Abfall: Das Wichtigste in Kürze

Die Schweiz verfügt im Abfallbereich heute über hohe Entsorgungsstandards und eine leistungsfähige Infrastruktur, sowie klare gesetzliche Bestimmungen. Obwohl für viele Abfallarten ein gut ausgebautes Recyclingangebot besteht, gelangen heute immer noch zu viele rezyklierbare Stoffe in den Abfall. Um die Umweltbelastung weiter zu senken, muss deshalb vermehrt am Anfang der Produktionskette und bei den Konsummustern angesetzt werden.


1. Bevölkerungswachstum und steigende Konsumausgaben (Ursachen)  

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die Bevölkerung der Schweiz mehr als verdoppelt. 1900 wurden 3.3 Millionen Einwohner und Einwohnerinnen gezählt, 2012 wurde die Schwelle von 8 Millionen überschritten.

Die Anzahl der Haushalte hat zwischen 1990 und 2012 stärker zugenommen (20%) als die Bevölkerung gewachsen ist (15%). Somit nimmt die Anzahl Personen pro Haushalt ab.

Der Konsum der privaten Haushalte war 2012 der wichtigste Wachstumsmotor der Schweizer Wirtschaft: Die Konsumausgaben sind zwischen 1990 und 2012 um 74% auf 328 Milliarden Franken angestiegen. Der.


2. Zunehmender Abfall, Bautätigkeit, Sanierung von Altlasten (Belastungen)

Seit 1990 bis 2012 ist die Siedlungsabfallmenge um gut 30% gewachsen. Diese Zunahme ist eine Folge von Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum.

Im Jahr 2013 fielen insgesamt rund 21.5 Millionen Tonnen Abfälle an.

  • Die Bautätigkeit generiert jährlich  mit rund 12 Millionen t die meisten Abfälle (ohne Aushub), wovon ein grosser Teil verwertet wird.
  • An zweiter Stelle stehen die Siedlungsabfälle: Im Jahr 2013 produzierte jede Schweizerin und jeder Schweizer rund 702 kg Abfall.
  • Sonderabfälle, Abfall aus Industrie und Gewerbe sowie Klärschlamm nehmen ebenfalls stetig zu. Sie fallen zu einem grossen Teil bei Umweltschutzmassnahmen wie Sanierungen von Altlasten oder Reinigung von Abluft und Abwasser an. Daher kann die Menge an Sonderabfällen unabhängig von der wirtschaftlichen Situation zunehmen.

3. Steigerung der Separatsammlungen, Umweltverträgliche Entsorgung (Zustand)

Auch wenn die Abfallmenge in der Schweiz stetig steigt, haben sich die Abfallbewirtschaftung und das Recycling laufend verbessert. Bei den Siedlungsabfällen beträgt der Anteil der Separatsammlungen und Verwertung am gesamten Abfallaufkommen 2013 51%.  Im Jahr 2000 waren es erst 45%. Hohe Quoten bei der Separatsammlung haben insbesondere

  • Glas (Sammelqoute 2013: 96 %)
  • Aluminiumdosen (Sammelqoute 2013: 91 %)
  • PET-Getränkeflaschen (Sammelqoute 2013: 83 %)
  • sowie Altpapier (Sammelqoute 2013 91 %)

In der Schweiz werden rund 1.3 Millionen Tonnen organische Abfälle kompostiert und in 235 Vergärungsanlagen verarbeitet.

Der Anteil der Siedlungsabfälle, die nicht wiederverwertet werden können, konnte seit dem Höchststand 1989 mit 433 kg auf 344 kg pro Person im Jahr 2013 reduziert werden.

Gemäss der  Studie zur „Erhebung der Kehrichtzusammensetzung 2012", die das BAFU im Zehnjahresrhythmus durchführt,  landen jedoch immer noch viele rezyklierbare Stoffe im Kehricht. Schätzungsweise rund ein Fünftel des Kehrichts wäre noch verwertbar gewesen. Zwei Drittel dieser ungenutzten Wertstoffe entfallen auf so genannte biogene Abfälle - also Abfälle, die sich kompostieren oder vergären lassen. Sie machten nicht nur den grössten Anteil am Kehricht aus, sondern sie haben seit 2001 auch deutlich zugenommen. Bei der Kehrichtverbrennung entstehen Luftschadstoffe, die durch eine mehrstufige Rauchgasreinigung und Entstickung weitgehend zurückgehalten werden, so dass nur noch geringe Mengen von Schadstoffen in die Umwelt gelangen. Verglichen mit dem Verkehr, den Heizungen und Industriefeuerungen tragen die KVA heute nur noch in geringem Masse zur Umweltbelastung bei.

Alle 29 Schweizer KVA nutzen zudem die Verbrennungswärme zur Stromerzeugung oder zur Belieferung von Fernwärmenetzen und Industrieanlagen und können damit etwa 2% des schweizerischen Energieverbrauchs decken.

Das Littering, das unbedachte Fallen- oder Liegenlassen von Abfall, ist eine zunehmende Erscheinung, die zusätzlichen Aufwand für die Abfallentsorgung erfordert. Littering verursacht jährlich Kosten von rund 200 Millionen CHF.

Rund 2.4 Millionen t Sonderabfälle wurden 2013 in der Schweiz speziell aufbereitet (1.9 Millionen t) oder unter strengen Auflagen zur umweltverträglichen Entsorgung exportiert (0.5 Millionen t).  Diese Sonderabfälle stammen zu einem grossen Teil aus der Sanierung von belasteten Standorten, die bis 2025 abgeschlossen werden muss. Rund ein Viertel der Sonderabfälle wird rezykliert.

2014 wurden rund 3.7 Mio. Tonnen andere kontrollpflichtige Abfälle wie elektrische oder elektronische Geräte, Altfahrzeuge, Altreifen, Holzabfälle oder bestimmte Bauabfälle überwiegend verwertet, von bewilligten Entsorgungsunternehmen im Inland oder mit Bewilligung des BAFU im Ausland.

 


4. Knappere Ressourcen, Schadstoffbelastung (Auswirkungen)

Konsumentscheide haben immer eine Auswirkung auf die Umwelt, bei den Konsumgütern beispielsweise sind die gekauften Mengen, die Herkunft, die Qualität und die Produktionsmethoden entscheidend.

Die Produktion und Nutzung von Konsumgütern verursachen heute im Vergleich zur Entsorgung die grössere Umweltbelastung. Daher muss es vermehrt darum gehen, Konsum- und Produktionsentscheide zugunsten ressourcenschonender Produkte zu fällen und den gesamten Lebenszyklus eines Produktes mit einzubeziehen.

Durch die Verknappung der Rohstoffe gewinnt der schonende Umgang mit nicht erneuerbaren Ressourcen wie etwa Metallen oder Kies an Bedeutung. Sie werden deshalb vermehrt wiederverwertet.

Sonderabfälle und andere kontrollpflichtige Abfälle stellen bei unsachgemässem Umgang (bei Transport, Lagerung, Behandlung) eine Gefahr für die Umwelt und die Bevölkerung dar oder es gehen wertvolle Rohstoffe verloren.


5. Bessere Separatsammlungen und Kontrolle der Sonderabfälle und anderen kontrollpflichtigen Abfälle (Massnahmen)

Die Abfallpolitik des Bundes hat seit 1984 zu einer deutlichen Reduktion der Umweltbelastung durch die Abfallentsorgung geführt.

  • Die Vorgaben für Deponien sowie für den Umgang mit umweltgefährdenden Stoffen wurden verschärft
  • Im Jahr 2000 wurde ein Ablagerungsverbot für unbehandelte Siedlungsabfälle eingeführt.
  • Die Verbrennungskapazitäten der KVA wurden bis zu einem ausreichenden Angebot ausgebaut.

In der Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (Abfallverordnung, VVEA) ist die Entsorgung der Abfälle geregelt.

Grundsätzlich wird die Abfallentsorgung in der Schweiz nach dem Verursacherprinzip finanziert. Im Jahr 2011 finanzierten in der Schweiz rund 80% der Bevölkerung ihre Abfallentsorgung ganz oder teilweise über mengenabhängige Gebühren. 20% der Bevölkerung finanzierten sie aus Steuermitteln oder nur über eine Grundgebühr.[GPB1]

Um die Separatsammlungen zu optimieren, sensibilisieren Bund, Kantone, Verbände und private Organisationen die Bevölkerung mit folgenden Massnahmen:

  • Kampagnen und Beratung
  • Bussen (z.B. bei Littering)

Die inländische Entsorgung sowie auch der Export von Sonderabfällen wurden bereits 1986 einer strengen Kontrolle unterstellt. Das Basler Übereinkommen regelt seit 1989 international die grenzüberschreitende Verbringung von gefährlichen Abfällen und anderen Abfällen. Exporte und Importe von Abfällen werden von den Behörden nur bewilligt, wenn die Entsorgung umweltverträglich ist und die anderen betroffenen Staaten ihre Zustimmung geben. Mit Ausnahme von bestimmten zum Recycling geeigneten Abfällen wie Metallschrott oder unverschmutzte Kunststoffe sind Abfallexporte in Staaten, die nicht Mitglied der OECD oder der EU sind, verboten.

Die Sensibilisierung betreffend illegaler Exporte von Abfällen hat in Europa zu einer Intensivierung der Zusammenarbeit und der Kontrollen geführt. Die Fälle von Beanstandungen durch den Schweizer Zoll oder ausländische Behörden hat sich allein zwischen 2009 und 2013 von 80 auf rund 160 verdoppelt.  In rund zwei Dritteln der Fälle handelt es sich um illegale Exporte.

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Letzte Änderung 30.03.2015

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