Naturgefahren: Das Wichtigste in Kürze

Das Risiko durch Naturgefahren sowie das Ausmass der Schäden nehmen in der Schweiz kontinuierlich zu. Der Siedlungsraum dehnt sich aus und wird auch in gefährdeten Gebieten immer intensiver genutzt. Zudem führen die Auswirkungen des Klimawandels voraussichtlich zu einer erhöhten Gefährdung durch Naturereignisse in der Schweiz. Aufwendige Schutzbauten alleine können Schäden nicht verhindern. Raumplanerische Massnahmen und die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privaten gewinnen deshalb an Bedeutung.


1.  Gefahrenprozesse und deren Veränderungen u.a. infolge des Klimawandels (Ursachen)

Die Schweiz ist oft von Hochwasser, Murgängen, Rutschungen, Sturzprozessen (Stein- und Blockschlag wie auch Fels- und Bergstürzen), Lawinen und Stürmen betroffen. Starke Erdbeben sind selten; wie die Geschichte zeigt, können sie jedoch auch in der Schweiz vorkommen und stellen ein nicht vernachlässigbares Risiko dar. Auch Waldbrand kann die Schweiz betreffen.

Die Auswirkungen des Klimawandels führen voraussichtlich zu einer erhöhten Gefährdung durch Naturereignisse in der Schweiz und zu einer Häufung von Extremereignissen. Im Winter und Frühling ist mit einer Zunahme des Hochwasserrisikos zu rechen. Auch Rutschungen, Sturzprozesse und Murgänge werden in Zukunft häufiger auftreten. Ein Grund dafür ist das Auftauen des Permafrostes und die damit verbundende Destabilisierung von Felsflanken und Hängen aus Lockergestein. Naturgefahren werden künftig vermehrt auch in Gebieten und zu Jahreszeiten vorkommen, die bisher von Schadenereignissen verschont geblieben sind.


2. Gefahrensituation und Raumnutzung (Belastungen)

Damit auf Naturgefahren angemessen reagiert werden kann, muss zuerst die Gefährdung erkannt werden. Verschiedene Gefahrengrundlagen liefern entsprechende Informationen. Als zentrales Produkt zeigen die Gefahrenkarten auf, wo, in welchem Ausmass und mit welcher Wahrscheinlichkeit in der Schweiz Siedlungen und Verkehrswege durch Naturgefahren bedroht sind. Anfang 2015 lagen die Gefahrenkarten für 95% der zu kartierenden Flächen vor. Die Gefahrenkarten sind auf den Geoportalen der Kantone verfügbar.

Naturereignisse werden erst zu gefährlichen Prozessen, wenn Personen, Gebäude oder Infrastrukturen durch sie betroffen sind. Aufgrund der Intensivierung der Raumnutzung sowie deren Ausdehnung in potenziell gefährdete Gebiete steigen die möglichen Schäden ständig an. Kenntnisse über die Nutzung des Raums sind deshalb eine weitere wichtige Grundlage für das integrale Risikomanagement zum Schutz von Menschen und Sachwerten vor Naturgefahren.


3. Risiken (Zustand)

Allgemein versteht man unter Risiko die Möglichkeit, dass durch ein bestimmtes Ereignis Schäden auftreten können. Risiken können ermittelt und bewertet werden und dienen somit als Mass für die Sicherheit.

Schweizweite Risikoübersichten fehlen heute noch weitgehend. Erste grobe Auswertungen zeigen, dass rund ein Fünftel des Siedlungsgebietes Naturgefahren, insbesondere Hochwasser, ausgesetzt ist. Insgesamt leben in diesen Gebieten rund 1,8 Millionen Menschen, die potenziell durch Hochwasser betroffen sein können. Der Anteil der betroffenen Wohnbevölkerung schwankt je nach Kanton stark.

Der Erstellung von Risikoanalysen wird in den nächsten Jahren ein grosses Gewicht beigemessen, denn nur wenn sie bekannt sind, können bestehende Risiken auf ein akzeptables Mass reduziert, künftige Risiken im Rahmen gehalten und Schutzmassnahmen priorisiert werden. Eine Steuerung der Risiken kann primär über die Raumnutzung und -planung erfolgen.


4. Schäden und Lehren (Auswirkungen)

Seit Menschengedenken ist die Schweiz immer wieder Schauplatz von Naturkatastrophen. Überliefert sind beispielsweise das Erdbeben in Basel im Jahr 1356 mit einer geschätzten Magnitude von 6,6 und 300 bis 1000 Todesopfern, der Bergsturz von Piuro (ehemals GR, heute Italien) 1618, der je nach Quelle zwischen 1000 bis über 2000 Menschenleben forderte oder der Bergsturz von Goldau (SZ) 1806 mit 457 Todesopfern. 

Auch heutzutage können Naturereignisse grosse Schäden an Umwelt und Sachwerten verursachen und auch Menschenleben fordern. Trotz des stark verbesserten Schutzes vor Naturgefahren nimmt das Ausmass der Schäden bei Naturereignissen infolge der Nutzungsintensivierung, einer nicht angepassten Raumplanung und einer Häufung von Extremereignissen kontinuierlich zu.

Zwischen 1972 und 2014 verursachten Hochwasser, Murgänge, Rutschungen und Sturzprozesse in der Schweiz durchschnittliche Schäden von rund CHF 320 Mio pro Jahr. Der Grossteil dieser Schäden wurde durch einzelne grosse Hochwasserereignisse mit hohen Gesamtschadensummen verursacht. So hat beispielsweise das Hochwasser 2005 alleine Sachschäden von insgesamt 3 Milliarden CHF verursacht und 6 Menschenleben gefordert.

Ausserordentliche Ereignisse bieten die Gelegenheit, die Ursachen und Auswirkungen solcher Ereignissse zu untersuchen. Somit können Lücken bei den Gefahrengrundlagen erkannt und die Wirkung getroffener Schutzmassnahmen aufgezeigt werden. Ereignisanalysen bringen neue Erkenntnisse und zeigen auf, welche Lehren für künftige Massnahmen im Umgang mit Naturgefahren gezogen werden müssen. Sie bilden damit eine wichtige Grundlage für die Optimierung des integralen Risikomanagements.


5. Umgang mit Naturgefahren (Massnahmen)

Der Bund hat den Auftrag, den Schutz der Bevölkerung und erheblicher Sachwerte vor Naturgefahren sicherzustellen.

Der Schutz vor Naturgefahren erfolgt heute nach den Grundsätzen des integralen Risikomanagements. Mit der geeigneten Kombination von verschiedenen Schutzmassnahmen werden bestehende Risiken auf ein akzeptables Mass reduziert, und neue, inakzeptable Risiken verhindert.

Am effektivsten wird einer Gefährdung durch Naturgefahren mit planerischen Massnahmen respektive einer risikobasierten Raumplanung begegnet. Die Erkenntnisse aus der Gefahrenkartierung müssen rasch in die kantonalen Richtpläne und die kommunalen Nutzungspläne einfliessen, damit gefährdete Gebiete naturgefahrengerecht genutzt oder freigehalten werden.

Wo dies nicht möglich ist, werden technische, biologische oder organisatorische Massnahmen eingesetzt, um die Gefahr abzuwenden oder die Schäden zu reduzieren. Dabei kommt der Reduktion der Verletzlichkeit von Bauten und Anlagen (Objektschutz) sowie robusten, anpassbaren und überlastbaren Schutzmassnahmen eine hohe Bedeutung zu. Die bestehende Schutzwirkung soll durch einen sachgerechten Unterhalt und die Instandhaltung von Gewässern, Schutzwäldern und Schutzbauten langfristig gewährleistet werden.

Mit einem permanenten Monitoring der Gefahrenprozesse muss sichergestellt werden, dass sowohl aktuell drohende Gefahren wie auch generelle Veränderungen der Gefährdungssituation frühzeitig erkannt werden. Durch eine zeitgerechte Warnung, Alarmierung und Information im Ereignisfall werden Schäden reduziert.

Die einzige Möglichkeit, Schäden bei Erdbeben zu mindern, besteht im erdbebengerechten Bauen von Neubauten sowie in der gezielten Verbesserung der Erdbebensicherheit bestehender Bauten.

Die Schutzmassnahmen der letzten Jahre haben sich vielerorts als wirksam erwiesen. Projekte zur Behebung von erkannten prioritären Schutzdefiziten werden vom Bund im Rahmen der Programmvereinbarungen oder von Einzelprojekten mitfinanziert.

Der Schutz vor Naturgefahren ist eine Verbundaufgabe, bei der alle Beteiligten ihren Beitrag zu leisten haben:

  • In der Schweiz sind primär die Gemeinden und Kantone für den Schutz vor Naturgefahren verantwortlich.
  • Der Bund nimmt seine strategische Führungsrolle wahr und unterstützt die Kantone finanziell und fachlich.
  • Die Bevölkerung nimmt ihre Eigenverantwortung wahr zum Schutz von persönlichen Gütern (Objektschutz) und der eigenen Gesundheit (angepasstes Verhalten im Ereignisfall)
  • Die Versicherungen sichern potenzielle Elementarschäden ab.

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Letzte Änderung 13.06.2016

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