Wald und Holz: Das Wichtigste in Kürze

Dem Schweizer Wald geht es verhältnismässig gut, seit 2005 ist sein Zustand stabil. Wälder können sich an ändernde Umweltbedingungen anpassen. Die Frage stellt sich, ob der Wald diese Anpassungsprozesse rasch genug vollziehen kann. In Zukunft werden der Klimawandel mit trockeneren Sommern sowie eingeschleppte und einwandernde Schadorganismen dem Wald stärker zu schaffen machen. Die ökonomischen Rahmenbedingen für die Wald- und Holzwirtschaft können die Sicherstellung von Waldleistungen ebenfalls gefährden.


1. Verkehr, Landwirtschaft, Klimawandel, Nachfrage nach Holz, gesellschaftliche Ansprüche (Ursachen)

Der zunehmende Verkehr und die intensive Landwirtschaft belasten den Schweizer Wald mit Stickstoff und anderen Luftschadstoffen. Diese belasten den Wald entweder direkt aus der Luft oder indirekt durch Ablagerungen im Boden.

Mit dem Klimawandel und den damit einhergehenden langsamen und kontinuierlichen Veränderungen dürften zukünftig extreme Wetterereignisse wie beispielsweise heftige Stürme und Hitzesommer zunehmen. In den letzten Jahren blieb die Schweiz allerdings von grösseren Sturmereignissen und Schadholzmengen verschont.

Durch den stetig zunehmenden und insbesondere durch den globalen Warenhandel werden die Schweizer Ökosysteme und Wälder vermehrt mit neuen Organismen konfrontiert.

In den letzten Jahren wurde mit Ausnahme von 2017 zunehmend weniger Holz in den Schweizer Wäldern geerntet, obwohl der gesamte Holzbedarf in der Schweiz zugenommen hat. Geerntet wird Holz hauptsächlich dort, wo der Preis die Kosten deckt. Dies ist in den leicht zugänglichen Wäldern des Mittellandes meist der Fall. In weiten Teilen der Voralpen- und Alpenwälder ist die Holzernte aufgrund der schwierigen Geländeverhältnisse und der geringen Erschliessung nicht kostendeckend.

Die Schweizer Waldwirtschaft steht auf Grund der Währungssituation in einem angespannten inländischen Holzmarkt mit oft nicht kostendeckenden Holzpreisen. Dabei verteuert die kleinstrukturierte Bewirtschaftung der Wälder die Waldbewirtschaftung. Zudem erbringen die Forstbetriebe Leistungen für die Gesellschaft, die nicht oder nur teilweise entschädigt werden. Darunter fallen insbesondere der Schutz von Grund- und Trinkwasser sowie die Nutzung des Waldes als Erholungsraum. Gleichzeitig nehmen die gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald (Freizeitnutzung, Schutzfunktion, usw.) zu.


2. Trockenheit, Schädlingsbefall, Stickstoff und Luftschadstoffe, ausbleibende Bewirtschaftung, Erholung (Belastungen)

Seit 2000 ist der Schweizer Wald von ausserordentlichen Sturmereignissen verschont geblieben, erfährt jedoch wiederkehrend Trockenperioden, besonders ausgeprägt in den Jahren 2003, 2015 und 2018. Höhere Temperaturen und weniger Niederschläge im Sommerhalbjahr verbunden mit mehr Niederschlägen im Winterhalbjahr haben direkte Auswirkungen auf die Wälder. Mit der Klimaänderung kann sich die Waldbrandgefahr regional verstärken.

Der Wald wird auch zunehmend durch Schadorganismen und Krankheiten bedroht. Dazu zählen z.B. Borkenkäfer oder neue Pilzkrankheiten wie das Eschentriebsterben und die Rotbandkrankheit der Föhre, die dem Wald vermehrt zusetzen. Auch die Ausbreitung von invasiven gebietsfremden Pflanzen (z.B. Götterbaum) nimmt zu.

Durch den Eintrag von Luftschadstoffen steht der Wald unter chronischem Stress und wird dadurch anfälliger auf akute Ereignisse wie Trockenheit, Stürme, Krankheiten und Schädlinge (z.B. Borkenkäfer).

Auf mehr als 90% der Waldflächen ist der Stickstoffeintrag aus der Luft zu hoch. Stickstoff lässt den Waldboden versauern und führt zu einer unausgewogenen Versorgung der Bäume mit Nährstoffen. Im Sommer greift zusätzlich hochkonzentriertes Ozon die Blattzellen an.

Der Schweizer Wald wird naturnah und schonend bewirtschaftet und es wird hauptsächlich mit Naturverjüngung gearbeitet.  Zudem dürfen keine Pflanzenschutzmittel und kein Dünger angewendet werden. Rodungen sind nur in Ausnahmefällen erlaubt und die gerodete Fläche muss wieder aufgeforstet werden. In den schwer zugänglichen Wäldern der Voralpen und Alpen bleibt jedoch oftmals die Bewirtschaftung aus. Dadurch kann sich eine ungünstigere Altersstruktur entwickeln und die Wälder können nicht mehr alle Funktionen erfüllen.

Eine übermässige Erholungsnutzung in Agglomerationsräumen sowie in Tourismusgebieten kann Auswirkungen auf die Waldverjüngung und damit auf einen nachhaltigen Waldaufbau haben sowie das Verhalten der Wildtiere beeinträchtigen.


3. Waldflächenzunahme, Holznutzungpotenzial zu wenig ausgeschöpft, gesunder Lebensraum (Zustand)

Die Schweiz ist mit 1.31 Millionen Hektaren Wald zu rund einem Drittel bewaldet.

Zwischen 2006 und 2013 hat die Waldfläche um 2% zugenommen. Dabei hat sich der Wald nicht mehr genutzte Landwirtschafts- und Alpflächen im Alpenraum und auf der Alpensüdseite zurückerobert. Im stark besiedelten Mittelland bleibt der Druck auf die Waldfläche hoch.

Der Holzvorrat in den Wäldern ist seit der letzten Erhebung (2004/06) stabil geblieben. Die regionalen Unterschiede sind gross: Während der Holzvorrat auf der Alpensüdseite um fast 10% zugenommen hat, ging er im Mittelland um rund 4% zurück.

Bei einem durchschnittlichen Zuwachs von 10.2 Millionen m3 pro Jahr bleiben jährlich 1.4 Millionen m3 Holz ungenutzt in den Wäldern.

Der Schweizer Wald gilt insgesamt als anpassungsfähig und robust. Aus Langzeituntersuchungen ist jedoch bekannt, dass sich die Nährstoffversorgung der Bäume verschlechtert. Die Bäume sind dadurch gestresst. Das macht sie anfälliger gegenüber Krankheiten und meteorologischen Extremereignissen.

Rund die Hälfte der Schweizer Waldfläche gilt als Schutzwald. Dieser schützt Menschen, Siedlungen, Verkehrswege und Industrieanlagen vor Naturgefahren wie Rutschungen, Lawinen, Felssturz oder Steinschlag. Die Schutzwirkung hat sich im Vergleich zu den 1990er Jahren  verbessert. Aber nach wie vor kann sich der Wald vielerorts nicht ausreichend verjüngen. Ein Grund dafür ist die Zunahme der Verbissschäden an jungen Bäumen durch Hirsche und Rehe.

Der Wald ist für die Artenvielfalt von grösster Bedeutung. Fast die Hälfte der in der Schweiz vorkommenden Tiere und Pflanzen sind auf ihn angewiesen, das sind ungefähr 20'000 Arten.

Während die Biodiversität in anderen Lebensräumen stark unter Druck ist, verläuft die Entwicklung im Wald positiver. Viel dazu beigetragen hat die naturnahe Waldbewirtschaftung und die Anstrengungen des Bundes und der Kantone zur Förderung der Waldbiodiversität.

Wenn auf eine ausgewogene und naturnahe Baumartenverteilung geachtet wird, zeigen sich positive Auswirkungen sowohl auf die Biodiversität als auch auf die Stabilität der Wälder. Der Wald hat einen höheren Anteil an Laubhölzern als 2005, was eher der natürlichen Baumartenzusammensetzung entspricht, die Laubhölzer selbst werden auf dem Rundholzmarkt jedoch weit weniger nachgefragt als Nadelholz. Insgesamt hat die Arten- und Strukturvielfalt zugenommen.

Trotz des guten Gesamtbildes hat der Schweizer Wald auch ökologische Defizite. Defizite bestehen bei den lichten jungen Wäldern sowie den totholzreichen späten Entwicklungsphasen des Waldes, die Tausende von Arten als Lebensgrundlage benötigen.

Mehr als die Hälfte der bis 2030 geplanten Waldreservatsflächen (10 % der Schweizer Waldfläche gemäss Ziel Waldpolitik 2020) sind bereits eingerichtet.


4. Weniger Stabilität, Veränderung Waldbiodiversität, CO2-Senken (Auswirkungen)

Der Wald erfüllt wichtige Funktionen und erbringt vielfältige Leistungen. Der Schweizer Wald ist als Lebensraum von Fauna und Flora sowie als Quelle der erneuerbaren Ressource Holz unverzichtbar. Er ist Teil unserer Landschaft und zentral wichtig für die Regulierung des Klimas, die Bereitstellung von Trinkwasser, die Minimierung der Risiken durch Naturgefahren und für die biologische Vielfalt. Der Wald trägt zu unserem Wohlbefinden, unserer Sicherheit sowie zur ökonomischen Wertschöpfung bei.

Der unerwünschte Nährstoffeintrag über die Luft führt dazu, dass die Bäume schneller in die Höhe wachsen, ohne dass sich entsprechend tiefe Wurzeln bilden. Dies reduziert die Stabilität der betroffenen Bäume.

Die Belastung durch Ozon führt zu Blatt- und Nadelschäden im Wald. Belastete Wälder können ihre Funktion als Filter für das Grundwasser teilweise nur noch ungenügend erfüllen.

Der Klimawandel wirkt sich auf die Wälder als Ökosysteme und auf das Wachstum der einzelnen Baumarten aus: Die Waldgesellschaften verändern sich, die Waldgrenze verschiebt sich in höhere Lagen. Zwar können sich Wälder und Baumarten über Generationen an veränderte Bedingungen anpassen, diese Fähigkeit gerät aber durch die Geschwindigkeit, mit der der Klimawandel erfolgt, stark unter Druck.

Die vor allem im Alpenraum und auf der Alpensüdseite regional ungenügende Holznutzung hat Einfluss auf verschiedene Funktionen der Wälder:

  • Dichter und dunkler werdende Wälder engen den Lebensraum von licht- und wärmeliebenden Arten ein und wirken sich negativ auf die Biodiversität aus.
  • Die mangelnde Bewirtschaftung führt auch zu einer unausgeglichenen Altersstruktur vieler Wälder. Dies gefährdet insbesondere die Schutzwirkung gegen Naturgefahren.

Die Zunahme der Waldfläche kann zusammen mit der Ausscheidung der landwirtschaftlichen Nutzflächen (LWN) dazu führen, dass Kulturlandschaften, die wir als besonders schön empfinden - wie die Wytweiden im Jura oder Weiden im Alpenraum verschwinden.

Anderseits können grössere Waldflächen auch mehr CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen, was dem Treibhauseffekt entgegenwirkt. Wälder sind Senken für Kohlenstoff und enthalten 4-5 mal so viel Kohlenstoff wie die Atmosphäre über unserem Land.

Die Sicherstellung dieser Ökosystemleistungen ist mit zusätzlichen Kosten verbunden, die jedoch nur noch teilweise durch den Holzerlös gedeckt werden können. Waldeigentümer müssen zukünftig ihre erbrachten Leistungen besser ausweisen und in Wert setzen, um genügend Einnahmen erwirtschaften zu können.

Neben den bereits erwähnten Leistungen ist die Wald- und Holzwirtschaft im ländlichen Raum wichtige Arbeitgeber. Dabei arbeiten in der Waldwirtschaft rund 5‘700 Personen, in der Holzindustrie sind es um die 88‘000.


5. Rodungsverbot, Waldschutz und nachhaltige Waldbewirtschaftung, Waldreservate, Anpassung an den Klimawandel (Massnahmen)

Die wichtigste flächenmässige Schutzmassnahme für den Wald ist das gesetzlich festgeschriebene Rodungsverbot.

Waldpolitik ist eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Kantonen und Waldeigentümern. Mit der Waldpolitik 2020 schafft der Bund günstige Rahmenbedingungen für eine nachhaltige, effiziente und innovative Waldbewirtschaftung und stellt sicher, dass der Wald seine vielfältigen Funktionen erfüllen kann. Im Rahmen von Programmvereinbarungen unterstützt der Bund die Umsetzung finanziell, insbesondere in den Bereichen Waldbewirtschaftung, Schutzwald und Biodiversität.

Mit der Ressourcenpolitik Holz verfolgt der Bund eine nachhaltige Nutzung und Verwertung des einheimischen Rohstoffs Holz. Unter anderem möchte der Bund, dass das nachhaltig nutzbare Potenzial an Holz ausgeschöpft wird. Der Aktionsplan Holz und der Wald- und Holzforschungsfonds von Bund und Kantonen unterstützen und lancieren Projekte im Bereich Innovation und Sensibilisierung.

Waldgesetz und -verordnung wurden per 1. Januar 2017 revidiert, um den Wald besser vor Schadorganismen zu schützen, ihn für die Herausforderungen des Klimawandels zu wappnen und die Holzverwendung sowie die Arbeitssicherheit bei der Holzernte zu fördern.

Auch die Biodiversität fördert der Bund mit der Waldpolitik 2020, indem er beispielweise Waldreservate und die Pflege prioritärer Lebensräume wie Waldränder oder Wytweiden unterstützt.

International engagiert sich die Schweiz unter anderem für die Umsetzung des UN Waldplans 2017-2030, für die Umsetzung der Aichi-Biodiversitätsziele 2020 sowie der Ziele der Agenda 2030. Weiter unterstützt die Schweiz die Vermeidung des Treibhausgasausstosses aus Rodungen und Waldzerstörung.

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Letzte Änderung 30.11.2018

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