Lebensmittelabfälle

Wenn Lebensmittel hergestellt, aber nicht konsumiert werden, führt dies zu unnötigen CO2-Emissionen, Biodiversitätsverlust sowie Land- und Wasserverbrauch. 25 Prozent der Umweltbelastung der Ernährung der Schweiz sind auf Food Waste (vermeidbare Lebensmittelverluste) zurückzuführen. Dies entspricht etwa der halben Umweltbelastung des motorisierten Individualverkehrs der Schweiz.  

Food Waste
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Auswirkungen von vermeidbaren Lebensmittelverlusten auf die Umwelt

Das Institut für ökologisches Systemdesign der ETH Zürich hat die Umweltauswirkungen von vermeidbaren Lebensmittelverlusten (Food Waste) berechnet, die durch den Lebensmittelkonsum der Schweiz verursacht werden. Diese Umweltauswirkungen könnten vermieden werden, wenn die Lebensmittel gegessen statt verschwendet würden und dadurch weniger Lebensmittel produziert werden. Nebst den ökologischen Folgen hat Food Waste auch ökonomische Konsequenzen. Weggeworfene Lebensmittel verursachen überall entlang der Produktions- und Wertschöpfungskette Kosten, welche schlussendlich durch die Konsumentinnen und Konsumenten bezahlt werden müssen.

Die Umweltbelastung einer Tonne Food Waste variiert stark je nachdem aus welchen Produkten sie sich zusammensetzt und wo in der Wertschöpfungskette sie anfällt. Abbildung 1 zeigt wie viel Umweltbelastungspunkte pro Kilogramm (UBP/Kilogramm) Food Waste im Haushalt und in der Gastronomie verursacht werden. Lebensmittelabfälle sollen prioritär bei Lebensmitteln vermieden werden, welche besonders hohe Umweltauswirkungen verursachen oder in grossen Mengen anfallen. In den Haushalten und in der Gastronomie verursachen weggeworfenes Brot und Backwaren, Frischgemüse und Schweine- und Rindfleisch die höchste Umweltbelastung.

Die Lebensmittelkategorien mit der grössten Umweltbelastung pro Kilogramm Food Waste sind Fleisch, Kaffee- und Kakaobohnen, Butter, Eier, mit dem Flugzeug importierte Produkte sowie Öle und Fette, Fisch und Käse. Bei diesen Produkten sollte besonders darauf geachtet werden sie nicht zu verschwenden. Auch die Verluste von Früchten, Gemüse und Kartoffeln sind trotz geringerer Umweltbelastung pro Kilogramm umweltrelevant, weil sie in grossen Mengen weggeworfen werden. Die Grösse der Symbole in Abbildung 1 zeigt die Verlustmenge der entsprechenden Lebensmittelkategorien auf.

Die Umweltbelastung einer Tonne Food Waste variiert stark je nachdem aus welchen Produkten sie sich zusammensetzt und wo in der Wertschöpfungskette sie anfällt. Abbildung 1 zeigt wie viel Umweltbelastungspunkte pro Kilogramm (UBP/Kilogramm) Food Waste im Haushalt und in der Gastronomie verursacht werden. Lebensmittelabfälle sollen prioritär bei Lebensmitteln vermieden werden, welche besonders hohe Umweltauswirkungen verursachen oder in grossen Mengen anfallen. In den Haushalten und in der Gastronomie verursachen weggeworfenes Brot und Backwaren, Frischgemüse und Schweine- und Rindfleisch die höchste Umweltbelastung. Die Lebensmittelkategorien mit der grössten Umweltbelastung pro Kilogramm Lebensmittelabfall sind Fleisch, Kaffee- und Kakaobohnen, Butter, Eier, mit dem Flugzeug importierte Produkte sowie Öle und Fette, Fisch und Käse. Bei diesen Produkten sollte besonders darauf geachtet werden sie nicht zu verschwenden. Auch die Verluste von Früchten, Gemüse und Kartoffeln sind trotz geringerer Umweltbelastung pro Kilogramm umweltrelevant, weil sie in grossen Mengen weggeworfen werden. Die Grösse der Symbole in Abbildung 1 zeigt die Verlustmenge der entsprechenden Lebensmittelkategorien auf.
 
Welche Lebensmittelabfälle belasten die Umwelt am meisten?
Abbildung 1: Umweltbelastung in Umweltbelastungspunkten (UBP) pro Kilogramm Food Waste in Haushalten und in der Gastronomie. Je weiter oben die Lebensmittelkategorie in der Abbildung aufgeführt ist, desto grösser die Umweltbelastung pro Kilogramm. Wenn Food Waste weiterverwendet wird, kann bspw. Tierfutter oder Kompost eingespart werden. Der Umweltnutzen dieser Einsparungen wurde bei der Berechnung und in der Abbildung berücksichtigt.
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Durch den Lebensmittelkonsum in der Schweiz fallen im In- und Ausland über alle Stufen der Lebensmittelkette 2,8 Millionen Tonnen Food Waste pro Jahr an. Der Landverbrauch für den Anbau der weggeworfenen Lebensmittel entlang der gesamten Wertschöpfungskette entspricht der Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Flächen der Schweiz. Die rund 556‘000 Tonnen Food Waste in der landwirtschaftlichen Produktion verursachen 13 Prozent der Umweltbelastung des gesamten Food Wastes. Davon entfallen mehr als 80 Prozent auf Verluste im Ausland, die bei der landwirtschaftlichen Produktion von Importprodukten entstehen.

Die rund 963‘000 Tonnen Food Waste in der Lebensmittelverarbeitung sind für 29 Prozent der Umweltbelastung, und die 279‘000 Tonnen Food Waste im Gross- und Detailhandel für 8 Prozent der Umweltbelastung des Food Wastes verantwortlich. Ein Teil der Lebensmittelverluste, die in der Schweiz anfallen, entsteht bei der Herstellung von Exportprodukten und wird daher nicht dem Schweizer Konsum angerechnet. Diese Verluste verursachen etwa 5 Prozent der Umweltbelastung aller vermeidbaren Lebensmittelverluste aus.

Abbildung 2 zeigt auch, dass die Hälfte der Umweltbelastung des gesamten Food Wastes beim Konsum in den Haushalten (rund 778‘000 Tonnen Food Waste) und in der Gastronomie (210‘000 Tonnen Food Waste) anfällt. Dies rührt insbesondere daher, dass Lebensmittelabfälle am Ende der Wertschöpfungskette durchschnittlich eine höhere Umweltbelastung aufweisen als solche, die am Anfang der Wertschöpfungskette anfallen. Mit jedem Schritt in der Produktions- und Wertschöpfungskette werden mehr Ressourcen verbraucht und mehr Emissionen verursacht, zum Beispiel für Transport, Verarbeitung, Lagerung, Verpackung und Zubereitung. Dazu kommt, dass Verluste in der Verarbeitungsindustrie und teilweise in der landwirtschaftlichen Produktion tendenziell einer höherwertigen Verwertung zugeführt werden (insb. Verfütterung an Tiere) als auf den übrigen Stufen der Lebensmittelkette. Durch die substituierten Produkte (v.a. Futtermittel) können Umweltgutschriften von in der Summe bis zu 12 Prozent angerechnet werden.

Dies zeigt zweierlei: Erstens, dass Vermeidungsmassnahmen am Ende der Lebensmittelkette (Haushalte, Gastronomie, Detailhandel) besonders umweltrelevant sind und zweitens, dass eine optimierte Verwertung von Lebensmittelverlusten nur einen Bruchteil des Umweltnutzens generieren kann, den die Vermeidung von Lebensmittelverlusten mit sich bringt.

 
Umweltbelastung der vermeidbaren Lebensmittelverluste der Schweiz
Abbildung 2 zeigt die Umweltbelastung der Lebensmittelverluste entlang der Schweizer Lebensmittelwertschöpfungskette in Billionen Umweltbelastungspunkten (UBP). Darin berücksichtigt sind die Verluste in den ausländischen Lieferketten von in der Schweiz konsumierten Lebensmitteln (Konsumperspektive). Die Prozentwerte zeigen die Beiträge der einzelnen Stufen der Lebensmittelkette auf.
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Lebensmittelverluste in der Schweiz vom Acker bis auf den Teller

Seit 2013 erhebt das BAFU in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft, der Lebensmittelindustrie, der Gastronomie, dem Detailhandel und den Haushalten Daten über Lebensmittelabfälle. In den folgenden Studien werden sämtliche Lebensmittel ermittelt, die in der Schweiz entlang der Wertschöpfungskette vom Acker bis auf den Teller verloren gehen oder weggeworfen werden (Entsorgungsperspektive). Die Zahlen publiziert das BAFU sowohl in Tonnen Frischsubstanz als auch in Tonnen Trockensubstanz. 

In der Schweiz selber fallen jährlich 2,6 Mio. Tonnen Lebensmittelverluste gewogen in Frischsubstanz an. Mindestens zwei Drittel davon sind vermeidbare Verluste, das heisst, die Lebensmittel wären zum Zeitpunkt ihrer Entsorgung und bei rechtzeitiger Verwendung geniessbar. Der Rest sind nicht essbare Teile wie Knochen und Bananenschalen (unvermeidbare Verluste). Verluste im Ausland, aufgrund von importierten Lebensmitteln, sind in den 2,6 Mio. Tonnen nicht inbegriffen.

Die Daten liefern nicht nur ein umfassendes Bild über die Mengen an Lebensmittelverlusten in sämtlichen Sektoren, sondern auch über deren Entsorgung (siehe Abbildung 3 und Tabelle 1). So wird von den total 2,6 Mio. Tonnen Lebensmittelverlusten rund die Hälfte stofflich zu Recyclingdünger und Bodenverbesserern weiterverarbeitet oder energetisch als Biogas verwertet. 31 Prozent wird als Tierfutter verarbeitet und rund 21 Prozent in Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) thermisch verwertet (der Abfall wird verbrannt und die freigesetzte Energie genutzt). Ein kleiner Teil noch geniessbarer Lebensmittel wird gespendet.

 
 
Gesamtmenge Lebensmittelabfälle in der Schweiz aus der Entsorgungsperspektive (Frischsubstanz)
Abbildung 3: Gesamtmenge Lebensmittelabfälle in der Schweiz aus der Entsorgungsperspektive (gemessen in Tonnen Frischsubstanz)
© BAFU

Nach Verwertungsweg

Ther-mische Ver-wertung

Stofflich‐ energe-tische Ver-wertung

Tierfutter

Ge-spendet

Total

Landwirtschaft

2'000

173'000

49'500

 

224’500

Lebensmittel-industrie

28'500

190'000

722'000

9'500

950'000

Detailhandel

3'000

84'000

8'000

5'000

100'000

Gastronomie

29'000

255'000

4'350

1'450

290'000

Haushalte

480'000

520'000

 

 

1'000'000

Total

542’500

1’222’000

 

783’850

15'950

2’564’500

Tabelle 1: Gesamtmenge Lebensmittelabfälle in der Schweiz aus der Entsorgungsperspektive
(Zahlenangaben in Tonnen Frischsubstanz)

Weiter geben die Analysen Aufschluss über mögliche Ursachen und die Möglichkeiten Food Waste zu vermeiden. In den folgenden fünf Abschnitten werden die Studien zu den einzelnen Sektoren kurz zusammengefasst. Die Studien können über den jeweiligen Link am Ende des Abschnitts heruntergeladen werden.

Landwirtschaft

Von den durch die Schweizer Landwirtschaft für den Menschen produzierten Nahrungsmitteln werden fast 225‘000 Tonnen Frischsubstanz nicht ihrem eigentlichen Zweck zugeführt und enden als Lebensmittelverluste. Davon sind etwa 173‘000 Tonnen Ernterückstände, die unmittelbar oder nach Vergärung als Dünger oder Bodenverbesserer auf den Feldern ausgebracht werden. Weitere 49‘500 Tonnen sind Ernterückstände oder Ernteausschuss, die an Tiere verfüttert werden und damit im Kreislauf der Nahrungsmittelproduktion erhalten bleiben. Rund 1 Prozent der Abfälle (rund 2‘000 Tonnen) werden in KVA thermisch verwertet. Insgesamt liessen sich rund 90 Prozent der Lebensmittelverluste in der Landwirtschaft (200‘000 Tonnen) vermeiden.

Diese Lebensmittelverluste fallen vor allem aufgrund geltender Industrienormen nachgelagerter Branchen sowie technischer Bedingungen und unzweckmässiger Lagerung an. Rechnet man die Warenkosten und geht vom gängigen Wert von 3,00 Franken pro Kilogramm aus, entsteht der Landwirtschaft durch die vermeidbaren Lebensmittelverluste ein Schaden von rund 600 Millionen Franken pro Jahr.

 

Lebensmittelindustrie 

Über alle Branchen der Lebensmittelindustrie betrachtet fallen Lebensmittelverluste von rund 950‘000 Tonnen an. Davon ist rund ein Viertel unvermeidbar. Dies sind nicht geniessbare Bestandteile bzw. essbare Speisereste ohne Konsumentennachfrage, wie beispielsweise Schälabfälle oder Knochen. Die Menge vermeidbarer Lebensmittelverluste beläuft sich auf rund 715‘000 Tonnen. Diese Daten wurden in einer Studie mittels einer Massenflussanalyse ermittelt, welche die Verluste nach Branchen aufschlüsselt. Dabei stellt sich heraus, dass in der knollenverarbeitenden Industrie (z.B. Kartoffeln) mit rund 388’000 Tonnen die höchste Verlustmenge anfällt. Dort ist aber auch der Anteil an nicht geniessbaren Bestandteilen mit knapp 70 Prozent am höchsten. Die geringste Verlustmenge findet sich mit gut 43‘000 Tonnen in der Getreide- und Backwarenbranche.

Die zwei Hauptgründe für die Verluste sind:

  • Der fehlende Absatzmarkt für Nebenprodukte, wie zum Beispiel Kleie. 
  • Der Stand der Technik: Diese Lebensmittelabfälle sind zwar geniessbar, aber mit der aktuellen Verarbeitungsmethode nicht vermeidbar.

Der grösste Anteil der anfallenden Verluste (rund 75 Prozent) wird an Tiere verfüttert und bleibt somit im Kreislauf der Nahrungsmittelproduktion erhalten. Rund 20 Prozent wird energetisch zu Biogas und stofflich zu Kompost verwertet. Nur ein geringer Anteil von unter 3 Prozent wird in KVA thermisch verwertet. Verschenkte und deklassierte Ware machen mit weniger als 1 Prozent einen sehr kleinen Anteil aus. 

 

Organische Verluste aus der Lebensmittelindustrie in der Schweiz (PDF, 3 MB, 16.10.2016)Massenflussanalyse nach Branchen. Ursachen/Verwertung. Wissenschaftlicher Schlussbericht ZHAW im Auftrag des BAFU

Detailhandel 

Im Rahmen dieser Studie wurden unter dem Ausdruck «Grossverteiler» ausdrücklich die Filialen von Coop, Migros, Aldi, Lidl, Denner, Spar und Volg zusammengezogen. Gesamthaft fallen gemäss der Studie im Schweizer Detailhandel und bei Grossverteilern rund 100‘000 Tonnen Lebensmittelabfälle pro Jahr an. Davon wären rund 95 Prozent vermeidbar. Der Grossteil dieser Abfälle entfällt auf die Kategorie «nicht verkaufte Lebensmittel». Dabei handelt es sich hauptsächlich um Verteilverluste (Überangebot, Lagerung resp. Lagerplanung und Transporte).

Die Entsorgung der geniessbaren und deshalb vermeidbaren Lebensmittelabfälle von 95‘000 Tonnen belastet den Detailhandel gesamthaft mit schätzungsweise 10 Mio. Franken pro Jahr (Vergärung und Kompostierung). Rechnet man die Warenkosten dazu und geht bei einem durchschnittlichen Warenkorb von 6.50 Franken pro Kilogramm aus, entsteht den Grossverteilern ein Schaden von über einer halben Milliarde Franken pro Jahr. Rund 97 Prozent der jährlich anfallenden Lebensmittelverluste im Gross- und Detailhandel werden gespendet, zu Tierfutterherstellung verwendet oder stofflich bzw. stofflich-energetisch verwertet. 3 Prozent werden aus seuchenmedizinischen Gründen in KVA thermisch entsorgt. 

 

Gastronomie

Im BAFU-Bericht «Nahrungsmittelverluste im Detailhandel und in der Gastronomie in der Schweiz» wird der Bereich Gastronomie unterteilt in Restaurationsbetriebe und Hotelküchen, Catering (Flugverkehr), Medizinische und sozialmedizinische Einrichtungen, Schul- und Betriebsverpflegung sowie Kasernen. Der grösste Anteil fällt dabei auf die Restaurationsbetriebe und Hotelküchen. In der Schweiz fallen dort pro Jahr 290‘000 Tonnen Lebensmittelabfälle an, was pro Grossküche 7 Tonnen ergibt. Umgerechnet entspricht das 124 Gramm pro Mahlzeit, die sich aus Rüstabfällen und Speiseabfällen zusammensetzen. Für den gesamten Bereich der Gastronomie wird davon ausgegangen, dass Food Waste vorwiegend durch Verteilverluste (es wird zu viel zubereitet) und Präferenzverluste (Tellerreste) entstehen. Rund 68 Prozent der gesamten Verluste bzw. maximal 200‘000 Tonnen pro Jahr sind vermeidbar. Umgerechnet 90 Prozent der jährlich anfallenden Lebensmittelverluste in der Gastronomie werden stofflich bzw. stofflich-energetisch verwertet und für die Herstellung von Biodiesel, Biogas und Kompost verwendet. Umgerechnet 10 Prozent werden in KVA thermisch entsorgt.

Die Entsorgung der geniessbaren und deshalb vermeidbaren Lebensmittelabfälle belastet die Gastronomie schätzungsweise mit 20 Mio. Franken pro Jahr (Vergärung und Kompostierung). Rechnet man die Warenkosten dazu und geht vom gängigen Wert von 5.50 Franken pro Kilogramm aus, entstehen der Gastronomiebranche Kosten von rund einer Milliarde Franken pro Jahr.

 

Privater Konsum der Haushalte

In den Schweizer Haushalten fallen jährlich rund 1 Million Tonnen Lebensmittelabfälle an, wovon mit rund 480‘000 Tonnen knapp die Hälfte im Kehricht landet und thermisch verwertet wird. Rund 170‘000 Tonnen der Lebensmittelabfälle werden separat gesammelt und stofflich zu Recyclingdünger oder Biogas verwertet. Die restlichen knapp 350‘000 Tonnen werden entweder durch die Hauskompostierung entsorgt oder an Tiere verfüttert.

Hauptgründe für die hohe Menge an Food Waste aus Haushalten sind die fehlende Wahrnehmung der eigenen Lebensmittelabfälle, mangelndes Bewusstsein für den Wert von Nahrungsmitteln sowie unzureichendes Wissen über die Haltbarkeit, Lagerung und Methoden zur Resteverwertung. Die Analyse des BAFU zeigt weiter, dass eine gute Grünabfall-Infrastruktur der Gemeinden dabei hilft, den Food Waste der Haushalte bedeutend zu vermindern. Dies, da durch die separate Sammlung in den Haushalten die Sichtbarkeit der eigenen Lebensmittelabfälle erhöht wird.

Berichte: 

 

Die Entsorgung der noch geniessbaren, das heisst der vermeidbaren Lebensmittelabfälle, belastet die Schweizer Haushalte mit über 600 Franken pro Person und Jahr. Dies ergibt über die gesamte Schweiz hochgerechnet Kosten über 5 Milliarden Franken (siehe Beretta & Hellweg 2019).


Der Weg zu weniger Food Waste

Am 8. März 2013 hat der Bundesrat im Rahmen des Aktionsplans Grüne Wirtschaft eine Massnahme zur Verringerung von Lebensmittelabfällen verabschiedet. Darauf basierend ist unter anderem ein Stakeholderdialog durchgeführt worden und es sind erste Massnahmen umgesetzt worden.

Im Jahr 2015 hat die Schweiz gemeinsam mit mehr als 190 Staaten die UN-Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Damit ist auch die Schweiz aufgefordert, bis 2030 die Nahrungsmittelverluste pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene zu halbieren und die entstehenden Nahrungsmittelverluste entlang der Produktions- und Lieferkette zu verringern (Sustainable Development Goal (SDG) 12.3). Eine Umsetzung dieses Ziels könnte die Umweltbelastung des Food Waste, welcher durch den Schweizer Konsum verursacht wird, um ungefähr 40-60 Prozent senken. Die Gesamtumweltbelastung der Ernährung würde um 10-15 Prozent und der Treibhausgaseffekt der Ernährung um 9-15 Prozent abnehmen.  Die Entsorgungsmenge der Lebensmittelverluste in KVAs würde schätzungsweise um 29 Prozent und jene in Kompostier- und Vergärungsanlagen um 12 Prozent reduziert (Beretta & Hellweg 2019). Die Umsetzung der SDGs hat somit einen relevanten Einfluss auf das Abfallaufkommen und sollte in Zusammenarbeit mit der Abfallwirtschaft geplant werden.

Mit der Annahme des Postulats Chevalley (18.3829) am 5.3.2019 hat der Nationalrat den Bundesrat beauftragt einen Aktionsplan zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen auszuarbeiten. Dieser wird bereits bestehende und gegebenenfalls neue, freiwillige Massnahmen sowie flankierende Massnahmen seitens Bund beinhalten. Voraussichtlich 2024 soll evaluiert werden, ob die Massnahmen des Aktionsplans ausreichen oder ob Anpassungen notwendig sind.

 

Weiterführende Informationen

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Letzte Änderung 25.10.2019

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