Wald und Holz: Das Wichtigste in Kürze

Wälder schützen vor Naturgefahren, sind Lebensraum für Tiere und Pflanzen, produzieren Holz und laden zur Erholung ein. Gleichzeitig sind sie durch Stickstoffeinträge, Schadorganismen und den Klimawandel gefährdet. Die verschiedenen Ansprüche an den Wald steigen, besonders im Mittelland. Im Alpenraum nimmt die Waldfläche weiter zu. Den unterschiedlichen Herausforderungen begegnet der Bund mit der Waldpolitik 2020.


1. Verkehr, Landwirtschaft, Klimawandel, Rodungen, Nachfrage nach Holz (Ursachen)

Der zunehmende Verkehr belastet den Schweizer Wald mit Stickstoff und anderen Luftschadstoffen. Diese belasten den Wald entweder direkt aus der Luft oder indirekt durch Ablagerungen im Boden. Auch die Landwirtschaft trägt zur Stickstoffproblematik bei, unter Anderem mit dem Einsatz von Düngern.

Mit dem Klimawandel und den damit einhergehenden langsamen und kontinuierlichen Veränderungen dürften zukünftig extreme Wetterereignisse wie beispielsweise heftige Stürme und Hitzesommer zunehmen. In den letzten Jahren blieb die Schweiz allerdings von grösseren Sturmereignissen und Schadholzmengen verschont.

Rodungen sind in der Schweiz im Interesse der Walderhaltung grundsätzlich verboten; es können jedoch Ausnahmebewilligungen erteilt werden, wenn wichtige Gründe vorliegen, die das Interesse an der Walderhaltung überwiegen. Beispiele dafür sind der Strassen- und Eisenbahnbau, Deponien und Abbauvorhaben. Wird eine Rodung bewilligt, muss die gerodete Fläche grundsätzlich mit Ersatzaufforstungen ersetzt werden.

Die Schweizer Waldwirtschaft steht auf Grund der Währungssituation in einem angespannten inländischen Holzmarkt mit oft nicht kostendeckenden Holzpreisen. Dabei verteuert die kleinstrukturierte Bewirtschaftung der Wälder die Waldbewirtschaftung. Zudem erbringen die Forstbetriebe Leistungen für die Gesellschaft, die nicht oder nur teilweise entschädigt werden. Darunter fallen insbesondere der Schutz von Grund- und Trinkwasser sowie die Nutzung des Waldes als Erholungsraum.


2. Luftschadstoffe, Trockenheit, Schädlingsbefall, ausbleibende Bewirtschaftung, Erholung (Belastungen)

Der Schweizer Wald steht durch den Eintrag von Luftschadstoffen unter chronischem Stress und wird dadurch anfälliger auf akute Ereignisse wie Trockenheit, Stürme, Krankheiten und Schädlinge (z.B. Borkenkäfer). Zudem steigt die durch invasive Neophyten verursachte Gefährdung. Durch den stetig zunehmenden und insbesondere durch den transkontinentalen Handel werden unsere Ökosysteme vermehrt mit neuen Organismen konfrontiert. Seit dem Herbst 2011 wurde in der Schweiz beispielsweise der Asiatische Laubholzbockkäfer mehrmals nachgewiesen. Die eingeschleppte Art zerstört Laubhölzer und gilt als besonders gefährlicher Schädling.

Auf 95% der Waldflächen ist der Stickstoffeintrag aus der Luft zu hoch. Stickstoff lässt den Waldboden versauern und führt zu einer unausgewogenen Versorgung der Bäume mit Nährstoffen.Im Sommer greift zusätzlich hochkonzentriertes Ozon die Blattzellen an.

Höhere Temperaturen und weniger Niederschläge im Sommerhalbjahr verbunden mit mehr Niederschlägen im Winterhalbjahr haben direkte Auswirkungen auf die Wälder. Mit der Klimaänderung kann sich die Waldbrandgefahr regionalverstärken.

Wenn die Bewirtschaftung ausbleibt, entwickelt sich in vielen Wäldern, speziell im Alpenraum, eine ungünstige Altersstruktur.

Eine übermässige Erholungsnutzung in Agglomerationsräumen sowie in Tourismusgebieten kann Auswirkungen auf die Waldverjüngung und damit auf einen nachhaltigen Waldaufbau haben sowie das Verhalten des Wildes beeinträchtigen.


3. Waldflächenzunahme, Waldgesundheit, Vorratsentwicklung, Holznutzungspotenzial (Zustand)

Die Schweiz ist mit 1.31 Millionen Hektaren Wald zu rund einem Drittel bewaldet.

Zwischen 2006 und 2013 hat die Waldfläche um 2% zugenommen. Dabei hat sich der Wald nicht mehr genutzte Landwirtschafts- und Alpflächen im Alpenraum und auf der Alpensüdseite zurückerobert. Im stark besiedelten Mittelland bleibt der Druck auf die Waldfläche hoch.

Der Holzvorrat in den Wäldern ist zwischen 2006 und 2013 weiter um rund 5% gestiegen Die regionalen Unterschiede sind gross: Während der Holzvorrat auf der Alpensüdseite um fast 10% zugenommen hat, ging er im Mittelland um rund 4% zurück.

Bei einem durchschnittlichen Zuwachs von 10.2 Millionen m3 pro Jahr bleiben jährlich 1.4 Millionen m3 Holz ungenutzt in den Wäldern.

Aus Langzeituntersuchungen ist bekannt, dass sich die Nährstoffversorgung der Bäume verschlechtert. Die Bäume sind dadurch gestresst. Das macht sie anfälliger gegenüber Krankheiten und meteorologischen Extremereignissen.

Fast die Hälfte der Schweizer Waldfläche gilt als Schutzwald. Dieser bewahrt Siedlungen, Verkehrswege und Industrieanlagen vor Naturgefahren wie Rutschungen, Lawinen, Felssturz oder Steinschlag.

Der Wald ist für die Artenvielfalt von grösster Bedeutung. Fast die Hälfte der in der Schweiz vorkommenden Tiere und Pflanzen sind auf ihn angewiesen, das sind ungefähr 20'000 Arten. Wenn auf eine ausgewogene und naturnahe Baumartenverteilung geachtet wird, zeigen sich positive Auswirkungen sowohl auf die Biodiversität als auch auf die Stabilität der Wälder.

Trotz des guten Gesamtbildes hat der Schweizer Wald auch ökologische Defizite. Es gibt gebietsweise zu wenig Totholz, das Tausende von Arten als Lebensgrundlage benötigen.


4. Weniger Stabilität, Veränderung Waldbiodiversität, CO2-Senken (Auswirkungen)

Der unerwünschte Nährstoffeintrag über die Luft führt dazu, dass die Bäume schneller in die Höhe wachsen, ohne dass sich entsprechend tiefe Wurzeln bilden. Dies reduziert die Stabilität der Wälder.

Die Belastung durch Ozon führt zu Blatt- und Nadelschäden im Wald. Belastete Wälder können ihre Funktion als Filter für das Grundwasser teilweise nur noch ungenügend erfüllen.

Der Klimawandel wirkt sich auf die Wälder als Ökosysteme und auf das Wachstum der einzelnen Baumarten aus: Die Waldgesellschaften verändern sich, die Waldgrenze verschiebt sich in höhere Lagen. Zwar können sich Wälder und Baumarten über Generationen an veränderte Bedingungen anpassen, diese Fähigkeit gerät aber durch die Geschwindigkeit, mit der der Klimawandel erfolgt, stark unter Druck.

Die vor allem im Alpenraum und auf der Alpensüdseite regional ungenügende Holznutzung hat Einfluss auf verschiedene Funktionen der Wälder:

  • Dichter und dunkler werdende Wälder engen den Lebensraum von licht- und wärmeliebenden Arten ein und wirken sich negativ auf die Biodiversität aus.
  • Die mangelnde Bewirtschaftung führt auch zu einer unausgeglichenen Altersstruktur vieler Wälder. Dies gefährdet insbesondere die Schutzwirkung gegen Naturgefahren.

Die Zunahme der Waldfläche kann sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben, die vor allem lokal und regional ins Gewicht fallen. Sie kann zusammen mit der Ausscheidung der landwirtschaftlichen Nutzflächen (LWN) dazu führen, dass Kulturlandschaften, die wir als besonders schön empfinden - wie die Wytweiden im Jura - verschwinden.

Anderseits können grössere Waldflächen auch mehr CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen, was dem Treibhauseffekt entgegenwirkt. Wälder sind Senken für Kohlenstoff und enthalten 4-5 mal so viel Kohlenstoff wie die Atmosphäre über unserem Land.

Die Wald- und Holzwirtschaft sind im ländlichen Raum wichtige Arbeitgeber. Dabei arbeiten in der Waldwirtschaft rund 5‘700 Personen, in der Holzindustrie sind es um die 88‘000.


5. Rodungsverbot, Zertifikate und Waldreservate (Massnahmen)

Die wichtigste flächenmässige Schutzmassnahme für den Wald ist das gesetzlich festgeschriebene Rodungsverbot.

Mit der Waldpolitik 2020 schafft der Bund günstige Rahmenbedingungen für eine nachhaltige, effiziente und innovative Waldbewirtschaftung und stellt sicher, dass der Wald seine vielfältigen Funktionen erfüllen kann.

Unter anderem möchte der Bund, dass das nachhaltig nutzbare Potenzial an Holz ausgeschöpft wird. Der Aktionsplan Holz setzt die Ressourcenpolitik Holz des Bundes um. Von 2009 bis 2016 initiiert und unterstützt der Aktionsplan Projekte, die sich mit dem Rohstoff Holz und seiner Verwertung auseinandersetzen.

Die Schutzwaldleistung sichert der Bund durch Beitragsleistungen aufgrund der Festlegung von Schutzwäldern nach gesamtschweizerisch einheitlichen Kriterien.

Auch die Biodiversität fördert der Bund mit der Waldpolitik 2020, indem er Waldreservate und die Pflege prioritärer Lebensräume wie Waldrädner oder Wytweiden unterstützt.

Durch die Zertifizierung wird eine umweltgerechte, sozial verträgliche und wirtschaftlich tragbare Waldwirtschaft dokumentiert. Die beiden in der Schweiz verwendeten Zertifizierungssysteme FSC und PEFC basieren auf denselben vom Bund entwickelten Standards. Rund 53% der Waldfläche sind aktuell in der Schweiz zertifiziert.

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Letzte Änderung 27.08.2015

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