Biologie der Fliessgewässer

Der Zustand der Schweizer Fliessgewässer ist aus biologischer Sicht unterschiedlich gut. Defizite gibt es besonderes im intensiv genutzten Mittelland, wo die Gewässer strukturell beeinträchtigt sind und die Durchgängigkeit für Fische vielerorts nicht gegeben ist. Aufgrund stofflicher Beeinträchtigung stehen vor allem die kleinen Gewässer durch die Landwirtschaft unter Druck; bei den mittelgrossen Gewässern beeinträchtigen Mikroverunreinigungen aus ARA die Biologie.

Eine im Auftrag des BAFU durchgeführte gesamtschweizerische Auswertung aller bisher an kleinen Fliessgewässern erhobenen Makrozoobenthos-Daten (kantonale Messstellen und Biodiversitätsmonitoring Schweiz) zeigt, dass viele dieser Gewässer biologisch in einem ungenügenden Zustand sind. Von den 709 Proben an 406 Untersuchungsstellen verfehlten knapp die Hälfte die Anforderungen der Gewässerschutzverordnung.

Die grössten Defizite zeigen sich in tiefen Lagen zwischen 301 und 400 m ü.M., wo über 70 % der Lebensgemeinschaften der Wasserwirbellosen auf ungenügende ökologische Verhältnisse schliessen lassen. Dies ist u.a. auf die Belastung durch Pestizide zurückzuführen.

Insgesamt weisen ca. 50% der Makrozoobenthosproben auf eine Belastung durch Pestizide hin. Die Landnutzungsanalyse im Einzugsgebiet der untersuchten kleinen Fliessgewässer macht deutlich, dass vor allem in intensiv genutztem Siedlungs- und Landwirtschaftsgebiet erhebliche Mängel bestehen.

Differenzierte Ergebnisse bei der Oberflächengewässerqualität

Die Ergebnisse der biologischen Untersuchungen aus der Nationalen Beobachtung Oberflächengewässerqualität (NAWA, siehe auch weiter unten) zeigen ein differenziertes Bild. Fast 90% der Stationen erfüllten die Qualitätsziele für den Diatomeenindex DI-CH und spiegeln so die guten Verhältnisse bezüglich der Belastung der Fliessgewässer mit Nährstoffen wieder.

Die Bewertung des Makrozoobenthos mit dem Index IBCH hingegen fallen weniger positiv aus - an knapp zwei Drittel der 88 ausgewerteten Stationen zeigt das Makrozoobenthos einen guten bis sehr guten Zustand an. Ein ähnliches Ergebnis ergab die Beurteilung der Wasserpflanzen (ca. 60% der Stationen in gutem bis sehr gutem Zustand, ohne vegetationsarme Fliessgewässer). Wegen der Beeinträchtigung von Morphologie & Wasserführung ist die Situation bei den Makrophyten schlechter als bei den Diatomeen.

Die fischbiologischen Untersuchungen an NAWA-Messstellen in der Forellen- und Äschenregion des Mittellandes zeigen, dass nur knapp ein Drittel der befischten Strecken einen sehr guten oder guten ökologischen Zustand aufweisen. Gegen zwei Drittel der Strecken befinden sich in einem mässigen und gut 10% in einem unbefriedigenden Zustand. Gründe dafür sind unter anderem: Defizite bei Gewässermorphologie und Wasserqualität, die unzureichende Wasserführung oder zu starke Abflussschwankungen sowie die fehlende Durchgängigkeit der Fliessgewässer. 

Zustand der Schweizer Fliessgewässer

Ergebnisse der Nationalen Beobachtung Oberflächengewässerqualität (NAWA) 2011–2014. 2016

Nationale Beobachtung und Zustandserhebungen

Informationen über den chemischen, morphologischen und hydrologischen Zustand von Fliessgewässern liefern neben den klassischen chemisch-physikalischen Erhebungen auch biologische Untersuchungen an Wasserpflanzen, Kieselalgen, Makroinvertebraten und an Fischen. Sie sind alle gute Indikatoren zur Beurteilung des Gewässerzustands. Die Methoden zur Untersuchung dieser Indikatoren werden im Rahmen des Modul-Stufen-Konzepts unter der Leitung des BAFU und der Eawag zur Verfügung gestellt und in den kantonalen und nationalen Messprogrammen angewandt.

Mit der Nationalen Beobachtung Oberflächengewässerqualität (NAWA) schafft das BAFU in Zusammenarbeit mit den Kantonen die Grundlagen, um den Zustand und die Entwicklung der Schweizer Gewässer auf nationaler Ebene zu dokumentieren und zu beurteilen.

Koordinierte biologische Untersuchungen am Hochrhein

Im Hochrhein werden bereits seit Anfang der 1990er Jahren unter den Anstösser-Ländern und -Kantonen koordinierte biologische Untersuchungen durchgeführt. Die langen Zeitreihen, die dadurch zur Verfügung stehen, geben wertvolle Hinweise auf längerfristige Veränderungen des biologischen Zustands. Unter anderem zeigen sie, dass Neobioten in den Rhein zuwandern.

Weiterführende Informationen

Dokumente

Fachbericht Modul Fische 2012 (PDF, 5 MB, 16.05.2014)Dönni W. und Guthruf J. 2014: Biologische Erhebungen der Nationalen Beobachtung Oberflächengewässerqualität (NAWA), Modul Fische (Startphase 2012–2013). Expertenbericht im Auftrag des BAFU

Quantitative Erhebungen Fische (PDF, 567 kB, 23.06.2014)Dönni W., Guthruf J., Riedl C., Werner S. und Zaugg C. 2014: NAWA TREND Biologie 2011-2013, Karten Quantitative Erhebungen Fische

NAWA TREND Biologie (PDF, 3 MB, 04.12.2014)2011-2013, Teil Diatomeen - Fachbericht

Fachbericht Modul Makrophyten 2012 (PDF, 958 kB, 16.05.2014)Roth E. 2013a: NAWA TREND Biologie 2011 – 2013, Teil Makrophyten. Expertenbericht im Auftrag des BAFU

Kontakt
Letzte Änderung 14.07.2016

Zum Seitenanfang

https://www.bafu.admin.ch/content/bafu/de/home/themen/wasser/fachinformationen/zustand-der-gewaesser/zustand-der-fliessgewaesser/wasserqualitaet-der-fliessgewaesser/biologie-der-fliessgewaesser.html