Lärm und Erschütterungen: Das Wichtigste in Kürze

Ruhe ist nicht nur eine wertvolle Ressource für Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung, sondern auch ein bedeutender Standortfaktor. Jede siebte Person in der Schweiz ist am Tag übermässigem Verkehrslärm ausgesetzt. Das Bevölkerungs- und Mobilitätswachstum sowie die Verdichtung des Siedlungsraums werden die Lärmproblematik in Zukunft weiter verstärken. Gleichzeitig steigt das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung.


1. Bedürfnis nach Mobilität, 24h-Gesellschaft, Verdichtung, Ansprüche an die Lebensqualität? (Ursachen)

Die Mobilität nimmt in der Schweiz immer weiter zu: Der motorisierte Personenverkehr hat sich seit 1970 verdoppelt, der Handelsverkehr verdreifacht.

Mit dem Trend zur 24h-Gesellschaft werden die Zeiten für Ruhe, Arbeit und Freizeit zunehmend vermischt. Gleichzeitig nimmt die Verdichtung der Siedlungsräume zu. Das Gesundheitsbewusstsein und die Ansprüche an die Lebensqualität steigen. Damit nimmt das Lärmkonfliktpotenzial zu, Ruheorte werden gefährdet.


2. Lärmemissionen und Erschütterungen (Belastungen)

Der Strassenverkehr ist der Lärmverursacher, von dem schweizweit am meisten Personen betroffen sind. Nach ihm folgen die Eisenbahn und der Flugverkehr. Dank technischer Fortschritte sind die Fahrzeuge zwar leiser geworden. Doch aufgrund der Verkehrszunahme sind die Lärmemissionen insgesamt nicht gesunken.

Weitere Lärmquellen sind Schiessanlagen, Industrie- und Gewerbeanlagen, Maschinen, Baustellen und Alltagsaktivitäten (Nachbarschaftslärm, Musik, Rasenmäher usw.)

Hauptquelle von Erschütterungen und abgestrahltem Körperschall ist der Eisenbahnverkehr


3. Bevölkerung noch ungenügend geschützt (Zustand)

In der Schweiz ist tagsüber jede 7. Person (1.1 Mio. Menschen) an ihrem Wohnort Verkehrslärmbelastungen ausgesetzt, die über den Immissionsgrenzwerten der Lärmschutzverordnung liegen. Auch während der Nacht leidet jede 8. Person (1 Mio. Menschen)  unter schädlichem oder lästigem Verkehrslärm. Betroffen sind rund 600‘000 Wohneinheiten am Tag, in der Nacht sind es knapp 530‘000.

Das Ziel gemäss Bundesverfassung, die Bevölkerung vor übermässigem Lärm zu schützen, ist damit noch nicht erreicht. Die durchgeführten Sanierungsprojekte bieten nicht überall effektiven Schutz. Denn oft wurden Erleichterungen gewährt, die eine Überschreitung der Belastungsgrenzwerte zulassen. Wegen des Verkehrs- und Bevölkerungswachstums und der räumlichen Entwicklung sind heute mehr Personen von Lärm über den Grenzwerten betroffen als bei Inkrafttreten der Lärmschutzverordnung (1987).

Der Verkehrslärm ist in erster Linie ein Umweltproblem der Städte und Agglomerationen. Über 90 % der Personen, die von schädlichem oder lästigem Verkehrslärm betroffenen sind, leben in und um grössere Zentren. In den verdichteten Wohngebieten der Agglomerationen nimmt auch der Lärm von Alltags- oder Freizeitaktivitäten tendenziell zu

Die subjektiv empfundene Lärmbelastung wird periodisch erhoben. Die Befragungen zeigen, dass der Anteil der Bevölkerung, die sich zuhause bei offenem Fenster durch Verkehrslärm gestört fühlen, ähnlich hoch ausfällt wie die objektiv berechnete Lärmbelastung.

Unter Erschütterungen im Bereich der Immissionsgrenzwerte leiden in der Schweiz gemäss Schätzungen des BAFU rund 40'000 Personen.


4. Gesundheitliche und wirtschaftliche Auswirkungen (Auswirkungen)  

Die ständige Lärmbelastung durch Umgebungslärm (Verkehrs-, Nachbarschafts- oder Freizeitlärm) führt selten zu einer direkten Schädigung des Gehörs. Hingegen macht die dauernde Lärmbelastung krank. Der menschliche Körper reagiert auf störende Geräusche mit der Ausschüttung von Stresshormonen.

  • Die Folgen sind eine erhöhte Herzfrequenz und erhöhte Blutdruckwerte, was zu Herzkrankheiten bis hin zum Herzinfarkt führen kann.
  • Wird der Mensch nachts im Schlaf beeinträchtigt, kann er sich nicht mehr im nötigen Umfang erholen. Unmittelbare Folgen davon sind chronische Ermüdungszustände, Nervosität, erhöhte Reizbarkeit und eine reduzierte Leistungsfähigkeit.
  • Die Schweizer Bevölkerung verliert jedes Jahr rund 46‘000 Lebensjahre (DALY), die ohne Verkehrslärm bei einwandfreier Gesundheit hätten gelebt werden können (WHO Schätzungen)

Auch volkswirtschaftlich führt Lärm zu Einbussen: Exponierte Liegenschaften verlieren an Wert, verlärmte Gebiete sind weniger attraktiv zum Wohnen und Arbeiten und die gesundheitlichen Folgen der Lärmbelastung gehen ins Geld. Die externen Kosten, die Verkehrslärm verursacht, beliefen sich im Jahr 2015 auf 2'611 Mio. Franken. Davon entfielen 2'090 Mio. Franken (80%) auf den Strassenverkehr.

Mit steigendem Lärm verändert sich in der Regel auch die soziale Zusammensetzung der Wohnbevölkerung am betreffenden Ort. Es findet eine soziale Entmischung statt: Wer es sich leisten kann, zieht an einen ruhigeren Ort.

Das Umziehen in ruhigere Wohngebiete führt wiederum zu einer zunehmenden Lärmbelastung, da dies das Mobilitätsbedürfnis der Bevölkerung fördert. Mit neuen und ansteigenden Verkehrsströmen entstehen zusätzliche Lärmprobleme in vormals ruhigen Gebieten und akustisch wertvolle Erholungszonen werden zusätzlich tangiert.

 


5. Lärm an den Quellen vermeiden und die natürliche Ressource «Ruhe» schützen  (Massnahmen)  

Gesetzliche Grundlagen für die Lärmbekämpfung sind das Umweltschutzgesetz und die Lärmschutzverordnung. Das Gesetz sieht vor, den Lärm primär an der Quelle zu reduzieren, indem jeweils der neueste Stand der Technik zur Lärmvermeidung verwendet wird. Werden die Belastungsgrenzwerte nicht eingehalten, muss der Inhaber der lärmigen Anlage weitere Massnahmen ergreifen.

Im Strassenverkehr kann der Lärm z. B. mit folgenden Massnahmen reduziert werden: 

  • Lärmarme Strassenbeläge
  • Einsatz leiser Reifen
  • Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit
  • Angepasste Fahrweise
  • Verkehrsberuhigende Massnahmen  

Da in der Schweiz die Siedlungsentwicklung mit verdichtetem Bauen vermehrt nach innen gelenkt wird, die Bevölkerung zunimmt und der Verkehr wächst, werden Massnahmen an der Quelle immer wichtiger, um einen akustisch angenehmen Wohn- und Lebensraum zu sichern. Aber auch die Ressource «Ruhe» muss konsequent geschützt werden. Die Bevölkerung benötigt erreichbare, ruhige Gebiete innerhalb und ausserhalb der Siedlungsgebiete.

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Letzte Änderung 29.04.2016

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