Hydrologische Vorhersagen des Bundes

Die aktuelle Situation und Entwicklung der Pegelstände und Abflüsse verschiedener Gewässer werden zeitnah analysiert und anhand von Modellen vorhergesagt, damit insbesondere bei Hochwasser eine frühzeitige Warnung der Behörden und Bevölkerung sichergestellt werden kann.


1. Die Produkte der hydrologischen Vorhersagen – ein Beitrag zum integralen Risikomanagement

Das BAFU erstellt täglich neue Vorhersagen und informiert anhand von Grafiken, Karten und Bulletins über die hydrologische Lage in der Schweiz. Bei Hochwasserlagen werden die Vorhersagen mehrmals täglich aktualisiert.

Vorhersagegrafiken

Die Modellresultate werden in Form von Grafiken unkommentiert veröffentlicht. Diese zeigen die Messwerte (Stundenmittel) der letzten Stunden sowie die erwarteten Stundenmittelwerte für die nächsten drei Tage.

Das hydrologische Bulletin

Jeweils montags und donnerstags wird ein hydrologisches Bulletin auf Deutsch und Französisch veröffentlicht. In diesem Bulletin werden die aktuelle Situation, die Wetterentwicklung und die hydrologischen Vorhersagen für die nächsten drei Tage zusammengefasst.

Hochwasserwarnung an die kantonalen Behörden

Ergibt die Einschätzung des Vorhersagedienstes, dass der Wasserstand bzw. der Abfluss an einem Gewässer die Gefahrenstufe 2 oder höher erreichen wird, so sendet das BAFU via die Nationale Alarmzentrale (NAZ) eine Warnung an die kantonalen Behörden. Die Warnung enthält die Information zur Gefahrenstufe, zu den betroffenen Stationen bzw. Regionen, zur Höhe und zum Zeitpunkt des maximalen Wasserstandes.

Naturgefahrenbulletin

Zusätzlich zur Warnung wird das Naturgefahrenbulletin des Bundes auf verschiedenen Plattformen veröffentlicht. Dieses wird von den Vorhersagediensten des BAFU, der MeteoSchweiz und des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF gemeinsam erstellt und enthält Informationen zur aktuellen Lage und zur Entwicklung des Wetters und der Hydrologie und je nach Bedarf auch zum Schneezustand und zu Rutschungen.

Wochenvorhersagebulletin

Das Wochenvorhersagebulletin gibt eine Vorinformation über die Hochwasserwarnungen des Bundes für die nächsten fünf Tage. Die Hochwasserwahrscheinlichkeit wird dabei in drei Klassen angegeben:

  • Aktuelle Hochwasserwarnung (Wahrscheinlichkeit über 70%) 
  • Hochwasserwarnung wahrscheinlich (Wahrscheinlichkeit zwischen 40%-70%) 
  • Hochwasserwarnung möglich (Wahrscheinlichkeit unter 40%)

Dieses Bulletin wird täglich um 12 Uhr aktualisiert.

Beitrag zum Integralen Risikomanagement

Das BAFU hat den Auftrag, die Behörden und die Bevölkerung vor Hochwasser zu warnen. Mit dem Betrieb des hydrologischen Vorhersagedienstes leistet das BAFU vor und während eines Ereignisses einen Beitrag zum integralen Risikomanagement. Die Tätigkeiten des Vorhersagedienstes umfassen dabei:

  • Tägliche bzw. mehrmals tägliche Aktualisierung der Vorhersagen
  • Tägliche Aktualisierung des Wochenvorhersagebulletins
  • Versand von Hochwasserwarnungen bei Hochwasser der Gefahrenstufe 2 und höher an die kantonalen Behörden
  • Veröffentlichung des Naturgefahrenbulletin des Bundes gemeinsam mit den betroffenen Fachstellen des Bundes
  • Telefonische Beratung der kantonalen Behörden
Massnahmenpalette des integralen Risikomanagements und Phasen, in denen die Massnahmen zum Tragen kommen (Quelle: Bundesamt für Bevölkerungsschutz)
Massnahmenpalette des integralen Risikomanagements und Phasen, in denen die Massnahmen zum Tragen kommen (Quelle: Bundesamt für Bevölkerungsschutz, 2001, ergänzt 2012)

2. Hydrologischen Vorhersagen: für wen?

Eine Reederei, ein Kraftwerk oder ein Unternehmen mit grossem Bedarf an Nutzwasser benötigen für ihre Planung hydrologische Vorhersagen.

Vor einem drohendem Hochwasser sind Anwohner, Siedlungen, Industrieanlagen, Strassen und Eisenbahnlinien, sowie auch Baustellen im oder entlang eines Gewässers gefährdet. Damit die für den Hochwasserschutz verantwortlichen Behörden rechtzeitig Notfallmassnahmen einleiten können, sind hydrologische Vorhersagen nötig.

Die Abteilung Hydrologie des BAFU erstellt hydrologische Vorhersagen für verschiedene Stationen im Einzugsgebiet des Rheins, der Rhone und auch des Ticino. In Zukunft sollen für alle grösseren Gewässer der Schweiz wie auch für die wichtigsten Zuflüsse aus dem Ausland hydrologische Vorhersagen zur Verfügung gestellt werden.

Aufgrund der klimatischen Veränderungen sind in Zukunft auch Niedrigwasser- und Trockenheitsvorhersagen von Interesse. Diese Vorhersagen werden in Zusammenarbeit mit dem National Centre for Climate Services (NCCS) erarbeitet.


3. Wie werden Hydrologische Vorhersagen und Warnungen erstellt?

Jeden Morgen rechnet das Vorhersageteam neue Abflussvorhersagen, interpretiert die Prognosen und publiziert die Abflussvorhersagen. Das untenstehende Schema und der Begleittext beschreiben diesen Prozess.

Wie werden Abfluss- und Wasserstandsvorhersagen erstellt?

Sammeln der notwendigen Daten in einer Datenbank:

Das Vorhersagezentrum des BAFU sammelt alle für die Vorhersagen nötigen Daten:

  • Wetterdaten der SwissMetNet-Stationen von MeteoSchweiz, und von kantonalen und Stationen der Nachbarländer.
  • Daten der Niederschlagsradars als qualitative Unterstützung zur Beurteilung des aktuellen Wetterverlaufes.
  • Gemessene Wasserstände der Seen und der Fliessgewässer der Messstationen des BAFU, der Kantone sowie der Nachbarländer. 

Kontrolle und Aufbereitung der Daten und Seeausflüsse:

  • Überprüfung der Rohdaten auf Lücken und unrealistische Werte (Ausreisser), gegebenenfalls Korrektur der Daten.
  • Interpolation der als Punktwerte vorliegenden meteorologischen Daten auf das gesamte Einzugsgebiet.
  • Entscheidung, ob die von den eingebauten Regulierschemata vorgegebenen Seeausflüsse unverändert für den Vorhersagezeitraum übernommen werden können oder – insbesondere bei Hochwasser - ob eine Absprache mit den Kantonen nötig ist.

Berechnung der Vorhersagen:

  • Berechnung der Wasserstands- und Abflussvorhersagen anhand der hydrologischen Modelle im Stundenschritt. Das BAFU betreibt die hydrologischen Modellen HBV, WASIM, PREVAH, LARSIM und RS3.

Interpretation und Publikation:

  • Interpretation der Resultate der hydrologischen Vorhersagemodelle durch die Prognostikerin bzw. den Prognostiker.
  • Bei Bedarf Absprache mit weiteren Sachverständigen (z.B. MeteoSchweiz, Kantone, u.a.).
  • Gegebenenfalls Versand der Warnprodukte an die Kantone und Publikation der Vorhersage- und Warnprodukte auf den Webplattformen.

Hochwasserwarnungen:

Bei Hochwassergefahr werden Warnungen via Nationale Alarmzentrale (NAZ) an die kantonalen Behörden verschickt. Zusätzlich wird das Naturgefahrenbulletin mit weiterführenden Informationen auf verschiedenen Plattformen veröffentlicht (siehe oben). Die Warnungen beruhen auf der Interpretation der Vorhersagen.

Weiterführende Informationen

Kontakt
Letzte Änderung 19.07.2018

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