Landschaft: Das Wichtigste in Kürze

Vielfältige Landschaften prägen die Schweiz und sind ein bedeutender Standortfaktor. Das fortschreitende, wenn auch gedrosselte Siedlungswachstum, intensivierte Landnutzungen und schweizweit gleichförmigeres Bauen führen zu einer Abnahme landschaftlicher Qualitäten. Es braucht weitere Anstrengungen von Bund, Kantonen und Gemeinden, um diese zu erhalten oder sogar zu verbessern.


1. Ansprüche an Wohnraum, Mobilität, Freizeit (Ursachen)   

Die Landschaft widerspiegelt die naturräumliche sowie die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung. Besonders geprägt werden Landschaften durch

  • die Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung
  • die Nutzungsformen der Land- und Forstwirtschaft.

Treibende Kräfte hinter der Ausdehnung der Siedlungsfläche sind das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum sowie der gestiegene Bedarf nach Wohnraum und Mobilität. Zudem treibt die immer stärker verbreitete räumliche Trennung von Arbeit, Wohnen und Freizeit die Zersiedelung an:

  • Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person ist zwischen 1980 und 2012 von 34 auf 44 m2 gestiegen und hat sich seit dem auf hohem Niveau stabilisiert. Insgesamt nimmt damit die Wohnfläche weiterhin zu.
  • Das wachsende Bedürfnis nach Mobilität zeigt sich beispielhaft an der steigenden Anzahl Personenwagen. Diese haben seit 2000 um 29% zugenommen, wohingegen die Bevölkerung um nur 17% gewachsen ist.
  • Beim Personentransport ist der Freizeitverkehr mit fast der Hälfte aller im Inland zurückgelegten Distanzen für den grössten Teil der Nachfrage an Verkehrsleitungen verantwortlich.

2. Siedlungswachstum, Ausbau Verkehrsinfrastruktur, Strukturwandel in der Landwirtschaft (Belastungen) 

Die Siedlungsflächen nehmen in der Schweiz stetig zu. Das Wachstum hat sich allerdings seit der Jahrtausendwende gedrosselt (9.2% zwischen 1997 und 2009 im Vergleich zu 13% zwischen 1985 und 1997). Zudem zeigen erste Teilresultate der laufenden Arealstatistik-Erhebung, dass die Siedlungsflächen – falls sich der Trend schweizweit bestätigt – nun möglicherweise erstmals weniger stark zunimmt als die Bevölkerung.

Räumlich bestehen Unterschiede: Vor allem in ländlichen Regionen liegen die Wachstumsraten z.T. nach wie vor bei 10 % oder darüber. Ein Grund ist, dass in diesen Gebieten die pro Person beanspruchte Siedlungsfläche weiter zunimmt. Dadurch schreitet auch die Zersiedelung weiterhin voran.

Ein weiterer wichtiger Treiber der Zersiedelung ist der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Von 1972 bis 2012

hat sich das Schweizer Strassennetz weiter verdichtet von rund 60’000 km auf rund 84’000 km.

Für Erholung, Sport und Tourismus werden auch ausserhalb des Siedlungsgebietes Anlagen und Einrichtungen wie touristische Transportanlagen, beschneite Pisten, Restaurants, Parkplätze, , Biketrails usw. erstellt.

Energieproduktionsanlagen und Übertragungsleitungen sind ebenfalls markante Elemente in der Landschaft. Die Energiestrategie 2050 und die Notwendigkeit, neue Anlagen für die Nutzung erneuerbarer Energien zu erstellen, wird den Landschaftswandel in den kommenden Jahren erheblich beeinflussen.

Die Ausdehnung von Gebäuden, Strassen und Freizeitanlagen geht hauptsächlich zu Lasten der landwirtschaftlichen Nutzflächen, die in den letzten Jahrzehnten abgenommen haben (zwischen 1996 und 2009 um 2.3%, zwischen 1985 bis 1997 um 3.2%). Insbesondere ökologisch wertvolle Strukturen wie Hecken, Einzelbäume oder Steinhaufen an flachen Standorten, die für die Bewirtschaftung besonders geeignet sind, stehen unter Druck.

Die Rationalisierung in der Landwirtschaft führt zu einer intensiveren Nutzung der verbleibenden Fläche. Dadurch nahm bis 2009 auch die Vielfalt der landwirtschaftlichen Nutzungsformen ab. Seitdem hat sich der abnehmende Trend gewendet, indem die Nutzungsvielfalt in der Schweiz insgesamt ansteigt. Im Mittelland, das ausge­dehnte Agrarflächen aufweist, wirkt sich die Zunahme der Nutzungsvielfalt besonders positiv auf die Landschaft aus. Allerdings manifestiert sich dies nicht in allen Regionen gleich stark. Der Nutzungsvielfalt entgegen läuft, dass insbesondere an der Alpensüdflanke viele hoch gelegene Sömmerungsweiden aufgegeben werden und dadurch allmählich zu Wald werden.

Die Lichtemissionen nehmen seit Jahren weltweit zu. Im schweizerischen Mittelland gibt es seit 1996 keinen Quadratkilometer mehr mit absoluter Dunkelheit während der Nacht, im Jura seit 2008.


3. Vielfältige Landschaften, Wandel des Kulturlands, Zersiedelung, Zerschneidung der Landschaft (Zustand)   

Die Schweiz ist reich an äusserst vielfältigen Landschaften. Einige davon sind Natur- und Kulturlandschaften von internationaler Bedeutung: Das Gebiet Swiss Alps Jungfrau-Aletsch BE/VS, der Monte San Giorgio TI und die Tektonikarena Sardona GL sind die drei in der Schweiz als Weltnaturerbe qualifizierten Objekte. Mit den Weinbergterrassen im Lavaux und der Linie der Rhätischen Bahn im Gebiet Albula/Bernina zählen auch landschaftsrelevante Objekte zu den Schweizer Weltkulturerbestätten. Die moorreiche Voralpenlandschaft Entlebuch LU fand 2001 Aufnahme in die Liste der UNESCO-Biosphärenreservate, 2010 folgte die Biosfera Val Müstair - Parc Naziunal Svizzer.

Siedlungsflächen bedecken rund 3000 km2, was 7.5 % der Landesfläche entspricht. Die Siedlungen dehnen sich vor allem im Einzugsgebiet der Städte und Agglomerationen, im Mittelland und in den flachen Tallagen aus. Etwas mehr als 60% der Siedlungsflächen sind versiegelt. Somit sind rund 4.7% der Landesfläche (1920km) versiegelt.

Trotz der leichten Drosselung, führt das Siedlungswachstum weiterhin zu einer zunehmenden Zersiedelung -. – dem ungeregelten Wachstum von Siedlungen in unbebauten Raum. Das Landschaftsbild ändert sich zunehmend von einer offenen zu einer überbauten und technisierten Landschaft.

Innerhalb der Bevölkerung geniesst die Landschaft einen hohen Stellenwert. Abwechslungsreiche Landschaften, die zu Erkundungen anregen, wertet sie als besonders attraktiv. Die Bevölkerung bewertet die Landschaftsqualität in ländlichen Gebieten und in den Zentren der Städte insgesamt besser als in sich schnell wandelnden und stark besiedelten Gebieten, die am Stadtrand (suburban) oder in Pendeldistanz liegen (periurban). Hier vermisst die Bevölkerung einen visuellen Reichtum und vielfältige Landschaftselemente.

Die Zerschneidung der Landschaft durch Verkehrswege und Siedlungen hat seit den 1980er Jahren stark zugenommen. Damit hat auch die Grösse der unzerschnittenen Flächen abgenommen. Das Mittelland ist am stärksten durch Verkehrswege zerschnitten – dort liegen mehr als die Hälfte aller Strassenverbindungen der Schweiz.

Auch die Waldflächen wachsen und bedecken heute gut 30% der Landesfläche. Primär zugenommen haben sie in hochgelegenen Gebieten, wo die Nutzung von Alpweiden zurückgeht.

Zwischen 1985 und 2009 ist die Landwirtschaftsfläche schweizweit um 850 Quadratkilometer, sprich 5,5% der Landesfläche, zurückgegangen. Grund dafür ist in erster Linie das Siedlungswachstum, doch auch neu errichtete landwirtschaftliche Gebäude ausserhalb der Bauzone beanspruchen Agrarland. Die Nutzungsaufgabe, v.a. in höheren Lagen, führt ausserdem zu einer Vergrösserung der Waldfläche. Intensivierung und einseitige Rationalisierung in der Landwirtschaft bringen den kontinuierlichen Verlust von landschaftsprägenden und ökologisch wertvollen Elementen mit sich.

Kleinstrukturen wie Hecken und Bäume, Steinhaufen und weitere prägen die Landschaft wesentlich und stellen Lebensräume für Tiere und Pflanzen dar. Insgesamt ist ein Rückgang dieser Kleinstrukturen festzustellen, bei den Fliessgewässern hat sich die Situation hingegen seit der Revision des Gewässerschutzgesetzes (2011) verbessert. Die mit der Renaturierung einhergehende, standortgerechte Bepflanzung und Aufweitung des Gewässerraums erhöht ihre Attraktivität für den Menschen und bietet besser Voraussetzungen für die Biodiversität. Dies wirkt sich positiv auf das Landschaftserlebnis aus.

Die Fläche der Gebiete mit weitgehend freier Naturentwicklung (Waldwildnis und Auen) in der Schweiz beträgt insgesamt 10'234 km2, was einem Anteil von 24.8% der Landesfläche entspricht.

 


4. Beeinträchtigung von Erholungs- und Naturerlebnis, mangelnde Vernetzung (Auswirkungen)  

Die fortschreitende Zersiedelung, die Zerschneidung und der Verlust an landschaftlicher Schönheit und Vielfalt mindern den Erholungswert von Landschaften für die Bevölkerung, die dort wohnt und arbeitet, aber auch für den Tourismus. Die von der Landschaft erbrachten Leistungen (Erholung und Gesundheit, Identifikation und Vertrauen, ästhetischer Genuss und Standortattraktivität) werden damit langfristig in Frage gestellt.

Für Pflanzen und Tiere bedeutet die immer weitergehende Zerschneidung der insgesamt schrumpfenden Fläche naturnaher Lebensräume eine Aufsplitterung in isolierte Teilpopulationen. Einige Jahre mit hoher Sterblichkeit oder schlechtem Fortpflanzungserfolg können genügen, eine solche Population auszulöschen

Im Berggebiet schrumpft die Landwirtschaftsfläche, weil nicht mehr genutzte Wiesen und Weiden verbuschen. Diese Entwicklung führt längerfristig zu einem Verlust der entsprechenden Artengemeinschaften und der landschaftlichen Vielfalt. Kurzfristig kann die Biodiversität jedoch ansteigen, und mit dem Wald nimmt die ursprüngliche Vegetation der Naturlandschaft wieder ihren Platz ein. 

Die Beschleunigung der Veränderungen verstärkt den Druck auf die Landschaftsqualitäten. Starke Bautätigkeit, lokal wenig angepasste Bauten und grossflächige Monokulturen beeinträchtigen Eigenart, Schönheit und Vielfalt einer Landschaft. Diese verliert ihre lokalen und regionaltypischen Besonderheiten. Damit können auch die Leistungen für die regionale Identität abnehmen.


5. Inventare, Pärke und ökologischer Ausgleich (Massnahmen)  

Im September 2012 hat das Parlament die Ratifizierung der Europäischen Landschaftskonvention genehmigt. Dieses Übereinkommen des Europarates, welches 2013 in der Schweiz in Kraft getreten ist, ist eine wichtige Grundlage für die Landschaftspolitik auf europäischer und nationaler Ebene.

Eine nachhaltige Entwicklung der Landschaft stellt eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Kantonen und Gemeinden dar. Gefordert ist deshalb ein kohärentes Zusammenwirken aller staatlichen Ebenen, ein abgestimmtes Zusammenspiel der raumwirksamen Politiken und ein intensiver Dialog.

Auf Bundesebene dient das Landschaftskonzept Schweiz (LKS) als Leitlinie für die landschaftsrelevanten Tätigkeiten des Bundes. Das LKS wird zurzeit aktualisiert. Ziel ist, dass das überarbeitete LKS den aktuellen Entwicklungen Rechnung trägt und die Landschaftspolitik stärker in die Raumentwicklung integriert.

Als Folge der 2014 in Kraft getretenen Revision des Raumplanungsgesetztes müssen die Kantone die Siedlungsentwicklung nach Innen umsetzen. Die Agglomerationspolitik des Bundes hält Bund, Kantone und Gemeinden dazu an, Lebens- und Umweltqualitäten der Schweiz zu fördern.

Mit Landschaftsqualitätsbeiträgen unterstützt der Bund im Rahmen der Agrarpolitik landwirtschaftliche Betriebe dabei, die vielfältige Kulturlandschaft zu erhalten, zu fördern und aufzuwerten. Für die Umsetzung der Landschaftsqualitätsprojekte stellt der Bund jährlich 150 Millionen Franken zur Verfügung.

Unter besonderem Schutz des Bundes stehen die 162 im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) beschriebenen Objekte. Sie widerspiegeln die Vielfalt unterschiedlich stark vom Menschen überformter Natur- und Kulturlandschaften, bilden damit den Reichtum der Natur-, Besiedlungs- und Bewirtschaftungsgeschichte der Schweizer Landschaft ab und sollen erhalten bleiben. Die revidierte Verordnung zum BLN trat am 1. Juni 2017 in Kraft. . Sie schafft mehr Rechts- und Planungssicherheit im Umgang mit dem wertvollen Natur- und Kulturerbe der Schweiz.

Die Moorlandschaften gehören zu den schönsten und ökologisch wertvollsten Landschaften der Schweiz. Sie stehen unter einem rechtlich umfassenden Schutz (Moorlandschaftsverordnung), die Qualität der Moorbiotope jedoch verschlechtert sich weiterhin.

Der Bund unterstützt seit 2007 regionale Initiativen für die Errichtung und den Betrieb von Pärken von nationaler Bedeutung mittels Finanzhilfen und Parklabel. Damit will er Regionen fördern, die besonders hohe Natur- und Landschaftswerte besitzen und eine nachhaltige Entwicklung anstreben. Aufgrund des Erfolgs der Pärkepolitik hat das Parlament per 2016 den Pärkekredit von 10 auf 20 Millionen Franken verdoppelt. Neben dem Schweizerischen Nationalpark sind heute 16 Pärke in Betrieb und einer in Errichtung

Weitere wichtige landschaftsbezogene Instrumente, sind die Biodiversitätsstrategie Schweiz, und die Waldpolitik 2020.

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Letzte Änderung 30.11.2018

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