Überprüfung der Erdbebensicherheit von Gebäudebeständen

Für funktional wichtige Gebäude oder solche mit grossem Schadenpotential, ist es sinnvoll die Erdbe-bensicherheit losgelöst von Bauvorhaben systematisch zu überprüfen. So können notwendige Massnah-men zur Verbesserung der Erdbebensicherheit risikogerecht vorausgeplant werden. Für das Priorisieren von Gebäuden mit grossem Risikopotential innerhalb von Gebäudebeständen und für die systematische Überprüfung von deren Erdbebensicherheit ist ein stufenweises Verfahren empfohlen.

Der Bund hat für die systematische Erhebung (Inventar) der Erdbebensicherheit seiner wichtigen Gebäuden ein stufenweises Verfahren entwickelt, mit dem die zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln effizient und wirkungsvoll eingesetzt werden können.  

Vorselektion («Stufe 0»)

Die Auswahl der Gebäude und Anlagen für ein Inventar ist bestandesspezifisch und orientiert sich an den Strategien des Eigentümers zum Erdbebenschutz. Folglich müssen je nach Gebäudebestand angemessene Kriterien zur Vorauswahl der Gebäude definiert werden. Kriterien sind zum Beispiel eine hohe Personenbelegung, ein hoher Gebäudewert, ein Standort mit höherer Gefährdung und die Wichtigkeit für die Aufrechterhaltung des Betriebs - für den Eigentümer oder für die Katastrophenbewältigung. Eine sinnvolle und nachvollziehbare Vorselektion ist wesentlich für das weitere Vorgehen, da hier festgelegt wird, wie viele Bauwerke aus dem ganzen Bestand prioritär auf ihr Erdbebenrisiko untersucht werden. 

Stufe 1 (Schadenanfälligkeit- und Risiko-Kennzahlen)


In der ersten Stufe werden auf der Basis von Architektenplänen und Begehungen die wichtigsten Elemente der Gebäude aufgenommen und Schadenanfälligkeit und Risikopotential betreffend Erdbeben mit Kennzahlen grob erfasst. Auswahlkriterien für eine weitergehende Untersuchung in der Stufe 2 sind Grenzwerte für die erhobenen Kennzahlen sowie weitere Kriterien, wie z.B. Grenzwerte zum Schadenpotential oder Funktion des Gebäudes. Diese Auswahlkriterien sind bestandsspezifisch und unter Berücksichtigung der Ziele des Eigentümers festzulegen. Die Anwendung der Stufe 1 erfordert durchschnittlich einen halben Arbeitstag pro Objekt. 

Stufe 2 (einfache Ingenieuranalyse und Liste der konstruktiven Mängeln)

Auf der Grundlage von Ingenieurplänen wird die Erdbebensicherheit anhand einfacher Berechnungen sowie aufgrund von Checklisten zur Identifikation konstruktiver Mängeln untersucht. Die Hauptkriterien für weitere Untersuchungen in Stufe 3 sind eine geringe Erdbebensicherheit gemäss einfacher Berechnungen, das Vorhandensein gravierender konstruktiver Mängel oder eine zu hohe Komplexität für eine einfache Ingenieuranalyse.

Stufe 3 (vertiefte Ingenieuranalyse)

Mit wirklichkeitsnahen Verfahren sowie bei Bedarf mit zusätzlichen Bauwerksuntersuchungen wird die Erdbebensicherheit überprüft. Soweit erforderlich werden Massnahmen zur Verbesserung der Erdbebensicherheit der Gebäude gemäss den Prinzipien des Merkblattes SIA 2018 „Überprüfung bestehender Gebäude bezüglich Erdbeben" entwickelt.

Wichtige Hinweise:

  • Die Anwendung der Stufe 1 für ein einzelnes Gebäude liefert keine Aussage, ob die Erdbebensicherheit gemäss Normenanforderungen akzeptabel ist und ist methodisch nicht korrekt. Die Stufe 1 gilt nur zur Einordnung von Gebäuden nach ihrem relativen Erdbebenrisikopotential.
  • Gebäude, die in den Stufen 1 und 2 aus dem Inventar ausselektiert werden, haben nicht zwingend eine ausreichende Erdbebensicherheit. Es besteht lediglich eine geringere Dringlichkeit zur Reduktion des Erdbebenrisikos als für die priorisierten Gebäude. Die Erdbebensicherheit sowie der Bedarf an Ertüchtigungsmassnahmen sind für die ausselektierten Gebäude im Rahmen eines zukünftigen Bauvorhabens (Umbau oder Instandsetzung) weiterführend zu analysieren.
  • Es wird empfohlen, das Verfahren entsprechend der Anzahl Gebäude nach der Vorselektion wie folgt anzuwenden:
Anzahl Gebäude > 50                                                      ⇒ Stufen 1 bis 3
Anzahl Gebäude zwischen 10 bis 50                           ⇒ Stufen 2 und 3
Anzahl Gebäude < 10                                                      ⇒ Stufe 3

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Letzte Änderung 17.02.2015

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