Notfall- und Vorsorgeplanung bei Erdbeben

Bei der Notfall- und Vorsorgeplanung sind die Besonderheiten von Erdbebenereignissen zu berücksichtigen. Bei einem grösseren Erdbeben können die Kapazitäten der betroffenen Kantone und Infrastrukturbetreibern sehr schnell ausgeschöpft sein und eine Unterstützung durch den Bund notwendig werden. Bei der Vorsorgeplanung ist deshalb die Zusammenarbeit zwischen Kantonen, Infrastrukturbetreibern und dem Bund wesentlich.

Besonderheiten von Erdbebenereignissen

Die Bewältigung von grossen Erdbebenereignissen

  • ist durch eine anfängliche Chaosphase gekennzeichnet
  • übersteigt sehr rasch die kommunalen und kantonalen Mittel und Möglichkeiten
  • erfordert während Wochen bis Monaten ausserordentliche Massnahmen und Mittel
  • erfordert auf allen Stufen eine übergeordnete Koordination und Führung
  • erfordert sehr rasches und standardisiertes Handeln

Darauf folgt eine typischerweise Monate bis Jahre dauernde Phase der Instandstellung und des Wiederaufbaus, während der weiterhin ausserordentliche Massnahmen notwendig sind. Hilfe aus nicht betroffenen Landesteilen und allenfalls dem Ausland ist deshalb bei einem schweren Erdbeben unabdingbar.

Für die Notfall- und Vorsorgeplanung in Bezug auf die Bewältigungsphase sind insbesondere folgende Aspekte zu berücksichtigen:

  • Keine Vorwarnzeit
  • Vielzahl an Schadenplätzen im Epizentralgebiet
  • Ausfall der üblichen Kommunikationsmittel (Festnetz, Mobiltelefon, Email)
  • Ausfall der Strom- und Wasserversorgung
  • Ausfall von beschädigten Steuerungsanlagen
  • Ausfall von beschädigten Notstrombatterien oder -aggregaten
  • Personalausfall
  • Mangel an Ersatzmaterial
  • Mangel an Einsatzmitteln (privat und öffentlich)
  • Koordinationsbedarf vor Wiederinbetriebnahme

Zuständigkeiten und Koordinationsbedarf

Die Bewältigung eines Erdbebenereignisses ist Aufgabe der Kantone. Infrastrukturbetreiber sind in enger Koordination mit den zivilen Krisenstäben für die Reparatur und die Wiederinbetriebnahme ihrer Systeme zuständig.  Zurzeit bestehen in der Schweiz erst wenige erdbebenspezifische Notfall- und Vorsorgeplanungen, sei es auf Ebene der Kantone oder auf Ebene der Infrastrukturbetreiber.

Seit 2010 verfügt der Bund über eine „Vorsorgeplanung Erdbeben des Bundes". Diese Planung beschreibt, welche Bundesstellen bei einem schweren Erdbeben in welcher Phase welche Aufgaben übernehmen müssen. Themen wie die Koordination der internationalen Hilfe, des überregionalen und internationalen Verkehrs, das Ressourcenmanagement zwischen Kantonen, Bund und Privaten werden u.a. darin geregelt.

Spezialthema Gebäudebeurteilung nach einem Ereignis

 Die Beurteilung einer Vielzahl an beschädigten Bauten und Anlagen nach einem Ereignis ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Es bestehen in der Schweiz zwar Methoden für die Beurteilung der Bewohnbarkeit von Gebäuden, aber die Umsetzung dieser Beurteilungen (Zuständigkeit Kantone) wurde bisher noch nicht geregelt. Zwischen Kantonen, Bund, Versicherungen und Fachverbänden müssen dazu Ausbildungs- und Einsatzkonzepte entwickelt werden.

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Letzte Änderung 05.11.2018

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