Klima: Das Wichtigste in Kürze

Der Treibhausgasausstoss in der Schweiz hat zwischen 1990 und 2016 um 10 % abgenommen. Das Ziel, diesen bis 2020 um 20 % zu senken, bleibt eine Herausforderung. Zudem verursacht die Schweiz nicht nur im Inland Emissionen, sondern – durch den Import von Gütern – ebenso hohe im Ausland. Der Klimawandel äussert sich in der Schweiz überdurchschnittlich: Die mittlere Jahrestemperatur ist seit Messbeginn 1864 um 2°C gestiegen, gut doppelt so stark wie im globalen Mittel.


1. Mobilität, Wohnen, Ernährung, Import von Gütern (Ursachen)   

Der Mensch verändert durch die Emission von Treibhausgasen zunehmend die Zusammensetzung der Atmosphäre.

Der wachsende Güter- und Personenverkehr, insbesondere der Flugverkehr, und das Heizen des Gebäudebestandes führen zu einem grossen Verbrauch an fossilen Energieträgern. Bei der Verbrennung von Treibstoffen wie Benzin, Diesel oder Kerosin und von Brennstoffen wie Heizöl und Erdgas wird CO2 ausgestossen, das den natürlichen Treibhauseffekt verstärkt und zu einer Erwärmung der Erde führt.

Auch Landnutzungsänderungen und die Landwirtschaft tragen zur Anreicherung von Treibhausgasen wie CO2, Methan und Lachgas in der Atmosphäre bei..

Weiter fallen auch Treibhausgasemissionen im Industriesektor an sowie zu einem kleineren Teil in der Abfallwirtschaft. Der Konsum von importierten Gütern führt zu erheblichen Emissionen im Ausland, welche ebenfalls zur Erderwärmung beitragen.

Auch Finanzierungs- und Investitionsentscheide auf den Finanzmärkten beeinflussen die Umwelt und das Klima. So entscheiden heutige Investitionen z.B. in die Energieversorgung, wie viel Treibhausgase zukünftig ausgestossen werden.


2. Ausstoss von Treibhausgasen (Belastungen)  

Die Treibhausgasemissionen auf Schweizer Territorium sind seit 1990 um 10% gesunken. Die innerhalb der Schweiz 2016 in die Atmosphäre ausgestossene Menge an Treibhausgasen entspricht 48,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten (nicht eingerechnet ist der internationale Flug- und Schiffsverkehr). Dies entspricht einem Treibhausgas-Ausstoss von 5,8 t pro Kopf (davon CO2: 4,7 t).

Addiert man allerdings die durch Importgüter im Ausland verursachten Emissionen hinzu, beläuft sich das Total der Pro-Kopf-Emissionen auf mehr als das Doppelte (14t CO2-eq). Damit liegt der sogenannte Treibhausgas-Fussabdruck der Schweiz deutlich über dem weltweiten Durchschnitt von knapp 6 t CO2-eq.. Den von der planetaren Belastbarkeitsgrenze ableitbaren Schwellenwert von höchstens 0,6 t bis Ende des Jahrhunderts bzw. 1 - 1.5 t bis 2050 übersteigt er sogar um das mehrfache.

Zwischen 1990 und 2016 haben sich die Emissionen der verschiedenen Treibhausgase in der Schweiz wie folgt verändert:

  • der CO2-Austoss ist leicht zurückgegangen (11%).
  • die synthetischen Gase haben deutlich zugenommen (Faktor 7).
  • die Methan- und Lachgas-Emissionen, welche vor allem aus der Landwirtschaft stammen, haben abgenommen (um 18 und 17%).

Von den gesamten Treibhausgasemissionen in der Schweiz werden verursacht:

  • 32% durch den Verkehr (ohne Flugverkehr)
  • 27% durch Gebäude
  • 23% durch die Industrie
  • 18% durch die Landwirtschaft und Abfallbehandlung sowie den Ausstoss von synthetischen Gasen.

Die Entwicklung in der Schweiz läuft nicht in allen Sektoren gleich. Die Emissionen aus dem Verkehr gehen erst seit wenigen Jahren leicht zurück. Sie liegen 2016 immer noch 3% über dem Niveau von 1990. Hingegen konnten die Emissionen in den Sektoren Gebäude und Industrie um 23% bzw. 16% gegenüber 1990 gesenkt werden.


3. Klimaänderungen (Zustand)  

Die durchschnittliche Temperatur in der Schweiz hat seit Messbeginn (1864) um 2°C zugenommen und ist damit doppelt so hoch wie der globale Anstieg, der etwa 1°C beträgt. Die steigenden Temperaturen lassen sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts mit natürlichen Faktoren (z.B. Schwankungen der Sonnenstrahlung) nicht mehr erklären. 9 der 10 wärmsten je gemessenen Jahre in der Schweiz wurden im 21. Jahrhundert registriert.

Die Sommertage mit Maximaltemperaturen über 25°C haben zugenommen, während Frosttage mit Minimaltemperaturen unter 0°C abgenommen haben.

Weil die Niederschläge in Form von Schnee zurückgehen und die Sommer immer trockener und heisser werden, verlieren die Alpengletscher seit Mitte der 1970er-Jahre im Schnitt Jahr für Jahr 1% ihres Volumens. Setzt sich dieser Trend fort, drohen bis 2050 50–90% der Alpengletscher ganz zu verschwinden.

Die Vegetationsperiode hat sich seit den 1960er Jahren um etwa zwei bis vier Wochen verlängert. Die Niederschläge im Winterhalbjahr nahmen im Laufe des 20. Jahrhunderts im nördlichen und westlichen Alpenraum um 20–30% zu.

Es gibt auch erste Anzeichen, dass sich extreme Ereignisse häufen werden. So haben seit 1901 sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität von Starkniederschlägen an über 90% der Messstationen zugenommen.

Wenn die weltweiten Treibhausgasemissionen weiterhin ungebremst ansteigen, dürften bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts laut Klimaszenarien die jahreszeitlichen Mitteltemperaturen in der Schweiz um etwa 2 bis 3.3°C zunehmen (gegenüber der Periode 1981-2010) und bis zum Ende des 21. Jahrhunderts  um etwa 3.3 bis 5.4 °C . Falls die Emissionen gemindert werden (um mindestens 50% bis 2050 in Bezug auf 1990, was dem Ziel des Pariser Abkommens entspricht), könnte sich die Erwärmung bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts bei 0.7 bis 1.9°C und bis zum Ende Jahrhundert bei 0.6 bis 1.9°C stabilisieren.

Die Sommer werden gemäss Modellrechnungen trockener und die Abflussregimes dürften sich verändern. Zudem muss die Schweiz mit fortschreitenden Veränderungen der Wetterextrema rechnen, beispielsweise mit mehr Hitzewellen und Starkniederschlagsereignissen und weniger Kälteperioden.


4. Gesundheit, Biodiversität, Land- und Waldwirtschaft, Energie, Wasserwirtschaft, Tourismus, Gebäude und Infrastrukturen (Auswirkungen)

Die Veränderung des Klimas beeinflusst als Treiber andere Umweltthemen und hat grosse Auswirkungen auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft. Als Alpenland ist die Schweiz besonders stark betroffen.

Die Gefährdung in der Schweiz durch Hochwasser und Massenbewegungen (Felsstürze, Steinschlag, Murgänge) kann sich durch vermehrt auftretende Starkniederschläge bzw. durch die steigende Nullgradgrenze (Schnee- und Gletscherschmelze, Auftauen des Permafrostes) akzentuieren.

Die Hitzewelle des Sommers 2015 hat deutlich gemacht, dass ein wärmeres Klima auch Folgen für die Gesundheit haben kann, insbesondere in dicht bebauten Agglomerationen. In der Schweiz starben zwischen Juni und August 2015 rund 800 Menschen mehr als in einem normalen Jahr, was einem Anstieg der Sterblichkeitsrate von 5,4% entspricht.

Temperaturänderungen beeinflussen die Artenzusammensetzung von Ökosystemen und können die Verbreitungsgebiete von Arten verändern, auch von Schadorganismen und Krankheitserregern. Warme und trockene Sommer begünstigen zum Beispiel die Verbreitung des Borkenkäfers in Fichtenwäldern.

Eine direkte Folge steigender Temperaturen ist der Anstieg der Schneefallgrenze, womit sich die Schneesicherheit von tiefer gelegenen Wintersport-Orten verschlechtert.  Zunehmende Trockenheit kann lokal zu Wasserknappheit und Nutzungskonflikten führen.

Die kurzfristig gravierendsten Folgen haben aber möglicherweise nicht Änderungen der klimatischen Durchschnittswerte, sondern Extremereignisse wie Überschwemmungen, Dürren, Hitzewellen oder Stürme. 


5. Globale und schweizerische Ziele zur Reduktion der Treibhausgasemissionen und Anpassung an den Klimawandel (Massnahmen)   

Den Rahmen für die Klimapolitik nach 2020 steckt das Übereinkommen von Paris. Die internationale Staatengemeinschaft hat sich 2015 darin das Ziel gesetzt, den durchschnittlichen globalen Temperaturanstieg gegenüber der vorindustriellen Zeit auf deutlich unter 2 C° zu begrenzen und eine maximale Erwärmung von 1,5 C° anzustreben. Bis in die zweite Hälfte des Jahrhunderts müssen die weltweiten Treibhausgasemissionen daher netto Null betragen. Das bedeutet, dass langfristig keine fossilen Emissionen mehr in die Atmosphäre gelangen dürfen.

Mit der Ratifizierung des Übereinkommens von Paris hat sich die Schweiz verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 50% gegenüber 1990 zu senken.

Für die Klimapolitik bis 2020 haben auf globaler Ebene einige Staaten Reduktionsziele für die zweite Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokoll (2013–2020) definiert. Unter anderem hat sich die Schweiz zu einer Reduktion der Treibhausgasemissionen um 15,8% gegenüber 1990 im Durchschnitt der Jahre 2013 - 2020 verpflichtet.

Auf nationaler Ebene verlangt das geltende CO2-Gesetz (in Kraft seit dem 1.1.2013) eine Reduktion der im Inland emittierten Treibhausgase um mindestens 20% gegenüber 1990 im Jahr 2020. Dieses Reduktionsziel entspricht der internationalen Verpflichtung der Schweiz im Kyoto-Protokoll. Zudem schreibt das CO2-Gesetz dem Bund eine koordinierende Rolle bei der Anpassung an den Klimawandel zu.

Gemäss Botschaft zur Totalrevision des CO2-Gesetzes vom 1. Dezember 2017 sollen die bewährten Massnahmen nach 2020 fortgeführt und weiterentwickelt werden. Die wichtigsten Massnahmen und Instrumente der CO2-Gesetzgebung sind:

  • Die CO2-Abgabe wird seit 2008 auf fossilen Brennstoffen (z.B. Öl, Gas, Kohle) erhoben und anteilsmässig an Bevölkerung und Wirtschaft zurückverteilt. Sie beträgt seit dem 1. Januar 2018 96 CHF pro Tonne CO2.
  • Das Gebäudeprogramm fördert die energetische Sanierung von Gebäuden sowie Investitionen in erneuerbare Energien, die Abwärmenutzung und die Optimierung der Gebäudetechnik. Seit 2010 fliessen ein Drittel der Einnahmen aus der CO2-Abgabe in das Gebäudeprogramm.
  • Der Emissionshandel ermöglicht es, Emissionen da zu reduzieren, wo die Kosten tief liegen. Die Schweiz strebt eine Verknüpfung mit dem Europäischen Emissionshandelssystem an. Ein entsprechendes Abkommen mit der EU wurde am 23. November 2017 unterzeichnet.
  • Seit Juli 2012 gelten in der Schweiz analog zur EU CO2-Emissionsvorschriften für neue Personenwagen. Das Ziel von 130 Gramm CO2 pro Kilometer wurde 2015 um rund 5 Gramm verfehlt. Der neue Zielwert liegt bei 95 g CO2/km ab 2020.
  • Die Importeure von Treibstoff sind zur Kompensation von CO2-Emissionen durch Massnahmen im Inland verpflichtet. Der Kompensationssatz wird laufend erhöht: Im Jahr 2018 und 2019 liegt er bei 8% und 2020 wird er auf 10% ansteigen.
  • Mit einem Technologiefonds fördert der Bund Innovationen, die Treibhausgase oder den Ressourcenverbrauch reduzieren oder den Einsatz erneuerbarer Energien begünstigen und die Energieeffizienz erhöhen.
  • Um die Wirkung der anderen gesetzlichen Massnahmen zu erhöhen und den freiwilligen Klimaschutz zu fördern, sieht das CO2-Gesetz das «Klimaprogramm Bildung und Kommunikation» vor. Der Bund fördert damit die Integration des Themas Klimaschutz in der Berufsbildung und stellt Informationen und Beratungen für Energiestädte und Gemeinden bereit.

Die Energiepolitik ist mit der Klimapolitik abgestimmt. Mit der am 1. Januar 2018 in Kraft gesetzten neuen Energiegesetzgebung im Rahmen der Energiestrategie 2050 werden erneuerbare Energien gefördert, das Gebäudeprogramm wird verstärkt und zur Steigerung der Effizienz von Fahrzeugen werden die CO2-Vorschriften verschärft.

Der Bund hat die Risiken und Chancen des Klimawandels identifiziert und priorisiert. Zudem verfügt er über eine Strategie zur Anpassung an den Klimawandel. Im Aktionsplan hat er über 60 Massnahmen festgelegt, welche bis 2019 von den zuständigen Bundesämtern abgeschlossen oder umgesetzt sein werden. Weiter werden im Rahmen eines Pilotprogramms innovative Projekte zur Anpassung an den Klimawandel finanziell unterstützt. Ausserdem hat der Bund 2015 das «National Centre for Climate Services (NCCS)» ins Leben gerufen.

Im Rahmen internationaler Verpflichtungen beteiligt sich die Schweiz an der Finanzierung von Emissionsreduktions- und Anpassungsmassnahmen in Entwicklungsländern durch öffentliche und die Mobilisierung privater Mittel. Im Jahr 2016 beteiligte sich die Schweiz mit 330 Millionen US-Dollar aus öffentlichen Quellen. Zudem mobilisierte sie ungefähr 100 Millionen US-Dollar aus privaten Quellen für Klimaschutzmassnahmen in Entwicklungsländern.

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Letzte Änderung 30.11.2018

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