Lebensmittelabfälle

Der Begriff «Lebensmittelabfälle», umgangssprachlich «Food Waste» genannt, umfasst sämtliche Lebensmittel, die entlang der ganzen Wertschöpfungskette vom Acker bis auf den Teller verloren gehen oder weggeworfen werden: In der landwirtschaftlichen Produktion, in der Verarbeitung, in der Gastronomie, bei den Grossverteilern und schliesslich im privaten Konsum.

Rund ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel geht gemäss Schätzungen der Food and Agriculture Organization FAO verloren. Für die Schweiz geht man von der gleichen Grössenordnung aus. Dies entspricht einer Menge von rund 2.3 Millionen Tonnen Lebensmitteln oder etwa 300 kg pro Person und Jahr. Schweizweit entstehen:

  • rund 61% der Lebensmittelabfälle im Privaten Konsum und in der Landwirtschaft (geschätzt)
  • 22% in der Verarbeitungsindustrie
  • 13% in der Gastronomie
  • 4% bei den Grossverteilern

Bei einem Grossteil der Lebensmittelabfälle handelt es sich um vermeidbare Verluste von Lebensmitteln, die zum Zeitpunkt ihrer Entsorgung oder bei rechtzeitiger Verwendung noch geniessbar wären. Lebensmittelabfälle werden zunehmend in Kompostier- und Vergärungsanlagen stofflich verwertet, wobei die verwerteten Materialien in Form von Kompost oder Gärgut wieder in den Kreislauf gelangen. Bei der Vergärung fällt im Gegensatz zur Kompostierung zusätzlich energetisch nutzbares Biogas an. Lebensmittelabfälle, die man nicht auf diese Weise verwerten kann (z.B. aufgrund gesetzlicher Vorschriften wie der Verordnung über Tierische Nebenprodukte VTNP), werden in Kehrichtverbrennungsanlagen thermisch verwertet.

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Landwirtschaft und Privater Konsum

Für die Stufen «Landwirtschaft» und «Privater Konsum» fehlen zurzeit strukturierte Zusammenstellungen. In der Regel werden Speisereste zusammen mit dem Siedlungsabfall in die Verbrennung in Kehrichtverbrennungsanlagen KVA gegeben. Gemäss der BAFU-Studie «Erhebung der Kehrichtzusammensetzung 2012 (PDF, 2 MB, 28.01.2014)» beläuft sich die Menge der Nahrungsmittelabfälle, die mit dem Siedlungsabfall in die KVA gelangen, auf rund 250‘000 Tonnen pro Jahr. Dieser Food Waste ist mehrheitlich auf den privaten Konsum zurückzuführen.

Verarbeitungsindustrie

Die Schweizerische Lebensmittelindustrie produziert pro Jahr rund 2.3 Mio. Tonnen Lebensmittel und Halbfabrikate. Dabei fällt über alle Branchen betrachtet ein Verlust von rund 500‘000 Tonnen an. 125‘000 Tonnen dieser Verluste, gut ein Viertel, sind nicht geniessbare Bestandteile wie beispielsweise Schälabfälle oder Knochen. Drei Viertel der Verluste betreffen geniessbare Bestandteile. Die Menge beläuft sich auf 375‘000 Tonnen oder 14% der gesamten Lebensmittelproduktion.. Diese Daten wurden in einer Studie mittels einer Massenflussanalyse ermittelt, welche die Verluste nach Branchen aufschlüsselt. Dabei stellt sich heraus, dass in der knollenverarbeitenden Industrie mit rund 190‘000 Tonnen die höchste Verlustmenge anfällt, dort ist aber auch der Anteil an nicht geniessbaren Bestandteilen mit knapp 70% am höchsten. Die geringsten Verlustanteile finden sich mit gut 21‘000 Tonnen in der Getreide- und Backwarenbranche.

Die zwei Hauptgründe für die Verluste sind:

  1. Der fehlende Absatzmarkt für Nebenprodukte wie zum Beispiel Molke oder Kleie (20%).
  2. Der Stand der Technik (20%): Diese Lebensmittelabfälle sind zwar geniessbar, aber nach aktuellem Stand der Technik nicht vermeidbar.

Der grösste Anteil der anfallenden Verluste (rund 75%) wird an Tiere verfüttert und bleibt somit im Kreislauf der Nahrungsmittelproduktion erhalten.. Rund 20% wird energetisch zu Biogas und stofflich zu Kompost verwertet. Nur ein geringer Anteil landet in der Verbrennung (KVA). Verschenkte und deklassierte Ware machen mit weniger als 1% einen marginalen Anteil aus.

Organische Verluste aus der Lebensmittelindustrie (PDF, 3 MB, 16.10.2016)

Gastronomie

Im BAFU-Bericht «Nahrungsmittelverluste im Detailhandel und in der Gastronomie in der Schweiz» wird der Bereich Gastronomie unterteilt in Restaurationsbetriebe und Hotelküchen, Catering (Flugverkehr), Medizinische und sozialmedizinische Einrichtungen, Schul- und Betriebsverpflegung sowie Kasernen. Der grösste Anteil fällt dabei auf die Restaurationsbetriebe und Hotelküchen. In der Schweiz fallen dort pro Jahr 290‘000 Tonnen Lebensmittelabfälle an, pro Grossküche ergibt das 7 Tonnen. Umgerechnet entspricht das 124 g pro Mahlzeit, die sich aus Schälabfällen und Tellerresten zusammensetzen. Für den gesamten Bereich der Gastronomie wird davon ausgegangen, dass die vermeidbaren Abfälle vorwiegend durch Verteilverluste (Kochüberschuss) und Präferenzverluste (Tellerreste) entstehen. Das entspricht 70% der gesamten Verluste bzw. maximal 200‘000 Tonnen pro Jahr.

Die Entsorgung der geniessbaren und deshalb vermeidbaren Lebensmittelabfälle belastet die Gastronomie schätzungsweise mit 20 Mio. Franken pro Jahr (Vergärung und Kompostierung). Rechnet man die Warenkosten dazu und geht vom gängigen Wert von 5.50 Franken pro Kilo aus, entsteht der Gastronomiebranche ein Schaden von rund einer Milliarde Franken pro Jahr.

Best practice: ZHV-Projekt «Food Waste»: Reduktion von über 40%

Nahrungsmittelverluste im Detailhandel und in der Gastronomie (PDF, 830 kB, 19.11.2014)

Grossverteiler

Im Rahmen dieser Studie wurden unter dem Ausdruck «Grossverteiler» ausdrücklich die Filialen von Coop, Migros, Aldi, Lidl, Denner, Spar und Volg zusammengezogen. Gesamthaft fallen gemäss der Studie im Schweizer Detailhandel rund 100‘000 Tonnen Lebensmittelabfälle pro Jahr an. Der Grossteil dieser Abfälle entfällt auf die Kategorie «nicht verkaufte Lebensmittel». Dabei handelt es sich hauptsächlich um Verteilverluste (Überangebot, Lagerhaltung resp. Lagerplanung und Transporte).

Die Entsorgung der geniessbaren und deshalb vermeidbaren Lebensmittelabfälle von 95‘000 Tonnen belastet den Detailhandel gesamthaft mit schätzungsweise 10 Mio. Franken pro Jahr (Vergärung und Kompostierung). Rechnet man die Warenkosten dazu und geht bei einem durchschnittlichen Warenkorb von 6.50 Franken pro Kilo aus, entsteht den Grossverteilern ein Schaden von über einer halben Milliarde Franken pro Jahr.

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Letzte Änderung 29.06.2018

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