Klassierung von Sonderabfällen nach Eigenschaften

Das Abfallverzeichnis im Anhang 1 der Verordnung des UVEK über Listen zum Verkehr mit Abfällen enthält 173 Einträge, die als Sonderabfälle zu klassieren sind, wenn sie gefährliche Stoffe enthalten oder damit verunreinigt sind.

Bei diesen Einträgen muss geprüft werden, ob die betreffenden Abfälle gefährliche Stoffe in einer solchen Menge enthalten, dass sie gefährliche Eigenschaften aufweisen. Als gefährlich gelten dabei insbesondere diejenigen Eigenschaften, die im Anhang III des Basler Übereinkommens aufgelistet sind (Anh. 1 Ziff 1.1. Abs. 3 der Verordnung des UVEK über Listen zum Verkehr mit Abfällen sind Abfälle). Für die meisten dieser gefährlichen Eigenschaften enthält das Basler Übereinkommen jedoch keine konkreten Bestimmungs- bzw. Herleitungskriterien. Stattdessen wird entweder auf die Empfehlung der Vereinten Nationen über die Beförderung gefährlicher Güter (ST/SGAC. 10/1/Rev. 5) oder auf weitere zu entwickelnde nationale Prüfverfahren verwiesen. Damit der Prüfaufwand so klein wie möglich gehalten werden kann, soll auf bestehende Regelungen abgestützt werden. Diese enthalten in der Regel auch etablierte Prüfverfahren.

Insbesondere für Abfälle von gebrauchten Chemikalien können oft mit den zur Verfügung stehenden Informationen (z.B. aus Sicherheitsdatenblättern oder Kennzeichnungen) und wenigen chemischen Analysen die UN-Gefahrenklasse nach der Empfehlung der Vereinten Nationen über die Beförderung gefährlicher Güter (umgesetzt im Europäischen Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Strasse, ADR) ermittelt oder die gefährlichen Eigenschaften nach der ChemV hergeleitet werden. Im Weiteren sollen Abfälle, soweit möglich, auch aufgrund der in der Abfallwirtschaft üblichen analytischen Methoden und den dabei ermittelten Elementgehalten oder Summenparametern auf ihre gefährliche Eigenschaften untersucht werden können.  Nur bei einem begründeten Verdacht oder wenn davon auszugehen ist, dass der Abfall gefährliche Eigenschaften aufweist, sind zusätzliche Untersuchungen durchzuführen. Werden keine Untersuchungen durchgeführt, ist anzunehmen, dass der Abfall gefährliche Eigenschaften aufweist.

Die nachfolgende Tabelle enthält die Liste der gefährlichen Eigenschaften nach Anh. III des Basler Übereinkommens sowie weitere Eigenschaften, die nach Art. 2 Abs. 2 Bst. b VeVA umfassende besondere technische und organisatorische Massnahmen erfordern, um Abfälle umweltverträglich zu entsorgen. Die anzuwendenden Kriterien werden in den entsprechenden Unterrubriken erläutert. Die Unterrubriken werden direkt via Tabelle oder über die Navigation in der linken Spalte gefunden.

Nach diesen Kriterien wird beurteilt, ob der Abfall gefährliche Stoffe in einem Ausmass enthält oder in einem Ausmass mit solchen verunreinigt ist, dass er eine gefährliche Eigenschaft aufweist. Führt die Anwendung der Kriterien zu widersprüchlichen Resultaten, ist grundsätzlich das restriktivere Kriterium zu berücksichtigen. Die Behörde kann in begründeten Fällen und nach Rücksprache mit dem BAFU davon abweichen. Fehlen für bestimmte Stoffe geeignete Kriterien legt das BAFU diese nach den Vorschriften der Umwelt- oder Gewässerschutzgesetzgebung fest.

H1    Explosivstoffe Ein explosiver Stoff
oder Abfall ist ein
fester oder flüssiger
Stoff oder Abfall
(oder ein Gemisch
aus Stoffen oder
Abfällen), der selb-
ständig durch
chemische Reaktion
Gas mit einer Tem-
peratur, einem Druck
und einer Geschwin-
digkeit erzeugen kann,
dass Schäden in der
Umgebung entstehen.
  Entzündbare
Gase
 
H3 Entzündbare
Flüssigkeiten
Entzündbare Flüssig-
keiten sind Flüssig-
keiten oder Flüssig-
keitsgemische oder
Flüssigkeiten, die
Feststoffe in Lösung
oder Suspension
enthalten (z. B. Far-
ben, Firnisse, Lacke
usw., jedoch keine
Stoffe oder Abfälle,
die aufgrund ihrer
Gefahreneigen-
schaften unter eine
andere Gruppe
fallen) und bei einer
Temperatur von
nicht mehr als
60,5°C, Versuch im
geschlossenen
Tiegel, oder bei nicht
mehr als 65,6°C,
Versuch im offenen
Tiegel, entzündbare
Dämpfe entwickeln.
(Da die Ergebnisse
der Versuche im
offenen und im
geschlossenen Tiegel
nicht streng vergleich-
bar sind und sogar
bei gleichem Versuch
die einzelnen Ergeb-
nisse oft unterschiedlich
sind, würden von den
vorstehenden Werten
abweichende Vor-
schriften, die diese
Unterschiede berück-
sichtigen, dem Geist
dieser Begriffsbestim-
mung entsprechen.)
H4.1 Entzündbare
Feststoffe
Feststoffe oder Fest-
stoffabfälle, die nicht
als Explosivstoffe
eingeteilt und unter
Beförderungsbedin-
gungen leicht brenn-
bar sind oder durch
Reibung einen
Brand auslösen oder
zu seiner Entstehung
beitragen können.
H4.2 Selbstent-
zündbare
Stoffe oder

Abfälle
Stoffe oder Abfälle, die
sich unter den üblichen
Beförderungsbedingun-
gen von selbst oder bei
Luftzutritt erhitzen und
sich dann entzünden
können.
H4.3 Stoffe oder
Abfälle,  die
in Berührung
mit Wasser
entzündbare
Gase entwickeln
Stoffe oder Abfälle, die
sich durch Reaktion mit
Wasser selbst entzün-
den oder gefährliche
Mengen entzündbarer
Gase freisetzen können.
H5.1 Oxidierende Stoffe Stoffe oder Abfälle, die
zwar selbst nicht
zwangsläufig entzünd-
bar sind, die jedoch
im Allgemeinen durch
Freisetzen von Sauer-
stoff das Entzünden
anderer Stoffe aus-
lösen oder dazu bei-
tragen können.
H5.2 Organische Peroxide Organische Stoffe oder
Abfälle, welche die
bivalente O-O-Struktur
enthalten, sind wärme-
instabile Stoffe, bei
denen eine exotherme
Zersetzung unter
Selbstbeschleunigung
eintreten kann.
H6.1 Giftige Stoffe
(mit akuter
Wirkung)
Stoffe oder Abfälle, die
durch Einnahme, Ein-
atmen oder Durch-
dringen der Haut beim
Menschen den Tod
oder schwere Ver-
letzungen herbeifüh-
ren oder die mensch-
liche Gesundheit
gefährden können.
H6.2 Infektiöse
Stoffe
Stoffe oder Abfälle, die
lebensfähige Mikro-
organismen oder deren
Toxine enthalten, die
erwiesenermassen oder
vermutlich bei Tieren
oder Menschen Erkran-
kungen hervorrufen.
H8 Ätzende
Stoffe
Stoffe oder Abfälle, die
bei Berührung durch
chemische Reaktion
schwere Schäden an
lebendem Gewebe her-
vorrufen oder im Leck-
fall andere beförderte
Güter oder das Beför-
derungsmittel selbst
erheblich beschädigen
oder sogar zerstören
können; sie können
auch andere Gefahren
verursachen.
  Reizende
Stoffe
 
  Sensibili-
sierende
Stoffe
 
H10 Freisetzen
toxischer
Gase bei
Kontakt mit
Luft oder
Wasser
Stoffe oder Abfälle, die
durch Reaktion mit Luft
oder Wasser toxische
Gase in gefährlichen
Mengen freisetzen
können.
  Freisetzen
toxischer
Gase bei
Kontakt
mit Säure
 
H11 Toxische Stoffe
(mit verzögerter
oder chronischer
Wirkung)
Stoffe oder Abfälle, die
durch Einatmen, Ein-
nahme oder Durch-
dringen der Haut eine
verzögerte oder
chronische Wirkung,
einschliesslich Kar-
zinogenität, zur
Folge haben können.
H12 Ökotoxische
Stoffe 
Stoffe oder Abfälle, die
nach Freisetzen durch
Bioakkumulation und/
oder toxische Wirkung
auf Lebenssysteme
sofort oder später
nachteilige Auswirkun-
gen auf die Umwelt
haben oder haben
können.
H13 Stoffe, die auf
irgendeine Weise
 nach der Ent-
sorgung andere
Substanzen
erzeugen
Stoffe, die auf irgend-
eine Weise nach der
Entsorgung andere
Substanzen erzeugen
können, wie etwa
Sickerstoffe, die eine
der vorstehend auf-
geführten Eigen-
schaften besitzen.

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Letzte Änderung 28.03.2017

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