Landschaft: Das Wichtigste in Kürze

Die Landschaften der Schweiz sind aussergewöhnlich vielfältig und attraktiv. Ihre Qualität geht jedoch verloren durch wachsende Siedlungs- und Verkehrsflächen und die damit verbundene Zersiedelung und Zerschneidung. Der Wert der Landschaft in Bezug auf Wohlbefinden, räumliche Identifikation, Standortattraktivität und weitere Leistungen nimmt ab. Deshalb ist der Landschaftsaspekt bei allen raumrelevanten politischen Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen.


1. Bevölkerungswachstum, Wohnflächenbedarf, Verkehr, Tourismus (Ursachen)   

Die Landschaft widerspiegelt die naturräumliche sowie die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung. Besonders geprägt werden Landschaften durch

  • die Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung
  • die Nutzungsformen der Land- und Forstwirtschaft.

Treibende Kräfte hinter der Ausdehnung der Siedlungsfläche sind das Bevölkerungswachstum sowie der gestiegene Bedarf nach Wohnraum und Mobilität:

  • Die Einwohnerzahl in der Schweiz ist von 1970 bis 2012  um 3 Millionen auf 8 Millionen gestiegen. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person ist zwischen 1980 und 2012 von 34 auf 44 m2 gestiegen.
  • Das wachsende Bedürfnis nach Mobilität zeigt sich beispielhaft an der steigenden Anzahl Personenwagen. 2010  verfügten 79% der Haushalte in der Schweiz über mindestens ein Auto. Von 1972 bis 2012 entstanden in der Schweiz rund 6600 km neue Strassen.

2. Bodenversiegelung, Strukturwandel in der Landwirtschaft (Belastungen) 

Die Versiegelung des Bodens nimmt zu, wodurch dieser einen grossen Teil seiner ökologischen Funktionen verliert.

Die Ausdehnung von Gebäuden, Strassen und Freizeitanlagen geht hauptsächlich zu Lasten der landwirtschaftlichen Nutzflächen, die in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich abgenommen haben. Insbesondere Wies- und Ackerland sowie ökologisch wertvolle Strukturen an flachen Standorten, die für die Bewirtschaftung besonders geeignet sind, stehen unter Druck.

Die Rationalisierung in der Landwirtschaft führt zu einer intensiveren Nutzung der verbleibenden Fläche und die Vielfalt der landwirtschaftlichen Nutzungsformen nimmt ab.

Die Lichtemissionen nehmen seit Jahren weltweit zu. Im schweizerischen Mittelland ist bereits seit 1996 in keinem Quadratkilometer mehr Nachtdunkelheit mit einem intensiven Sternenhimmel beobachtbar.


3. Vielfältige Landschaften, Kulturland, Wachstum der Siedlungsfläche, Zerschneidung der Landschaft (Zustand)   

Die Schweiz ist reich an äusserst vielfältigen Landschaften. Einige davon sind Natur- und Kulturlandschaften von globaler Bedeutung: Das Gebiet Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn BE/VS ist seit 2001 auf der UNESCO-Liste der Weltnaturerbe verzeichnet, seit 2003 auch der Monte San Giorgio TI und seit 2008 auch die Tektonikarena Sardona GL. Die moorreiche Voralpenlandschaft Entlebuch LU fand 2001 Aufnahme in die Liste der UNESCO-Biosphärenreservate, 2010 folgte die Biosfera Val Müstair - Parc Naziunal Svizzer.

Während Jahrhunderten hat der Mensch unterschiedliche Landschaften geschaffen. Mit einem Anteil von 36% an der Landesfläche bleibt das Kulturland die dominierende Bodennutzung der Schweiz, obwohl die landwirtschaftlich genutzte Fläche zwischen 1996 und 2009 um 2,2 % abgenommen hat.

Die Landschaftszersiedelung - das ungeregelte Wachstum von Siedlungen in unbebauten Raum hinein - hat seit den 1950er Jahren stark zugenommen. Das Landschaftsbild ändert sich zunehmend von einer offenen zu einer überbauten und technisierten Landschaft.

Die Zerschneidung der Landschaft durch Verkehrswege und Siedlungen hat seit den 1980er Jahren stark zugenommen. Damit hat auch die Grösse der unzerschnittenen Flächen abgenommen.

Kleinstrukturen wie Hecken und Bäume, Steinhaufen und weitere prägen die Landschaft wesentlich und stellen Lebensräume für Tiere und Pflanzen dar. Insgesamt ist ein Rückgang dieser Kleinstrukturen festzustellen, bei den Fliessgewässern hat sich die Situation hingegen in den letzten Jahren verbessert.

Die Alpweiden haben seit den 1980er Jahren abgenommen und verganden zusehends.

Die Fläche der Gebiete mit weitgehend freier Naturentwicklung (Waldwildnis, und Auen) in der Schweiz beträgt insgesamt 10'234 km2, was einem Anteil von 24.8% der Landesfläche entspricht.


4. Beeinträchtigung von Erholungs- und Naturerlebnis, mangelnde Vernetzung (Auswirkungen)  

Die fortschreitende Zersiedelung, die Zerschneidung und der Verlust an landschaftlicher Schönheit und Vielfaltmindern den Erholungswert von Landschaften für die Bevölkerung, die dort wohnt und arbeitet, aber auch für den Tourismus. Die Ressource Landschaft als Kapital und Standortfaktor wird damit langfristig in Frage gestellt.

Für Pflanzen und Tiere bedeutet die immer weiter gehende Zerschneidung der insgesamt schrumpfenden Fläche naturnaher Lebensräume eine Aufsplitterung in isolierte Teilpopulationen. Einige Jahre mit hoher Sterblichkeit oder schlechtem Fortpflanzungserfolg können genügen, eine solche Population auszulöschen.

Die Intensivierung und einseitige Rationalisierung in der Landwirtschaft führt zum kontinuierlichen Verlust von landschaftsprägenden und ökologisch wertvollen Kleinstrukturen wie Baumgruppen, Hecken und Kleingehölzen und Waldrändern. Die Folgen dieses Trends können durch ökologische Ausgleichsflächen nur begrenzt kompensiert werden.

Im Berggebiet schrumpft die Landwirtschaftsfläche, weil nicht mehr genutzte Wiesen und Weiden verbuschen. Diese Entwicklung führt längerfristig zu einem Verlust der entsprechenden Artengemeinschaften und der landschaftlichen Vielfalt. Kurzfristig kann die Biodiversität jedoch ansteigen, und mit dem Wald nimmt die ursprüngliche Vegetation der Naturlandschaft wieder ihren Platz ein. 

Die Beschleunigung der Veränderungen verstärkt den Druck auf die Landschaftsqualitäten. Starke Bautätigkeit, lokal wenig angepasste Bauten und grossflächige Monokulturen beeinträchtigen Eigenart, Schönheit und Vielfalt einer Landschaft. Diese verliert ihre lokalen und regionaltypischen Besonderheiten. Damit können auch die Leistungen für die regionale Identität abnehmen.


5. Inventare, Pärke und ökologischer Ausgleich  (Massnahmen)  

1977 setzte der Bundesrat das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) in Kraft. Die Objekte des BLN widerspiegeln die Vielfalt regionaltypischer Nutzungsformen und insgesamt den kulturellen Reichtum der Schweiz und sollen erhalten bleiben. Die BLN-Gebiete sind heute generell weniger stark zerschnitten als die übrigen ländlichen Räume.

Die Moorlandschaften gehören zu den schönsten und ökologisch wertvollsten Landschaften der Schweiz. Sie stehen unter einem rechtlich umfassenden Schutz (Moorlandschaftsverordnung), die Qualität der Moorbiotope jedoch verschlechtert sich weiterhin.

Der Bund unterstützt regionale Initiativen für die Errichtung und den Betrieb von Pärken von nationaler Bedeutung mittels Finanzhilfen und Parklabel. Damit will er Regionen fördern, die besonders hohe Natur- und Landschaftswerte besitzen und eine nachhaltige Entwicklung anstreben.

Im Landschaftskonzept Schweiz (LKS) hat der Bundesrat für die landschaftsrelevanten Tätigkeiten des Bundes behördenverbindliche Ziele verabschiedet. Bei der Erfüllung von Bundesaufgaben, der Rechtsetzung oder der Erstellung von Konzepten und Sachplänen, muss die Natur und Landschaft geschont beziehungsweise die Schutzanliegen berücksichtigt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, verfasst das BAFU jährlich über 700 Stellungnahmen zu den Bundesaufgaben und erstellt gemeinsam mit den raumwirksamen Ämtern und Verbänden Vollzugshilfen und Normen.

Weitere wichtige landschaftsbezogene Instrumente, sind die Biodiversitätsstrategie Schweiz, die Waldpolitik 2020, die Agrarpolitik 2014 - 2017, oder die Agglomerationsprogramme. Das LKS wird in Abstimmung mit diesen raumwirksamen Strategien und Konzepten aktualisiert. Dank dem ökologischen Ausgleich finanziert der Bund Massnahmen, die der Erhaltung, Wiederherstellung und Vernetzung von naturnahen Lebensräumen in intensiv genutzten bzw. dicht besiedelten Kulturlandschaften dienen.

Im September 2012 hat das Parlament die Ratifizierung der Europäischen Landschaftskonvention genehmigt. Dieses Übereinkommen des Europarates ist eine wichtige Grundlage  für den Landschaftsschutz auf europäischer und nationaler Ebene.

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Letzte Änderung 31.03.2015

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