Luft: Das Wichtigste in Kürze

Die Luftqualität hat sich seit dem Jahr 2000 weiter verbessert und ist im europäischen Vergleich gut. Trotzdem überschreiten die Konzentrationen von Ozon, Feinstaub und Stickstoffdioxid zeitweise die Immissionsgrenzwerte und bleiben damit ein Gesundheitsrisiko. Auch die Stickstoffeinträge aus der Luft sind immer noch zu hoch und haben negative Auswirkungen auf Ökosysteme, Biodiversität, Boden, Wasser und Klima. Zur Verbesserung der Luftqualität sind national und international weitere Massnahmen beim Verkehr, bei Industrie, Feuerungen, Heizungen und der Landwirtschaft nötig.


1. Mobilität, Energieverbrauch, industrielle und landwirtschaftliche Produktion (Ursachen)

In der Schweiz wurden 2016 im Personenverkehr auf Strasse und Schiene insgesamt 132,6 Milliarden Personenkilometer zurückgelegt. Das ist beinahe ein Drittel mehr als im Jahr 2000, womit die Steigerung stärker ist als das Wachstum der ständigen Wohnbevölkerung mit einer Zunahme von 17 %.

Beim Gütertransport bewältigte die Strasse im Jahr 2016 einen Anteil von 61 % und die Schiene einen solchen von 39 % aller Transportleistungen. Diese hatten 2016 insgesamt ein Volumen von 27,8 Milliarden Tonnenkilometern – ein Plus von 18 % gegenüber 2000. Die Strasse legte zwischen 2000 und 2016 prozentual fast dreimal so stark zu wie die Bahn.

Die Verkehrsperspektiven bis 2040, die von verschiedenen Bundesämtern erarbeitet wurden, zeigen,dass die Verkehrsleistung weiter beachtlich wachsen wird. Im Personenverkehr schätzt das Referenzszenario eine Zunahme zwischen 2010 und 2040 um 25 % und im Güterverkehr um 37 

Neben dem Verkehr beeinflussen auch unser Energieverbrauch und Konsum, der Betrieb von industriellen und gewerblichen Anlagen sowie die Landwirtschaft den Zustand der Luft.

Natürliche Vorgänge wie mikrobielle und chemische Prozesse in Böden und Gewässern, Ausscheidungen von Pflanzen und Tieren, Erosion, Waldbrände oder Blitze wirken sich ebenfalls aus; ihr Beitrag ist jedoch in der Regel für die gesamtschweizerische Luftverschmutzung gering.


2. Schadstoffemissionen (Belastungen)  

Hauptverursacher der heute noch vorhandenen Luftbelastung sind in erster Linie:

  • der motorisierte Verkehr (Stickoxide (NOx), Feinstaub, Flüchtige organische Verbindungen (VOC), Russ),
  • die Haushalte inkl. Holzverbrennung (Feinstaub, VOC, Russ),
  • die Landwirtschaft (Ammoniak, VOC, Feinstaub)
  • die Industrie (VOC, NOx, Feinstaub)

Die Schadstoffe werden von Luftströmungen transportiert und können sich während ihres Transports chemisch und physikalisch verändern. So entsteht Ozon (Sommersmog) aus den Vorläuferschadstoffen Stickoxide (NOx) und flüchtigen organischen Verbindungen (VOC). Aus Ammoniak, VOC, NOx und Schwefeldioxid können sich «sekundäre» Feinstaub-Partikel bilden.

Die Emissionen der meisten Schadstoffe sind seit 2000 weiter zurückgegangen. Die im Luftreinhaltekonzept des Bundesrates von 2009 vorgegebenen Reduktionsziele wurden aber bisher, mit Ausnahme von Schwefeldioxid, noch nicht erreicht.

  • Die Feinstaub-Emissionen (PM10, PM2.5) stammen etwa zu gleichen Teilen aus der Industrie, dem Verkehr und der Landwirtschaft und zu einem kleineren Teil aus den Haushalten. Die PM10-Emissionen sanken zwischen 2005 und 2016 um 12 %. Ziel ist eine Reduktion um 45 % gegenüber 2005.
  • Die Stickoxid-Emissionen stammen zirka zur Hälfte aus dem Verkehr. Der Ausstoss hat zwischen 2005 und 2016 um 27 % abgenommen. Ziel ist eine Reduktion von 50 %.
  • Flüchtige organische Verbindungen (VOC) stammen zu über 50 % aus der Industrie. Ziel ist eine Reduktion von zirka 30 % gegenüber 2005. Erreicht wurde bisher eine Reduktion um 24 %.
  • Ammoniak (NH3) stammt fast ausschliesslich aus der Landwirtschaft, wo es im Stallbereich sowie bei der Lagerung und Ausbringung von Gülle in die Luft entweicht. Die Ammoniakemissionen, die zu rund zwei Drittel für den Stickstoffeintrag verantwortlich sind, haben seit 2005 nur um knapp 5 % abgenommen. Ziel ist eine Reduktion von 40 %.

3. Grenzwerte für NOx, Ozon,  Feinstaub zeitweise überschritten, SO2 eingehalten, übermässige Stickstoff-Einträge  (Zustand)  

Die Luftqualität in der Schweiz hat sich seit 2000 weiter verbessert und ist im internationalen Vergleich mit ähnlich dicht besiedelten Gebieten gut. Bei 9 von 13 wichtigen Luftschadstoffen, für welche die Luftreinhalte-Verordnung Immissionsgrenzwerte festsetzt, liegt die Belastung heute in der ganzen Schweiz unter diesen Limiten.

Dagegen werden beim Stickstoffdioxid (NO2), beim bodennahen Ozon (O3) und beim Feinstaub die festgelegten Grenzwerte zeitweise weiterhin überschritten.

Übermässige Stickstoffeinträge, die zu zwei Drittel von Ammoniak (NH3) Emissionen und zu einem Drittel von NOx Emissionen stammen, belasten die Umwelt in einem Ausmass, das deutlich über den kritischen Belastungswerten liegt.


4. Erkrankungen, Todesfälle, Überdüngung und volkswirtschaftliche Kosten (Auswirkungen)  

Die grösste Gefahr für die Gesundheit geht von übermässigen Belastungen mit Feinstaub, Ozon und Stickstoffdioxid aus, welche zu Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen bzw. solche Erkrankungen verschlimmern. Der gegenwärtige Zustand der Luft führte gemäss dem Bericht «Externe Kosten und Nutzen des

Verkehrs in der Schweiz» in der Schweiz für das Jahr 2015 zu rund 2200 frühzeitigen Todesfällen, davon etwa 200 durch Lungenkrebs. Erhöhte Luftschadstoffkonzentrationen sind Jahr für Jahr verantwortlich für mehr als 1800 Spitaleintritte wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Atemwegserkrankungen mit insgesamt 14000 Spitaltagen

Hohe Stickstoffeinträge aus der Luft bewirken eine weiträumige Überdüngung der Ökosysteme. Dies führt zu einem Verlust von Biodiversität und trägt zur Versauerung von Waldböden bei. Davon betroffen sind insbesondere Wälder, artenreiche Naturwiesen und Trockenrasen, alpine Heiden, sowie Hoch- und Flachmoore. Zahlreiche Arten, die an nährstoffarme Lebensräume angepasst sind, werden dadurch gefährdet. Unter einer Stickstoffbelastung, die über dem kritischen Wert liegt, leiden

  • fast alle Hochmoore
  • fast 90% der Wälder
  • drei Viertel der Flachmoore
  • ein Drittel der Trockenwiesen.

In der Landwirtschaft führt die Luftverschmutzung (namentlich durch Ozon) zu Ertragseinbussen von bis zu 15%.

Luftschadstoffe führen zu erhöhter Korrosion von Materialien und tragen damit zur Beschädigung von Gebäuden und Kulturdenkmälern bei.

Die Luftverschmutzung verursacht in der Schweiz jedes Jahr Kosten in Milliardenhöhe. Diese externen Kosten, welche nicht von den Verursachern bezahlt werden, betreffen die Gesundheit, Ernteverluste und Schäden an Materialien und Gebäuden. Die gesamten Gesundheitskosten werden vom ARE auf jährlich  über CHF 6 Milliarden beziffert.

Russpartikel, Methan und bodennahes Ozon sind Luftschadstoffe, die auch das Klima beeinflussen. 


5. Emissionsvorschriften (Massnahmen)  

Um Menschen, Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume vor den schädlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung zu schützen, muss der Schadstoffausstoss nach dem Gesetz so tief gehalten werden, wie dies ökonomisch tragbar und nach dem Stand der Technik möglich ist - selbst wenn kein unmittelbares Risiko für die Umwelt besteht (Vorsorgeprinzip). Strengere Beschränkungen treten in Kraft, wenn von schädlichen Auswirkungen ausgegangen werden muss.

Auf Bundesebene existieren Vorschriften über den Schadstoff-Ausstoss von Heizungen, industriellen Anlagen, Motorfahrzeugen, Maschinen und Geräten sowie Schiffen und Schienenfahrzeugen, und Vorschriften über die Qualität von Brenn- und Heizstoffen.

Ausserdem soll der beste Stand der Technik bei Fahrzeugen, Industrie- und Landwirtschaftsanlagen sowie Wärmeerzeugern zur Anwendung kommen. Die seit 2014 geltenden Euro-6/VI-Normen für Motorfahrzeuge bringen – jedoch teilweise verzögert - weitere Verbesserungen beim Feinstaubausstoss und den Stickstoffoxidemissionen.

Weitere Massnahmen sind die Schwerverkehrsabgabe oder die Lenkungsabgabe auf flüchtigen organischen Verbindungen (VOC).

Um den Ammoniakausstoss aus der Tierhaltung zu reduzieren, unterstützt der Bund seit 2008 emissionsarme Techniken wie das Ausbringen von Gülle mit Schleppschläuchen. Das Potenzial von technischen und betrieblichen Massnahmen zur Minderung der Ammoniakemissionen ist gross und muss ausgeschöpft werde

Die Kantone haben Massnahmenpläne zum Schutz der Luft erarbeitet, um die Belastung lokal zu reduzieren - indem sie beispielsweise den öffentlichen Verkehr fördern oder zeitlich begrenzte Verbote für Holzfeuerungen aussprechen.

Synergien mit anderen Politikbereichen ergeben sich vor allem im Bereich der Energie- und Klimapolitik. Massnahmen zur Effizienzsteigerung und der Ersatz fossiler durch erneuerbare Energien stehen in der Regel im Einklang mit der Luftreinhaltepolitik.

Zusätzlich muss die grossräumige Luftverschmutzung durch dauerhafte Massnahmen in den übrigen europäischen Ländern gesenkt werden. Deshalb sind auch auf internationaler Ebene im Rahmen des Übereinkommens über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung weitere Anstrengungen nötig.

Weiterführende Informationen

Links



Dokumente

Kontakt
Letzte Änderung 30.11.2018

Zum Seitenanfang

https://www.bafu.admin.ch/content/bafu/de/home/themen/luft/inkuerze.html