Boden: Das Wichtigste in Kürze

Boden ist nicht erneuerbar und seine begrenzte Verfügbarkeit wird in der Schweiz immer stärker spürbar. Die Belastung mit Schadstoffen nimmt zwar tendenziell ab, und in Land- und Bauwirtschaft wurden Massnahmen zur schonenderen Bearbeitung eingeleitet. Dennoch schreiten der Verlust fruchtbaren Bodens und dessen Versiegelung durch den Bau von Gebäuden, Strassen und weiteren Infrastrukturen unvermindert voran.


1. Wachstum, Land- und Waldwirtschaft, Freizeit- und Konsumverhalten (Ursachen) 

Das Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum führt zu einem gesteigerten Bedarf an Siedlungen und Verkehrsinfrastruktur. Die damit verbundene Bautätigkeit führt zu Bodenversiegelung oder Bodenverdichtung und zum weitgehenden Verlust der ökologischen Bodenfunktionen (Produktionsfunktion, Regulierungsfunktion, Lebensraumfunktion).

Auch Einkaufszentren, Freizeit- und Sportanlagen, Industrie- und Gewerbebetriebe beanspruchen viel Fläche. Dies vor allem im Mittelland, wo die produktivsten Böden vorkommen.

In der Forst- und Landwirtschaft werden aufgrund des Rationalisierungsdruckes die verwendeten Zug- und Erntemaschinen immer schwerer und oft unter Zeitdruck eingesetzt. Böden werden so zunehmend verdichtet. Alpine Böden stehen durch Pistenplanierungen und künstliche Bewässerung unter Druck.


2. Physikalische, chemische und biologische Bodenbelastungen (Belastungen) 

Durch die Bautätigkeit werden Flächen in Siedlungsgebieten versiegelt oder verdichtet. Bei der Verdichtung werden die Hohlräume des Bodens und die sogenannte Krümelstruktur zerstört. Verdichtete Böden nehmen ihre ökologische Aufgabe nur noch beschränkt wahr. Beispielsweise ist bei Starkniederschlagsereignissen die Wasseraufnahme vermindert.

Chemische Belastungen entstehen durch den Eintrag von Stoffen wie beispielsweise Cadmium und Uran aus Düngern. Trotz der heute getroffenen Massnahmen (z.B. Bleiverbot in Benzin) schädigen die Einträge aus vergangenen Jahren die Böden immer noch, da sie im Boden, wenn überhaupt, oft nur langsam abgebaut oder wegtransportiert werden.

Biologische Bodenbelastungen können durch gentechnisch veränderte, krankheitserregende oder standortfremde, meist eingeschleppte Lebewesen entstehen. Störungen der natürlichen, terrestrischen Biodiversität können eine Vielzahl von Folgen für die ökologischen Funktionen des Bodens bewirken.


3. Zustand der Böden (Zustand)  

Die Ressource Boden ist eine wichtige Lebensgrundlage und in menschlichen Zeitmassstäben nicht erneuerbar. Ein gesunder Boden ist die Ernährungsbasis des Menschen, der Tiere und der Pflanzen.

Bis zu 40% der Ackerfläche der Schweiz ist von Wassererosion betroffen. Besonders Ackerböden in Hanglagen mit geringer Pflanzenbedeckung sind bedroht. In gewissen Gebieten ist mit einer Zunahme der Erosion infolge des Klimawandels zu rechnen.

Das Ausmass der Bodenverdichtung ist noch nicht bezifferbar, da Methoden zur Messung und Beurteilung erst in der Erprobungsphase stehen.

Die höchsten chemischen Belastungen werden bei den Schwermetallen Blei, Kupfer, Zink und Cadmium gemessen, steigend ist die Belastung durch organische Schadstoffe (darunter Polyaromatische Kohlenwasserstoffe PAK), die bei jeder Verbrennung freigesetzt werden. Niedrig ist hingegen die Dioxin-Belastung der Schweizer Böden.

Völlig unbelastete Böden gibt es in der Schweiz nicht mehr. Die meisten Schadstoffe werden im Boden zurückgehalten und reichern sich dort über Jahrzehnte an. Beispielsweise haben Luftschadstoffe aus filterlosen Abluftkaminen, die grossflächige Ausbringung schadstoffreicher Abfalldünger (z.B. Klärschlämme, Kehrichtkomposte) oder illegale Abfallverbrennungen oder -entsorgungen die Böden in der Vergangenheit belastet. Am stärksten verschmutzt sind:

  • Siedlungsflächen (Gärten und Parks)
  • Böden im Umfeld bestimmter Industrie- oder Verkehrsanlagen.
  • Auch Böden in landwirtschaftlichen Spezialkulturen (Obst- und Weinbau) sind stark belastet.

Die biologische Bodenbelastung durch gentechnisch veränderte, krankheitserregende oder nicht-einheimische Lebewesen ist nicht akut, sie muss jedoch im Auge behalten werden.

Über die terrestrische Biodiversität im speziellen oder über die Zerstörung durch Versiegelung hinausgehende Belastungen der Lebensraumfunktion generell ist wenig bekannt.

Im Zeitraum von 1979/1985 bis 2004/2009 gingen 0.7 m2/s Kulturland verloren. Weitere 0.4 m2/s wurden zu Wald (Gehölzen und Gebüsch), weil im Berggebiet immer weniger Flächen als Wiesen und Weiden genutzt werden. Zwischen den Erhebungsperioden 1979/1985 und 2004/2009 hat die Bodenversiegelung in der Schweiz insgesamt um 29% zugenommen. Rund 4.7% der Landesfläche waren 2009 von Gebäuden, Strassen oder anderen Infrastrukturen bedeckt und damit versiegelt.


4. Auswirkungen der Bodenbelastungen (Auswirkungen)  

Bodenverdichtungen schädigen die Bodenstruktur, wodurch die biologischen Prozesse im Boden beeinträchtigt werden. Da auf diese Weise auch das Vermögen der Böden, Wasser zu speichern vermindert wird, steigt das Erosions- und Hochwasserrisiko. Verdichtungen des Unterbodens können in der Regel nicht rückgängig gemacht werden. 

Durch Bodenerosion

  • geht viel wertvolle Kulturerde verloren
  • Infrastrukturen (z.B. Strassen, Drainagesysteme) werden beeinträchtigt und Gewässer gedüngt und mit Pflanzenschutzmitteln und Düngern belastet.

Die Folgen der chemischen Bodenverschmutzung gefährden die Bodenfruchtbarkeit und lassen sich in die folgenden drei Kategorien einteilen:

  • Störung des Stoffhaushalts (Regulierungsfunktion)
  • Wachstumsstörungen bei Pflanzen (Produktionsfunktion)
  • sowie gesundheitliche Gefährdung von Menschen und Tieren durch den Verzehr schadstoffhaltiger Ernteprodukte oder durch belastetes Grundwasser oder direkte Bodenaufnahme (z. B. durch spielende Kinder).

Die biologische Belastung durch eingeschleppte, nicht-einheimische oder gentechnisch veränderte Organismen kann die Fruchtbarkeit der Böden beeinträchtigen, ebenso wie Veränderungen der natürlichen Netzwerke der Bodenlebewesen aufgrund externer Einflüsse wie z.B. Klimawandel oder nicht-standortgerechte Nutzung.


5. Bodenschutzmassnahmen (Massnahmen) 

Das Vorsorgeprinzip hat beim Bodenschutz oberste Priorität. Chemische und physikalische Bodenbelastungen sind nicht oder nur mit sehr grossem Aufwand rückgängig zu machen.

Das Umweltschutzgesetz (USG) und die Verordnung über Belastungen des Bodens (VBBo) geben dem qualitativen Bodenschutz ein rechtliches Fundament. Für den quantitativen Bodenschutz ist das Raumplanungsgesetz (RPG) die rechtliche Grundlage. Trotz der Zielvorgabe der Raumplanung, die Böden haushälterisch zu nutzen, setzt sich die Zersiedelung der Schweiz und damit der Verlust der Böden und Bodenfunktionen fort, da das Interesse an der baulichen Nutzung der Böden überwiegt. Im Gegensatz zur EU fehlt in der Schweiz ein integrales Konzept zum nachhaltigen Umgang mit dem Boden. Aus diesem Grund erarbeiten die Bundesämter für Umwelt, Landwirtschaft und Raumentwicklung zusammen mit weiteren Partnern einen Entwurf für eine Bodenstrategie Schweiz.

Bund und Kantone haben gemeinsam mit der Bau-, der Land-, und der Forstwirtschaft eine Reihe von Instrumenten entwickelt und vorsorgliche Massnahmen getroffen. Dazu gehört beispielsweise die Ausbildung von Baubegleitern (Beratung bei Grossprojekten), oder die Sensibilisierung von Landwirten. Beim chemischen Bodenschutz haben sich beispielsweise folgende Massnahmen als wirkungsvoll erwiesen:

  • der Bleiersatz im Benzin
  • die konsequente Rauchgasreinigung bei Kehrichtverbrennungsanlagen
  • die Beschränkung des Cadmium-Gehaltes in Phosphordüngern.

Wichtig ist auch das freiwillige Handeln vieler Menschen: Hobbygärtnerinnen und -gärtner, die auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verzichten und Dünger sparsam verwenden. Es ist ein erklärtes Ziel des Bundes, die Bevölkerung vermehrt für die Belange des Bodenschutzes zu sensibilisieren. Nur was man kennt, schätzt und schützt man auch, daher ist neben der Sensibilisierung auch das Zusammentragen von Bodeninformationen, sowie das Erheben von Bodeneigenschaften von grosser Wichtigkeit.

Der Bund möchte den Schutz von fruchtbaren Böden auch per Raumplanungsgesetz besser absichern. Massnahmen in der Agrar-, Wald-, Umwelt-, und Raumplanungsgesetzgebung müssen gut aufeinander abgestimmt werden.

Weiterführende Informationen

Kontakt
Letzte Änderung 29.06.2016

Zum Seitenanfang

https://www.bafu.admin.ch/content/bafu/de/home/themen/boden/inkuerze.html