände vorübergehend sinken.

Die Wasserqualität der Oberflächengewässer hat sich seit den 1960er Jahren bezogen auf die Belastungen mit Nährstoffen insgesamt stark verbessert. Der Eintrag von Mikroverunreinigungen ist jedoch nach wie vor eine Herausforderung für den Gewässerschutz. Problematisch sind kleinere Bäche, in denen gereinigtes Abwasser bei der Einleitung ins Gewässer nur wenig verdünnt wird. Bei Regenereignissen werden in kleineren und mittleren Bächen/Flüssen regelmässig Spitzenbelastungen von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden nachgewiesen. Sie stammen aus der Landwirtschaft und dem Unterhalt von Privatgärten, Vorplätzen sowie Grün- und Sportanlagen

Im Rhein bei Basel ist die Temperatur seit den 1960er Jahren um mehr als 2°C angestiegen. Zu dieser Entwicklung tragen der Klimawandel und die Einleitung von erwärmtem Wasser beispielsweise aus Kühlanlagen oder Abwassereinigungsanlagen bei. Ähnliche Temperaturerhöhungen können auch in anderen Gewässern im Mittelland festgestellt werden.

Der Klimawandel beeinflusst auch die Wassermengen in den Fliessgewässern: In unvergletscherten Gebieten  nimmt im Winter die Wasserführung tendenziell zu, im Sommer eher ab. Ausgeprägte Niedrigwasserperioden werden im Sommer in der Zukunft häufiger erwartet.

Das Schweizer Gewässernetz umfasst rund 65'300 km Fluss- und Bachläufe.

  • Heute sind 14'000km oder 22% des Gewässernetzes durch bauliche Massnahmen wie beispielsweise Mauern, künstlichen Stufen oder Uferverbauungen stark verändert.
  • 10'800 km der Gewässerstrecken sind stark beeinträchtigt bis naturfremd und haben Renaturierungsbedarf. Stark beeinträchtigt sind vor allem Gewässer in intensiv genutzten, tieferen Lagen.
  • Da seit dem Ende der 1980er-Jahren immer mehr Abschnitte renaturiert worden sind, lässt sich eine leichte Zunahme der naturnahen Flüsse und Bäche beobachten.
  • Von wechselnden Abflussmengen (Schwall und Sunk) sind vor allem alpine Flüsse unterhalb von Speicherkraftwerken bis zu deren Mündung in die Voralpenseen betroffen.
  • Laut Studien ist bei etwa 41% der untersuchten Fliessgewässer (total 1900km) der natürliche Geschiebehaushalt stark beeinträchtigt.

4. Beeinträchtigte Lebensräume und Tier- und Pflanzenwelt, Hochwasser, Belastung des Grundwassers (Auswirkungen)  

Die Wassertemperatur gehört zu den wichtigsten Regulatoren von Lebensvorgängen in Gewässern. Wasserlebewesen reagieren empfindlich auf den Temperaturanstieg: Beispielsweise können bei Forellen, Felchen oder Äschen Wassertemperaturen von 18-20°C Stresssymptome auslösen. Temperaturen über 25°C können tödlich sein.

Mikroverunreinigungen haben bereits in sehr tiefen Konzentrationen nachteilige Wirkungen auf aquatische Ökosysteme. Beispielsweise können hormonaktive Stoffe das Hormonsystem von Wasserlebewesen beeinflussen und so die Fruchtbarkeit schädigen.

Veränderungen der Struktur der Fliessgewässer haben Auswirkungen auf die Pflanzen- und Tierwelt: Bei verbauten Gewässern fehlen die für die Wasserlebewesen notwendigen Lebensräume (z.B. Kiesbänke, Abfolgen von Tief- und Flachwasserzonen, periodisch überflutete Bereiche). Künstliche Stufen stellen Wanderhindernisse für Fische und andere Wasserlebewesen dar.

Stark schwankende Wassermengen (Schwall und Sunk) gefährden die Wassertiere: Bei Schwall werden sie weggespült, bei Sunk besteht die Gefahr, dass sie am Ufer stranden.

Im Falle eines Hochwassers fehlt verbauten Gewässern der Platz und Überschwemmungen mit grossen Schäden sind die Folge.

Über 80% des Trinkwassers in der Schweiz werden aus Grundwasser gewonnen. Dank seiner meist guten Qualität kann rund 40% des Grundwassers ohne Aufbereitung direkt ins Trinkwassernetz eingespeist werden. Seewasser muss grundsätzlich aufbereitet werden, bevor es als Trinkwasser genutzt werden kann.

Infolge des Klimawandels können in Zukunft v.a. in Trockenperioden Versorgungsengpässe und damit Konflikte zwischen der Trinkwasser- und weiteren Nutzungen (z. B.  Bewässerung in der Landwirtschaft ) auftreten.


5. Renaturierungen, Schutz- und Nutzungsvorschriften, Abwasserreinigung (Massnahmen)  

Durch das Gewässerschutzgesetz und die dazugehörige Verordnung verfügt der Gewässerschutz in der Schweiz über eine gute gesetzliche Grundlage. Seit dem 1.1.2011 fordert das Gesetz die Renaturierung von Flüssen und Seen, um deren natürliche Funktionen wiederherzustellen und deren gesellschaftlichen Nutzen zu stärken.

Dazu müssen die Kantone einen minimalen Gewässerraum ausscheiden. Landwirtschaftliche Flächen im Gewässerraum müssen als ökologische Ausgleichsflächen bewirtschaftet werden. Das landwirtschaftliche Budget wurde dazu um 20 Mio CHF aufgestockt. Für die Renaturierungen stehen rund 40 Mio CHF pro Jahr zur Verfügung. Die Kantone habenihre strategischen Planungen bis Ende 2014 abgeschlossen. Erste Projekte werden bereits umgesetzt.

Weiter müssen bis 2030 die negativen Auswirkungen der Wasserkraftnutzung wie z.B. die schwallartigen Abflussschwankungen (Schwall Sunk) beseitigt und die Fischwanderung gewährleistet werden. Dazu stehen jährlich 50 Mio CHF zur Verfügung (Zuschlag auf die Übertragungskosten der Hochspannungsnetze). Der Entscheid der Schweiz, aus der Atomenergie auszusteigen, macht einen Ausbau erneuerbarer Energien nötig, Das Ziel, die Wasserkraft auszubauen und gleichzeitig naturnahe Lebensräume und Landschaften zu erhalten, stellt eine grosse Herausforderung dar.

Mit dem Bau von Abwasserreinigungsanlagen (ARA) konnte die Gewässerqualität seit den 1960er Jahren generell stark verbessert werden. Rund 1500 Millionen Kubikmeter Abwasser werden jährlich in den ARA sachgerecht behandelt.

Das Problem der Einträge von Mikroverunreinigungen in die Gewässer ist erkannt worden. Werden künftig rund 100 gezielt ausgewählte ARA's mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe ergänzt, lassen sich fast zwei Drittel aller Abwässer von Mikroverunreinigungen reinigen. Das Parlament hat 2014 entschieden, die Ausgaben dafür über eine gesamtschweizerische Abwasserabgabe zu finanzieren.

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Letzte Änderung 30.06.2015

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