Mechanische und chemisch-physikalische Behandlung sowie stoffliche Verwertung von Altreifen

Die stoffliche Verwertung von Altreifen umfasst die Zerkleinerung und die mechanische Auftrennung in die Bestandteile Gummi, Stahl und Textilien sowie die anschliessende Herstellung von Produkten aus Gummi oder die chemisch-physikalische Auftrennung in verschiedene Stoffe.

Mechanische Behandlung

Die Zerkleinerung von Altreifen mittels stationären oder mobilen Schreddern sowie Mahlanlagen ist nach dem Stand der Technik durchzuführen. Dazu gehören, je nach Anforderungen an das Produkt, die Magnetabscheidung von Metallen und Luftstrahlabscheidung von Textilbestandteilen. Die Staubemissionen sind mit geeigneten Filteranlagen zu begrenzen (Art. 3 Abs. 1 und Art. 7 LRV). Reifenschnitzel, Granulat oder Pulver werden je nach Anforderung zur Herstellung von Produkten aus Gummi verwendet oder thermisch verwertet. Der Stahlschrott wird über den Altmetallhandel der Herstellung von Stahl zugeführt. Die Textilfraktion ist, sofern sie nicht verwertet werden kann, in einer KVA oder einer anderen geeigneten Anlage zu verbrennen (Art. 12 VVEA).

Herstellung von Produkten aus Gummi

Die Möglichkeiten zur Verwertung von Fraktionen aus der mechanischen Aufbereitung von Altreifen sind vielfältig. Jede einzelne Verwertungsmöglichkeit ist auf ihre Umweltverträglichkeit zu überprüfen. Die stoffliche Verwertung von Gummi aus der mechanischen Behandlung von Altreifen ist grundsätzlich nur dann sinnvoll, wenn der Gummi in Produkte gelangt, die nach Gebrauch separat verwertet oder ohnehin verbrannt werden. Es ist zu vermeiden, dass das Recycling von Abfällen durch den Einsatz von Gummi erschwert wird.

Gummimatten aus Reifengranulat können zum Beispiel im Gleisbau zur Reduktion von Lärmemissionen eingesetzt werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass weder Schotter noch mineralische Unterbaumaterialien mit dem Gummimaterial vermischt werden. Dies erleichtert bei einem späteren Rückbau eine sortenreine Trennung der Materialien und eine nachfolgende umweltverträgliche Verwertung. Ein Einsatz des Gummigranulates für den Bau künstlicher Kugelfänge von Schiessanlagen ist ebenfalls denkbar. Hingegen ist auf eine Verwendung von Altreifengranulat in Beton, Formsteinen, Strassenbelägen oder anderen mineralischen Baumaterialien zu verzichten, weil damit eine spätere umweltverträgliche Entsorgung erschwert wird.

Reifenpulver (Mehl, Poudrette) wird zum Teil bei der Herstellung von Neureifen verwendet. Weitere Anwendungen sind Baukleber aus Latex, Fugendich­tungsmaterial und lärmarme Beläge im Strassenbau. Beim Einsatz von Gummi in Strassenbelägen ist darauf zu achten, dass das Recycling von Asphalt nicht erschwert wird. Die Herstellung von lärmarmen Belägen ist eine technisch notwendige Spezialanwendung mit dem primären Ziel das Produkt Asphalt zu optimieren. Die Zugabe von Gummi aus Altreifen beschränkt sich in der Regel auf 2%.

Gummi aus Altreifen kann auch zur Herstellung von Lärmschutzwänden, Bodenbelägen, Isoliermatten, Schaltafeln, Rohren etc. verwendet werden. Hier ist darauf zu achten, dass die existierenden Möglichkeiten der Kunststoffverwertung, wie sie etwa für PET und Polyolefine bestehen, durch Zumischen von Gummi nicht erschwert oder gar verunmöglicht werden. Die Herstellung von Materialien aus Gummimehl und Thermoplasten oder Elastomeren, von so genannten Compounds also, ist deshalb nur dann sinnvoll, wenn im Produkt der Gummianteil überwiegt und wenn das so hergestellte Produkt nach Gebrauch separat verwertet oder verbrannt wird. Hingegen wäre es unerwünscht, wenn ein mit Gummi vernetztes Polypropylen-Produkt in den Polypropylen-Kreislauf gelangt. Deshalb sollten Produkte mit Gummirezyklat nicht nur leicht identifizierbar sein, sie sollten auch leicht aus anderen zur Verwertung gesammelten Abfällen separierbar sein.

Es ist kaum möglich Verbundstoffe (z.B. Sandwich-Konstruktionen), die zur Entsorgung anfallen, nachträglich in die einzelnen Komponenten aufzu­trennen, um diese gezielt zu verwerten oder sonst zu entsorgen. Die Ver­wertung von Altreifen in Verbundstoffen kann daher aus ökologischer Sicht meistens nicht als sinnvoll angesehen werden. Ausnahmen davon bilden die Herstellung von Materialien, für die eine technisch begründete Notwendigkeit vorliegt oder Produkten, die nach Gebrauch ohnehin der Verbrennung zugeführt würden.

Chemisch-physikalische Behandlung

Bei der Herstellung von Russ aus Gummi von Altreifen mittels Pyrolyse entstehen auch Brenngas, Syntheseöl und Stahlschrott. Während das Brenngas zur Beheizung der Pyrolyseanlage verwendet wird, sollten Syntheseöl und der Stahlschrott einer stofflichen Verwertung zugeführt werden. Um insbesondere die Anforderungen von Anh. 1 und Anh. 2 Ziff. 27 LRV  einzuhalten, sind leistungsfähige Kondensationsanlagen, Staubfilter sowie Schwefelabscheider einzusetzen. Russ (carbon black) findet Verwendung in den Bereichen Gummi, Farben, Toner, Kunststoffe sowie bei der Herstellung von Aktivkohle.

Andere Technologien zur stofflichen Auftrennung von Gummi aus Altreifen sind die Mikro­wellen-Entvulkanisation, Hochtemperaturvergasung, Hydrierung, mechanische Entvulkanisation und der biologische Abbau. Diese Verfahren sind entweder technisch noch nicht ausgereift oder aber zum heutigen Zeitpunkt noch nicht wirtschaftlich zu betreiben. Sie haben bei einer Anwendung insbesondere den Vorschriften des Umweltschutzes, des Gewässerschutzes sowie der Sicherheitstechnik zu entsprechen.

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Letzte Änderung 22.01.2016

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