Wirtschaft und Konsum: Das Wichtigste in Kürze

Der Verbrauch natürlicher Ressourcen wird bestimmt durch Produktions- und Konsummuster. Vor allem die Konsumbereiche Ernährung, Wohnen und Mobilität fallen stark ins Gewicht. Hochgerechnet auf die Weltbevölkerung überschreitet der Verbrauch von natürlichen Ressourcen das naturverträgliche Mass deutlich. Schweizer Unternehmen haben wichtige Anstrengungen unternommen, um umweltfreundlicher zu produzieren. Viele Produktionsschritte und die damit verbundenen Umweltbelastungen finden heute allerdings im Ausland statt.


1. Entwicklung von Bevölkerung, Wirtschaft und Konsumverhalten (Ursachen)

Lebten im Jahr 2000 noch 7.2 Millionen Menschen in der Schweiz, so waren es 2016 8.4 Millionen, was einer Zunahme von 17% entspricht. Im gleichen Zeitraum ist die Schweizer Wirtschaft, gemessen am Bruttoinlandprodukt (BIP), real um 32% gewachsen. Auch der Schweizer Konsum ist im gleichen Zeitraum überproportional zum Bevölkerungswachstum gestiegen. Die Konsumausgaben der Haushalte haben zwischen 2000 und 2016 um 31% zugenommen, also fast doppelt so stark wie die Bevölkerung.

Die Konsumbereiche mit den grössten Auswirkungen auf die Umwelt sind die Ernährung, das Wohnen und die Mobilität. Rund zwei Drittel der Gesamtumweltbelastung der Schweiz gehen auf ihr Konto.

Bei der Produktion sind die Nahrungsmittelproduktion, die Chemie, der Energiesektor und das Bauwesen besonders umweltrelevant.

Dienstleister des Schweizer Finanz- und Rohstoffsektors haben weltweit Einfluss auf Investitionen in umweltrelevante Produktions- und Extraktionsprozesse.

Mit der Digitalisierung und anderen technologische Innovationen sind grosse Potenziale für die Energie- und Ressourceneffizienz verbunden. Andererseits können sie auch die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen befeuern (z.B. seltene Erden für Hightech-Produkte) oder neue Konsumbedürfnisse wecken.


2. Hoher Verbrauch natürlicher Ressourcen (Belastungen)

Das starke Wachstum von Produktion und Konsum ist  auch mit einem hohen Verbrauch von natürlichen Ressourcen verbunden wie beispielsweise:

  • Rohstoffe und Energie für die Herstellung von Konsumgütern,
  • Land für Wohnbedürfnisse und Verkehrsachsen, Beanspruchung von Land im In- und Ausland für Futter- und Lebensmittel,
  • Wasser für Haushalte, Fabriken und Landwirtschaft.

Die Schweizer Wirtschaft verbessert ihre Ressourceneffizienz zwar laufend, indem die Wertschöpfung pro Materialeinheit zunimmt. So ist auch der Material-Fussabdruck der Schweiz zwischen 2000 und 2015 um circa 6 % auf unter 17t pro Person gesunken. Jedoch liegt er damit über dem Durchschnitt der EU-Länder 14t pro Person).

Bedeutsam für den Ressourcenverbrauch ist auch, dass viele Stoffkreisläufe nicht geschlossen sind und Rohstoffe und Produkte nicht nachhaltig genutzt werden.

Mit ihren gegenwärtigen Konsum- und Produktionsmustern nutzt die Schweiz die natürlichen Ressourcen in einem Ausmass, das die Regenerationsfähigkeit und die Belastungsgrenzen der Erde übersteigt. Würden alle Länder so konsumieren wie die Schweiz, bräuchte es dafür fast drei Erden.


3. Fortschritte im Inland, steigende Belastung im Ausland (Zustand)

Trotz Wirtschaftswachstum ist die Gesamtumweltbelastung des Schweizer Konsums zwischen 1996 und 2015 pro Person um 19 % gesunken (Entkoppelung). Auch in absoluten Zahlen ist sie zurückgegangen, aber aufgrund der Bevölkerungszunahme nur um 6%.

Diese Abnahme ist u.a. auf Erfolge im Inland zurückzuführen, z.B. in der Luftreinhaltung, beim Schutz der Ozonschicht oder beim Gewässerschutz. Gleichzeitig ist aber die Umweltbelastung im Ausland gestiegen. Da die meisten unserer Produkte und Rohstoffe importiert werden, entsteht ein immer grösserer Anteil der Umweltbelastung durch den Schweizer Konsum ausserhalb der Landesgrenzen. Im Jahr 2015 waren es 73 %, gegenüber 58% im Jahr 1996.

Die weltweiten Auswirkungen des schweizerischen Konsums gehen vor allem zu Lasten des Klimas und der Biodiversität:

  • Der Treibhausgas-Fussabdruck der Schweiz blieb zwischen 1996 und 2015 pro Person annähernd stabil (- 4 %) und nahm in absoluten Zahlen sogar um 12% zu. Mit aktuell rund 14 t CO2-eq pro Person liegt er deutlich über dem planetenverträglichen Wert. Dieser liegt gemäss wissenschaftlichen Schätzungen für das Jahr 2015 bei 0.6 t.
  • Der Biodiversitäts-Fussabdruck der Schweiz hat zwischen 1996 und 2015 pro Person um rund 14 % zugenommen, in absoluten Zahlen gar um 34 %. Er übersteigt den planetenverträglichen Wert um das 3.7-Fache.

Trotz den erwähnten Fortschritten stehen auch im Inland die natürlichen Ressourcen unter Druck. Zu den grössten Herausforderungen hierzulande gehören:

  • der Bodenverbrauch durch sich ausdehnende Siedlungs- und Verkehrsflächen
  • die Überdüngung von Ökosystemen mit Stickstoffverbindungen
  • der Eintrag von Pflanzenschutzmitteln in Böden und Gewässer
  • der Klimawandel
  • die wachsenden Abfallmengen, wodurch die Schweiz wertvolle Rohstoffe verliert.

 


4. Folgen für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft (Auswirkungen)

Die weltweite Übernutzung der natürlichen Ressourcen belastet die Umwelt-Systeme des Planeten bis an die Belastbarkeits-Grenzen oder sprengt diese sogar. Werden diese Grenzen überschritten, verlässt die Menschheit den sicheren Handlungsraum und geht ein Risiko ein, dass Ökosysteme, Wirtschaft und Gesellschaft von negativen Folgen betroffen sein werden.

Die Überbeanspruchung wirkt sich auf die Wirtschaft, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bevölkerung, auf natürliche Lebensräume und auf die Artenvielfalt aus. Diese sind auf den Erhalt stabiler natürlicher Lebensgrundlagen und einer langfristigen Verfügbarkeit von Rohstoffen und Energie angewiesen. Die natürlichen Ressourcen bilden somit eine zentrale Basis für die Wohlfahrt unserer Gesellschaft


5. Grüne Wirtschaft (Massnahmen)

Der vom Bundesrat am 20. April 2016 verabschiedete Bericht «Grüne Wirtschaft - Massnahmen des Bundes für eine ressourcenschonende, zukunftsfähige Schweiz» enthält, basierend auf den gesetzlichen Grundlagen, Massnahmen mit neun Schwerpunkten, welche in drei Bereiche zusammengefasst sind:

  • Konsum und Produktion,
  • Abfälle und Rohstoffe
  • sowie übergreifende Instrumente

Diese Massnahmen sind komplementär zu den bestehenden Politiken für die Ressourcenschonung (z.B. Klima, Biodiversität, Wald etc.).

Sie tragen zur übergeordneten Agenda 2030 der Vereinten Nationen (UNO) und ihren Nachhaltigen Entwicklungsziele (SGDs) bei und sind ein zentraler Bestandteil der Strategie Nachhaltige Entwicklung des Bundesrates. In erster Linie wird das freiwillige Engagement der angesprochenen Akteure unterstützt.

Auch Innovation, Forschung sowie internationale Zusammenarbeit sind wichtige Pfeiler einer Grünen Wirtschaft.

Um die Schweizer Wirtschaft bei der Reduktion ihres negativen und der Steigerung ihres positiven Umweltimpacts im In- und Ausland zu unterstützen und zu fördern, haben sich auf Initiative des BAFU 8 Akteure aus Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand zum Verein «Go for Impact» zusammengeschlossen. Ein wichtiger Fokus liegt dabei auf Rohstoffen und Materialien.

Das BAFU verfolgt die Entwicklung auf internationaler Ebene aufmerksam, insbesondere das Paket zur Kreislaufwirtschaft, welches die Europäische Kommission im Dezember 2015 verabschiedet hat.

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Letzte Änderung 30.11.2018

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