Zustand der Artenvielfalt in der Schweiz

In der Schweiz leben mindestens 45'000 bekannte Arten, wovon rund 40 Arten nur in der Schweiz vorkommen (Endemiten). Von einem Viertel ist der Gefährdungsstatus bekannt: 35 % der untersuchten Arten gelten als bedroht. Je kleiner und fragmentierter das besiedelte Gebiet ist und je rascher der Bestand zurückgeht, desto höher ist die Gefährdungsstufe. Zustand und Entwicklung der Artenvielfalt in der Schweiz sind generell ungenügend.

Die Anzahl der in der Schweiz bekannten Arten beträgt rund 45'890 (ohne ein- oder wenigzellige Algen, Schleimpilze und Protozoen; Stand 2010):

  • 8272 Pilz- und Flechtenarten
  • 5275 Algen-, Moos- und Gefässpflanzenarten
  • 32'343 Tierarten

Fachleute schätzen, dass rund 20'000 weitere Arten in der Schweiz vorkommen (u.a. 9000 Pilzarten; 8000 Insektenarten).

Bedrohte Arten in der Schweiz

Das BAFU hat für 27 Organismengruppen Rote Listen erlassen (Stand 2017). Von den bewerteten Arten (10'702) gelten 35% (3'779) als gefährdet, weitere 11% (1'180) als potenziell gefährdet.

Die Resultate zeigen, dass die bisherigen Bemühungen nicht ausreichen, um die Artenvielfalt in der Schweiz langfristig zu erhalten. Ein Aussterben auf lokalem, regionalem und nationalem Niveau findet statt.  

Die Forderung der Bundesverfassung, Tier- und Pflanzenarten vor der Ausrottung zu bewahren, ist nicht erfüllt. Auch das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz wird ungenügend umgesetzt. Es bezweckt die Erhaltung der Vielfalt einheimischer Arten und ihrer natürlichen Lebensräume.

 

National Prioritäre Arten (NPA)

Da die Mittel zur Artenförderung beschränkt sind, ist es nötig, Prioritäten zu setzen. Daher hat das BAFU in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Informationszentrum für Arten (infospecies.ch) sowie weiteren Expertinnen und Experten National Prioritäre Arten bezeichnet. Dies sind Arten, die in der Schweiz gefährdet sind und für deren Erhaltung die Schweiz eine besondere Verantwortung trägt.

Die revidierte Liste der National Prioritären Arten enthält derzeit 3’665 Arten, also 34% der bisher evaluierten Arten. Diese Arten sind prioritär für die Förderung in der Schweiz. Sie ist mit der Liste der National Prioritären Lebensräume (NPL) ergänzt. Die Listen dienen als Grundlage für die Zielsetzung bezüglich Arten und Vernetzung der Programmvereinbarungen (NFA) und für den Aufbau der ökologischen Infrastruktur.

Die Pflege- und Aufwertungsmassnahmen des Lebensraumes reichen für 793 der prioritären Arten nicht aus. Solche Arten brauchen artspezifische Massnahmen. Die Kantone und die Sektoralpolitiken sollten besonders aktiv werden, um ihren Fortbestand zu sichern (auf Artpopulationen ausgerichtete Artenförderungsprogramme).

Liste der National Prioritären Arten und Lebensräume

Cover Liste der National Prioritären Arten und Lebensräume

In der Schweiz zu fördernde prioritäre Arten und Lebensräume. 2019

Die Liste der NPA kann auch als Excel-Tabelle heruntergeladen werden. Die Tabelle enthält zusätzliche Angaben. 

 

Endemiten der Schweiz

Es gibt nur wenige Arten die ausschliesslich in der Schweiz vorkommen (Schweizer Endemiten), oder deren Bestände sich auf die Schweiz und das angrenzende Ausland beschränken (Teilendemiten). Ihre kleinräumige Verbreitung ist auf ihr erdgeschichtliches Überdauern, insbesondere während der letzten Eiszeiten, an geeigneten Stellen in den Alpen oder im Karst zurückzuführen.

Die von den nationalen Datenzentren (infospecies.ch) geführte Liste der für die Schweiz endemischen und teilendemischen Tier- und Pflanzen umfasst 177 Arten und Unterarten. Für 39 Arten, deren Aussterben in der Schweiz ein weltweites Aussterben bedeuten würde, trägt die Schweiz eine besonders hohe Verantwortung. Diese wird bei der Liste der National Prioritären Arten (NPA) berücksichtigt.

Die periodische Kontrolle der bekannten Standorte wird als wichtig erachtet. Eine Suche nach weiteren Standorten wird empfohlen. Gegenwärtig brauchen 3 endemische und 22 teilendemische Arten aktive Fördermassnahmen. Die Gewährleistung der erforderlichen Lebensraumqualität zur Erhaltung dieser einzigartigen Naturwerte stellt eine besondere Herausforderung für Gemeinden, Kantone, Bund und nicht zuletzt für die Gesellschaft dar.

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Letzte Änderung 27.06.2019

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