Rotband- und Braunfleckenkrankheit

Die Rotbandkrankheit und die Braunfleckenkrankheit sind besonders gefährliche Schadenorganismen (auch Quarantäneorganismen genannt) und damit meldepflichtig. Sie stammen vermutlich aus Nord- und Zentralamerika respektive dem Himalayagebiet und befallen zahlreiche Föhrenarten. Der Befall führt zu Nadelverlust; starker und wiederholter Befall kann insbesondere junge Bäume zum Absterben bringen.

Die Rotbandkrankheit wird durch die zwei Krankheitserreger Dothistroma septosporum und Dothistroma pini verursacht. Sie wurde in der Schweiz zum ersten Mal im Jahre 1989 entdeckt. Seit 2007 nahmen die Befallsmeldungen zu und seit 2009 wird die Krankheit von der WSL intensiver überwacht. Im 2013 wurde die Krankheit erstmals in Wäldern der Kantone Graubünden und Obwalden gefunden.

Die Braunfleckenkrankheit wird durch den Erreger Lecanosticta acicola verursacht. Sie wurde 1995 erstmals im Kanton Zürich beobachtet und 2016 erstmals im Wald entdeckt. Beide Krankheiten treten in erster Linie im Siedlungsraum auf und sind unterschiedlich weit verbreitet.

Die Krankheitserreger können mit befallenem Pflanzenmaterial über grosse Distanzen verschleppt werden. Für die natürliche Verbreitung sind die Erreger auf feuchte Witterungsbedingungen angewiesen: Pilzsporen verbreiten sich mit Wassertröpfchen. Die Erreger sind wärmeliebend und bilden wegen höherer Temperaturen zunehmend bis weit in den Herbst hinein Sporen.

Merkmale der Rotband- und Braunfleckenkrankheit

  • Optimale Temperaturen: 17-22°C
  • Vorkommen in der Schweiz: bis 1600 m ü.M.
  • Ideale Infektionsbedingungen: Regenperiode mit Temperaturen zwischen 21 und 30°C
  • Überlebungsfähig am Baum bis elf, in der Bodenstreu bis sechs Monate

Gefährdung und Verbreitungspotenzial

Die Rotband- und Braunfleckenkrankheit können bei Föhren grossen Schaden verursachen. Sie gelten deshalb als besonders gefährliche Schadorganismen. Betroffen sind vor allem Wald- und Bergföhren. Allerdings werden seit 2016 auch mit RBK infizierte Fichten entdeckt. Dieser Wirtswechsel stellt eine besondere Gefahr für die Schweizer Waldwirtschaft dar. Die Pilze verbreiten sich hauptsächlich kleinräumig (bis 300 m) durch Wasser (Regen, Gischt). Sporen werden mittels feuchter Schuhe, Kleider, Kleintiere und Maschinen oder mit infiziertem Pflanzenmaterial verschleppt. Selten und nur bei hohem Befallsdruck wurde Sporenflug über grössere Distanzen nachgewiesen.

Betroffene Baumarten

  • Bergföhre und Legföhre (80 %)
  • Waldföhre (18 %)
  • Schwarzföhre
  • Weitere Föhrenarten
  • Bei hohem Infektionsdruck auch Fichte, Lärche, Douglasie und Weisstanne

Anzeichen eines Befalls

  • Nadelverfärbung (zuerst braune Flecken auf den Nadeln, dann braune Nadelspitzen bis hin zu ganz verbräunten Nadeln)
  • Reduzierte Nadellänge
  • Zuerst werden bodennahe, ältere Nadeljahrgänge befallen
  • Bei der Rotbandkrankheit: häufig 1-2 mm rote Bänder auf befallenen Nadeln
  • Bei der Braunfleckenkrankheit: gelbe bis später braune Flecken
  • Schwarze Pilzfruchtkörper (0.2-0.8 mm) in der Mitte der Bänder oder der Flecken
  • Bei starkem Befall nur noch jüngste Nadeljahrgänge vorhanden (Pudelschwänze)

Differenzierte Bekämpfungsstrategie

Aufgrund der unterschiedlichen Befallssituation der beiden Krankheiten haben Bund und Kantone eine differenzierte Bekämpfungsstrategie ausgearbeitet. Ziel ist, die Föhren und Arven im Wallis, Tessin und Graubünden möglichst lange befallsfrei zu halten. Auch die Befallsfreiheit der Schweizer Baumschulen soll gewährleistet bleiben. In diesen Kantonen und in allen Schweizer Baumschulen gilt nach wie vor die Melde- und Bekämpfungspflicht. Der Bund und die Standortkantone sind dafür zuständig. Wald- und Baumbesitzer sowie Baumschulbetriebe sind wichtig, um Befälle frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen.

Die Karte zeigt das Eindämmungsgebiet (gelb) und das befallsfreie Gebiet (hellgrün). Als Pufferzone (rot) markiert sind jene Regionen im Eindämmungsgebiet, von welchen ein Ausbreitungsrisiko in das befallsfreie Gebiet besteht, weil dort Föhrenbestände vorhanden sind.  

RBK_Verbreitungskarte_DE

Was tun bei einem Verdacht?


So handeln Sie richtig in befallsfreien Gebieten

  • Melden Sie verdächtige Symptome an den kantonalen Waldschutzbeauftragten. Die Adresse finden Sie unter Dokumente.
  • Bringen Sie keine Föhren oder Teile davon aus dem Eindämmungsgebiet in befallsfreie Gebiete (ausser Baumschulware mit Pflanzenpass).
  • Befolgen Sie bei einem Befall die Anweisungen des Waldschutzbeauftragten, damit der Befall getilgt werden kann.

So handeln Sie richtig im Eindämmungsgebiet

  • Melden Sie verdächtige Symptome Ihrem Waldschutzbeauftragten. Die Adresse finden Sie unter Dokumente.
  • Sorgen Sie im Wald mittels Aufastung oder Durchforstung für ein trockeneres Mikroklima. Dies verschlechtert die Infektionsbedingungen für die Pilzsporen.
  • Bringen Sie keine Föhren oder Teile davon in befallsfreie Gebiete (ausser Baumschulware mit Pflanzenpass)
  • Verwenden Sie nur gesundes Pflanzenmaterial
  • Bekämpfen Sie Befälle wenn immer möglich, um den Befallsdruck zu reduzieren und die weitere Ausbreitung der Krankheiten zu verhindern.

Bekämpfung

  • Fällen und entsorgen Sie befallene Einzelbäume und kleinräumige Befälle. Dies schützt die gesunden Bäume in der Umgebung.
  • Befallenes Material (Äste und Nadeln) verbrennen (Kehrichtverbrennungsanlage). Das übrige Holz kann verwendet werden.
  • Führen Sie diese Bekämpfungsmassnahmen nur bei trockener Witterung durch, um das Verschleppungsrisiko mit Wassertröpfchen zu reduzieren.

Vollzugshilfe Waldschutz

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Modul 4: Rotband- und Braunfleckenkrankheit

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Letzte Änderung 01.06.2018

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