Klima: Das Wichtigste in Kürze

Das CO2-Gesetz bildet die Grundlage für die Reduktion der Treibhausgasemissionen und die Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz. Auf internationaler Ebene hat sich die Schweiz bis 2020 zu weiteren Emissionsreduktionen verpflichtet.


1. Treibhausgas produzierende Aktivitäten (Ursachen)   

Der Mensch verändert durch die Emission von Treibhausgasen zunehmend die Zusammensetzung der Atmosphäre.

Der wachsende Güter- und Personenverkehr und das Heizen des Gebäudebestandes führen zu einem grossen Verbrauch an fossilen Energieträgern. Bei der Verbrennung von Treibstoffen wie Benzin oder Diesel und von Brennstoffen wie Heizöl und Erdgas wird CO2 ausgestossen, das den natürlichen Treibhauseffekt verstärkt und zu einer Erwärmung des Klimas führt.

In geringerem Umfang tragen auch Landnutzungsänderungen und die Landwirtschaft zur Anreicherung von Treibhausgasen wie Methan, Lachgas und synthetischen Gasen (z.B. Fluorkohlenwasserstoffe) in der Atmosphäre bei.


2. Ausstoss von Treibhausgasen (Belastungen)  

Die innerhalb der Schweiz 2015 in die Atmosphäre ausgestossene Menge an Treibhausgasen entspricht 48.1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten (nicht eingerechnet ist der internationale Flug- und Schiffsverkehr). Dies entspricht einem Treibhausgas-Ausstoss von 5.8 t pro Kopf (davon CO2: 4.7 t). Addiert man allerdings die durch Importgüter im Ausland verursachten Emissionen hinzu, beläuft sich das Total der Pro-Kopf-Emissionen auf gut das Doppelte.

Zwischen 1990 und 2015 haben sich die Emissionen der verschiedenen Treibhausgase in der Schweiz wie folgt verändert:

  • der CO2-Austoss ist leicht zurückgegangen.
  • die synthetischen Gase haben deutlich zugenommen.
  • die Methan- und Lachgas-Emissionen, welche vor allem aus der Landwirtschaft stammen, haben abgenommen.

Von den gesamten Emissionen der Schweiz werden verursacht:

  • 32% durch den Verkehr
  • 26% durch Gebäude
  • 22% durch die Industrie
  • 19% durch andere Quellen wie Landwirtschaft, Abfallbehandlung und synthetische Gase.

3. Klimaänderungen (Zustand)  

Die durchschnittliche Temperatur in der Schweiz hat seit Messbeginn (1864) um 2°C zugenommen.

Die Sommertage mit Maximaltemperatur über 25 Grad haben zugenommen, während Frosttage mit Minimaltemperaturen unter 0 Grad abgenommen haben. Die Nullgradgrenze liegt heute im Mittel rund 350 m höher als Ende der 1950er Jahre.

Der Temperaturanstieg in der Schweiz ist ungefähr die Hälfte höher als derjenige auf der Landfläche der Nordhalbkugel, der 1,1 °C beträgt. Die steigenden Temperaturen lassen sich seit den 1970er Jahren mit natürlichen Faktoren (z.B. Schwankungen der Sonnenstrahlung) nicht mehr erklären.

Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts  dürften laut Szenarienanalysen die jahreszeitlichen Mitteltemperaturen in der Schweiz um 3.2 bis 4.8°C zunehmen (gegenüber der Periode 1980-2010), wenn die weltweiten Treibhausgasemissionen weiter ungebremst ansteigen. Falls die Emissionen gemindert werden (um mindestens 50% bis 2050 in Bezug auf 1990), könnte sich die Erwärmung bei 1.2 bis 1.8°C stabilisieren.

Die Niederschläge im Winterhalbjahr nahmen im Laufe des 20. Jahrhunderts im nördlichen und westlichen Alpenraum um 20% bis 30% zu. Im Herbst haben sie sich in der Südschweiz in vergleichbarem Mass verringert.

Die Häufigkeit intensiver Tagesniederschläge ist im Laufe des 20. Jahrhunderts bei den meisten Messstationen der Alpennordseite um 15-70% im Herbst und Winter gestiegen.


4. Veränderung von Permafrost, Schmelzen der Gletscher, Schneefallgrenze, Artenzusammensetzung, Gesundheitliche Auswirkungen, Extremereignisse (Auswirkungen)

Das Auftauen von Permafrostgebieten kann zu einer Destabilisierung des Untergrunds, zu Felsstürzen, Steinschlag und Murgängen führen.

Weil die Niederschläge im Winter zurückgehen und die Sommer immer trockener und heisser werden, verlieren die Alpengletscher seit Mitte der 1970er-Jahre im Schnitt Jahr für Jahr 1% ihres Volumens. Setzt sich dieser Trend fort, drohen bis 2050 50-90% der Alpengletscher ganz zu verschwinden.

Eine direkte Folge steigender Temperaturen ist der Anstieg der Schneefallgrenze, womit sich die Schneesicherheit von tiefer gelegenen Wintersport-Orten verschlechtert.

Temperaturänderungen beeinflussen die Artenzusammensetzung von Ökosystemen und können die Verbreitungsgebiete von Arten verändern, auch von Schadorganismen und Krankheitserregern. Warme und trockene Sommer begünstigen zum Beispiel die Verbreitung des Borkenkäfers in Fichtenwäldern. Speziell im Kanton Tessin beobachtet man eine Ausbreitung subtropischer Pflanzen aus Parks und Gärten oder der Tigermücke.

Die Hitzewelle des Sommers 2015 hat deutlich gemacht, dass ein wärmeres Klima auch Folgen für die Gesundheit haben kann. In der Schweiz stieg die Sterblichkeitsrate zwischen Juni und August 2015 um rund 5.4%.

Die kurzfristig gravierendsten Folgen haben aber möglicherweise nicht Änderungen der klimatischen Durchschnittswerte, sondern Extremereignisse wie Überschwemmungen, Dürren, Hitzewellen oder Stürme. Ein Trend lässt sich wegen der Seltenheit solcher Ereignisse statistisch schlecht belegen. Ihre Zunahme ist nach wissenschaftlichem Verständnis aber zumindest plausibel.


5. Globale und schweizerische Ziele zur Reduktion der Treibhausgasemissionen, Anpassungsstrategie (Massnahmen)   

Um die globale Klimaerwärmung zu begrenzen, muss der Ausstoss von Treibhausgasen deutlich reduziert werden. Auf globaler Ebene haben einige Staaten Reduktionsziele für die zweite Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokoll (2013-2020) definiert:

  • Die Schweiz verpflichtet sich zu einer Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen um 15.8% gegenüber 1990 im Durchschnitt der Jahre 2013-2020. Das Ziel der EU ist eine Emissionsreduktion um 20% in der gleichen Periode.
  • Neben der EU und der Schweiz haben sich auch Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen, Australien, Weissrussland, Kasachstan und die Ukraine bereit erklärt, eine verbindliche Reduktionsverpflichtung einzugehen. Damit deckt das Kyoto-Protokoll in der zweiten Periode ca. 14% der globalen Emissionen ab.

Auf nationaler Ebene verlangt das CO2-Gesetz (in Kraft seit dem 1.1.2013) eine Reduktion der im Inland emittierten Treibhausgase um mindestens 20% gegenüber 1990 im Jahr 2020. Dieses Reduktionsziel entspricht dem des Kyoto-Protokolls, mit dem Unterschied, dass es sich nur auf die Emissionen eines einzigen Jahres, anstatt auf die Durchschnittsemissionen einer Periode bezieht. Das CO2-Gesetz betrifft vor allem fossile Brenn- und Treibstoffe, erfasst aber neben CO2 auch alle anderen international geregelten Treibhausgase. Zudem schreibt es dem Bund eine koordinierende Rolle bei der Anpassung an den Klimawandel zu.

Die wichtigsten Massnahmen und Instrumente der CO2-Gesetzgebung sind:

  • Die CO2-Abgabe wird seit 2008 auf fossilen Brennstoffen (z.B. Öl, Gas, Kohle) erhoben und anteilsmässig an Bevölkerung und Wirtschaft zurückverteilt. Da das in der CO2-Verordnung definierte Zwischenziel für die CO2-Emissionen aus Brennstoffen verfehlt wurde, wird die CO2-Abgabe per 01.01.2018 von 84 auf 96 CHF pro Tonne CO2 erhöht.
  • Das Gebäudeprogramm fördert die energetische Sanierung von Gebäuden sowie Investitionen in erneuerbare Energien, die Abwärmenutzung und die Optimierung der Gebäudetechnik. Seit 2010 ist rund ein Drittel der Einnahmen aus der CO2-Abgabe auf Brennstoffe für die Finanzierung des Gebäudeprogramms zweckgebunden.
  • Der Emissionshandel ermöglicht es, Emissionen da zu reduzieren, wo die Kosten tief liegen. Mit Emissionsrechten handeln insbesondere Unternehmen und spezialisierte Händler. Die Schweiz strebt eine Verknüpfung mit dem Europäischen Emissionshandelssystem an.
  • Seit Juli 2012 gelten in der Schweiz analog zur EU CO2-Emissionsvorschriften für neue Personenwagen. Das Ziel von 130 Gramm CO2 pro Kilometer wurde 2015 um rund 5 Gramm verfehlt. Der neue Zielwert liegt bei 95 g CO2/km ab 2020.
  • Sowohl die Importeure von Treibstoff wie auch die Betreiber von fossil-thermischen Kraftwerken sind zur Kompensation von CO2-Emissionen durch Massnahmen im Inland verpflichtet.
  • Mit einem Technologiefonds fördert der Bund Innovationen, die Treibhausgase oder den Ressourcenverbrauch reduzieren oder den Einsatz erneuerbarer Energien begünstigen und die Energieeffizienz erhöhen. Bürgschaften erleichtern es innovativen Unternehmen, Darlehen aufzunehmen[GC2] .
  • Um die Wirkung der anderen gesetzlichen Massnahmen zu erhöhen und den freiwilligen Klimaschutz zu fördern, sieht das CO2-Gesetz neu auch Massnahmen in der Kommunikation und bei der Bildung und Beratung vor.

6. Internationale Klimapolitik

An der Klimakonferenz in Paris Ende 2015 wurde für die Zeit nach 2020 ein neues Übereinkommen verabschiedet, welches erstmals alle Staaten zur Reduktion der Treibhausgasemissionen verpflichtet. Damit wird die bisherige Unterscheidung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern weitestgehend aufgehoben.

Das Übereinkommen von Paris ist ein rechtlich verbindliches Instrument unter dem Rahmenüberein­kommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (Klimakonvention, UNFCCC). Es verpflichtet alle Staaten zur Formulierung von Emissionsreduktionszielen und sieht sukzessive Erhöhung dieser Reduktionsanstrengungen vor. Weiter verpflichtet es alle Staaten zur Anpassung an den Klimawandel und enthält Ziele und Bestimmungen in Bezug auf die finanzielle und technische Unterstützung von Entwicklungsländern. Erstmals basiert ein internationales Klimaabkommen auf weitestgehend gemeinsamen Grundsätzen für alle Staaten.

Das Abkommen ist seit November 2016 in Kraft. Die Schweiz hat das Übereinkommen von Paris am 6. Oktober 2017 ratifiziert. Sie ist damit ein Reduktionsziel von minus 50 Prozent bis 2030 gegenüber 1990 eingegangen, unter teilweiser Verwendung von ausländischen Emissionsminderungen. Bis 2050 hat die Schweiz zudem ein indikatives Gesamtreduktionsziel von minus 70 bis 85 Prozent gegenüber 1990 unter teilweiser Verwendung von ausländischen Emissionsreduktionen angekündigt.

Unter Präsident Trump haben die USA angekündigt, per Ende 2019 aus dem Übereinkommen von Paris  auszutreten. Diese Ankündigung muss noch formalisiert werden. Derweil sind die USA Vertragspartei des Übereinkommens. Trotz dieser Ankündigung hat die grosse Mehrheit der übrigen Vertragsstaaten, darunter China, die EU und Indien, an der Klimakonferenz Ende 2017 ihre ungebrochene politische Unterstützung für das Übereinkommen deutlich gemacht.

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Letzte Änderung 15.08.2018

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