Weniger Torf in der Hobbygärtnerei: Freiwilliges Engagement zeigt Wirkung

Bern, 13.08.2020 - In den Sackerden für Hobbygärtnerinnen und -gärtner wurde der Anteil von Torf zwischen 2016 und 2018 von 16 Prozent auf 8 Prozent halbiert. Das zeigt: Die Absichtserklärung der Detailhändler und Erdenproduzenten zur Reduktion von Torf aus dem Jahre 2017 wirkt. Ziel ist es, den Torfanteil der Sackerden bis Ende 2020 auf 5 Prozent zu senken und dies transparent auszuweisen. Per Ende 2030 soll auch der Torfanteil in der Produktion von Zier- und Zimmerpflanzen, Stauden und Zierhölzern auf 5 Prozent sinken.

2017 hatten sechs Vertreter des Detailhandels, zwei Erdenproduzenten und der Dachverband der Gärtnerbranche JardinSuisse die «Absichtserklärung zur Reduktion des Torfeinsatzes in der Herstellung, im Angebot und im Verbrauch von Sackerden für den Endverbraucher in der Schweiz» unterzeichnet (Coop, Ernst Meier AG, Jumbo-Markt AG, Landi Schweiz AG, Lidl Schweiz AG, Migros Genossenschaftsbund MGB, ökohum GmbH und RICOTER Erdaufbereitung AG).

Die Unterzeichnenden der Absichtserklärung haben sich verpflichtet, jährlich über die verkauften Torfmengen in Sackerden Bericht zu erstatten. Die Datenauswertung zeigt, dass die beteiligten Unternehmen zwischen 2017 und 2018 grosse Fortschritte in der Torfreduktion gemacht haben (vgl. Grafik im Faktenblatt). Der Torfanteil in den Sackerden ist von 2016 auf 2017 um 3 Prozent und im Folgejahr um 5 Prozent gesunken. Damit halbierte sich der durchschnittliche Torfanteil der Sackerden um 25'000 m3 Torf. Zum Vergleich: Eine Torfschicht von 1 m Höhe auf 3.5 Fussballfeldern wurde demnach im Jahr 2018 eingespart.

In den letzten Monaten haben sich mit Aldi Suisse AG und der COMPO Jardin AG zwei weitere Unternehmen zur Torfreduktion verpflichtet. Das BAFU wird 2021 prüfen, ob das Ziel, den Torfgehalt auf maximal 5 Prozent in Sackerden zu reduzieren, erreicht wird.

Den Einsatz von Torf so weit wie möglich reduzieren

Der Abbau von Torf trägt zur Klimaerwärmung bei und wirkt sich negativ auf die Biodiversität aus. In der Schweiz ist der Abbau von Torf verboten. Jährlich werden aber bis zu 524‘000 m3 Torf importiert. Um im Ausland Umweltschäden zu vermindern, hatte der Bundesrat 2012 das Torfausstiegskonzept verabschiedet. In einer ersten Phase sollen die Branchen mit freiwilligen Massnahmen aktiv werden. Nebst der Absichtserklärung 2017 zur Torfreduktion in Sackerden wurde im Sommer 2019 eine zweite Absichtserklärung unterzeichnet. Darin verpflichten sich JardinSuisse und seine rund 1‘700 Mitglieder, die Detailhändler Coop und Migros, sowie die zwei Erdenproduzenten RICOTER Erdaufbereitung AG und ökohum GmbH, den Torfanteil in der Produktion und im Angebot von Zierpflanzen, Zimmerpflanzen, Stauden und Zierhölzern bis 2030 auf maximal 5 Prozent zu vermindern.

Umweltbelastung durch den Abbau von Torf
Mit Torf bezeichnet man trockengelegte Moorerde. Torf ist ein Naturprodukt, das nur sehr langsam neu gebildet wird - jährlich entsteht rund 1 mm Torf. Um Torf abzubauen, werden Moore entwässert und dadurch wertvolle Lebensräume für Pflanzen- und Tierarten zerstört. Moore bilden ein einzigartiges Ökosystem für Arten, die nur in diesen Biotopen vorkommen. Moore bedecken zwar nur 3 Prozent der Erdoberfläche, speichern jedoch rund ein Drittel des im Boden eingelagerten Kohlendioxids. Damit übertreffen sie sogar die Speicherkapazität der Wälder. Kommt Torf mit Sauerstoff in Kontakt, wird es von sauerstoffzehrenden Organismen zersetzt. Dabei werden klimaschädliches Kohlendioxid und Lachgas freisetzt. Torf ist aufgrund seiner Stabilität und seinem guten Wasserspeicherungsvermögen, z.B. zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit im Gartenbau, sehr beliebt. Diese Eigenschaften hat Torf jedoch nur solange, bis er von den Bodenorganismen abgebaut ist. Die positive Auswirkung auf die Bodenstruktur und das Pflanzenwachstum ist daher nur von kurzer Dauer.


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