Elektrosmog: Das Wichtigste in Kürze

Jedes Jahr verdoppelt sich die Datenmenge, die mit Mobilfunk übertragen wird. Auf den liberalisierten Strommärkten wird intensiv gehandelt und der Anteil der Elektrizität an der Energieversorgung steigt. Insgesamt dürfte die Belastung der Bevölkerung durch Elektrosmog weiter zunehmen. Zu den Auswirkungen auf die Gesundheit und zur Höhe der Belastung fehlen Daten und Wissen. Diese Lücken will der Bund schliessen


1. Wachsender Mobilfunksektor, Digitalisierung und Stromverbrauch (Ursachen) 

Das Wort «Elektrosmog» hat sich im deutschen Sprachraum als Sammelbezeichnung für alle technisch erzeugten elektrischen und magnetischen Felder durchgesetzt.

Überall, wo Elektrizität erzeugt, transportiert und genutzt wird, entstehen niederfrequente elektrische und magnetische Felder.

Mobil- und Rundfunksender sowie weitere Funkanwendungen erzeugen ebenfalls Strahlung, und zwar im hochfrequenten Spektrum. In beiden Fällen handelt es sich um nichtionisierende Strahlung (NIS).

Seit ungefähr 2000 hat sich der Energieverbrauch der Schweiz stabilisiert, während das Bruttoinlandprodukt und die Bevölkerung weiter gewachsen sind. Auch der Verbrauch von Strom folgt seit 2005 nicht mehr den Wachstumsraten von BIP und Bevölkerung Seit den 1990er-Jahren ist die Anzahl der Mobilfunkgeräte in der Schweiz auf über 11 Millionen gestiegen. Zudem ist das Volumen der per Mobilfunk übertragenen Daten zwischen 2008 und 2016 um das 375-fache gestiegen.

Gemäss der Strategie des Bundesrates für eine digitale Schweiz soll die Schweiz die Chancen der Digitalisierung konsequent nutzen. Dies bedingt eine ständige Verfügbarkeit von mobilen Diensten und damit einen weiteren Ausbau der drahtlosen Infrastruktur. Aufgrund dieser Entwicklung und angesichts des steigenden Anteils der Elektrizität am Energieverbrauch ist davon auszugehen, dass der Elektrosmog weiter zunehmen wird.


2. Zunehmende Strahlenbelastung (Belastungen)  

Durch den Aufschwung der Mobiltelefonie hat in den letzten Jahren auch die hochfrequente Strahlung in der Umwelt deutlich zugenommen. Für den Betrieb der Mobilfunknetze wurden bis Mitte 2018 an mehr als 18'500 Standorten Mobilfunkantennen aufgestellt. Mit jeder neuen Generation von Mobilfunkgeräten nimmt deren Strahlung zwar ab, das Datenvolumen verdoppelt sich jedoch jedes Jahr. Wie stark die Belastung dadurch steigt, wurde bisher nicht erhoben. Neben dem Mobilfunk gehören auch Rundfunk, Richtfunk, Schnurlostelefone oder drahtlose Computernetzwerke (WLAN) zum Hochfrequenzbereich. Quellen niederfrequenter Strahlung sind Stromleitungen, Fahrleitungen von Eisenbahnen oder strombetriebene Geräte im Haushalt. Die Zunahme des Stromverbrauchs und der intensivere Handel auf den liberalisierten Strommärkten führen zu höheren Stromdurchleitungsraten durch das Verteilnetz. Entlang von bestehenden Leitungen werden die niederfrequenten Magnetfelder deshalb weiter zunehmen.


3. Grenzwerte werden gut eingehalten (Zustand)  

Die Grenzwerte für die Strahlenbelastung werden nur in seltenen Ausnahmefällen, in unmittelbarer Nähe von emittierenden Anlagen erreicht oder gar überschritten. In den meisten Alltagssituationen liegt die Elektrosmog-Belastung im niederfrequenten Bereich durch Infrastrukturanlagen weit unter dem Immissionsgrenzwert.

Auch im hochfrequenten Bereich  werden die Grenzwerte für ortsfeste Antennen eingehalten.

Die Belastung ist in urbanen Gebieten generell höher als in ländlichen; am höchsten ist sie in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Wie stark eine Person von hochfrequenter Strahlung belastet wird, hängt vor allem von der persönlichen Nutzung mobiler Dienste ab.


4. Unbekannte Gesundheitsrisiken (Auswirkungen) 

Die Wirkung nichtionisierender Strahlung auf den Menschen hängt ab von der Intensität und der Frequenz der Strahlung.

Sehr intensive Strahlung niedriger Frequenz kann Nervenimpulse und unwillkürliche Muskelkontraktionen auslösen. Intensive hochfrequente Strahlung kann zu einer Erwärmung von Geweben führen. International geltende Grenzwerte schützen vor Belastungen mit solchen Auswirkungen.

Verschiedene Studien liefern jedoch Hinweise auf biologische Effekte auch bei schwacher Strahlenbelastung unterhalb dieser Grenzwerte. So kann schwache hochfrequente Strahlung Hirnströme verändern sowie die Durchblutung und den Stoffwechsel des Gehirns beeinflussen. Ob diese Wirkungen für die Gesundheit von Bedeutung sind, ist derzeit noch ungewiss.

Aufgrund bisheriger Untersuchungen ist bei Belastung mit schwacher nichtionisierender Strahlung nicht mit kurz- bis mittelfristigen gesundheitlichen Schäden zu rechnen. Über die Auswirkungen einer langfristigen Exposition gibt es jedoch noch keine gesicherten Erkenntnisse. So steht zum Beispiel schwache niederfrequente Strahlung im Verdacht, das Leukämierisiko bei Kindern zu erhöhen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sowohl niederfrequente als auch hochfrequente Strahlung als möglicherweise krebserregend für den Menschen klassiert.

Zudem sind einige Menschen überzeugt, Störungen der Befindlichkeit oder gesundheitliche Auswirkungen bereits bei sehr schwacher Strahlung zu erleiden. Wie solchen so genannt elektrosensiblen Menschen geholfen werden kann, ist erst ansatzweise bekannt. 

Nahe gelegene Mobilfunkantennen oder Hochspannungsleitungen können zudem den Wert von Liegenschaften vermindern, weil ihre Strahlung als Risiko wahrgenommen wird.


5. Schutz vor Elektrosmog (Massnahmen)

Um die Bevölkerung vor Elektrosmog zu schützen, hat der Bundesrat die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) erlassen. Sie setzt Grenzwerte fest für die Strahlung ortsfester Anlagen wie Hochspannungsleitungen, Mobil- oder Rundfunksender.

Nicht in den Geltungsbereich der Umweltschutzgesetzgebung fallen elektrische Geräte wie Mobiltelefone oder Mikrowellenöfen, die in erster Linie die Benutzer und weniger die Umwelt belasten.

Die Immissionsgrenzwerte schützen mit ausreichender Sicherheit vor den wissenschaftlich anerkannten Gesundheitsauswirkungen (Wärmewirkung, Nervenreizungen, Muskelzuckungen) und müssen überall eingehalten werden, wo sich Menschen - auch nur kurzfristig - aufhalten.

Gestützt auf das Vorsorgeprinzip des Umweltschutzgesetzes hat der Bundesrat beim Erlass der NIS-Verordnung zusätzlich zu den Immissionsgrenzwerten noch wesentlich strengere Anlagegrenzwerte festgelegt. Bis die Wissenschaft den Zusammenhang zwischen schwacher Strahlung und Gesundheitsfolgen geklärt hat, soll damit vor allem die Langzeitbelastung frühzeitig reduziert werden.

Die Schweiz verfügt damit für Orte, an denen sich Menschen längere Zeit aufhalten (Wohnungen, Schulen, Spitäler, Büros, etc.) über eine der strengsten rechtsverbindlichen Regelungen weltweit.

Der Bund fördert auch die Forschung und hat 2014 eine beratende Expertengruppe NIS eingesetzt. Sie begutachtet wissenschaftliche Arbeiten, um potenzielle Gesundheitsrisiken früh zu erkennen.

Weiterführende Informationen

Kontakt
Letzte Änderung 30.11.2018

Zum Seitenanfang

https://www.bafu.admin.ch/content/bafu/de/home/themen/thema-elektrosmog/elektrosmog--das-wichtigste-in-kuerze.html