Zustand der Lebensräume in der Schweiz

Die Schweiz ist reich an unterschiedlichen Lebensräumen. Fast die Hälfte davon ist allerdings bedroht. Besonders gefährdet sind feuchte, trockene oder nährstoffarme Lebensräume. In den meisten Lebensräumen nimmt die ökologische Qualität weiterhin ab. Dies gilt auch für die geschützten Biotope von nationaler Bedeutung.

In der Schweiz gibt es über 230 verschiedene Lebensraumtypen (z.B. Flaumeichenwald, inneralpine Felsensteppe).

Von vielen Lebensräumen sind nur noch Restflächen übrig geblieben. Die ökologische Qualität der meisten Lebensräume ist ungenügend und sinkt kontinuierlich.

Zustand nach Lebensraumbereichen

Gewässer

Ökomorphologie, Abflussregime und Fischwanderung sind vielerorts beeinträchtigt. Im Mittelland sind zahlreiche Gewässer eingedolt.

Landwirtschaftlich genutzte Fläche

Qualitativ wertvolle Naturflächen bedecken lediglich noch 2,2 bis 4 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der Talzone. Ausreichend naturnahe Flächen zur Erhaltung der Biodiversität hat es in den Bergzonen III und IV sowie im Sömmerungsgebiet.

Die vom BDM nachgewiesene zunehmende Verbreitung von nährstoffliebenden Pflanzenarten weist auf eine anhaltende Intensivierung von Wiesen und Weiden hin.

Wälder

Ein Grossteil des Schweizer Waldes gilt als naturnah. Dabei handelt es sich allerdings meist um die gleichen, mittleren Sukzessionsstadien. Defizite bestehen bei den lichten Pionierphasen und den totholzreichen späten Entwicklungsphasen des Waldes.

Urbane Lebensräume

Gewisse Pionierarten finden zwar günstige Lebensraumbedingungen im urbanen Gebiet. Doch Monitoring-Daten zeigen, dass die Artenzahl der Gefässpflanzen im Siedlungsraum zwischen 2004 und 2013 leicht abgenommen hat. Die Qualität des Lebensraums sinkt.

Der Swiss Bird Index weist für Bestände von typischen Vögeln des Siedlungsgebiets seit den 1990er-Jahren einen leicht negativen Trend auf.

Erhebungen im Kanton Aargau zeigen, dass die Artenvielfalt im Siedlungsraum zwischen 1996 und 2009 kontinuierlich abgenommen hat.

Alpine Lebensräume

Freizeitaktivitäten, Stickstoffeintrag und der Klimawandel wirken sich zunehmend negativ aus.

Der Klimawandel führt zu Veränderungen in der Artenzusammensetzung. Gemäss BDM sind zwischen 2001/02 und 2006/07 subalpine und alpine Pflanzenarten im Durchschnitt um rund 13 Höhenmeter nach oben gewandert.

Biotope von nationaler Bedeutung

Auch in den geschützten Lebensräumen sinkt die Biodiversität.

Moore: Die «Erfolgskontrolle Moorschutz» des BAFU verfolgt seit 1997 die Entwicklung der Moore von nationaler Bedeutung. Die Fläche der Moore hat während der Beobachtungsperiode 1997/2001 bis 2002/06 nur geringfügig abgenommen. Allerdings hat sich die Qualität der Moore während der Beobachtungsperiode deutlich verschlechtert. Die Veränderungen sind mit den Zielen des Moorschutzes nicht vereinbar.

Amphibienlaichgebiete: In einem Grossteil der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung ist das Gewässerangebot für Pionierarten und das Angebot an Landlebensräumen nicht ausreichend.

Auen: Bei den Tieflandauen von nationaler Bedeutung weist nur noch ein Drittel eine natürliche Dynamik auf. Die Qualität der verbliebenen Auenlebensräume sinkt.

Trockenwiesen und -weiden: Die verbliebenen Flächen sind klein und isoliert. Lokale Populationen sterben dadurch aus. Intensivierung, Überbauung und Bewässerung führen zu anhaltenden Flächenverlusten.

Rote Liste der gefährdeten Lebensräume

Das BAFU alle Informationen aus den aktuell zur Verfügung stehenden Daten zum Zustand von 162 Lebensraumtypen in der Schweiz zusammengetragen und analysiert. Es ergaben sich neue Einsichten zum Gefährdungsgrad, zur nationalen Verantwortung sowie zu den Gefährdungsursachen.

47 % der 162 untersuchten Lebensraumtypen haben zum Teil massive Flächen- und Qualitätsverluste erlitten.

Die Evaluation erfolgte anhand der potenziellen und der tatsächlichen Verbreitung von Arten, die für einen bestimmten Lebensraum charakteristisch sind.

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Letzte Änderung 30.06.2015

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