Biodiversität im Siedlungsraum

Auffallend viele Tier-, Pilz- und Pflanzenarten fühlen sich in unseren Dörfern und Städten wohl. Doch der Druck auf die Biodiversität im Siedlungsraum ist hoch. Um die Artenvielfalt zu stärken, hat der Bund landschaftliche Qualitätsziele festgelegt. Zudem haben zwei Pilotprojekte des Aktionsplans Biodiversität den Siedlungsraum im Fokus.

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Die Schweiz wird immer stärker bebaut. Zwischen 1985 und 2018 hat die Siedlungsfläche landesweit um fast ein Drittel zugenommen. Diese Ausdehnung geht auf Kosten von landwirtschaftlichen Kulturen sowie ökologisch wertvollen Lebensräumen wie zum Beispiel Naturwiesen und Obstgärten.

Siedlungen als Refugien für Arten

Siedlungen können einen Ersatz für Lebensräume bieten, die aus den intensiv genutzten Landschaften verschwunden sind. Gärten, Park- und Friedhofsanlagen, Einzelbäume und Baumgruppen, Schuttflächen, Brachen, Böschungen entlang von Strassen und Schienen, Kieswege, offene Wasserflächen, begrünte Flachdächer, Fassaden und Mauerritzen bilden ein Mosaik von Lebensräumen, von dem zahlreiche Arten profitieren können. 

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Die Artenvielfalt ist im Siedlungsraum höher als in den umliegenden Landwirtschaftsflächen oder im Wald in ähnlichen Höhenlagen.

Druck im Siedlungsraum

Das Wachstum der Siedlungsfläche und die zunehmende Versiegelung der Böden mindern den Raum, der der Biodiversität zur Verfügung steht. Die Ausbreitung der Siedlungen und Infrastrukturen hat zudem zur Folge, dass die Lebensräume in einzelne, voneinander getrennte Flächen zerschnitten und die Tier- und Pflanzenpopulationen isoliert werden. Nebst Bautätigkeit und Bodenversiegelungen setzen auch Luftbelastungen, Lichtemissionen, Biozide und Pflanzenschutzmittel sowie eine intensive Pflege und monotone Gestaltung von Privatgärten und öffentlichen Freiräumen der Biodiversität zu. Ebenfalls dürfte sich die zu erwartende Trockenheit aufgrund der Klimaerwärmung teilweise negativ auf naturnahe Grünflächen auswirken.

Qualitätsziele für den Siedlungsraum

Damit die Biodiversität erhalten bleibt und die ökologische Vernetzung sichergestellt ist, braucht es im Siedlungsraum vielfältige, naturnah gestaltete Grün- und Gewässerräume sowie abwechslungsreiche und hochwertig gestaltete Siedlungsränder. Der Bund hat im «Landschaftskonzept Schweiz» auch Qualitätsziele für den Siedlungsraum festgelegt. Dabei unterscheidet er zwischen Städtischen Landschaften, die qualitätsorientiert verdichtet werden sollen, und periurbanen Landschaften, die es vor weiterer Zersiedlung zu schützen gilt.

Massnahmen für mehr Biodiversität

Ein Pilotprojekt und eine Massnahme im Rahmen des Aktionsplans Strategie Biodiversität Schweiz fokussieren auf den Siedlungsraum:

  • Das Pilotprojekt «Biodiversität und Landschaftsqualität in Agglomerationen fördern» untersucht, wie alle Staatsebenen diese Aufgabe gemeinsam erfüllen können. Deshalb wird das Projekt gemeinsam mit der Tripartiten Konferenz (TK) –  der politischen Plattform von Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden – umgesetzt. Die gewonnenen Erkenntnisse unterstützen die Akteure dabei, zum richtigen Zeitpunkt die Weichen für mehr Biodiversität zu stellen.
  • Die Massnahme «Musterbestimmungen zur Förderung von Biodiversität und Landschaftsqualität im Siedlungsgebiet» unterstützt Gemeinden und Kantone, ihr Siedlungsgebiet naturnah und attraktiv zu gestalten. Musterbestimmungen zum ökologischen Ausgleich sowie zur qualitativen Weiterentwicklung von Lebensräumen und ihrer Vernetzung zeigen Gemeinden und Kantonen Möglichkeiten auf, wie sie die dafür notwendigen Massnahmen verbindlich in ihren Rechts- und Planungsgrundlagen verankern können.

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Letzte Änderung 20.07.2022

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