Zustand der Lebensräume in der Schweiz

Die Schweiz ist reich an unterschiedlichen Lebensräumen: Gezählt werden über 230 verschiedene Lebensraumtypen (wie Flaumeichenwald, inneralpine Felsensteppe etc.). Fast die Hälfte davon ist allerdings bedroht. In den meisten Lebensräumen nimmt die ökologische Qualität weiter ab. Dies gilt auch für die geschützten Biotope von nationaler Bedeutung.  

Ohne Lebensräume gibt es keine Artenvielfalt. Doch Quantität, Qualität und Vernetzung vieler Lebensräume reichen nicht aus, um die Biodiversität und ihre Ökosystemleistungen langfristig zu erhalten. Der tatsächliche Bedarf an ökologisch wertvollen Flächen ist deutlich höher als die verbliebene Fläche. Um überleben zu können, brauchen viele Arten grössere und besser vernetzte Lebensräume.

Rote Liste der gefährdeten Lebensräume

Die Rote Liste der Lebensräume zeigt den Zustand von 167 Lebensraumtypen der Schweiz auf und untersucht die Verbreitung von Artengemeinschaften in bestimmten Lebensräumen.

48 % der 167 Lebensraumtypen stehen auf der Roten Liste, weitere 13 % sind potenziell gefährdet. Die aquatischen, die Moor- und die Agrarlebensräume sind am stärksten gefährdet. Alle Lebensraumbereiche weisen massive Flächen- und Qualitätsverluste auf.

 
 

National Prioritäre Lebensräume (NPL)

Die Liste der National Prioritären Lebensräume ergänzt die Liste der National Prioritären Arten. Die Priorität ergibt sich aus dem Gefährdungsgrad sowie der Verantwortung, welche die Schweiz für einen Lebensraumtyp trägt.

Die Liste der National Prioritären Lebensräume umfasst 98 Lebensraumtypen aus 8 verschiedenen Lebensraumbereichen. 85 % der prioritären Lebensräume benötigen Pflege- und Aufwertungsmassnahmen.

Liste der National Prioritären Arten und Lebensräume

Cover Liste der National Prioritären Arten und Lebensräume

In der Schweiz zu fördernde prioritäre Arten und Lebensräume. 2019

Zustand nach Lebensraumbereichen

Gewässer, Ufer und Feuchtgebiete

71 % der Gewässertypen stehen auf der Roten Liste, darunter sämtliche Stillgewässer. Bei den Fliessgewässern sind die Ökomorphologie, das Abflussregime und die Fischwanderung vielerorts beeinträchtigt. Im Mittelland sind zahlreiche Kleingewässer eingedolt oder verschwunden. Zudem stehen die Ufer und Feuchtgebiete nach wie vor unter Druck (85 % auf der Roten Liste).).

 

Landwirtschaftlich genutzte Fläche

In der Agrarlandschaft wirkt sich die landwirtschaftliche Praxis mit ihren hohen Einträgen an Stickstoff und Pflanzenschutzmitteln negativ auf die Artenvielfalt aus. Die Rote Liste zeigt, dass 43 % der Wiesen- und Weidetypen im Grünland bedroht sind.

Wälder

Ein Grossteil des Schweizer Waldes gilt als naturnah. Doch fehlt es ihm stellenweise an tot- und altholzreichen Entwicklungsphasen sowie an lichten und feuchten Beständen. Insgesamt stehen 41 % der Waldtypen auf der Roten Liste.

Urbane Lebensräume

Städtische Gebiete mit naturnahen Grünflächen können eine überraschend hohe Biodiversität aufweisen. Einige Arten finden hier Ersatz für Lebensräume, die aus der Landschaft verschwunden sind. In Zürich leben beispielsweise 1’200 Arten von wildwachsenden Farn- und Blütenpflanzen – das sind 40 % aller in der Schweiz vorkommenden Arten. Ein grosses Potenzial haben auch begrünte Dachflächen. Erhebungen in Basel zeigten, dass einzelne Dächer bis zu 13 Heuschrecken-, über 80 Käfer- und über 150 Pflanzenarten aufwiesen. Auch sind heute Fledermäuse in Städten verbreitet, da sie in Gebäuden Plätze zum Brüten finden. Zudem finden Insekten wie Wildbienen oder Holzkäfer hier vielfältige Lebensräume.

Alpine Lebensräume

Die Alpen bergen eine grosse Vielfalt an Lebensräumen und Arten: Alpweiden und Wildheuwiesen etwa zählen zu den artenreichsten Flächen der Schweiz. Doch die Intensivierung der Nutzungen, Freizeitaktivitäten, Stickstoffeintrag und der Klimawandel wirken sich negativ auf die alpinen Lebensräume aus. Gemäss der Roten Liste der Lebensräume ist rund ein Viertel der Lebensräume aus der Gruppe «Gletscher, Gesteinsfluren und Felsen» bedroht.

Nebst der alpinen Pioniervegetation und den Gletschern selbst weisen auch einige Grünlandtypen (z.B. Blaugrashalden der südlichen Kalkalpen) eine hohe Gefährdung auf.

Biotope von nationaler Bedeutung

Sogar in national geschützten Lebensräumen nimmt die Biodiversität ab. Wie die Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz (WBS) festhält, sinkt trotz Schutzstatus die ökologische Qualität in den Mooren, Auen und Amphibienlaichgebieten. Auch die geschützten Trockenwiesen und -weiden verzeichnen einen Rückgang der Biodiversität.

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Letzte Änderung 13.07.2022

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