Mikroverunreinigungen in Fliessgewässern

Spurenstoffe sind zurzeit eine grosse Herausforderung für die Fliessgewässer. Sie gelangen aus den ARAs und via diffuse Einträge aus Quellen wie der Landwirtschaft in die Gewässer. Das BAFU erarbeitet Strategien, um solche Mikroverunreinigungen in den Gewässern zu verringern.

Die Wasserqualität der Oberflächengewässer hat sich seit den 1970er-Jahren stark verbessert. Giftige Stoffe sind verschwunden oder wurden verboten. Doch der Eintrag von Mikroverunreinigungen (Spurenstoffe) stellt zunehmend eine Herausforderung für den Gewässerschutz dar.

Das Problem liegt einerseits bei der grossen Anzahl dieser Stoffe im täglichen Gebrauch, andererseits können Mikroverunreinigungen bereits in tiefen Konzentrationen Schädigungen bei Wasserlebewesen hervorrufen. Für die menschliche Gesundheit sind die in Oberflächengewässern nachgewiesenen Konzentrationen nach heutigen Erkenntnissen unbedenklich. Jedoch geben diverse Studien klare Hinweise darauf, dass die Pestizidbelastung ein wichtiger Einflussfaktor für die verbreitet festgestellten Defizite der Artenvielfalt in den Gewässern ist.

Zustand der Schweizer Fliessgewässer

Ergebnisse der Nationalen Beobachtung Oberflächengewässerqualität (NAWA) 2011–2014. 2016

Unterschiedliche Belastung je nach Gewässergrösse

Verbreitet mit Mikroverunreinigungen belastet sind Gewässer in den intensiv genutzten Gebieten des Schweizer Mittellands.

In kleinen und mittleren Bächen in Gebieten mit intensiver Landnutzung stellen vor allem die diffusen Einträge ein Problem dar, wobei es nach Regenfällen während der Applikationsperioden zu grossen Belastungsspitzen durch Pflanzenschutzmittel und Biozide kommt.

In mittleren und grossen Gewässern ist zudem problematisch, dass gereinigtes Wasser aus den ARA bei der Einleitung ins Gewässer unterschiedlich verdünnt wird. Aus diesen Punktquellen gelangen unter anderem Rückstände von Medikamenten und Kosmetikprodukten in die Gewässer, die in den Abwasserreinigungsanlagen ungenügend eliminiert werden.

Direkte Belastung aus Punktquellen

Die meisten im Siedlungsgebiet eingesetzten Stoffe gelangen über eine Abwasserreinigungsanlage ARA in die Gewässer. Auch Abwässer aus Industrie und Gewerbe werden entweder direkt über eigene ARA oder indirekt über kommunale ARA in die Gewässer geleitet. Noch entfernen die ARA in erster Linie die Nährstoffe aus dem Abwasser. Mikroverunreinigungen werden nicht oder nur teilweise zurückgehalten und gelangen in die Gewässer. Die Aufrüstung durch eine zusätzliche Reinigungsstufe soll hier in den kommenden Jahren Besserung bringen.

Der Umweltindikator «Organische Spurenstoffe in Gewässern» des BAFU zeigt, in welchen Regionen der Schweiz eine relevante Belastung der Gewässer durch Mikroverunreinigungen aus Punktquellen wie Gebrauchschemikalien, Medikamente, Biozide, hormonaktive Stoffe zu erwarten ist. In der Schweiz sind über 30'000 solcher Stoffe in unzähligen Produkten im täglichen Gebrauch.

Diffuse Belastung

Auch durch diffuse Einträge - also alle Einträge, die nicht via ARA stattfinden - aus Quellen wie Landwirtschaft, Siedlungsgebiet (über Mischwasserüberläufe und Regenwasserkanäle) oder Verkehrsinfrastruktur gelangen Mikroverunreinigungen in Bäche und Flüsse. Eine umfassende Situationsanalyse zeigt die grosse Bedeutung dieser diffus eingetragenen Mikroverunreinigungen auf.

Im Rahmen eines NAWA-SPEZ-Programms wurde beispielsweise in fünf mittelgrossen Fliessgewässern ein ganzer Cocktail an Pestiziden nachgewiesen. In 78% der Proben lag die aufaddierte Pestizidkonzentration über 1µg/L. Für 31 Substanzen wurde der Grenzwert der Gewässerschutzverordnung überschritten. Eine Beeinträchtigung von Organismen in den Gewässern - namentlich durch Pestizide - kann nicht ausgeschlossen werden.

Durch spezifische Massnahmen sollen die diffusen Einträge verringert werden. Der Bundesrat hat die Erarbeitung eines Aktionsplans zur Risikominimierung und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in Auftrag gegeben. Dabei steht unter anderem die Frage des Eintrags von Pflanzenschutzmitteln in die Gewässer im Fokus.

Im Rahmen der aktuellen Revision der Gewässerschutzverordnung wird die Möglichkeit geschaffen, numerische Anforderungen (Grenzwerte) in Bezug auf Mikroverunreinigungen festzulegen.

Über 100 Pestizide in Fliessgewässern (PDF, 5 MB, 01.03.2014)Programm NAWA Spez zeigt die hohe Pestizidbelastung der Schweizer Fliessgewässer auf. Artikel aus Aqua & Gas 3/2014

Verbesserte Monitoring-Methoden

Bei der Methodik zur Überwachung des Gewässerzustands sind in den letzten Jahren grosse Fortschritte erzielt worden. Da Mikroverunreinigungen in sehr kleinen Konzentrationen vorkommen, gleichen entsprechende Untersuchungen zur Gewässerbelastung oft der sprichwörtlichen Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. 

Zwar existieren mittlerweile  Methoden für die Beurteilung der Belastung durch Mikroverunreinigungen aus Punktquellen sowie aus diffusen Einträgen, doch es fehlen noch gesetzlich festgelegte Anforderungen, die es einzuhalten gilt. Sie sollen im Rahmen der aktuellen Revision der Gewässerschutzverordnung festgelegt werden.

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Letzte Änderung 14.07.2016

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