Zustand der Lebensräume in der Schweiz

Die Schweiz ist reich an unterschiedlichen Lebensräumen. In der Schweiz gibt es über 230 verschiedene Lebensraumtypen (z.B. Flaumeichenwald, inneralpine Felsensteppe), die in der Publikation "Lebensräume der Schweiz" (Delarze, Gonseth, Eggenberg & Vust 2015) beschrieben sind. Fast die Hälfte davon ist allerdings bedroht. In den meisten Lebensräumen nimmt die ökologische Qualität weiterhin ab. Dies gilt auch für die geschützten Biotope von nationaler Bedeutung.    

Rote Liste der gefährdeten Lebensräume

Die Rote Liste (RL) der Lebensräume zeigt den Zustand von 167 Lebensraumtypen der Schweiz und untersucht die potenzielle und die tatsächliche Verbreitung von Artengemeinschaften, die für einen bestimmten Lebensraum charakteristisch sind. Sie zeigt die Gefährdung eines Lebensraums und weist zugleich auf Artengemeinschaften hin, die unter Druck sind. Insbesondere für diejenigen Arten, die keine Rote Liste haben, kann die Rote Liste der Lebensräume helfen, auf eine potentielle Gefährdung hinzuweisen. Sie gibt zudem Hinweise zur nationalen Verantwortung für die Lebensräume und zu den Gefährdungsursachen.

48% der 167 untersuchten Lebensraumtypen stehen auf der Roten Liste, weitere 13% sind potenziell gefährdet. Die aquatischen, die Moor- sowie die Agrarlebensräume sind am stärksten gefährdet. Alle Lebensraumbereiche weisen massive Flächen- und Qualitätsverluste auf. 

 
 

National Prioritäre Lebensräume (NPL)

Die neue Liste der National Prioritären Lebensräume ergänzt die Liste der National Prioritären Arten. Aufgrund der Natur- und Heimatschutzgesetzgebung gelten gefährdete und die davon abgeleiteten prioritären Arten und Lebensräume als schützenswert. Sie sind bei einer Interessensabwägung sowie bei den Eingriffs- und Ausgleichsregelungen zu berücksichtigen.

Die Liste der National Prioritären Lebensräume umfasst 98 Lebensraumtypen aus 8 verschiedenen Lebensraumbereichen: 39 % haben eine sehr hohe bis hohe Priorität, 81 % stehen auf der nationalen Roten Liste und für 28 % hat die Schweiz eine hohe bis mittlere Verantwortung. Ein klarer Massnahmenbedarf bezüglich Pflege und Aufwertung besteht für 85 % der prioritären Lebensräume.

Die Lebensräume mit den höchsten Prioritäten sind an natürliche Lebensräume gebunden, hauptsachlich Gewässer, Ufer und Feuchtgebiete inkl. Hochmoore. Aber auch extensiv genutzte Lebensräume wie Ruderal-, Landwirtschafts- und Waldflächen haben eine hohe Priorität.

Liste der National Prioritären Arten und Lebensräume

Cover Liste der National Prioritären Arten und Lebensräume

In der Schweiz zu fördernde prioritäre Arten und Lebensräume. 2019

Zustand nach Lebensraumbereichen

Gewässer, Ufer und Feuchtgebiete

71% der Gewässertypen stehen auf der Roten Liste, darunter sämtliche Stillgewässer. Bei den Fliessgewässern sind die Ökomorphologie, das Abflussregime und die Fischwanderung vielerorts beeinträchtigt. Im Mittelland sind zahlreiche Kleingewässer eingedolt oder verschwunden. Zudem stehen die Ufer und Feuchtgebiete nach wie vor unter Druck (85% auf der Roten Liste).

 

Landwirtschaftlich genutzte Fläche

Qualitativ wertvolle Naturflächen bedecken lediglich noch 2,2 bis 4 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der Talzone. In den Bergzonen III und IV sowie im Sömmerungsgebiet hat es noch deutlich mehr naturnahe Flächen, aber auch dort existieren artenarme Defiziträume.

Die vom Biodiversitätsmonitoring (BDM) nachgewiesene zunehmende Verbreitung von nährstoffliebenden Pflanzenarten weist auf eine anhaltende Eutrophierung von Wiesen und Weiden hin. Die Rote Liste zeigt, dass nicht nur 43% der Wiesen- und Weidetypen im Grünland, sondern auch 64% der Begleitvegetationstypen der Kulturen bedroht sind.

Wälder

Ein Grossteil des Schweizer Waldes gilt als naturnah. Dabei handelt es sich allerdings meist um die gleichen mittleren Sukzessionsstadien. Defizite bestehen bei den lichten Pionierphasen und den totholzreichen späten Entwicklungsphasen des Waldes. Insgesamt stehen 41% der Waldtypen auf der Roten Liste.

Urbane Lebensräume

Gewisse Pionierarten finden zwar günstige Lebensraumbedingungen im urbanen Gebiet. Monitoring-Daten zeigen aber, dass die Artenzahl der Gefässpflanzen im Siedlungsraum zwischen 2004 und 2013 leicht abgenommen hat. Zudem stehen 57% der ruderalen Pioniervegetationstypen auf der Roten Liste der Lebensräume. Für die Bestände von typischen Vögeln des Siedlungsgebiets zeigt der Swiss Bird Index seit den 1990er-Jahren einen leicht negativen Trend auf. Insgesamt scheint die Qualität des Lebensraums zu sinken.

Alpine Lebensräume

Freizeitaktivitäten, Stickstoffeintrag und der Klimawandel wirken sich zunehmend negativ auf die alpinen Lebensräume aus. Gemäss der Roten Liste der Lebensräume sind knapp 30% der Gesteinsfluren und Felsen bedroht. Dazu gehören die Gletscher sowie einige Grünlandtypen (z.B. Blaugrashalden der südlichen Kalkalpen).

Der Klimawandel führt zu Veränderungen in der Artenzusammensetzung. Gemäss BDM sind zwischen 2001/02 und 2006/07 subalpine und alpine Pflanzenarten im Durchschnitt um rund 13 Höhenmeter nach oben gewandert.

Biotope von nationaler Bedeutung

Auch in den geschützten Lebensräumen sinkt die Biodiversität.

Moore: Die «Erfolgskontrolle Moorschutz» des BAFU verfolgt seit 1997 die Entwicklung der Moore von nationaler Bedeutung. Die Fläche der Moore hat während der Beobachtungsperiode 1997/2001 bis 2002/06 nur geringfügig abgenommen. Allerdings hat sich die Qualität der Moore während der Beobachtungsperiode deutlich verschlechtert. Die Veränderungen sind mit den Zielen des Moorschutzes nicht vereinbar.

Amphibienlaichgebiete: In einem Grossteil der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung ist das Gewässerangebot für Pionierarten und das Angebot an Landlebensräumen nicht ausreichend.

Auen: Bei den Tieflandauen von nationaler Bedeutung weist nur noch ein Drittel eine natürliche Dynamik auf. Die Qualität der verbliebenen Auenlebensräume sinkt.

Trockenwiesen und -weiden: Die verbliebenen Flächen sind klein und isoliert. Lokale Populationen sterben dadurch aus. Intensivierung, Überbauung und Bewässerung führen zu anhaltenden Flächenverlusten.

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Letzte Änderung 27.06.2019

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