Biotechnologie: Das Wichtigste in Kürze

In der Schweiz wird rege mit gentechnisch veränderten, krankheitserregenden oder gebietsfremden Organismen geforscht. Es sind bis heute keine schwerwiegenden Vorfälle aufgetreten, die zu einer Gefährdung von Menschen, Tieren oder der Umwelt geführt haben. Ein Moratorium verbietet die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in der Landwirtschaft. Dennoch können gentechnisch veränderte Organismen durch verunreinigte Importgüter in die Schweiz gelangen. Das Auftreten von GVO in der Umwelt wird daher überwacht.


1. Forschung, Landwirtschaftliche Produktion im Ausland (Ursachen) 

Der technologische Fortschritt führt zu einer vermehrten Verwendung gentechnisch veränderter Organismen (GVO), pathogener (krankheitserregender) Organismen (PO) und gebietsfremder Organismen. So werden zum Beispiel in Pharmazeutik und im medizinischen Bereich bei der Forschung und der Entwicklung neuer Medikamente heute GVO und PO regelmässig verwendet.

Pflanzen, die aufgrund von gentechnischen Veränderungen tolerant gegenüber Pflanzenschutzmitteln oder giftig für bestimmte Schadinsekten sind, spielen weltweit eine immer wichtigere Rolle bei der Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln. Vor allem in Schwellenländern (z.B. Argentinien, Brasilien, China, Indien), die grosse Wachstumsraten verzeichnen, nimmt die Anbaufläche von GVO-Pflanzen zu.


2. Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO), pathogenen Organismen (PO) und gebietsfremden Organismen (Belastungen)

Derzeit wird in der Schweiz im Bereich der Biotechnologie in sogenannten «geschlossenen Systemen» viel geforscht. Die GVO, PO oder invasiven gebietsfremden Organismen sollten dabei nicht in Kontakt mit Bevölkerung und Umwelt kommen und in Laboratorien, Produktionsanlagen und Gewächshäusern bleiben.

  • Ende 2014 sind in der Schweiz rund 2240 Tätigkeiten mit gentechnisch veränderten Organismen und Krankheitserregern registriert worden.
  • Anfangs der 1990er Jahre wurde eine massive Zunahme der Verwendung von GVO in der Forschung verzeichnet. Seit 2007 ist erneut ein starker Anstieg solcher Tätigkeiten zu beobachten.

Bis 2014 wurden in der Schweiz vier Freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen zu Forschungszwecken durchgeführt und abgeschlossen. Für Forschungszwecke mit GVO im Freien hat das Parlament 2013 entschieden, den Aufbau eines umzäunten und bewachten Versuchsfelds (Protected Site) finanziell zu unterstützen. 2014 wurde erstmals ein Freisetzungsversuch auf der Protected Site gestartet, 2018 wurden darauf vier Versuche durchgeführt. Untersucht wurden dabei Weizen, Kartoffeln und Apfelpflanzen, die gegen Krankheitserreger resistent sind, sowie Weizen mit einem erhöhten Ertragspotential.

Vier gentechnisch veränderte Pflanzensorten (eine Sojasorte und drei Maissorten) sind als Lebens- und Futtermittel in der Schweiz zwar zugelassen, müssen aber entsprechend deklariert sein. Doch wegen der ablehnenden Haltung der Konsumenten und Konsumentinnen sind sie kaum vermarktet.

 


3. Vereinzeltes Vorkommen von GVO in der Umwelt (Zustand)

Durch die weltweite Zunahme der Anbauflächen für gentechnisch veränderte Organismen steigt die Wahrscheinlichkeit einer unbeabsichtigten Verbreitung von GVO in der Umwelt. Die Trennung von GVO und gentechnikfreien Produkten wird erschwert.

Seit 2005 verbietet ein Moratorium den Anbau von GVOs in der Schweiz. Samen von GV-Pflanzen können aber als Kontamination konventioneller Agrarprodukte über die Grenze gelangen, denn die Schweiz kann ihren Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten nicht vollständig decken und ist auf Importe angewiesen. Diese stammen u. a. auch aus Ländern, in denen GV-Pflanzen angebaut werden. Bisher wurden jedoch nur vereinzelt GV- Pflanzen gefunden, der Anteil positiv getesteter Pflanzen lag jeweils unter 2%.

 


4.  Gefährdung der Umwelt (Auswirkungen)  

Eine unkontrollierte Verbreitung von Organismen in der Umwelt ist unerwünscht, weil damit die Gesundheit und die Umwelt, die Biodiversität und im Falle von GVO die gentechnikfreie Produktion gefährdet werden kann.

Viele Mikroorganismen und Parasiten haben die Fähigkeit, bei Menschen, Tieren und Pflanzen Krankheiten auszulösen. Einige Organismen können zu bleibenden Schäden oder gar zum Tod führen. Dazu gehören beispielsweise Ebolaviren, Milzbrandbakterien oder die Viren der Maul- und Klauenseuche. Andere Organismen können beim Menschen auch allergische Reaktionen auslösen.

Im Umweltbereich gilt es unter anderem die Zunahme von Resistenzen, die Abnahme der Bodenfruchtbarkeit und die Beeinträchtigung der Biodiversität zu verhindern.

Mangels Langzeiterfahrungen und entsprechender Forschungsgrundlagen ist es nicht möglich einzuschätzen, wie sich die zunehmende Verbreitung der Bio-und Gentechnologie langfristig auf die Umwelt, die menschliche Gesundheit, die biologische Vielfalt und das Zusammenleben der Arten auswirken wird. Der Bund gibt regelmässig Forschungsprojekte zu solchen Aspekten in Auftrag.

 


5. Vorsorge-Prinzip, gesetzliche Grundlagen (Massnahmen) 

Im Bereich der Biotechnologie ist das Vorsorge-Prinzip besonders wichtig, da man zurzeit noch nicht ausreichende Informationen zu den langfristigen und indirekten Umweltauswirkungen von gentechnisch veränderten Organismen hat.

Der Umgang mit Organismen ist in der Schweiz gesetzlich geregelt. Die Vorschriften

  • schreiben eine allgemeine Sorgfaltspflicht vor
  • regeln den Umgang in geschlossenen Systemen
  • verlangen Sicherheitsmassnahmen, Risikobewertungen und Melde-, Bewilligungs- und Informationspflicht.

Dank einer stetigen Sensibilisierung hat sich seit der Jahrhundertwende eine Kultur der Biosicherheit entwickelt.Die Entwicklungen in der Biotechnologie gehen jedoch rasant voran, wie z.B. im Fall der neuen Pflanzenzüchtungsmethoden. Darunter versteht man neu entwickelte molekularbiologische Methoden, die eine gezielte Veränderung des Erbguts von Pflanzen erlauben, ohne auf klassische gentechnische Methoden zurückzugreifen. Der rechtliche Status dieser neuen Verfahren ist Gegenstand von Diskussionen auf nationaler wie internationaler Ebene.

Der Anbau und die Verarbeitung gentechnisch veränderter Pflanzen (GV-Pflanzen) in der Landwirtschaft stossen in der Öffentlichkeit und damit einhergehend auch in der Politik auf Vorbehalte. Seit 2005 verbietet ein Moratorium den Anbau von GVOs. 2017 wurde es vom Parlament bis 2021 verlängert. Freisetzungsversuche zu Forschungszwecken bewilligt der Bund, sofern sie den gesetzlichen Anforderungen genügen.

Wegen möglicher Kontaminationen von Importgütern überwacht der Bund das Vorkommen von unbeabsichtigt in der Umwelt auftretenden GVOs mit einem Monitoring. Dieses führt er in Zusammenarbeit mit den Kantonen durch. Es wird konstant weiterentwickelt und an die weltweite Lage bezüglich dem Anbau von GVOs angepasst. Zudem kontrolliert der Bund jährlich, ob auf dem Markt vertriebene Produkte gesetzeskonform sind. Beispiele dafür sind Lebens- und Futtermittel oder Saatgut.

Auf internationaler Ebene ist die Verwendung von GVO durch das Cartagena-Protokoll rechtlich geregelt. Die Cartagena-Verordnung (CartV) setzt das Protokoll in Schweizer Recht um und legt fest, welche Angaben vorhanden sein müssen, damit die erforderlichen Sicherheitsprüfungen für die Einfuhr von GVOs durchgeführt werden können.

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Letzte Änderung 30.11.2018

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