Naturgefahren: Das Wichtigste in Kürze

Die Schweiz hat aus vergangenen Naturereignissen gelernt. Der Umgang mit Naturgefahren hat ein hohes Niveau erreicht, doch bleiben der Erhalt und die Verbesserung  eine Daueraufgabe. Neue Herausforderungen ergeben sich, weil der Klimawandel und die zunehmende Nutzungsdichte die Risiken erhöhen. Aufwendige Schutzbauten alleine können die Schäden nicht verhindern. Raumplanerische Massnahmen und die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privaten gewinnen deshalb an Bedeutung.


1.  Gefahrenprozesse und deren Veränderungen (Ursachen)

Die Schweiz ist oft von Hochwasser, Murgängen, Rutschungen, Sturzprozessen (Stein- und Blockschlag wie auch Fels- und Bergstürzen), Lawinen und Stürmen betroffen. Starke Erdbeben sind selten; wie die Geschichte zeigt, können sie jedoch auch in der Schweiz vorkommen und stellen ein nicht vernachlässigbares Risiko dar. Auch Waldbrand kann die Schweiz betreffen.

Die Auswirkungen des Klimawandels führen voraussichtlich zu einer erhöhten Gefährdung durch Naturereignisse in der Schweiz und zu einer Häufung von Extremereignissen. Im Winter und Frühling ist häufiger mit Hochwasser zu rechen. Auch Rutschungen, Sturzprozesse und Murgänge werden in Zukunft häufiger auftreten. Ein Grund dafür ist das Auftauen des Permafrostes und die damit verbundene Destabilisierung von Felsflanken und Hängen aus Lockergestein. Naturgefahren werden künftig vermehrt auch in Gebieten und zu Jahreszeiten vorkommen, die bisher von Schadenereignissen verschont geblieben sind.


2. Raumnutzung und Gefahrensituation (Belastungen)

Damit auf Naturgefahren angemessen reagiert werden kann, muss zuerst die Gefährdung erkannt werden. Verschiedene Gefahrengrundlagen liefern entsprechende Informationen. Als zentrales Produkt zeigen die Gefahrenkarten auf, wo, in welchem Ausmass und mit welcher Wahrscheinlichkeit in der Schweiz Siedlungen und Verkehrswege durch Naturgefahren bedroht sind. Anfang 2017 lagen die Gefahrenkarten fast flächendeckend vor. In den kommunalen Nutzungsplanungen umgesetzt sind allerding erst 73%.

Die raumplanerische Sicherung von natürlichen Abflusskorridoren bei Extremereignissen ist erst vereinzelt realisiert. Zusammen mit Versicherungspartnern hat der Bund 2018 die nationale «Gefährdungskarte Oberflächenabfluss» entwickelt. Damit können Gefahren frühzeitig erkannt, Schutzmassnahmen ergriffen und Schäden vermindert werden.

Naturereignisse werden erst zur Gefahr, wenn Personen, Gebäude oder Infrastrukturen durch sie betroffen sind. Aufgrund der Intensivierung der Raumnutzung sowie deren Ausdehnung in potenziell gefährdete Gebiete steigen die möglichen Schäden ständig an. Kenntnisse über die Nutzung des Raums sind deshalb eine weitere wichtige Grundlage für das integrale Risikomanagement zum Schutz von Menschen und Sachwerten vor Naturgefahren.


3. Risiken (Zustand)

Allgemein versteht man unter Risiko die Möglichkeit, dass durch ein bestimmtes Ereignis Schäden auftreten können. Risiken können ermittelt und bewertet werden und dienen somit als Mass für die Sicherheit.

Das Risiko infolge Naturgefahren in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Hauptursache ist, dass sich das Schadenpotenzial durch die Zunahme der Bevölkerung, die Ausdehnung des Siedlungsgebiets in gefährdete Regionen und die Wertsteigerung von öffentlichen Infrastrukturen und privaten Sachwerten vergrössert hat. Rund 20% der Schweizer Bevölkerung wohnt in Gebieten, die von Überschwemmungen betroffen sein können. In diesen Gebieten befinden sich auch 30% der Arbeitsplätze und ein Viertel der Sachwerte (840 Milliarden Franken). Der Anteil der betroffenen Wohnbevölkerung schwankt je nach Kanton.

Der Erstellung von Risikoübersichten wird in den nächsten Jahren ein grosses Gewicht beigemessen, denn nur wenn sie bekannt sind, können bestehende Risiken auf ein akzeptables Mass reduziert, künftige Risiken im Rahmen gehalten und Schutzmassnahmen priorisiert werden. Eine nachhaltige Steuerung der Risiken kann primär über die Raumnutzung und -planung erfolgen.


4. Schäden und Lehren (Auswirkungen)

Seit Menschengedenken ist die Schweiz immer wieder Schauplatz von Naturkatastrophen.

Auch heutzutage können Naturereignisse grosse Schäden an Umwelt und Sachwerten verursachen und auch Menschenleben fordern. Trotz des stark verbesserten Schutzes vor Naturgefahren nehmen die Risiken aus Naturgefahren infolge der Nutzungsintensivierung und einer Häufung von Extremereignissen kontinuierlich zu, sofern ihre Entwicklung nicht bewusst und vorausschauend erfasst, bewertet und gesteuert wird.

Zwischen 1972 und 2017 verursachten Hochwasser, Murgänge, Rutschungen und Sturzprozesse in der Schweiz durchschnittliche Schäden von rund CHF 305 Mio pro Jahr.  Die Schäden infolge Hochwasser sind vor allem durch Grossereignisse geprägt – so hat beispielsweise allein das Hochwasser vom August 2005 Sachschäden von insgesamt 3 Milliarden CHF verursacht und 6 Menschenleben gefordert.

Ausserordentliche Ereignisse bieten die Gelegenheit, ihre Ursachen und Auswirkungen zu untersuchen, um daraus zu lernen. Somit können Lücken bei den Gefahrengrundlagen erkannt und die Wirkung bestehender Schutzmassnahmen geprüft werden. Ereignisanalysen bringen neue Erkenntnisse und zeigen auf, welche Lehren für künftige Massnahmen im Umgang mit Naturgefahren gezogen werden müssen. Sie bilden damit eine wichtige Grundlage für die Optimierung des integralen Risikomanagements.


5. Umgang mit Naturgefahren (Massnahmen)

Der Schutz vor Naturgefahren erfolgt heute nach den Grundsätzen des integralen Risikomanagements, welche in der Strategie «Umgang mit Risiken aus Naturgefahren» der PLANAT festgesetzt sind. Mit einer optimalen Kombination verschiedener Schutzmassnahmen werden bestehende Risiken auf ein akzeptables Mass reduziert und neue, inakzeptable Risiken verhindert. Der Umgang mit Naturgefahren ist auch im Aktionsplan Anpassung an den Klimawandel verankert. Der Bundesratsbericht «Umgang mit Naturgefahren in der Schweiz» zeigt zudem auf, wo die Schweiz heute steht und was es künftig für die Sicherheit zu tun gilt.

Am effektivsten wird einer Gefährdung durch Naturgefahren mit planerischen Massnahmen respektive einer risikobasierten Raumplanung begegnet. Die Erkenntnisse aus der Gefahrenkartierung müssen rasch in die kantonalen Richtpläne und die kommunalen Nutzungspläne einfliessen, damit gefährdete Gebiete naturgefahrengerecht genutzt oder freigehalten werden.

Wo dies nicht möglich ist, werden technische, biologische oder organisatorische Massnahmen eingesetzt, um die Gefahr abzuwenden oder die Schäden zu reduzieren. Dabei kommt der Reduktion der Verletzlichkeit von Bauten und Anlagen (Objektschutz) sowie robusten, anpassbaren und überlastbaren Schutzmassnahmen eine hohe Bedeutung zu. Die bestehende Schutzwirkung soll durch einen sachgerechten Unterhalt und die Instandhaltung von Gewässern, Schutzwäldern und Schutzbauten langfristig gewährleistet werden.

Mit einem permanenten Monitoring der Gefahrenprozesse muss sichergestellt werden, dass sowohl aktuell drohende Gefahren wie auch generelle Veränderungen der Gefährdungssituation frühzeitig erkannt werden. Durch eine zeitgerechte Warnung, Alarmierung und Information im Ereignisfall werden Schäden reduziert.

Die Schutzmassnahmen der letzten Jahre haben sich vielerorts als wirksam erwiesen. Projekte zur Behebung von erkannten prioritären Schutzdefiziten werden vom Bund im Rahmen der Programmvereinbarungen oder von Einzelprojekten mitfinanziert.

Der Schutz vor Naturgefahren ist eine Verbundaufgabe, bei der alle Beteiligten ihren Beitrag zu leisten haben:

  • In der Schweiz sind primär die Gemeinden und Kantone für den Schutz vor Naturgefahren verantwortlich.
  • Der Bund nimmt seine strategische Führungsrolle wahr und unterstützt die Kantone finanziell und fachlich.
  • Die Bevölkerung nimmt ihre Eigenverantwortung wahr zum Schutz von persönlichen Gütern (Objektschutz) und der eigenen Sicherheit (angepasstes Verhalten im Ereignisfall)
  • Die Versicherungen sichern potenzielle Elementarschäden ab.

Die einzige Möglichkeit, Schäden bei Erdbeben zu mindern, besteht im erdbebengerechten Bauen von Neubauten sowie in der gezielten Verbesserung der Erdbebensicherheit bestehender Bauten durch die konsequente Berücksichtigung der Normen. Eine Versicherung gegen Erdbebenschäden besteht nur auf freiwilliger Basis.

Seit 2001 koordiniert der Bund seine Aktivitäten im Bereich Erdbebenvorsorge im Rahmen eines Massnahmenprogramms.

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Letzte Änderung 30.11.2018

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