Biodiversität der Gewässer

In natürlichem Zustand bieten Fliess- und Stillgewässer sowie ihre Ufer vielfältige Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und sind wichtige Vernetzungselemente. Doch die Gewässer stehen unter Druck: Schadstoffeinträge, Verbauungen oder die Wasserkraftnutzung belasten sie und bedrohen die aquatischen Lebewesen. Der Bund setzt verschiedene Instrumente und Programme ein, um die Situation der Gewässer zu verbessern.  

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Die Gewässer mit ihren Ufern – wie hier im Auengebiet Wasserschloss (AG) – spielen eine wichtige Rolle für die ökologische Infrastruktur.
© Jan Ryser

Die Gewässer der Schweiz sind Hotspots für die Biodiversität. Allein in den nationalen Auengebieten (knapp 0.7% der Landesfläche) können rund 80 % aller Tierarten der Schweiz vorkommen. 

Vielfältige Ökosysteme

An der Oberfläche

Die Oberflächengewässer – Fliess-, Stillgewässer oder Quellen – bieten mit ihren Uferbereichen vielfältige Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Insbesondere die Fliessgewässer sind wichtige Vernetzungselemente: Sie verbinden die Landschaft und sind – wie auch die Auen, die Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung und die Wasser- und Zugvogelreservate – für die ökologische Infrastruktur von grosser Bedeutung. 

Ökologische Infrastruktur

Unterirdisch

Eine aussergewöhnliche Biodiversität ist aber auch in den unterirdischen Gewässern enthalten, sei es in Karsthöhlen, Felsklüften oder im Grundwasser von Lockersediment. Noch sind diese Ökosysteme wenig erforscht. Vor wenigen Jahren entdeckte zum Beispiel ein Forschungsteam einzigartige Flohkrebse im Schwyzer Hölloch.

Erforschung der Flohkrebse: Kleintier mit grosser Bedeutung

Gewässer sind unter Druck 

In den letzten 150 Jahren wurde ein Grossteil unserer Bäche, Flüsse und Seen verbaut und wurden 90 % der Feuchtgebiete und Kleingewässer trockengelegt. 71 % der Gewässertypen stehen auf der Roten Liste. Auch 85 % der Ufer und Feuchtgebiete sind bedroht. 

Druck auf die Gewässer kommt vor allem durch 

  • Verbauungen, 
  • intensive Nutzung der Wasserkraft, 
  • Pestizide aus der Landwirtschaft und Mikroverunreinigungen aus Siedlungen,
  • Nutzung der Gewässer für Trinkwasser und Erholung,
  • höhere Wassertemperaturen aufgrund der Klimaveränderung,
  • eingeschleppte invasive Tier- und Pflanzenarten.

Zustand der Gewässer

Beeinträchtigte Gewässer – bedrohte Arten

Die starke Beeinträchtigung der Gewässer spiegelt sich in den Roten Listen wider. Aquatische Tier- und Pflanzenarten sind im Vergleich zu anderen Organismen überdurchschnittlich stark gefährdet. Rund ein Fünftel aller gewässerbewohnenden Arten sind entweder bereits ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. 

Flusskrebse, Wasserpflanzen, Amphibien oder Fische/Rundmäuler sind besonders gefährdet. Neun Fischarten gelten bereits als ausgestorben, über 58 Prozent der Fischarten der Schweiz stehen auf der Roten Liste. 2020 musste der Bundesrat den Gefährdungsstatus von 25 Arten anpassen. Er erhöhte den Schutz für Aal, Doubsforelle, Äsche und zwei auf der Alpensüdseite vorkommende Arten von Rotaugen.

Bundesrat genehmigt Fischerei-Verordnung im Bereich gefährdete Fische und Krebse

Massnahmen für mehr Biodiversität

Revitalisierung und ökologische Sanierung der Wasserkraftnutzung 

Die Gewässerschutzpolitik des Bundes hat zum Ziel, Flüsse, Bäche und Seeufer wieder naturnaher zu gestalten. Dafür werden die Gewässer unter anderem revitalisiert und mit ausreichendem Gewässerraum versehen. Ausserdem sollen die negativen Auswirkungen der Wasserkraftnutzung reduziert werden. 

Renaturierung der Gewässer

Quell-Lebensräume – ein Pilotprojekt des Aktionsplans Biodiversität Schweiz

Das Pilotprojekt des Aktionsplans Strategie Biodiversität Schweiz «Dem Wert des Wassers auf der Spur» will die Quell-Lebensräume erheben, bekannt machen und aufwerten. Eine Beratungsstelle unterstützt die verantwortlichen Behörden.

Totholz und Uferbestockung

Ein Gewässerökosystem ist ein dynamisches Mosaik, das neben Wasserflächen auch aus Ufergehölz, Kiesbänken, Totholz und Ufervegetation besteht. Viele Organismen sind auf Lebensräume angewiesen, die mehrere dieser Elemente umfassen. Insbesondere durch die Klimaveränderung und damit Erwärmung des Wassers werden Schatten spendende Ufergehölze immer wichtiger. 

Lebendige Bäche ertragen mehr

Fische und Fischerei

In der Schweiz beinhaltet die Fischerei per Gesetz sowohl den Schutz wie auch die nachhaltige Nutzung der Fischbestände. Dazu gehören auch der Schutz der Gewässerlebensräume sowie die Erhaltung, Verbesserung und Wiederherstellung der natürlichen Artenvielfalt einheimischer Fische, Krebse und Fischnährtiere. 

Fischerei

Weiterführende Informationen

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Letzte Änderung 13.07.2022

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