Biotechnologie: Das Wichtigste in Kürze


1. Landwirtschaftliche Produktion, Forschung (Ursachen) 

Der technologische Fortschritt führt zu einer vermehrten Verwendung gentechnisch veränderter Organismen (GVO), pathogener (krankheitserregender) Organismen (PO) und gebietsfremder Organismen. So werden zum Beispiel in dem Pharmazeutik und im medizinischen Bereich bei der Forschung und der Entwicklung neuer Medikamente heute GVO und PO regelmässig verwendet.

Pflanzen, die aufgrund von gentechnischen Veränderungen tolerant gegenüber Pflanzenschutzmitteln oder giftig für bestimmte Schadinsekten sind, spielen weltweit eine immer wichtigere Rolle bei der Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln. Vor allem in Schwellenländern (z.B. Argentinien, Brasilien, China, Indien), die grosse Wachstumsraten verzeichnen, nimmt die Anbaufläche von GVO-Pflanzen zu.


2. Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO), pathogenen Organismen (PO) und gebietsfremden Organismen (Belastungen)

Derzeit wird in der Schweiz im Bereich der Biotechnologie in sogenannten «geschlossenen Systemen» viel geforscht. Die GVO, PO oder invasiven gebietsfremden Organismen sollten dabei nicht in Kontakt mit Bevölkerung und Umwelt kommen und in Laboratorien, Produktionsanlagen und Gewächshäusern bleiben.

  • Ende 2013 sind in der Schweiz rund 2717 Tätigkeiten mit gentechnisch veränderten Organismen und Krankheitserregern registriert worden.
  • Anfangs der 1990er Jahre wurde eine massive Zunahme der Verwendung von GVO in der Forschung verzeichnet. Seit 2007 ist erneut ein starker Anstieg solcher Tätigkeiten zu beobachten.

Bis 2014 wurden in der Schweiz vier Freisetzungsversuche mit GVO zu Forschungszwecken durchgeführt und abgeschlossen. Für Forschungszwecke mit GVO im Freien hat das Parlament 2013 entschieden, den Aufbau eines umzäunten und bewachten Versuchsfelds (Protected Site) finanziell zu unterstützen. 2014 wurde erstmals ein Freisetzungsversuch auf der Protected Site gestartet, ein weiterer ist für 2015 in Planung. In mehreren Projekten wurde pilzresistenter Weizen und in einem Fall eine Kreuzung von pilzresistentem Weizen mit einem Wildgras freigesetzt.

Vier gentechnisch veränderte Pflanzensorten (eine Sojasorte und drei Maissorten) sind als Lebens- und Futtermittel für den Markt zwar zugelassen. Aber wegen der ablehnenden Haltung der Konsumenten und Konsumentinnen sind sie kaum vermarktet.


3. Verbreitung von GVO (Zustand)

Durch die weltweite Zunahme der Anbauflächen für gentechnisch veränderte Organismen steigt die Wahrscheinlichkeit einer unbeabsichtigten Verbreitung von GVO in der Umwelt. Die Trennung von GVO und gentechnikfreien Produkten wird erschwert.

Das seit 2012 vom Bund durchgeführte GVO-Monitoring hat gezeigt, dass an Standorten mit einer erhöhten Fundwahrscheinlichkeit (z.B. Warenumschlagplätze, um Labors) vereinzelt GVO-Pflanzen wachsen. Diese könnten über Kontaminationen von Saatgut, über unbeabsichtigte Freisetzungen aus Laboratorien oder über Verluste beim Transport in kleinen Mengen in die Umwelt gelangt sein.


4.  Gefährdung der Umwelt (Auswirkungen)  

Eine unkontrollierte Verbreitung von Organismen in der Umwelt ist unerwünscht, weil damit die Gesundheit und die Umwelt, die Biodiversität und im Falle von GVO die gentechnikfreie Produktion gefährdet werden kann.

Viele Mikroorganismen und Parasiten haben die Fähigkeit, bei Menschen, Tieren und Pflanzen Krankheiten auszulösen. Einige Organismen können zu bleibenden Schäden oder gar zum Tod führen. Dazu gehören beispielsweise Ebolaviren, Milzbrandbakterien oder die Viren der Maul- und Klauenseuche. Andere Organismen können beim Menschen auch allergische Reaktionen auslösen.

Im Umweltbereich gilt es unter anderem die Zunahme von Resistenzen, die Abnahme der Bodenfruchtbarkeit und die Beeinträchtigung der Biodiversität zu verhindern.

Mangels Langzeiterfahrungen und entsprechender Forschungsgrundlagen ist es nicht möglich einzuschätzen, wie sich die zunehmende Verbreitung der Bio-und Gentechnologie langfristig auf die Umwelt, die menschliche Gesundheit, die biologische Vielfalt und das Zusammenleben der Arten auswirken wird. Der Bund gibt regelmässig Forschungsprojekte zu solchen Aspekten in Auftrag.


5. Vorsorge-Prinzip, gesetzliche Grundlagen (Massnahmen) 

Im Bereich der Biotechnologie ist das Vorsorge-Prinzip besonders wichtig, da man zurzeit noch nicht ausreichende Informationen zu den langfristigen und indirekten Umweltauswirkungen von gentechnisch veränderten Organismen hat.

Der Umgang mit Organismen ist in der Schweiz gesetzlich geregelt. Die Vorschriften

  • schreiben eine allgemeine Sorgfaltspflicht vor
  • regeln den Umgang in geschlossenen Systemen
  • verlangen Sicherheitsmassnahmen, Risikobewertungen
  • und Melde- , Bewilligungs- und Informationspflicht.

Aufgrund der 2012 im Parlament beschlossenen Verlängerung des GVO-Moratoriums bis ins Jahre 2017 ist der Anbau von GVO in der Landwirtschaft weiterhin verboten.

2012 hat der Bund mit dem Aufbau eines Monitoringsystems begonnen, mit dem frühzeitig erkannt werden soll, ob gentechnisch veränderte Pflanzen in der Umwelt vorhanden sind.Zur Beurteilung einer möglichen Koexistenz von GVO und GVO-freier Landwirtschaft muss die Verwaltung bis Ende 2017 eine Regelung ausarbeiten und prüfen, ob die Ausscheidung gentechnikfreier Gebiete zweckmässig ist. Zudem muss die Risikobeurteilung von GVO weiter vertieft werden.

Auf internationaler Ebene ist die Verwendung von GVO durch das Cartagena-Protokoll rechtlich geregelt.

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Letzte Änderung 30.03.2015

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